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Die Welt · 1908-10-16 · 41 (16.10.1908) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
41 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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8 — ' -= soll demissionieren, er selbst würde seine Kandidatur gar nicht stellen. Gleichzeitig verlautet, daß die bedeutendsten Steuerzahler der Gemeinde, wie Ex. Behor efendi, Ex. Jacques Bey de Leon, Arslan efendi Fresco u. a. beim Mischlisch gaschmi und ruchni Protest gegen die Kandidatur Naoums wie Danous erheben werden. Der Knäuel der Verwirrung löst sich allmählich auf, Fresco hat gegen Gabai eine Klage wegen Verleumdung eingereicht, das Großrabbinat tritt einen ehrenvollen Rückzug an und fängt sogar an, mit anderen als mit den eigenen persönlichen Schmerzen sich zu beschäftigen. Unter dem Vorsitz MoTse Bey Dalmedicos, des Dragomans der Kaiserlichen Marine, fand infolge einer Einladung Naoums eine Sitzung bezüglich der bevorstehenden Wahlen statt. Es ist eine Kommission sämtlicher jüdischen Viertel gebildet, damit die jüdischen Moukhtars in der Aufstellung der Wählerlisten unterstützt werden. Die Kommission wird auch bemüht sein, daß in Konstantinopel wenigstens ein Deputierter jüdischer Konfession zur Verteidigung der Konstitution ins Parlament gewählt wird. Wenn man den von so wenig Idealismus getragenen Reibereien unter den Juden zuschaut, so muß man sich mit Bangen fragen: denken denn die paar schwachen spaniolisch-journalistischen Kräfte gar nicht daran, ihre Tätigkeit in den Dienst der höheren Aufgabe der Volksaufklärung und -Erziehung zu stellen? . Die ersten Anfänge der freien spaniolischen Literatur war ein tragikomisches Pamphlet, dem folgte ein Hintertreppenroman für schwarzäugige Spaniolinnen in 10 Para-Lieferungen, wir knüpften unsere Hoffnungen an die erschienene „La Patina", aber wir bleiben immer noch in Erwartung. Zwei neue Meteore sind in Sicht: „La Lektura", eine illustrierte literarische Wochenschrift, und „Seda" (die Stimme) in Spaniolisch und Türkisch. Vielleicht bringen sie das ersehnte Heil? KE LT ±== No. 41 Nationale Liga „Achvah" Nachdem die „Achvah", nationale Liga der Juden in der Türkei, am vergangenen Donnerstag ihren reichhaltig mit Zeitungen ausgestatteten Lesesaal im Lokale des Deutschen Handwerkervereins, 24 Rue Journal, durch eine wohlgelüngene Mitgliederfeier eröffnet hat, hat sie für Sonntag den 11. Oktober um 2 Uhr nachmittags im Saale der Teutonia eine große öffentliche Versammlung einberufen, in welcher das Programm der „Achvah" von verschiedenen Rednern, u. a. von Herrn W. Schabotinski, besprochen werden soll. Eine dankenswerte Verfügung Konstantinopel, 4. Oktober. (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle.) Der Generaldirektor der Anatolischen Eisenbahngesellschaft, Herr Huguenin, hat vor den jüngsten jüdischen Feiertagen eine Zirkularverfügung an die Hauptämter des gesamten Eisenbahnnetzes gerichtet des Inhalts, es solle die Diensteinteilung so vorbereitet werden, daß die jüdischen Beamten der Gesellschaft während ihrer hohen Festtage dienstfrei seien. — Bei dieser Gelegenheit sei hervorgehoben, daß bei allen in der Türkei in Betrieb befindlichen Eisenbahnen Juden in großer Zahl in allen Dienstgraden beamtet sind. Vorzugsweise sind es nach der Türkei eingewanderte russische Juden, die sich mit Vorliebe dem Eisenbahndienst widmen und das besondere Vertrauen der Direktionen genießen. Das gilt namentlich von dem jüdischen Streckenpersonal, den Zug- und Lokomotivführern, Heizern und Schaffnern, weil diese sich durch Nüchternheit und Gewissenhaftigkeit auszeichnen und damit die Betriebssicherheit des Eisenbahndienstes erhöhen. nnn PALÄSTINA Die Aussichten jüdischer Kandidaturen Jaffa, 6. Oktober: In Angelegenheit der Wahlen hat vorgestern in Jerusalem eine Besprechung unter Leitung des Herrn Dr. Ruppin stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit wurde festgestellt, daß die . Zahl der Wahlmänner im Paschalik Jerusalem ca. 180 betragen wird, die insgesamt 3 Abgeordnete zu wählen haben. Falls die jüdischen Wähler einmütig die ihnen vom Wahlkomitee vorge- - schlagenen jüdischen Wahlmänner wählen, werden ca. 6 oder 7 Abgeordnete Juden sein, und zwar 2—3 in Jerusalem, 1 