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Die Welt · 1908-10-09 · 40 (9.10.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
40 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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f^gssp^se^^^^^^^y^> ^ZfgT DreX£EL.T NACHRICHTEN Tod des Vaters Dr. Bodenheimers Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheim er ist von einem schweren Verluste betroffen worden. Am Montag starb in Stuttgart nach langem,, schwerem Leiden sein Vater. Wir drücken dem verdienstvollen Vorsitzenden des jüdischen Nationalfonds aus diesem Anlaß •unser herzlichstes Beileid aus. - Der interparlamentarische Kongreß und die rumänischen Juden Wien. Beim interparlamentarischen Friedenskongreß, der in den letzten Tagen in Berlin stattfand, haben die österreichischen Delegierten Dr. Mahler, Stand, Dr. Gabel und Genossen dem interparlamentarischen Rat folgenden Antrag unterbreitet: „Wenn ein Staat durch die Nichteinhaltung eines internationalen Vertrages Privatinteressen hindert, so ist der durch die Nichteinhaltung geschädigte Private berechtigt, dagegen beim Haager Schiedsgericht Beschwerde vorzubringen". Der Antrag bezweckt direkt, den rumänischen Juden die Möglichkeit zu geben, auf die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrags zu dringen. Ein Schechitastreit in London Seit einiger Zeit herrscht im Eastend. Londons große Aufregung infolge eines Streites ' zwischen einer Anzahl jüdischer -Fleischhändler und dem Schechetaboard, der obersten Behörde, die über die gesetzliche Ausübung der Schechita wacht Sie allein ist berechtigt, Gabala zu erteilen usw. Nun hat sich vor einem Jahre eine Vereinigung jüdischer Fleischhändler gebildet in der Absicht, den Fleischverkauf im Bastend zu monopolisieren und zu verhindern, daß irgend jemand Gabala bekäme, der nicht Mitglied dieser Vereinigung ist. Die Bemühungen dieser. Gesellschaft blieben erfolglos. Daraufhin bildete sich ein neuer Verein „Koscher Butchers Assiciation Ltd." (Vereinigung der Koscherfleischhändler). Diese Vereinigung richtete an den Schechetaboard das Ersuchen, einem besonderen von dieser Gesellschaft angestellten Schächter die Gabala zu erteilen. Die Absicht war, von diesem Fleische dann nur an solche Händler abzugeben, die sich den Bestimmungen dieser Gesellschaft unterwürfen. In dankenswerter Weise.verweigerte der Board diese Erlaubnis, offenbar weil er voraussah, daß die ganze Gründung auf nichts anderes hinauslief, als den Preis des geschichteten Fleisches zu verteuern. Nunmehr widersetzte sich die neue Vereinigung, gründete eine eigene „Gemeinde" mit besonderer Synagoge, besonderem Rabbiner, Dajanim usw. und richtete auch einen eigenen Schechetaboard ein, der nunmehr die Gabala nur an solche erteilte, die der Vereinigung genehm waren. Sie eröffnete auch einen besonderen Laden, kurzum, sie übertrug die Grundsätze amerikanischer Kontrollgebarung auf den Koscherfleischverkauf. Daraufhin erklärte der Board, daß dieses Fleisch trefe sei und von einem Juden nicht genossen werden dürfe. Infolgedessen kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen, die sich bis auf die Straße fortpflanzten. Inzwischen hat der Board weiter beschlossen, den Kampf gegen die Rebellen mit aller Energie zu führen und hat bereits aus seinem Fonds die Summe von 20 000 Mark bewilligt, um Maßregeln zu ergreifen, damit die Autorität des Boards hochgehalten werde. Wir werden über den weiteren Fortgang dieses tief bedauerlichen Streites berichten. Ein judisches Pendant zum Falle Schücking Unter dieser Spitzmarke hatten wir, und nach unserer Notiz viele andere Zeitungen, vor kurzem über den Fall des Dr. Julius Moses, Mannheim, berichtet, dem ein Referat für die Darmstädter Versammlung des Deutschen Vereines für Schulgesundheitspflege wieder abgenommen wurde mit der Begründung, wenn der Name Moses als Referent auf der Tagesordnung stünde, würdesich das'preußische Ministerium auf keinen Fall in Darmstadt vertreten lassen. Herr Dr. Moses hatte in der „Zeitschrift?