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Die Welt · 1908-09-25 · 38 (25.9.1908) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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besseren jüdischen Einwohnern in monatlichen Raten erhält Damit werden arme" Kranke Sephardim und Aschkinasim unentgeltlich von einem Arzte behandelt, und erhalten auch Arzneien frei. Jüdische Schulen. Wir haben hier 2 Schulen der Alliance Israelite Universelle, von denen die eine 200 Knaben unterrichtet 'und die andere ca. 160 Mädchen. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat im Jahre 1907 einen Kindergarten gegründet, der jetzt ,über 65 Zöglinge zählt, welche nur in Hebräisch unterrichtet werden. Krankheiten.. Haifa ist eine der Städte Palästinas, welche ein sehr gutes Klima besitzt, seine Einwohner erfreuen sich daher einer guten Gesundheit. Jüdisches Comit6 G6n6ral. Haifa ist die erste Stadt Palästinas, wo die Aschkinasim und Sephardims nur eine Gemeinde bilden, welche zusammen für das Wohl der ganzen jüdischen Bevölkerung arbeitet Wir haben hier ein Komitee mixte, d. h. Vertreter der Aschkinasim und Sephardim. Die Rabbiner der Aschkinasim und Sephardim sind auch immer d'accord. Verhältnis zu den Türkischen Behörden. Das Verhältnis der hiesigen Behörden zu der jüdischen Gemeinde ist freundlich. Spezialbericht über die Konferenz Jüdischer Notabein vom 19. bis 21. September zu Berlin Unter dem oben genannten Namen fand vom 19. bis 21. September 1908 im Gemeindehaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin eine Versammlung statt ■deren Verlauf das Interesse weiter jüdischer Kreise in Anspruch nehmen wird. Bereits am 29. März 1908 hatte in Berlin eine Versammlung bekannter Vertreter des Judentums stattgefunden mit dem ausgesprochenen Zweck, eine Vereinigung sämtlicher jüdischen Organisationen, die sich der Wohlfahrt und der Zukunft des jüdischen Volkes widmen, herbeizuführen und so eine Art von Gesamtvertretung der Juden zu schaffen. Initiator des Gedankens war Herr Dr. Nossig, der in aufopferungsvoller Weise um das Zustandekommen der ersten, wie auch der jetzigen Versammlung, bemüht gewesen ist und der zur Erreichung dieses Zweckes eine wahrhaft überwältigende Arbeit geleistet hat Zu der Sitzung hatten u. a. ihre Beteiligung angemeldet die Landtagsabgeordneten Aronsohn und Dr. Cohn, die österreichischen Reichsratsabgeordneten Dr. Mahler, Gabel, Stand und Dr. Löwenstein, der Dumaabgeordnete Nisselowitsch, Exzellenz Poliakow, Moskau, die Professoren Geh. Reg.-Räte Dr. Aron und Pinner, Dr. Blumenthal, Dr. Landsberg, Philippsohn, Dr. Warburg (Berlin), Dr. Stein (Bern), Dr. Mandelstamm (Kiew), die Rabbiner Maybaum, Werner, Eschelbacher, Dr. Thon, Vorstandsmitglieder des Hilfsvereins, der Loge, der Alliance, die durch Generalkonsul Fleischel vertreten war, des Zentralvereins, des Wiener Kolonisationsvereins, zahlreicher Synagogengemeinden, der Ito, bekannte Großindustrielle und Großkaufleute, von zionistischer Seite bemerkten wir außer-den schon genannten Dr. Franz Oppenheimer, Dr. Klee, B. Feiwel, Dr. Kalmus, Bäurat Mannorek, Dr. Friedemann usw. Begrüßungen der Versammlung hatten gesandt der Präsident der Ica und der Alliance Israelite Universelle, Herr Narcisse Leven (Paris), Baron Ginsburg (Petersburg), Chiefrabbi Adler (London), im Namen des Barons Rothschild (Wien) Herr Emil Horner und viele andere hervorragende Persönlichkeiten. Die Versammlung wurde vom Vorsitzenden des Zentralvereins deutscher Staatsbürger, Herrn J. R. Horwitz, mit einem warmen Nachruf für den verstorbenen Förderer des Gedankens, Charles Hallgarten, eröffnet und sodann ein Bureau gewählt bestehend aus den Herren J. R. Horwitz als Vorsitzender, Mr. Landau' und Mr. Spielmann (London), Prof. Mandelstamm (Kiew), Baurat Stiassny (Wien), Prof. Stein (Bern) als Beisitzer. Zu Schriftführern beruft das Bureau die Herren Dr. Friedemann, Dr. Klee, Dr. Heymann und Dr. Blau. Herr Dr. Nossig'setzt hierauf in längerem Referat die Zwecke der Konferenz auseinander. Es müsse eine Vereinigung der großen Organisation angestrebt und eine Kolonisation der zur Auswanderung gezwungenen Massen auf neuer, breiter Grundlage versucht werden. Wie sehr die neue Organisation den Erfordernissen der Zeit entspringe, ergebe sich aus der Betrachtung der Lage der Juden, deren eine Hälfte infolge dauernden sozialen und ökonomischen Drucks wandern müsse, während die andere wohlhabende, in sich gespalten und deshalb wehrlos sei. Letztere bedürfe deshalb der Organisation und des Zusammenschlusses, ersterederSeßhaftmachung, die nur erreicht werden