Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 36 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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^No. 36 MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Wir beabsichtigen-, in der Nationalfondsabteilung der „Welt" eine besondere Rubrik für Glückwunschablösungen zum Neujahrsfeste einzurichten. Im Interesse der ökonomischen Verwendung des uns zur ■ Verfügung stehenden Raumes ist diese Neujahrsrubrik in der Weise gedacht, daß auf einen allgemeinen, von der Redaktion festgesetzten Glückwunschtext bloß die Namen der zu Neujahr Gratulierenden folgen. In dieser Rubrik finden alle Gesinnungsgenossen Aufnahme, welche zu diesem Zwecke mindestens 1 Ji für den N.-F. spenden. Wir bitten unsere Freunde, sich rechtzeitig unter Einsendung der Spende vormerken zu lassen. Wir empfehlen den N.-F.-Sammelstellen, auch in ihren Publikationsorganen eine ähnlich angelegte Gratulationsrubrik einzurichten. Zu den in Nr. 32 der „Welt" abgedruckten Vorschlägen des Herrn Meier Henisch in Stanislau sendet "uns der Leiter der .Nationalfondssammelstelle für Österreich, Herr Dr. Egon Zweig, folgende Erwiderung: Unser geschätzter Mitarbeiter für den N.-F., Herr Meier Henisch, hat in diesen Spalten den Vorschlag" gemacht, es mögen künftig alle Gelder für den N.-F. samt Spezifikation von den einzelnen Sammlern und Spendern aller Länder direkt an das Hauptbureau nach Köln gesandt, der Spendenausweis daselbst hergestellt und in einem eigenerr Blatt als Beilage für die zionistischen Zeitungen aller Länder .gedruckt werden. Dieser Vorschlag mag theoretisch viel für sich haben, da tatsächlich in Geldsachen die größtmögliche Konzentration zu wünschen ist, praktisch aber ist er undurchführbar. Da die Porti beim Verkehr nach dem Auslande fast durchweg bedeutend höher sind als im Inlande, würde der direkte Verkehr mit Köln die einzelnen Sammler und Spender mit größeren Auslagen belasten, welche natürlich von den betreffenden Spenden in Abzug kämen. Herr Henisch selbst gibt zu, daß nur im Verkehr von Österreich-Ungarn nach Deutschland durch Benutzung der Postsparkassenkonti eine günstige Ausnahme platzgriffe. Ein weiterer schwerwiegender Nachteil wäre es, daß durch die längere Zeit, welche die Sendung des Spenders nach Köln und die Rücksendung des N.-F.-Ausweises in das Land des Spenders in Anspruch nehmen würde, der Ausweis nicht wiebisher schon binnen 1 bis 2 Wochen, sondern erst später, in Amerika z. B. gewiß erst in einem oder auch mehreren Monaten dem Spender zu Gesicht käme. Es ist offenbar, daß hierdurch die Kontrolle über die präzise Geldablieferung seitens der Spendensammler oder über die wunschgemäße Verwendung der Spenden erschwert und damit das Vertrauen in die ganze Institution erschüttert würde. - Wenn schon angenommen, doch nicht zugegeben wird, daß derrDruck des eigenen N.-F.-Blattes, seine Versendung in Paketen an die zionistischen Zeitungen, -die Arbeit der Beilegung in dieselben -und das Mehrporto der Zeitungen weniger kosten würden, als die jetzt übliche Vergütung an die zionistischen Zeitungen (welche Vergütung z. B. bei der „Jüdischen Zeitung", Wien, deren Selbst-' kosten noch lange nicht erreicht), taucht sogleich die weitere Frage auf, in welcher Sprache dieses eigene N.-F.-Blatt gedruckt werden soll. Etwa in deutscher? Dann wäre es für einen großen Teil Rußlands, der englischsprachigen Länder usw. wertlos; wenn aber dieses Blatt erst wieder hier und dort in andere Sprachen übersetzt werden müßte, um den Zweck eines verständlichen Ausweises zu erreichen, ergäben sich neuerfiche Zeitverluste und neuerliche Kosten, welche doch gerade durch die vorgeschlagene Neuerung erspart werden sollen..... Auch scheint es mir sehr fraglich, ob das Hauptbureau im Falle der Verwirklichung dieser Vorschläge nicht durch die Fülle der Detailarbeit erdrückt oder doch von seiner ihm gebührenden höheren Aufgabe abgelenkt würde, nämlich die Sammeltätigkeit in den einzelnen Ländern nach einem wohldurchdachten, einheitlichen System zu organisieren und fortdauernd zu überwachen. Schließlich liegt die Befürchtung nahe, daß durch die Wegnahme des Geldinkassos die Landessammelstellen sehr bald in ihrer Propagandatätigkeit erlahmen würden, da das Inkasso mit der Propaganda heute in einem innigen Zusammenhange steht. Auf die Landessammelstelle wirkt es wenig anregend, wenn sie die gute Wirkung einer von ihr ins Werk gesetzten Propaganda, wie jüngst z. B. anläßlich des Herzlgedenktages, nicht sogleich aus den bei ihr einfließenden Spendensummen, sondern erst verzögert und auf Umwegen erfährt. Der einzelne Sammler und Spender, der bisher im Anhang zur Spezifikation seiner Geldsendung der Landessammelstelle Bestellungen auf Agitationsmaterial, Anregungen und Wünsche bekanntgab, wird nun, da er. die Spezifikation nach Köln, die Bekanntgabe an die Landessammelstelle richten soll, nicht selten die doppelte Mühe und das doppelte Porto scheuen und daher seine Bestellungen wie seine Korrespondenz zum Nachteil der Sache reduzieren. Überhaupt ist es nicht wünschenswert, übermäßig mit Neuerungen zu operieren. Richtig scheint mir vielmehr, das bereits jetzt befolgte Prinzip weiter auszubilden, wonach das Hauptbureau mit allem Nachdruck auf der periodischen, womöglich wöchentlichen Geldablieferung seitens der Landessammelstellen besteht und jede Verzögerung dieser Ablieferung durch Verlautbarung iri der „Welt" feststellt. So wird jedem Mißbrauch und jeder Lässigkeit welche leicht einen Mißbrauch zeitigt, am wirksamsten vorgebeugt Eine kurze Übersicht über die Tätigkeit des Jüdischen Nationalfonds in Rußland Bis vor kurzem war die Arbeit für den Nationalfonds in Rußland in den Händen des Wilnaer Zentralkomitees konzentriert, welches mit vielen andern Arbeiten überbürdet ist. Auf der Konferenz der russischen A. C-Mitglieder zu Berlin im Januar 1908 wurde, auf Antrag des Z. K., beschlossen,- die Leitung dieser Arbeit von den übrigen Agenden zu trennen und mir zu übergeben. Gleichzeitig wurde vom Direktorium die Bedingung, die ich als sine qua non gestellt habe, angenommen und mir eine gewisse Summe für die Bedürfnisse der erweiterten Agitation und Organisation zur Verfügung gestellt, welche nachträglich von den 10 °/o der Einkünfte, wenn auch dieses Jahr nicht voll, gedeckt werden sollte.