Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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■J8 14 . DIEJ^ELT 14. Juni 1904 der Jüdische Frauenbund als Verband der jüdischen Frauenvereine Deutschlands gegründet worden. Als greifbare Erfolge des Bundes sind schon jetzt anzuführen die Gründung eines Heims für gefallene oder gefährdete Frauen und Mädchen bei Frankfurt a. M., die Entsendung von drei Oamen in das jüdische Zweigkomitee zur Bekämpfung des Mädchenhandels, welches dem Internationalen Bund gegen Mädchenhandel angegliedert ist, und die Mitarbeit am Werke des Hilfsvereins für deutsche Juden. — Nach einigen überleitenden Worten von Frl. Pappenheim-Frankfnrt begann Frl. Werner-Hamburg ihren Vortrag: „Die Kulturaufgabe der jüdischen Frau". - Nachdem die jüdische Frau Jahrhunderte lang nur im Bannkreis des Hauses gewirkt hat, fordert auch sie heute Anteil am öffentlichen Leben, Frauen, nicht Damen sollen wir erziehen. Dieselben Bildungsmöglichkeiten wie unseren Söhnen sollen den Töchtern geboten werden. So müssen auch die jüdischen Mädchen Kenntnis erlangen von der Geschichte und Sprache ihres Volkes; dann erst können sie uns zu Mitkämpferinnen werden. Ehe die jüdischen Frauen nach fernen und allgemeinen Zielen streben, müssen sie eigene, dringendere Kulturarbeiten erledigen. Sie müssen z. B. Anteil am Gemeindeleben zu erlangen suchen und für die gleichberechtigte Anstellung jüdischer. Lehrerinnen eintreten. Die alten Wohltätigkeitsvereine reichen heute nicht mehr aus. Nicht materielle Hilfe allein kann nützen, sondern nur persönliche Anteilnahme. Unter den zahlreichen Aufgaben wäre besonders hervorzuheben die Fürsorge für Säuglinge, für verwahrloste Kinder, fürjugendliche Verbrecher. Zur gedeihlichen Entwicklung ist ein Anschluß der jüdischen Frauenvereine an den Bund unbedingt nötig. Nur dann kann er sein Ziel, den Ausbau sozialer jüdischer Frauenarbeit, erreichen. Nach einigen warmen Dankesworten von Frau Neisser an die Vortragende, begrüßte Frl. Pappenheim das anwesende Ehrenmitglied des Bundes Lina Morgenstern-Berlin und wies noch besonders auf zwei Arbeitsfsbiete hin: die Stellenvermittlung und die Fürsorge für sittlich chutzbedürftige. In der darauffolgenden angeregten Diskussion sprachen Frl. Freyhan, Frl. Pappenheim, Frau Lina Morgenstern und Herr Rabbiner Dr. Guttmann. Frau Justizrat Heilberg schloß die Versammlung mit der Aufforderung an die jüdischen Frauenvereine Breslaus, sich dem Bunde abzuschließen. Verein jüdischer Studenten Der die „Vereine Jüdischer Studenten" an den deutschen Hochschulen umfassende „Bund jüdischer Korporationen" (B.J. C.) blickt auf ein erfolgreiches Semester zurück. Mit seinen neun Kartellvereinen (zwei Vereine an der Universität Berlin und je ein Verein an den Universitäten München, Breslau, Straßburg, Freiburg, Königsberg, Marburg und an der Charlottenburger Technischen Hochschule), die insgesamt etwa 450 Mitglieder zählen, ist er die größte jüdische Studentenorganisation Deutschlands, und entsprechend der von ihm vertretenen Idee des selbstbewußten Judentums, die allmählich in alle jüdischen Kreise zu dringen beginnt, ist er in stetigem Wachsen begriffen. Diese Größe der Organisation legte dem Bunde die Veqjflichtung auf, auch für das spätere Fortkommen seiner Mitglieder zu sorgen, und da es überhaupt im Interesse des B. J. C. liegt, Leute jüdischer Gesinnung auf verantwortungsvolle Posten zu stellen, hat er im letzten Semester mit der Schaffung eines jüdischen Arbeitsamtes, d. h. eines sich über ganz Deutschland erstreckenden jüdischen Arbeitsnachweises für alle akademischen Berufe, begonnen, ein Unternehmen, das natürlich noch in den ersten Anfängen steckt,' von dem aber schon jetzt gesagt werden kann, daß es für die jüdische Kräfteverteilung und daher für das gesamte jüdische Leben Deutschlands von weittragender Bedeutung werden kann. Wir werden über diese Institution, die natürlich nicht nur Mitgliedern des B. J. C. zugute kommen soll, seinerzeit ausführlicher berichten. In den einzelnen Vereinen verging das verflossene Semester in der gewohnten Weise. Fuchsenstunden und Fuchsenprüfungen machten die jüngern Mitglieder mit den wichtigsten Fragen der jüdischen Gegenwart und den wichtigsten Dingen der jüdischen Geschichte vertraut, Kurse über jüdische Geschichte, Hebräische Sprachkurse oder Palästinakurse fanden in allen Vereinen statt, Diskussionsabende gaben den Mitgliedern der einzelnen Vereine Gelegenheit, ihre Gedanken auszutauschen, und die von dem in Berlin tagenden Präsidium des Bundes herausgegebene interne Monatsschrift „Der