Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 38 (25.9.1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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^^ss**; No. 38 DTE3 - allgemeiner Gleichberechtigung noch zunehmen muß, diesen radikalen Autonomisten nicht mehr genügt! Also nach den Wolkenländern! Und wir glaubten im Gegenteil, von anderer Seite müsse man jetzt von den Wolken herabsteigen und den gangbaren Weg mit uns zusammen beschreiten. . Möge doch nicht alles ferner noch im Nebel der Parteileidenschaft schwanken! Möge der gesunde Wirklichkeitssinn den Kastengeist und die frakdon-befangene Engherzigkeit überwinden!. Der Zionismus war nie eine verschwommene Stimmungsduselei und am allerwenigsten wird er es jetzt werden, jetzt da es gilt im Lande der Väter Fuß zu fassen. Man schmähte dieses arme Land, weil es bedrängt war; man gab zu, es sei altheilig und bevorzugt, aber man wies auf die sehlechte Regierung hin. Das war der einzige, wenn auch kurzsichtige, aber wenigstens für den Moment einigermaßen berechtigte Vorwurf und deshalb ging man auf die Suche nach etwas Großem und sofort Erreichbarem. Es mochte dem praktischen Sinn zusagen^ es war ein edles Wollen, es ist nicht wahr, daß wir es bekämpft haben. Aber Jahre sind vergangen und nichts ist erreicht worden. In Palästina ist jetzt vieles zu erreichen: Leben, Arbeit, jüdische Betätigung und freiheitliche Zustände. Da will man jetzt den Spieß umdrehen und uns einreden, wir bauten nur auf einen Zusammensturz der Türkei, wir verlangten nur ein unabhängiges Reich, wir wären nur chauvinistische £elt ' 5 Schlachtenrufer, Himmelsstürmer — ergo zerstört die Neuordnung, der Türkei unsere Hoffnungen. Man will das als „redlich* darstellen, was man an uns geschmäht hat: die Übersehwänglichkeit, die Don-Quichotterie, den Paradepathos, den Hurraenthusiasmus — um die Dinge jetzt so darzustellen, als ob die Freiheit für uns tötlich wä?e. Mit einer solchen Beweisführung wird man die gewinnende Macht des zionistischen Gedankens, für den jetzt reale Gewalten arbeiten, nicht schwächen können. Die Scherze und Paradoxe können momentan gefallen, aber leiten können sie nicht lange. In einem Gewächshause riecht es angenehm, aber es ist doch unmöglich, darin zu leben . . . Die jüdische öffentliche Meinung kann sich nicht lange von den Spitzfindigkeiten einer jetzt gegenstandslos gewordenen Opposition ernähren, sie muß zur Einsicht gelangen, daß der Weg nach Zion der gangbarste unter all den Irrfahrten der Diaspora geworden ist. Nicht wir zu Euch — Ihr müßt zu uns zurückkommen! Und mit offenen Armen werden wir Euch empfangen, wie Brüder, die aus der Ferne nach der alten guten Heimat zurükkehren zu den ihrigen, wo sie wirklich hingehören. Die Proklamierung der konstitutionellen Freiheiten für Palästina war, um das gutgefügte Bonmot der „Jewish World* zu gebrauchen, ein Todesgeläute, aber für den... Antizionismus. N. S. Zu viele Koche k Unter diesem Titel schreibt der „Jewish Comment" .' mit Bezug auf die geplanteneue allgemeine ■ jüdische Kolonisationsgesellschaft u. a.' folgendes: „Die beiden Pläne, die jetzt der Kritik der Öffentlichkeit unterliegen, betreffen, kurz gesagt, die Bildung von Komitees in verschiedenen Ländern, die bei großen Gelegenheiten gemeinsam eingreifen sollen, und die Schaffung einer internationalen Vereinigung, deren Arbeit ständig sein soll. Dem ersten Plan wirft man vor, daß er den Umstand außer Betracht läßt, daß die Notwendigkeit des Wirkens einer großen Organisation zu jeder Zeit besteht, nicht nur in den Tagen großen Unglücks. Die Kritiker des zweiten Planes befürchten, daß eine große Organisation diplomatische und nationale Wege einschlagen und die Stellung der Juden kompromittieren könnte. Tatsächlich haben wir schon letzt -Annäherungen an diese beiden Arten. Die Jewish Colonisation Association mit ihren Agenten in allen Teilen der Erde ist