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Die Welt · 1908-09-18 · 37 (18.9.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
37 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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gandamitteln etc. zu unterstützen. Es handelt sich besonders um die Städte Düsseldorf, Essen, Dortmund und Aachen, wo gute Ansätze zur Gründung von Ortsgruppen vorhanden sind und die Arbeit nun richtig in die Hand genommen werden muß. Es ist zu hoffen, daß nach der gründlichen Aussprache aller anwesenden Herren nunmehr auch in Rheinland und Westfalen der Zionismus festeren Fuß fassen wird. Im Laufe der Verhandlungen erschienen die Herren: Präsident D. Wolffsohn und Professor Warburg, richteten einige ermunternde Worte an die Anwesenden und wünschten den Beratungen besten Erfolg. Die Ansprachen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Amerika Ein Fest des Jugendvereins Niemals zuvor zeigte der Brose-Park in Newyork ein solch zionistisches Gepräge, und war nie so erfüllt von zionistischem Feldgeschrei, als am 23. August, wo die vereinigten zionistischen Jugendvereine von Newyork dort ihr erstes öffentliches Fest abhielten. Über dreihundert Mann stark zogen sie aus der Stadt durch die Siraßen des Eastend, Fahnen schwingend und Lieder singend, bis auf die Wiesen des Parks, wo sie sich mit andern Truppen vereinigten, die aus andern Vierteln gekommen waren. Und bald entwickelte sich ein fröhliches Treiben. Alle möglichen Rasenspiele wurden gespielt, Reigen aufgeführt, Lieder gesungen, gemeinsame Vorführungen gestellt usw. Rab. Jasin hielt eine begeisternde Ansprache an die jungen Leute, die ihm freudig zujubelten. Später wurden Erfrischungen gereicht, und gegen Abend zog die ganze junge, frohe Schaf in geschlossenem Zuge nach Hause. In St. Louis haben die Jugendvereine einen gemeinsamen Ausschuß eingesetzt, der allmonatlich ein Vortrags- und Unterrichtsprogramm aufstellen wird. Rußland Über eine interessante zionistische Versammlung in einem kleinen Orte Podoliens wird uns berichtet: Vierzig Kilometer von der nächsten Eisenbahnstation entfernt, dicht an der galizischen Grenze liegt das kleine Städtchen Satanow. Die dortigen Zionisten, d. h. die Juden Satanows, erhielten vor einiger Zeit die Erlaubnis, eine zionistische Versammlung abhalten zu dürfen. Für die Versammlung wurde eine eifrige Propaganda gemacht und sämtliche benachbarten Städtchen und Dörfer Podoliens von der bevorstehenden Veranstaltung benachrichtigt. Als Termin der Veranstaltung war der 16. August a.St. angesetzt und als Redner Herr Grünberg verschrieben, ein junger talentierter zionistischer Agitator, der im Auftrage der russischen Zentrale seit ungefähr einem Jahre in Podolien, Bessarabien und im Gouvernement Ekaterinoslaw zionistische Versammlungen abhält. Nun wurde unglücklicherweise Herr Grünberg, wie das in diesem Jahre so oft vorkommt, unterwegs aus irgendeinem Grunde verhaftet und konnte daher nicht rechtzeitig am Versammlungsort erscheinen. Dort war unterdessen eine große Menge Juden aus der ganzen Umgebung zusammengeströmt. Da der Redner nicht kam, wartete die Menge einen Tag, noch einen Tag, einen dritten, dann aber telegraphierte man nach Wilna mit dem dringenden Ersuchen, doch ja einen Redner zu senden. Die Wilnaer Zentrale entsandte daraufhin sofort die beiden Herren Galinsky und Klionsky, die denn auch nach vierzigstündiger Bahn- und fünfstündiger Wagenfahrt am 24. August in Satanow anlangten.