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Die Welt · 1908-10-02 · 39 (2.10.1908) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
39 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE] schreckenbrüllend, — alles wälzte sich und brauste und tobte und stürmte mit gewaltigem Schwung; es glitten die Wolken, und die Zeit schritt, die Kinderträume blühten und schwanden dahin, die Lenze und die Herbste lösten sich ab, die bunten Hoffnungen erwachten und vergingen, des Unglücks Speere klirrten, und der Glaube breitete seine weißen, tröstenden Flügel über die traurige Menschheit aus, sie zu der Heimat Strande nach dem Jenseits hinüberleitend . . . Schon lange hatte der Chor in der gegenüberliegenden Synagoge das „Kol-NidreÄ-Gebet beendigt, aber Löbel sang, sang und sang . . . KELT /No. 39 Die Kräfte, begannen ihn zu verlassen, und er sang immer stiller, stiller, stiller ... Er fiel mit dem Gesang auf den Lippen aufs Bett und mit dem Ruf: „Jch sehe . . schloß er für immer die blinden, nach Licht lechzenden Augen, —■ wie ein sterbender Aar, der noch zur Sonne blickt. Der Sohn aber, der vom Strome des Gesanges ganz hingerissen war, bemerkte den Tod seines Vaters nicht; er stand neben der Leiche seines Vaters und' sang noch immerfort den wunderbar schönen, altheiligen Gesang „Kol-Nidre". AUS DER BEWEGUNG (OOOOOOO l o o o o o o o Herzlwald Sehr geehrte Redaktion! Infolge eines redaktionellen Versehens seitens der „Welt", ist in der Mitteilung genannten Blattes wegen der bereits erfolgten Erlangung des Gegenwerts von 10000 Bäumen die unrichtige Bemerkung enthalten, daß die Sammlung für den Herzlwald geschlossen werden kann. In der Tat ist aber von einem Schließen der Sammlung keine Rede, da bekanntlich der Gegenwert von 10 000 Bäumen nur das Minimum eines für einen Wald nötigen Betrages darstellt, und das für den Herzlwald vorläufig erworbene Terrain „Hulda" allein ungefähr die doppelte Zahl von Bäumen umfassen kann. In Wirklichkeit sollen die Sammlungen für den Herzlwald mit noch größerer Energie als bisher fortgesetzt werden, und wir sind fest davon überzeugt, daß die nach Tausenden zählenden Verehrer unseres Führers nicht ruhen werden, bis wir für den Herzlwald einen Gegenwert von 100 000 Bäumen erreicht haben werden, damit, wie es bekanntlich unsere Absicht ursprünglich war und auch heute ist, der Reinertrag des zukünftigen Herzlwaldes einen dauernden Kulturfonds zur Unterhaltung einer national-jüdischen Hochschule bilden kann. Indem wir unser Bedauern über das Versehen der „Welt" zum Ausdruck bringen, sprechen wir die zuversichtliche Hoffnung aus, daß unsere Gesinnungsgenossen darin mit uns übereinstimmen, daß der Herzlwald nur dann ein würdiges Denkmal für den Mann, dessen Namen er trägt, sein wird, wenn er 100 000 Bäume umfassen und Jahrhunderte und vielleicht Jahrtausende der Gesamtheit als Quelle zur Befriedigung hoher kultureller Bedürfnisse dienen wird. Unsere Gesinnungsgenossen werden den Beweis, daß sie mit uns eines Sinnes sind, am besten dadurch erbringen, daß sie während der kommenden jüdischen Feiertage eine recht rege und umfassende Propaganda für den Herzlwald überall entfalten mögen. Der Vorsitzende des Vereins „Ölbaumspende" (E. V.) gez.: O. Warburg P. S. Sämtliche Parteiblätter werden um Abdruck dieser Richtigstellung an leicht bemerkbarer Stelle gebeten. D. O. (Unsere Notiz beruhte auf einer irrtümlichen Version. Wir . hoffen mit dem verehrten Vorsitzenden der „Ölbaumspende", daß dieser Irrtum nur Anlaß zu noch energischerer Sammeltätigkeit geben möge. Die Redaktion.) Jahreskonferenz der kanadischen Zionisten Vertreter fast aller kanadischen Städte hatten sich am 6. und 7. September in Montreal eingefunden, um als Delegierte an den Beratungen der Jahreskonferenz der Federation of Zionist Societies of Canada teilzunehmen, Daß die wohlbekannte Ergebenheit der kanadischen Juden an den Zionismus heute noch mindestens so intensiv ist wie früher, bewies die große Aufmerksamkeit, die die ganze Judenheit Kanadas den Beratungen dieser Konferenz entgegenbrachte, bewies auch das gespannte Interesse, mit dem die Delegierten an den Sitzungen teilnahmen. Die Verhandlungen wurden am Sonntag den 6. morgens durch den Vorsitzenden der kanadischen Federation, Mr. Clarence de Sola, eröffnet, der die Verhandlungen die beiden Tage hindurch in ausgezeichneter Weise leitete. Außer den Delegierten war eine große Zuhörermenge zugegen; auch eine beträchtliche Anzahl hervorragender Nichtjuden Montreals war erschienen, und folgte den Beratungen mit großer Aufmerksamkeit Präsident Sola eröffnete die Verhandlungen mit einer Ansprache, in der er nachdrücklich auf den ideellen Wert und die kulturelle Bedeutung der zionistischen Bewegung hinwies, die über ihrem materiellen Zweck nicht vergessen werden dürfte. Er führte dieses Thema in höchst geistvoller und überzeugender Weise durch und riß die Versammlung mehrfach zu stürmischem Beifall fort. Nach der mit stürmischem Applaus aufgenommenen Eröffnungsansprache folgte die Verlesung der zahlreich eingelaufenen Begrüßungsschreiben und Telegramme. Solche hatten gesandt u. a. Präsident Wolffsohn, Prof. Dr. Warburg, Sir Francis Montefiore, Dr. Bodenheimer, Dr. Friedenwald, Joseph Cowen usw. Die Nachmittagssitzung begann mit der Verlesung der Berichte der Vereine. Besonderes Interesse erweckte der Bericht der Zionisten aus Toronto, die bekanntlich vor kurzem ein eigenes schönes Versammlungsgebäude sich geschaffen haben. Mit großem Beifall wurde auch der Bericht der Vereinigung der Schüler der Talmud Thora-Schule aufgenommen, aus dem hervorging, daß mehr als 250 Talmudbeflissene der jüdisch-nationalen Sache begeistert ergeben sind und die Pflege der hebräischen Sprache mit großer Ausdauer betreiben. Der Kassenbericht führte aus, daß die Arbeit durch die allgemeine wirtschaftliche Depression sehr erschwert worden sei. Die allgemeine Notlage habe an den Gemeinsinn große Anforderungen gestellt, da. alle Wohltätigkeitsanstalten große Aufgaben zu bewältigen gehabt hätten. Nichtsdestoweniger haben die Sammlungen der Federation keinen Ausfall erlitten, und die Mitghederzahl hat sogar etwas zugenommen. Die Resultate der Sammlungen waren, in runden Zahlen ausgedrückt, folgende: Schekel...........' . . . J6 2000.— Parteifonds..............„ 2000.— "Nationalfonds............• „ 3150.— Herzlwald..............„ 650.— Palästinakommission..........„ 125.— Gezahlt an die A.P.C. . . •.....„ 1150.— Aktien des J. C. T...........„ 900.— Landesbeiträge............„ 2250.— •Diverse.............• ■ „ 2000.— Insgesamt 14225 —

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