Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 41 (16.10.1908)
- Date
- 1908-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 41 DJE^LT FEUILLETON DAS LAND ISRAEL Von Jacobus Kann Vorwort*) - Erez Israel, das Jüdische Land, würde im Altertum Kanaan genannt, das ist Niederland. Und in der Tat erinnert der niedrig gelegene Teil von Judäa, besonders das Küstenland, an die holländische Landschaft. Als niederländischer Jude empfand ich dies mit Freude; dehn obgleich ich mich mit ,dem alten jüdischen Volke eins -fühle, so bin ich doch zugleich ein Niederländer und nicht weniger mit Niederland verbunden, ' das ich liebe, wie man nur sein Geburtsland lieben kann. Während einer fast" dreimonatigen Reise in Palästina und Syrien im Frühjahr 1907 habe ich Tag für Tag neue Eindrücke, empfangen,, und ich habe nun versucht, diese auf den folgenden Seiten so treu wie möglich wiederzugeben, oft mit Hinzufügung von Schlußfolgerungen, zu denen ich nach der Verarbeitung meiner Eindrücke gelangt bin. Nach bestem Wissen habe ich meine Meinung dargelegt, und ich hoffe, daß man den hier ausgesprochenen Ansichten einigen Wert nicht-absprechen wird. Ich habe versucht, so objektiv wie möglich alles, was ich sah und hörte, und was ich für bemerkenswert hielt, aufzuzeichnen. Manche Auskunft Verdanke ich Herrn Saphir, dem Subdirektor der Anglo Palestine Company in Jaffa, der mich auf einem Teil meiner Reise durch Palästina begleitete. Nicht weniger wertvolles Material habe ich den klaren und sachlichen Berichten entnommen, die Herr Levontin, der Direktor der Anglo Palestine Company, mir zur Verfügung gestellt hat. . Mein Kodak ist mir von großem Nutzen gewesen; *) Aus dem im Druck begriffenen Palästina-Reisebuche des Herrn Jacobus Kann: „Das Land Israel" dürfte das einleitende .Vorwort weitere Kreise interessieren. Das bemerkenswerte Buch ist das Produkt der im, Jahre 1907 von Herrn Kann gemachten Palästinareise. Wie wir sehen war diese Reise keine Bädeker-Hetztour, sondern ein Stück ehrlicher touristischer Arbeit Wer schnell -reist und sich nicht Zeit gönnt, seine Eindrücke zu ordnen und zu sammeln, wird nie zu einem eigenen, sicheren Urteil kommen und sich nie so sicher und deutlich über alles äußern können. Der Verfasser dieses Reisebuches reiste nicht zu schnell und beobachtete nicht zu viel. Er verstand seine Zeit gut auszunützen und die Grenzen seines Gesichtsfeldes abzustecken, — deshalb ist. auch die von ihm gelieferte- Beschreibung in edler Anspruchslosigkeit klar und lieb. Herr Kann schildert und erzählt in zwangloser Weise die Verhältnisse und die Naturschönheiten Palästinas und nimmt auch Bezug auf die wirtschaftlichen und politischen Zustände, — wobei ihn natürlich die zionistischen Ziele und die jüdische Kolonisation am meisten intaressieren. Die Form, in der er seine unmittelbaren Eindrücke mitteilt, ist durchaus anregend und wird noch unterstützt durch eine Reihe photographischer Aufnahmen. Das Persönliche tritt in diesen Schilderungen wohltuend und vorteilhaft hervor. Dem verehrten Verfasser kam es weniger darauf an, die Palästina-Reiseliteratur um noch ein Werk zu bereichern, als vielmehr den Lesern seine Eindrücke wiederzugeben und zu zeigen, wie bildend. und anregend eine Palästinareise ist Das Freisein von literarischer Routine und Eruditionsballast — gehört ja der verehrte Verfasser nicht zur Zunft der Schriftsteller und Forscher — verleiht seinen Beobachtungen und seinem Stil den Reiz des Schlichten und Unmittelbaren. Das Buch erscheint gleichzeitig holländisch und deutsch. "(Die Redaktion.) die gelungensten Aufnahmen sind diesem Buche beigegeben. Derjenige Teil des Buches, in dem ich die jüdische. Kolonisation bespreche, enthält zugleich die Darlegung eines Unterrichtssystems, für das ich mir bei Herrn Jan Ligthart, Vorsteher einer öffentlichen Elementarschule im Haag und zugleich eine Autorität auf dem Gebiete des Elementarunterrichtes, Rat geholt habe. Den von mir in großen Zügen angegebenen Lehrplan verdanke ich ihm. Möchte doch das Unterrichtswesen im Jüdischen Lande nach den Prinzipien Ligtharts organisiert werden! Außer dem Kapitel über "die jüdische Kolonisation habe ich meiner Reisebeschreibung noch eine kurze Abhandlung über den Zionismus beigefügt. Es ist durchaus nicht meine Absicht, den Zionismus als ein Allheilmittel gegen die gegenwärtige Judennot hinzustellen. Auch wenn die zionistische Idee verwirklicht wird, so kann doch der Notlage der Juden in Rußlandrund Rumänien nicht mit einem Schlage, ein Ende gemacht werden, obgleich gewiß die Realisierung der zionistischen Ziele gerade diesen Juden viele Erleichterungen bringen würde. Nächst dem Zionismus aber tut eine bessere, menschenwürdige Behandlung der Juden in den genannten Ländern selbst not. Vorerst scheint allerdings wenig Aussicht auf Besserung vorhanden zu sein. Wer fühlt die Kraft in sich, die öffentliche Meinung auf eine solche Höhe zu bringen, daß man für die Juden in allen Ländern volles Bürgerrecht zu erlangen vermochte? Wo ersteht eine Beecher Stowe, die den unterdrückten Juden hilft? Herzzerbrechende Szenen wie in der „Negerhütte" spielen sich auch in den jüdischen Hütten in Rußland und andern Ländern ab. Allein die Beschreibung der Leiden der Juden war hier nicht meine Absicht. Ich bin kein Schriftsteller; ich bin Bankier. Mein Zweck war, Palästina aus eigner Anschauung kennen zu lernen. Ich bin nicht hingegangen wie die meisten Palästinareisenden, wie Geistliche und fromme Leute, die als Pilger wandern, oder wie die Gelehrten und Touristen, die dort hingehen wie in ein Museum. Ich *bin als Kaufmann gegangen, um zu sehen und zu hören,' ob es dort etwas für mein Volk zu erwerben gibt, für das jüdische Volk, das so arm ist an Freiheit, Glück, Ehre und ungestörter Lebensfreude. Und am Ende, meiner Reise war" ich mir klar; daß diese heiligen Güter in der Tat zu erlangen sind, und zwar im Jüdischen Lande. Der •Wege, die hinführen, sind viele. Vor allem aber tut die Vereinigung der Kräfte aller derer not, denen das Wohl des jüdischen Volkes am Herzen liegt. Diese Vereinigung, dieses Zusammenwirken zu fördern, ist der Zweck nachstehender Seiten. . Haag, im Mai 1908. J. H. K.