tatsächlich ein internationales Komitee, das wie eine Einheit wirkt und seine Spezialberichte über alle wichtigen Vorkommnisse ausgibt. Ihre Schwäche besteht darin, daß sie einen großen unpersönlichen Fonds repräsentiert ohne jenes Leben und bezeichnenden Anstoß, der von einer Menge tätiger und ernster Männer ausgeht Die Alliance Israelite Universelle ist der Typus einer internationalen populären Organisation, und niemand kann sie anklagen, nationaljüdisch zu sein. Wenn überhaupt, so kann man ihr höchstens vorwerfen, daß sie allzu diplomatisch war, und der spitzfindigste Verfechter der Vorsicht kann ihr in dieser Hinsicht keinen Vorwurf machen. Es ist der Alliance nicht gelungen, ein wirkliches, internationales Interesse an ihren Handlungen zu erwecken, und außerhalb Frankreichs gilt sie überall als eine ausländische Gesellschaft. Dieser Umstand wurde damit erklärt, daß sie bestrebt sei, „einen Franzosen aus einem Juden zu machen"; aber gleichviel ob dies richtig ist oder nicht, jedenfalls ist es ihr nicht gelungen, einen so universellen Charakter zu bekommen, wie ihr ursprüngliches Programm vorsah. Auf der anderen Seite hat der Hilfsverein der deutschen Juden, indem er ähnliche Wege ging, sich aber nicht auf weltliche Interessen beschränkte, beträchtliche Er- - folge als eine populäre Organisation erzielt und verkörpert zurzeit das Beste, was in der Organisation der Juden zur Hilfeleistung, wo jmmer sie nötig ist, getan wurde. Auch der Hilfsverein ist nicht frei von nationalen Beschränkungen und ist genau so deutsch wie die andere Gesellschaft französisch. Aber er hat nichtsdestoweniger gezeigt, wie die Dinge getan werden müssen, und fühlt sich stark genug, jeder Situation oder Organisation zu begegnen ohne die sorgsame Berechnung und das diplomatische Sich—fernhalten, das so charakteristisch für die Ica, die Anglo Jewish Association und die Alliance Israelite Universelle ist, wenn sie sich mit Vorschlägen beschäftigen, die von Personen außerhalb ihrer eigenen Körperschaften herrühren. Wenn die Idee des Hilfsvereins und seine Art der Geschäftsführung ausgebreitet werden könnte, so daß wir eine internationale Vereinigung bekämen, eine einfach jüdische^anstatt einer nationalen Organisation, die ebensosehr deutsch wie jüdisch ist, würden wir eine Universal-Organisation haben, die das Beste darstellen würde, was auf dem Wege der Kooperation unter den Juden getan worden ist Die Furcht daß eine solche Organisation törichte Dinge begehen würde, ist ein Stück zynischer Prophezeiung, die nicht auf der Erfahrung der Vergangenheit beruht. Die törichtsten Dinge sind gerade von den vorsichtigen und „diplomatischen" Führern getan worden, die nur sich selbst repräsentierten. Aberweder Leven, Herzl,Wolffsohn noch Nathan haben der jüdischen Sache geschadet oder die Juden lächerlich gemacht. . Der Hilfsverein zählt 18 000 Mitglieder und es müßte möglich' sein, für eine internationale Organisation 50 000 zu bekommen. Es ist undenkbar, daß die gewählten Vertreter einer solchen Vereinigung von Männern die winzigen Zwerge darstellen sollten, wie es einige wenige offizielle Herren befürchten. ......Die neue Organisation müßte, um Bedeutung zu haben, in irgendeiner Weise alle jüdische Energie außerhalb des Zionismus verkörpern und eine Basis finden, um mit den Zionisten zusammenzuarbeiten. Das würde zu einer Ära überführen, wo die kleinlichen Bestrebungen nach SpezialVereinen und der Chauvinismus, der untrennbar scheint von Juden, die etwas öffentliche Anerkennung erlangt haben, beginnen würde, einem ernsten und herzhaften Angriff auf den Komplex jener verschiedenen Wirren zu weichen, wie wir die Judenfrage zu nennen gewohnt sind." 0. . Im „Jewish World" lesen wir unter Rivalisierende Missionen dies»m Tltel folgendej nicht un_ interessanten "Ausführungen über die von der Alliance ausgesandte Falaschasexpedihon und deren kürzlich erstatteten Bericht: