Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 38 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 38 : DJ.E3SELT Hochschüler in Prossnitz", sowie der tschechische akademische Klub „Jvra" in Kremsier, den Studententag begrüßten und ihm als Gäste beiwohnten. Vom Jüd. Reichsratsklub erschien Abg. Dr. Mahler. Ins Bureau wurden gewählt: Rosner (Emunach), Schönhof (Jvria), als 1. und 2. Vorsitzende, und Säbel (Gamalah), als Schriftführer. Ober die „Gegenwärtige Lage im Zionismus" referierte Smetana (Achudah). Von den angenommenen Resolutionen ist die Schallingers zu erwähnen, die die Verlegung der Leitung nach Konstantinopel und die Gründung eines zionistischen Organs in der Metropole der Türkei verlangt Arrur Reik (Hasmonäa, Jvria) sprach über die „Stellung der jüd.-nat. Studenten zur Volksbildung", beantragte die Gründung eines Schulvereins zur Erhaltung von jüd. Schulen und Kindergärten und die Schaffung von Stipendien für Lehramtskandidaten. med. Emil Stein referierte über „Erziehungswesen". Die Debatte über die drei Referate füllte den Nachmittag des ersten Tages aus. Montag den 7. d.M., vormittags fand ein Festbummel statt. Ein Bürgerkomitee arrangierte zu Ehren des Studententages ein Festessen. Nachmittags wurden die Beratungen wieder aufgenommen, jur. Rosner referierte über „Organisation". Ober die „Libanohia"- Affäre entstand eine heftige Debatte. Schließlich erklärte sich der Studententag solidarisch mit den Wiener Verbindungen. Den mährisch-schlesischen zionistischen Studenten ist der Beitritt zur „Libanonia" untersagt, solange sie der österreichischen Landesorganisation nicht angehört. Abends fand ein Kommers statt, der einen gänzenden Verlauf nahm. Abg. Dr. Mahler sprach in gewohnt wirksamer Weise. Trauerandacht für Dr. Leo Kohan Jaffa: Einen tiefen Eindruck machte die Nachricht von dem. in der Schweiz erfolgten Tode des Herrn Dr. Leo Kohan auf alle seine Freunde und Bekannten in Palästina, wo ihm leider nur ein Jahr zu verweilen vergönnt war. Auf Veranlassung des Palästinarats, zu dessen Mitgliedern der Verstorbene gehörte, fand im Bibliotheksaale „Schaare- Zion". eine sehr stark besuchte Trauerandacht statt Die Redner (Dr. Chissin, Kahn und Dizingof) schilderten in rührenden Worten den Lebenslauf des Verblichenen, der seit frühester Jugend inj Dienste der Idee unserer nationalen Wiedergeburt stand. Schon als Hörer der Medizin an der Wiener Universität gehörte er der „Kadimah" an und -war mit Dr. Birnbaum (Mathias Acher), Schnirer und den andern ersten Kadimahnern unter den eifrigsten Verfechtern der jungen national-jüdischen Bewegung. Nachdem er sich sodann als Arzt in Kischinew niedergelassen hatte, entfaltete er eine ersprießliche Tätigkeit in der chowewe-zionistischen Organisation und schloß sich sofort nach Herzls Auftreten dem politischen Zionismus an. Bekanntlich war er seit mehrern Jahren Mitglied des Großen Aktionskomitees. Mit großem Mut organisierte und leitete er die Selbstwehr während des Kischinewer Pogroms. Seine Ansicht daß es eines jeden Zionisten Pflicht sei, sich persönlich in Palästina niederzulassen, wandte er auf sich selbst an und übersiedelte vor zwei Jahren nach Palästina. In Jaffa wirkte er als Arzt und in den wichtigsten jüdischen Institutionen. In' welchem Maße er hier auch die Liebe und Achtung der nichtjüdischen Bevölkerung gewann, bewies ein warmer Nachruf eines Arabers, der den Tod des Dr. Kohan im Namen mohammedanischer und christlicher Freunde betrauerte. Gegen Ende der Andacht wurde eine Sammlung zur Errichtung % eines Beth-Am (Volkshalle) in einer der jüngeren Kolonien auf den . Namen Dr. Kohans eingeleitet die ca. 200 Frs. erbrachte. Zu Ehren des Andenkens des sei. Dr. Leo Kohan beschloß der Palästinarat in einer der jüngem palästinaischen Kolonien ein Beth-Am (Volkshaus) zu errichten, das für ewige Zeiten den Namen des Verstorbenen tragen soll. Zu diesem Zwecke wurde in Palästina eine Sammlung eingeleitet die bereits einige hundert Frank ergab. Freunde und Bekannte des Verstorbenen, die sein Andenken auf diese Weise ehren