ür Schulgesundheitspflege" von vornherein sich nur über das „Vorgehen des Vereinsvorständes" beklagt, der sich „eine schroffe Durchbrechung der Gepflogenheiten der wissenschaftlichen Körperschaften"" habe zu Schulden kommen1 lassen, und hatte damit gleich zu erkennen gegeben, daß er der von dem Vereinsvorstande gegebenen Begründung keinen Glauben schenke. Es stellt sich nun heraus, daß diese Vermutung durchaus berechtigt war. Das preußische Ministerium erklärt nämlich jetzt, daß es von der ganzen Sache gar keine Ahnung hatte und niemals eine solche Bedingung für se'ine Teilnahme an der Tagung des Vereins für Schulgesundheitspflege gestellt habe. Der Vorstand dieses Vereines hat sich also jene famose Begründung selbst erfunden und hat nun das Wort zur Rechtfertigung seines für den Vorstand eines wissenschaftlichen Vereines in zwiefacher Hinsicht unwürdigen Vorgehens. Eine entsprechende Erklärung unter Anführung des ministeriellen Schreibens wird in der nächsten Nummer der Zeitschrift für Schulgesundheitspflege von deren Redaktion veröffentlicht werden. Österreich (Von unserm Korrespondenten) Die Polizei, der Kulturvorstand und die „Minjanim" In einem-„Minjan" des XX. Bezirkes ereignete sich während der Andacht am Rosch-Haschanah-Tage etwas Ungewöhnliches. Wachleute erschienen in den Beträumlichkeiten und forderten die Betenden auf, den Gottesdienst zu unterbrechen, da der betreffende „Minjan" die Bewilligung der Kultusgemeinde zur Abhaltung des Gottesdienstes nicht erhalten habe und Absperre machen müsse. Diese einzig dastehende Störung des Gottesdienstes durch die vom. Kultusvorstand angerufene Polizei rief helle Entrüstung hervor. Man wandte sich an den christlich-sozialen Bezirks- Vorsteher Müller, der die Entfernung der Wachleute verfügte. Die tragikomische Episode wird in Wien lebhaft besprochen. Ein antisemitischer Funktionär, der betende polnische Juden vor dem israelitischen Kultusvorstand in Schutz nimmt, ist jedenfalls eine eigenartige Erscheinung. Wir wandten uns an Herrn Dr. Zipser, der in der Minjanimangelegenheit eine Beschwerde an die Statthalterei überreicht, und -erhielten folgende liebenswürdige Aufklärungen: - „Der Vorfall in der Brigittenau ist nur eine krasse. Illustration zu der sogenannten Minjanimfrage, die die Wiener Juden, die aus , dem Osten stammen, seit langem erregt Die Kultusgemeinde ist nach dem Statut verpflichtet, für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Angehörigen zu sorgen. Indes gibt es in Wien nur fünf Gemeindetempel, die höchstens 5000 Betende umfassen. Wien hat aber 100 000 Juden. Wenn aber orthodoxe Ostjuden, die in den modernisierten Tempeln nicht beten wollen oder können, Betstellen, Minjanim errichten wollen, so verweigert der Kultusvorstand die Genehmigung. Es paßt ihm nicht, daß man in Wien geradeso wie in Lemberg oder Kolomea betet! Das Merkwürdige ist, daß Einzelunterhehmer die Erlaubnis erhalten, Minjanim zu er- ■ richten. Dagegen werden Wohltätigkeitsvereine, denn um solche handelt es sich meistens, schroff abgewiesen. Diese den Ostjugen gegenüber unfreundliche Haltung des Kultusvorstandes führte bereits zu vielen Unzukömmlichkeiten, Beschwerden, Zusammenstößen. Im Auftrage vieler Minjanim-Vereine überreiche ich der Statthalterei in der nächsten Zeit ein Memorandum, in dem auf das ungesetzliche Vorgehen der Kultusgemeinde aufmerksam gemacht wird. Gegen die unbekannten Täter, die den unerquicklichen Vorfall in der Brigittenan verschuldeten, ist die Anzeige wegen Religionsstörung erstattet worden." In der öffentlichen Sitzung des Kultusvorstandes vom 6. d. M. erklärte der Präsident Dr. Stern, daß er die Sperrung des Minjans des Vereines „Linas-Hazedek" nicht verfügte, daß jedoch die Kultusgemeinde dafür sorgen müsse, daß der Gottesdienst keine krassen Formen annehme . . ." Wir glauben, die Begründung ist ästhetisch, aber unzureichend. Panik in einer Synagoge Budapest: Durch falschen Feuerlärm entstand in der Synagoge in Marmorosziget, die wegen des Versöhnungsfestes überfüllt war, eine große Panik.' Im Gedränge wurden vier Kinder erdrückt und zertreten, mehrere andere Personen schwer verletzt. Portugal Ein Angriff auf ein jüdisches Leichenbegräbnis Ein großer Straßenkampf entstand jüngst während eines jüdischen Leichenbegräbnisses. Während die Leiche eines reichen Lissabonner jüdischen Kaufmanns, begleitet von zahlreichen Leid- _2^.-^«;- -_txr-.-iv^^£t - <

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