Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 38 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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es wohl auch etwas gedrängter abgehandelt werden und auf dem danngewonnenen .Raum noch materielle Erweiterungen erfahren -können. Eine etwas zu breite Anlage ist überhaupt verschiedentlich zu konstatieren, insbesondere bei dem inhaltlich sehr interessanten und propagandistisch ja sicher wertvollen „Leitartikel": Organisation ^-derjudenheit, der geradezu ein Beispiel dafür ist, wie Artikel in einem ■A-B-C-Buch nicht sein sollten, und auch bei den Artikeln über die ■Ideen Franz Oppenheimers, so sehr ich dieselben schätze und ihnen ••anhänge. Bei aller Verehrung seiner Persönlichkeit verstehe ich auch :nicht, weshalb im zionistischen A-B-C-Buche gerade seine Biographie .^gebracht wird, während die anderer Personen, die für die Geschichte -unserer Idee eine doch ungleich größere Bedeutung haben, fehlt. Wertvoll für den, der „in Zionisticis" selbst weiter arbeiten •will, sind die Literaturangaben am Ende einiger Artikel. Bei den übrigen können sie wohl leicht bei der nächsten Auflage nachgeholt werden, in die dann vielleicht auch eine Zusammenstellung der zionistischen Literatur überhaupt (wenigstens in deutscher Sprache) und der zionistischen Zeitschriften aufgenommen werden könnte. Vor allem aber wird eine neue Auflage eines bringen müssen. ein Inhaltsverzeichnis, das diesmal fehlt. Denn, was da am Anfang mit der Oberschrift „Inhalt" zusammengestellt ist, ist weiter nichts -.jAs eine Wiedergabe der im Buch enthaltenen Themen, in der rReihenfolge, die sie im Buche selbst haben, und hätte ebensogut fortbleiben können, da eben die Themen schon im Text selbst . alphabetisch geordnet sind. Wenn man aber z. B. etwas über „Rußland" erfahren will, sucht man vergebens unter R. Einiges (n. b. Unzulängliches) steht unter: Ansiedelungsrayon. Zumindest hätte dieses doch noch unter R verzeichnet sein müssen. Übrigens ist in diesem Artikel auf einen andern „Judengesetze in Rußland" verwiesen, den ich aber im Buche vergebens suchte. Anderseits : ist z. B. im „Inhalt" angegeben: Westeuropäische Juden----273. : Schlägt man dort auf, so findet man nichts weiter, als „s. Lage ' der westeuropäischen Juden", aber selbst das ohne Angabe der : Seite 121, die man erst wieder heraussuchen muß. Warum steht nicht gleich im „Inhalt" diese Seitenzahl auch bei W angegeben? :Man denke sich nun den Fall, jemand will etwas über „Zionismus in Amerika" erfahren. Es ist geradezu eine Preisfrage, wo das zu finden ist Ich will's verraten: Seite 131, unter Landesorganisation. Irade bei einem politischen Handbuch ist aber ein wirkliches tn haltsverzeichnis ein unbedingtes Erfordernis. Man versetze sich nur in die Lage eines Journalisten, der darin etwas aufsuchen will und der nicht viel überflüssige Zeit hat. Das Baseler Programm ist bec 'auerlicherweise in einem Wort nicht richtig wiedergegeben. Punkt 3 keil3t nach einer Erklärung Max Nordaus: Die Stärkung des jüdisc ^ien Selbstgefühls und Volksbewußtseins. Was in" einem Buche,' das auf dem Titel die Worte trägt: „Herausgegeb **** von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland" also eh/C .offizielles Dokument ist, in Frage gestelltwerden dürfte' ist die t Mns.^ge Auffassung von der ITO, die man im A-B-C-Buch findt 't. ist meines Wissens auch nicht die Auffassung der leiten. 3en K>ise »n der deutschen zionistischen Organisation, noch der d?r Gesa tntorganisation,- wenn da gesagt ist: „Die Beziehungen der nu eisten Ko. mniissionsrnitglieder zur Diplomatie und internationalen Groß.