in Jaffa, 1 in den jüdischen Kolonien Katra und Kastinie, die zum Kreise Gaza gehören, und 1—2 in den jüdischen Kolonien, die zum Kreise Jaffa gehören. In Hebron, wo die Wahl der Wahlmänner bereits stattgefunden hat, ist der Jude mit wenigen Stimmen in der Minorität geblieben. Die Aussichten für die Wahl eines jüdischen Abgeordneten müssen daher fast gleich Null bezeichnet werden, falls der Kandidat allein auf die Stimmen der jüdischen Wahlmänner angewiesen wäre. Es bestehen jedoch Aussichten, auch mohammedanische Stimmen für den jüdischen Kandidaten zu gewinnen, und speziell Herr Dr. Levy, Direktor der Anglo Palestine Company in Jerusalem, hat unter den Mohammedanern und sogar unter den Christen zahlreiche Freunde, so daß die Aussichten für seine Wahl zwar noch keineswegs als günstig bezeichnet werden können, aber doch immerhin schon diskutabel sind. Es ist deshalb beschlossen worden, Herrn Dr. Levy als jüdischen Kandidaten zu nominieren, zumal Herr David Jellin, dessen Kandidatur noch in Betracht kam, auf diese mit der Begründung verzichtet hat, daß nach seiner Ansicht Herr Dr. Levy wegen seiner größeren Beliebtheit bei den Mohammedanern bessere Aussichten habe. Allerdings gibt es gewisse jüdische Kreise, die der Kandidatur Dr. Levys nicht freundlich gegenüberstehen, indessen haben diese Leute unter dem neuen Regime offensichtlich an Einfluß verloren und kommen nicht mehr sehr in Betracht. Wahlaufruf Dr. Leyys Vor einiger Zeit richtete Herr Dr. Levy in der arabisch-französischen Beilage zur „Haschkafa" einen offenen Brief an den Pascha, in dem er auf die Schäden der früheren Verwaltung für die Entwicklung Palästinas hinwies und den Pascha zu energischen Reformmaßregeln aufforderte. Die Opportunität dieses Briefes wurde damals vielfach angezweifelt Inzwischen hat aber der Pascha sich als modernen Menschen erwiesen und in einem Briefe an die „Haschkafa" sehr höflich geantwortet und ein Programm entwickelt, das Reformen auf allen Gebieten verheißt. Dieser Briefwechsel wird jetzt als Flugblatt verbreitet werden und kann der Kandidatur Dr. Levys in den Kreisen der freiheitlich gesinnten mohammedanischen Bevölkerung vielleicht nutzen. Zusammengehen mit den Mohammedanern Des fernem ist beschlossen worden, daß das jüdische Wahlkomitee, das aus den Herren Dr. Levy; David Jellin und Ben- Jehuda besteht, sich mit den zwei mohammedanischen Kandidaten, die die besten Aussichten haben und als judenfreundlich gelten, in Verbindung setzt und diesen die jüdische Hilfe im Wahlkampfe in Aussicht stellt. Diese mohammedanischen Wahlkandidaten sind: .Hussem Haschern Effendi in Jerusalem und Hafez Bey in Jaffa; Es ist sicher, daß diese beiden Kandidaten die Hilfe der Juden im Wahlkampfe gerne annehmen und sich anderseits durch Befürwortung der Kandidatur Dr. Levys erkenntlich zeigen werden. Selbst aber, ^wenn Dr. Levy nicht gewählt werden sollte, haben sich die Juden auf diese Weise wertvolle Freundschaften erworben. Die Wahlagitation . Man wird heute noch mit der Wahlagitation für jüdische Wahlmänner und die spätere Wahl Dr. Levys, Hussem Haschern Effendis und Hafez Beys beginnen. Herr Dr. Levy wird voraussichtlich mit Hussem Haschern zusammen in Wahlversammlungen in Jaffa und Jerusalem auftreten. Ein gewisser Azouri Bey, ein arabischer Christ, jder als Judenfeind gilt, hat vorgestern in Jaffa ebenfalls eine Wahlversammlung abgehalten, hat jedoch damit wenig Erfolg gehabt, da ihm aus den Reihen der Christen und Mohammedaner zahlreiche Gegner entgegentraten. Es wurde sogar von einem Christen darauf hingewiesen daß es nicht nötig sei, nur mohammedanische und christliche Kandidaten aufzustellen. Es gäbe unter den Juden einen Kandidaten, nämlich Dr. Levy, der viel fähiger sei als sämtliche mohammedanischen und christlichen Kandidaten. Die Kandidatur Azouri Beys wird sowohl in Jaffa wie in Jerusalem für aussichtslos gehalten. Boykott gegen Osterreich Jaffa, 13. Okt Bei "der Ankunft eines österreichischen " Postdampfe-rs veranlaßten politische Hetzer heute die Bootsleute und Auslader das Schiff zu boykottieren. Dampfboote landeten die Reisenden und die Post Später griff die Menge das österreichische Postgebäude an und zerstörte die Postwagen und Briefkasten.

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