könne, wenn der Zusammenschluß der andern wenigstens bis zu gewissem Grade gelungen sei. Das Mittel zum Zusammenschluß solle die Vereinigung von Vertretern der Großgemeinden und großen Organisation und einzelnen Notabein sein. Leider sei der betretene Weg sehr schwierig gewesen. Zugestimmt hätten das Odessaer Komitee, die kontinentalen und amerikanischen Logen, der Leiter des Hilfsvereins, während die Zionisten, das American Jewish Comittee und die Ito sich . wohlwollend gestellt hätten. Die Anglo Jewish Association, die Ica und die Alliance ständen auf dem Standpunkt daß ein gemeinsamer Ausschuß nur für die Fälle von Katastrophen und nur mit einem beschränkten Kreis von Teilnehmern möglich sei. Diese Haltung sei unzulänglich, ein guter Arzt beuge vor, und man dürfte die Menschen nicht retten, nachdem sie erschlagen seien. Wir wollen nicht eine Chewrah Kadischäh des Judentums gründen, es müsse daher ein Aktionsplan gefunden werden, der es den großen Kapitalverwaltungen ermögliche, ihre Ansicht zu revidieren. Das klare Substrat dieses Gedankens sei die beantragte Kolonisationsaktion, die von großen idealen Gesichtspunkten getragen werde. Nur so ergehe sich der nötige Plan, um den Gedanken in die Tat umzusetzen. Dr. Nathan bringt hierauf die folgende Resolution ein: „Die am_20. September 1908 in Berlin tagende Versammlung erklärt ihre Obereinstimmung mit dem einmütigen Beschluß der Versammlung vom 29. März d. J. und bezeichnet den Zusammenschluß der großen jüdischen Organisationen zu einer Gesamtorganisation mit einer Zentrale, unbeschadet der selbständigen Betätigung jeder einzelnen Organisation auf ihrem Sondergebiet als dringend geboten. Der Gesamtorganisation wird es obliegen, Aufgaben des Judentums, deren Lösung die Organisationen in ihrer Vereinzelung nicht herbeiführen können, nach gemeinsamer Verständigung auf Grund einheitlicher Gesichtspunkte, in Angriff zu nehmen. Die Versammlung erklärt es als Notwendigkeit daß an dieser Gesamtorganisation alle großen jüdischen Körperschaften mit entsprechenden Zielen Anteil nehmen, und es wird zugleich zu erstreben sein, daß alle Länder, in denen ein reges jüdisches Leben herrscht in dieser Gesamtorganisation vertreten sind. Schließlich spricht die Versammlung die Hoffnung und den dringenden Wunsch aus, daß die noch abseits stehenden Organisationen sich möglichst bald anschließen." Nachdem die Herren Prof. Stein, Philippsohn, Nathan, Dr. Bendiner (Prag) und Geh. Rat Pinner warm für die Annahme der Resolution gesprochen haben, wird dieselbe einmütig angenommen. Es folgt eine weitere Debatte darüber, ob bereits heute eine Gründung einer allgemeinen jüd. Kolonisationsgesellschaft zweckmäßig erscheint Nach längern Auseinandersetzungen zwischen den Herren Dr. Klee, Geh. Rat Benny Hirsch, Dr. Oppenheimer, Lasker, Stein, beschließt die Versammlung ein Komitee einzusetzen, das weitere Schritte vornehmen solle. Die Nachmittagssitzung war Erwägungen über die Zusammensetzung des Komitees gewidmet Sodann erstattete Herr Dr. Nossig ein längeres Referat über Kolonisationsmöglichkeiten in Palästina. Der Abend vereinigte die Teilnehmer an der Versammlung auf einem Abend des Vereins für Jüdische Kunst Die Geschäfte werden vorläufig von einem Komitee weitergeführt an dessen Spitze Herr J. R. Horwitz steht und das sich aus Anhängern sämtlicher auf der Konferenz vertretenen Richtungen und Ländern zusammensetzt. Demselben ist überlassen, den Termin einer weitern Konferenz zu bestimmen. Kommunale Selbstverwaltung in der Türkei*) Von Dr. jur. Bruno Tannenwald-Hamburg Während die Provinzen, Regierungsbezirke, Kreise und Amtsbezirke in der Türkei durch Berufsbeamte, welche von der Regierung eingesetzt sind, und von gemischten Laienbehörden verwaltet werden, (vergl. Blau, „Grundzüge des türkischen Verwaltungsrechts." Altneuland 1906, Nr. 7./8.), werden die Gau-, Dorf- und Stadtgemeinden von Laien und Verwaltungskörpern geleitet, die von den Gemeinden gewählt sind. In das Gemeindekollegium können diejenigen zur Gemeinde gehörigen türkischen Untertanen gewählt werden, welche 30 Jahre alt sind und mindestens 100 Piaster jährlich direkte Staatssteuern zahlen. Das aktive Wahlrecht haben diejenigen gemeindeeingesessenen Ottomanen, die 18 Jahre alt sind und jährlich mindestens 50 Piaster direkte Staatssteuern entrichten. Das Wahlverfahren, welches von *) Nach Loytved, „Grundriß derallgem. Organisation derVerwaltungsbehörden der eigentlichen Türkei," in den Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen. Berlin 1904, S. 25 ff. 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