- Dort waren unterdessen die erschienenen Gäste nicht etwa verlaufen. Im Gegenteil, die aus weiter Ferne herbeigeeilten waren die vollen acht Tage in Satanow geblieben als Gäste des ganzen Städtchens. Und da kein Saal vorhanden war, der mehr als 400 Personen gefaßt hätte, wurde eine große Holzbaracke errichtet, die eigens zu diesem Zwecke mitten in der - Stadt aufgebaut wurde. So nahmen denn an der unter so erschwerenden Umständen zustande gekommenen Versammlung nicht nur die ganze Judenschaft Satanows, sondern auch Juden aus Jarmalinzy, Dunojewzy, Choszewaty, Gresiatyn, Wolozisk, ja sogar aus Kamenetz und den benachbarten Ortschaften teil. Die Versammlung dauerte von 8'/•-• Uhr abends bis 2\s Uhr nachts. Außer den Vorträgen der beiden Wilnaer Herren, die über die Kolonisation Palästinas und den Bezalel sprachen, wurden hebräische und jüdische Lieder gesungen, Gedichte deklamiert,, zwei Orchester spielten, kurz, es war ein Volksfest im besten Sinne des Wortes. Am andern Tage ließ man die beiden Redner noch nicht ziehen. Ihnen zu Ehren fand abends ein großes Bankert statt, das gleichfalls einen ausgezeichneten Verlauf nahm. Zu der Versammlung waren viele Begrüßungsschreiben eingelaufen, darunter auch eines vom Präsidenten Wolffsohn, das unter großem Beifall verlesen wurde. NACHRICHTEN Samuel Hirschenberg zum Gedächtnis Eine erschütternde Nachricht kommt aus Jerusalem: Samuel Hirschenberg ist nicht mehr! Eine Lampe ist ausgebrannt, ein Licht ist uns erloschen. Ein Herz hat, ach wie warm! für uns geschlagen, nun schweigt es. Ein großer Künstler, eine tiefe Seele, ein umfassender Geist ist zu einem Häufchen Asche geworden. Einen großen Verlust hat das jüdische Volk durch diesen frühzeitigen. Tod erlitten. — Es ist gerade ein Jahr her, seitdem es uns gelungen ist, diese tüchtige, künstlerische Kraft in den Dienst des Bezalel zu stellen, seit einem Jahre wirkte und schaffte er an der Quelle unserer großen nationalen Vergangenheit und unserer Zukunft, dem Professor Schatz zur Seite, um einetüchtige,künstlerisch-geschulteGeneration heranzubilden. Tragisch ist das Geschick, das ihn in Palästina untergehen läßt, in diesem gelobten Lande seiner Sehnsucht, das schon seine Knabenträume umgaukelt hatte und ihn mit unwiderstehlicher Gewalt an sich lockte. Sam. Hirschenberg starb in der Blüte seiner Mannesjahre, kaum 43 Jahre alt. In Lodz, als Sohn eines braven, bescheidenen Webermeisters zur Welt gekommen, verriet er schon seit frühester Kindheit Neigung zu seinem künftigen Künstlerberuf. Der Vater sahmit Stolz und Freude die Zeichenversuche seines Altesten, sich der Hoffnung hingebend, einen tüchtigen „Kartenschläger* aus diesem Sohne zu machen, der dereinst die Stütze der zahlreichen Familie werden würde. Jedoch das Schicksal bestimmte es anders. Der Zufall einer Krankheit in der Familie brachte einen Arzt, den Doktor Maksym Kohn, ins Haus. Ich möchte mit einigen Worten auf das Beispiel hinweisen, das dieser warmherzige, edle Mensch, durch seinen Eingriff in die Entwicklung Hirschenbergs allen denen gab, die durch den Zufall des Lebens einem Talent begegnen. Denker und Künstler werden zur Basis und zum Resultat kultureller Eigenschaften eines Volkes. Die Namen der Nabobs oder der großen Krieger finden wir schließlich nur im Lexikon, Denker aber und Künstler lang-vergangener Zeiten und vergessener Völker leben noch heute und behaupten ihren Einfluß auf unser gegenwärtiges intellektuelles Leben und Denken. Welche Bedeutung hätten wir in der Diaspora im Laufe der Jahrtausende, wenn wir nicht die Bibel, die Propheten und die großen philosophischen Geister aufzu-

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