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Die Welt · 1908-10-02 · 39 (2.10.1908) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
39 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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r y^^^ft.^*^/^?*^ 10 : ■■ DIE1 gELT No. 39 Griechen statt, und wären wir etwas weiter in dem Nationalitätenkampf vorgeschritten, die besonnenen Elemente der Parteien hätten sich wohl nicht die Hände gereicht, und ebensowenig hätte die griechische Bevölkerung von Seres den Juden ihr Bedauern ausgedrückt. Der Friede ist jetzt hergestellt; wer schützt die Juden aber vor Wiederholungen? Es ist das alte Spiel: Der Jude muß der Sündenbock sein, und was wollten eigentlich die armen Israeliten? Doch nur den Jungtürken nachmachen, ebenso nationalitätenfreundlich sein wie das Komitee für Einheit und Fortschritt, und ebenso türkisch. Brief aus Palästina (Von unserem Berichterstatter) Die Wahlen Jaffa, 8. September. Man ist hier wegen den Wahlen noch ziemlich im dunkeln, da das Wahlreglement noch immer nich bekannt ist. In dem Mutessariflik Akka werden die Mohammedaner wahrscheinlich einen mohammedanischen Kandidaten aufstellen, der als sehr judenfreundlich gilt und auch von den Juden in Saffed und Tiberias unterstützt werden wird. Die Aufstellung eines jüdischen Kandidaten in diesem Wahlbezirk ist aussichtslos. Jaffa, 18. September. Auf eine telegraphische Anfrage aus Saloniki undJerusalem an das Ministerium des Innern in Konstantinopel ist die Antwort eingegangen, daß sämtliche volljährige ottomanische Staatsbürger, die überhaupt irgendeine Steuer zahlen, wahlberechtigt sind. Dadurch haben sich die Wahlchancen der Juden und auch der Christen wesentlich verbessert, da auch diejenigen Ottomanen, die nur die Militärsteuer (Askerie) zahlen, das Wahlrecht werden ausüben können. Man hatte nämlich früher befürchtet, daß das Wahlrecht nur denjenigen Wählern zustehen wird, die Grundsteuer (Vergho), Gewerbesteuer (Temetu) oder Viehsteuer (Agnan) entrichten. Während fast alle Mohammedaner eine dieser Steuern zahlen, gibt es unter den ottomanischen Juden (und auch den Christen) Jerusalems nur sehr wenige, die eine dieser drei Steuern entrichten, insbesondere, da die meisten ihre Grundstücke auf fremde ausländische Namen im Kataster eingetragen haben. Die Zahl der Wahlberechtigten Nach zuverlässigen Ermittlungen gibt es in Jerusalem jüdische ottomanische Staatsbürger über 25 Jahre unter 25 Jahre Marokkaner 240 237 Sefardim 1460 1694 Aschkenasim 1401 489 Fremde (nicht in Jerusalem geboren) 487 580 3588 3700- Zusammen 7288. Ottomanische Staatsbürger überhaupt gibt es in Jerusalem (nach Religionen geordnet): Mohammedaner 4751 Orthodoxe Christen (Prawoslavne) 2076 Armenier 309 Katholiken 114 Protestanten 285. Lateiner 1127 Syrer 127 Chaldäer 1 Kopten 57 Juden 7288 16135 Diese Aufstellung wird allerdings noch einiger Korrekturen bedürfen, da sie auf Grund von Listen gemacht wurde, die auch Namen von Verstorbenen enthalten. Nach einer andern zuverlässigen Aufstellung beträgt nämlich die Zahl der lebenden ottomanischen Staatsbürger in Jerusalem nur 14807. Leider ist dieZahl der Mitglieder der verschiedenen Religionsgemeinschaften nach den vorgenommenen Berichtigungen noch "nicht festgestellt worden. Im Kada Jerusalem gibt es Seelen Wähler In der Stadt Jerusalem 14807 3924 In Bethlehem 8290 2284 In Sofa 4499 1 712 In Ramalläh 7 989 2698 In Abawom 7088 2 939 In Jericho 293 133 In den Dörfern der Umgebung von Jerusalem 11518 4500 54484 18190 Sodann gibt es noch ottomanische Staatsbürger (Seelen) In Gaza 37000' In Hebron 27000 Die Zahlen für Jaffa, Nazareth und Beer-Seba sind noch nicht festgestellt worden. Nach den jetzigen Schätzungen dürften unter den in Jerusalem zu wählenden 24—25 Wahlmännern ca. 8—10 Juden sein. Die Aussichten einer jüdischen Kandidatur lassen sich noch immer nicht ermessen. Die Autonomie des Libanon und das türkische Parlament. Konstantinopel, 24. Sept. Die Bewohner des Libanon sandten an die hiesigen Botschafter ein Zirkulartelegramm, in dem sie auf das entschiedenste gegen die ihnen aufoktroyierten Wahlen zum türkischen Parlament protestieren. Die Autonomie des Libanons sei durch einen Vertrag mit sechs Großmächten garantiert, und diese Autonomie dürfe keine Schmälerung erfahren, weshalb der Libanon es ablehnt, Deputierte in das Parlament zu entsenden. FEUILLETON DER LETZTE „KOL-NIDRE" Von NAHUM Das trübe, rätselhafte Licht einer in einem sandgefüllten Mörser steckenden Wachskerze verschmolz sich mit den zitternden Strahlen der Flämmchen von vier Stearinkerzchen und dem Flimmer von sechsTalgkerzchen, die im dreiarmigen kupfernen Hängeleuchter über der Tür steckten, um die kleine, niedrige, aber äußerst saubere Wohnstube des blinden „Meschorers" Löbel zu beleuchten. In der Stube herrscht eine so wundersam majestätische und feierliche Stille, daß sogar die alte, hölzerne Wanduhr den Lauf ihrer Zeiger stillstehen ließ und daß das Röcheln des auf seinem Bette in Sterbensqual hingestreckten Greises SOKOLOW sich so still undjfurchtsam seiner siechen Brust entrang, als ob es sich scheute, die auch ohnedies kaum hörbaren Seufzer des^jungen Jankiel, der am Bette seines alten Vaters saß, zu übertönen. Von einer unheilbaren Krankheit „überwältigt und auf das Martyriumlager fürchterlicher unbändiger Schmerzen schon seit einem Jahre unbarmherzig geschleudert, lag er da und harrte des einzigen Erlösers, — des Todes. Er harrte geduldig, denn er glaubte, er glaubte'unerschütterlich, daß der Tod eine Erlösung sei, und^daß er für die Gerechten und Tugendhaften die Morgenröte feines l

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