wollen, werden ersucht ihre Spenden (unter Angabe ihrer Bestimmung) . an den Jewish Colonial-Trust in London, die Anglo Palestine Company in Jaffa oder die „Welt" in Köln a. Rhein zu senden. Dr. S. Cbissin, Vorsitzender des Palästinarates in Jaffa Haifa: Die Züge auf der Strecke Haifa—Damaskus, die bisher in jeder Richtung nur dreimal wöchentlich verkehrten, verkehren seit dem 1. September täglich in-beiden Richtungen. Dies ist ein großer Verkehrsfortschritt, nicht nur für dieam Tiberiassee gelegenen Kolonien, sondern für ganz. Galiläa. Insbesondere wird auch die Verbindung zwischen Judäa und Galiläa durch die Verkehrsverbesserung wesentlich vereinfacht und beschleunigt Mescha:. Bei einem S t r e i t e, der aus nichtiger Ursache zwischen den Juden aus Mescha und Moghrebinern (marokkanische^ Arabern) aus einem in der Nähe von Mescha gelegenen moghräbinischem Dorfe ausbrach, wurde ein Jude und ein Moghrebiner verwundet Der Moghrebiner wurde später in das Hospital von Haifa gebracht und starb dort. Obwohl es sehr wahrscheinlich ist, daß der Moghrebiner nicht von einem Juden verwundet, sondern von derselben Kugel getroffen worden ist, von welcher der Jude verletzt wurde, so schrieben die Moghrebiner den Juden die Schuld am Tode'ihres Kameraden zu, und es schien eine Zeitlang, als ob sie dieserhalb nach ihrer Gewohnheit an den Juden von Mescha blutige Rache nehmen wollten. Die Meschaer Kolonisten richteten mit Verstärkung aus den umliegenden jüdischen Kolonien eine ausgezeichnete Selbst- - wehr ein, welche Tag und Nacht auf Wache lag. Infolge dieser energischen Maßregeln und des später erfolgten Einschreitens der türkischen Lokalregierung blieb die Ruhe in Mescha ungestört. Haifa: Es ist jetzt sicher, daß das vom Hilfsverein der Deutschen Juden geplante Technikum seinen Sitz in Haifa haben wird. Das Terrain für das Gebäude ist bereits gekauft Es ist ein großes, in ausgezeichneter hoher Lage gelegenes Plateau, von dem man eine herrliche Aussicht auf die Stadt und die Bucht von Haifa und die dieselben begrenzenden Höhenzüge hat Das Terrain liegt oberhalb des einem französischen Kloster gehörigen großen Platzes. Es ist nur wenige Minuten von dem Platze entfernt den die Häuserbaugesellschaft „Agudath Achim" gekauft hat, und auf dem sie zunächst 12 Häuser errichten will. Jetzt ist auf diesem Terrain mit ' dem Bau eines Brunnens begonnen worden. Der Bau der Häuser soll spätestens im Frühjahr 1909 erfolgen. Kinereth: Die P. L. D. C. hat den alten Chan, der in Kinereth : vorhanden war, ausbessern und erweitern lassen, so daß jetzt in Kinereth ein geräumiges Gebäude entstanden ist, das, auf einer Anhöhe am Tiberiassee gelegen, einen sehr ansehnlichen Eindruck macht Die Lage ist äußerst gesund. Wie verlautet, will auch die Ica in nächster Nähe des Gebäudes eine neue Kolonie anlegen und in derselben die Söhne von Kolonisten und Arbeitern aus den benachbarten Kolonien ansiedeln. Das Syrian Protestant College in Beirut Von Dr. A. Ruppin-Jaffa Bekanntlich gibt es in Beirut zwei Universitäten, die von französischen Geistlichen geleitete Universite Saint Joseph und das aus amerikanischem Gelde unterhaltene und unter amerikanischer Leitung stehende Syrian Protestant College. Der Wirkungskreis beider Universitäten erstreckte sich weit über Syrien hinaus; ihre Studierenden rekrutieren sich aus allen Ländern des Orients, aus Ägypten ebensogut wie aus Kleinasien, aus Tripolis wie aus Mesopotamien, Griechenland und der europäischen Türkei. Eine große Zahl, vielleicht die Mehrzahl, aller im Orient tätigen Ärzte und Apotheker hat ihre Ausbildung in Beirut erhalten. Interessant ist der Jahresbericht des American Protestant College, der für das Jahr 1907/08 vorliegt Mit berechtigtem Stolze weist der Bericht auf die große Zahl prächtiger Gebäude (Hörsäle, Laboratorien, Pensionshäuser) hin, die in Ras Beirut in beherrschender Lage an der Beiruter Bucht, mit herrlicher Aussicht auf Stadt, Meer und die Libanonkette den Komplex der Universität bilden. Die Universität besteht seit dem Jahre 1866; ursprünglich war die