Jüdische Student", hielt die Einheit des Bundes aufrecht und stellte allgemein interessierende Dinge zur Diskussion. Dabei ist es natürlich, daß im Sommersemester die Geselligkeit ganz besonders zu ihrem Rechte kam; durch Ausflüge, Kneipen, Schwimmen, Rudern usw. suchten sich die Bundesbrüder einander näherzukommen; auch bot sich hierdurch eine erwünschte NO. 41- Gelegenhert in der Bürgerschaft der verschiedenen Universitätsstädte bekannt zu werden. Jede Auskunft über alle den B. J. C. betreffenden Fragen erteilt bereitwilligst der Schriftführer des Bundespräsidiums, cand. ehem. Arnold Hildesheimer, Berlin N. 24, Friedrichstraße 130. ([^KORRESPONDENZEN^ Zürich, den 4. Oktober 1908. Sehr geehrte Redaktion! In Nr. 39 Ihrer werten Zeitschrift haben Sie die Freundlichkeit, sich mit einem von mir verfaßten Aufsatz zu beschäftigen, den das hebräische Tageblatt Haed ha-Sman vor kurzem brachte. Da Sie in ihren Zeilen auch eine direkte Anfrage an mich richten, so gehe ich wohl in der Annahme nicht fehl, daß Sie eine Antwort auf Ihre liebenswürdigen Erwiderungen aufnehmen werden. Zuvor möchte ich jedoch folgendes bemerken: Der bezeichnete Aufsatz ist von mir nicht unterzeichnet: Mitglied des Zionistischen Landeskomitees der Schweiz. Wenn die Redaktion diese Titulatur unter meinen Namen gesetzt hat, so handelte sie aus eigener Machtvollkommenheit. Ich erwähne dies, um nicht etwa den Anschein zu erwecken, als ob ich den Artikel im Auftrage meiner Kollegen vom Schweiz. Landeskomitee geschrieben hätte. Was_den Aufsatz selbst anbetrifft, so befinden sich in Ihrer werten Obersetzung einige Fehler, bei denen ich allerdings nicht weiß, ob ich die Schuld dafür Ihnen zuschreiben muß oder dem Herrn, der meinen Artikel ins Hebräische übersetzt hat. Ich erlaube mir jedoch, einiges davon richtig zu stellen. In dem Original meines Aufsatzes heißt es nicht, daß Herzl 1903 von der Kongreßtribüne in Basel die bekannte Erklärung abgegeben hat, sondern auf dem Kongreß — was hier, wie so oft, lediglich eine Zeitbestimmung ist. Ferner spreche ich nicht von einer Unaufrichtigkeit in der Resolution der Jatrreskonferenz, sondern" wörtlich: „Beinahe sah es aus, als ob sie (die Resolution) von einem schlechten Gewissen diktiert worden sei." Auch sage ich nicht, daß der große Moment ein. „Zwergengeschlecht", sondern ein schwaches Geschlecht gefunden habe. Wichtiger als. diese Nebensächlichkeiten ist der Umstand, daß Sie in Ihrer Übersetzung einen bedeutsamen Absatz, der von der staatsbürgerlichen Stellung der Juden im Verhältnis zum Zionismus und insbesondere der Türkei gegenüber handelt, fortgelassen haben; nur durch diesen Absatz aber ist es möglich, zu verstehen, was ich unter einer zionistischen Organisation begreife, „die wirklich von einem nationalen Geiste beseelt ist". Abgesehen von diesen Kleinigkeiten möchte ich mir nun erlauben, auf Ihre sachlichen Vorhaltungen z. T. einzugehn. Ebenfalls der Reihe nach: 1. Es ist mir niemals eingefallen, „Herzls Autorität als die eines weitschauenden Politikers herabzusetzen". Im Gegenteil glaube ich, daß ohne den Tod dieses hervorragenden Mannes die Begeisterung in unsern Reihen nicht so entschwunden wäre, wie es jetzt der Fall ist. Im übrigen habe ich meinen Standpunkt, den ich in der Heed ha-Sman vertrat, schon früher eingenommen. Anfang des Jahres 1904 legte ich Theodor Herzl ein Expose über die zionistische Politik vor (von dem ich heute manches auch nicht billige), in dem ich schrieb, daß nicht die Türkei, sondern wir die Garantien zu geben hätten, im übrigen aber die Auffassung einer rein türkischzionistischen Politik empfahl — ohne Rücksicht auf die Mächte, einzig und allein im Vertrauen auf die Lebensfähigkeit der Türkei. Ich erhielt auf das lange Expose einige freundliche Schreiben von Herzl — das war alles. Die dokumentarischen Beweise stehen zu Ihrer Verfügung. 2. Die Einberufung des Kongresses für bald halte ich nach wie vor für dringend notwendig. Ich teile Ihren Standpunkt zum großen Teil, daß „nicht neue Formeln fehlen, uns fehlen die begeisterten Massen". Aber was Sie in Köln und ebensowenig wir in den Landesorganisationen im stände sind hervorzubringen: die' Begeisterung, das könnte der Kongreß im gegenwärtigen Moment wohl schaffen. Ich teile hier vollständig die Meinung unseres Gg. Trietsch, der auf der Jahreskonferenz die jährliche Abhaltung des Kongresses -empfahl. Das kostet zwar mehr — bringt aber auch mehr ein. 3. Ich bin weit davon entfernt, von „Köln", der „Regierung", den „Weltoffiziellen" usw. in dem üblichen Sinne zu sprechen. Es <~ ^it^—sJas s^sSäS^ää&iS