önanz rücken die-Pläne der ITO in das Gebiet ernsthafter Aussichten«:-" (Wie .sagte doch HerzI beim V. Kongreß: „Sie meinten: Im An fang sei && Geld. Nein! Im Anfang ist die, Idee. Für Geld bekommt raa» Mietlinge, ein Volk läßt sich so nicht aufraffen. Dies k aan nur eine Ideezuwege bringen". Und am VI. Kongreß: „Ich sage raäLnüch: Das ist mit Geld überhaupt nicht zu machen, sondern mir mit der nationalen Idee". Dahinter verzeichnet das Protokolle Tosender Beifall und Händeklatschen. Tücherschwenken.) Subjektiv dürfte auclj die .Behauptung bezeichnet werden, daß eine Fusion zwischen pr jlitischeO Zionisten und Choveve Zion als vollzogen angesehen worden kön^e (S. 43). Im Zusammenhang damit vermisse ich Artikel über Texas und Galveston, über die amerikanischen Verteilungskomitees, andere seits auch über die Freiburger Konferenz. Der Artikel „Amerika als Einwanderungsland" ist in der Anlage nicht richtig, enthält vieles nicht, was er bringen müßte. Dasselbe gilt von dem Artikel „Galizischer Hilfsverein". Da hätten doch wohl Artikel „Juden in Amerika" und „Juden in Galizien" diese ersetzen müssen. Ober rumänische Juden kann ich gar nichts finden. Ober die Warburgschen Kolonien in Anatolien hätte auch mehr als ein und eine halbe Zeile gesagt sein können. Eine ganze Anzahl Themen vermisse ich ganz, so: Antisemitismus, Asemitismus, Juden in Kanada, in Spanien, die sogenannte „jüdische Presse", Uganda, Australien als Einwanderungsland, Chassidim, Chedarim u. a. m. Allerdings zeigt der schon erwähnte Vorbericht der das Buch vorbereitenden Kommission, daß diese die Behandlung all dieser Themen wohl geplant hatte. Die Schuld, daß sie jetzt fehlen, trifft also nicht die Herausgeber, sondern die Gesinnungsgenossen, die nicht mitgearbeitet haben. Überhaupt richtet sich meine Kritik nicht gegen die — oder ich kann wohl besser sagen — gegen den Herausgeber, von dem ich weiß, wieviel Mühe er mit dem Buche hatte. Ich bin überzeugt, hätten ihn nicht so viele Gesinnungsgenossen im Stich gelassen, auf deren Mitarbeit er rechnete und rechnen mußte, so wäre das A-B-C-Buch vollständiger gewesen, und es hätte sicher auch manches anders gebracht, was da besser anders gestanden hätte. Der Herausgeber mußte schließlich wohl das nehmen, was ihm geliefert wurde, wenn das Werk überhaupt zustande kommen und die schon darauf verwandte Arbeit nicht umsonst gewesen sein sollte. Dr. Adolf Friedemann gebührt der Dank aller, nicht bloß der deutschen Zionisten, daß er die mühevolle Arbeit übernahm und das Buch, das übrigens in recht guter Ausstattung herauskam, fertigstellte. Wenn ich auch manches daran aussetzen mußte, so sind das zumeist doch nur Mängel, die wohl der Zionist konstatiert, der in zionistischen Dingen Bescheid weiß, die aber von dem Nichtzionisten, der das Buch zu seiner Orientierung'benutzen oder von dem, der es sonst zu seiner Einführung in den Zionismus brauchen wird, nicht so empfunden werden. Aber auch der ältere Zionist wird manches noch aus dem Buch lernen können; es wird ihm manches wieder auffrischen, was seinem Gedächtnis schon zu entschwinden droht, es wird ihm Material zur Agitation geben, wird ihm manche Arbeit erleichtern und abnehmen. Darum sollte" keiner aus unseren Reihen es zu erwerben unterlassen, und will ein Nichtzionist etwas Ausführlicheres über Zionismus empfohlen haben, so nenne man ihm in erster Reihe das „Zionistische A-B-C-Buch". ol. Wiener Brief (Von unserem Berichterstatter) Präsident Wolffsohn in Wien Zu Ehren des Präsidenten des Aktionskomitees, der' in der verflossenen Woche in Wien weilte, veranstaltete das innerösterr reichische Distriktkomitee Samstag den 19. d. Mts. einen Ber grüßungsabend im Hotel Central. Hunderte Zionisten und Poaler zionisten füllten den Saal. Präsident Wolffsohn erschien in Ber gleitung der Mitglieder des westösterreichischen Zentralkomitees und wurde von den Anwesenden stürmisch akklamiert. Den Vorsitz übernahm Herr Markus, Obmann des D. K. Herr Dr. Margulies hieß den Präsidenten des Aktionskomitees, der zum erstenmal in einer Wiener zionistischen Versammlung erschienen ist, herzlich willkommen. Wien ist historischer Boden für den Zionismus. Jahrzehnte währt hier der Kampf um den nationalen Gedanken. Dieses unermüdliche Ringen mit einem überlegenen Gegner gibt dem Wiener Zionismus seine Signatur. Die zionistische Bewegung in Wien ist mit den unterirdischen Quellen zu vergleichen, die plötzlich hervorbrechen. Unsere Arbeit kommt nie zum Stillstand, wenn es auch manchmal so scheinen sollte, daß die Organisation versagt Auch jetzt stehen die Zionisten Wiens vor einer Schlacht. Die Brutalität der Gegner,