Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 36 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Es gehört nicht zu den leichten Aufgaben, in Rußland eine solche Arbeit in Gang zu setzen. Das kolossal große Gebiet und die politischen Verhältnisse erschweren wesentlich die Arbeit im Vergleich mit den andern Ländern. Sie wird auch dadurch gehemmt, daß wir das Sammelmaterial, unsere „Ware", aus dem Ausland beziehen müssen, was bis nun noch mit Schwierigkeiten verbunden ist. Die Tätigkeit unter der neuen Leitung konnte erst Ende Februar beginnen. Dieser Bericht umfaßt also eine Periode von fünf Monaten. Informativ-agitatorische Tätigkeit Unsere erste Aufgabe bestand in der Feststellung der Zahl von Vereinen, auf deren Mitarbeit wir rechnen durften, und dann in der Erweiterung dieser Zahl. Nach den vom C. K. und von anderer Seite erhaltenen Angaben haben wir unsererstes Rundschreiben an 1050 Adressen versandt. Der Widerhall war ein sehr erfreulicher. Nahezu 400 Antworten bekamen wir, und fast alle erklärten sich bereit, für den Nationalfonds zu arbeiten. Viele lieferten auch den Beweis hierfür, indem sie Spenden schickten oder „Ware" forderten. Die Zahl mehrt sich seitdem allmählich. Selbstverständlich sind bei weitem nicht alle in gleichem Maße tätig. Wir zählen jetzt über 400 arbeitende Vereine. Wir suchen aber jeden Verein, der nur einmal irgendwie reagiert hat, in Tätigkeit zu setzen, dort das Interesse für den Nationalfonds zu wecken, zu erhalten und zu stärken. Leider fehlt uns vorläufig das beste Mittel: die mündliche Agitation, die persönliche Einwirkung. Wir haben weder Mittel und Kräfte genug, noch die äußerliche Möglichkeit dazu und konnten dieses Mittel nur in Ausnahmefällen anwenden (Petersburg, Warschau, Moskau, Minsk, Hornel). Hauptsächlich besteht unsere Agitation in Versendung von Literatur und Korrespondenz. Außer dem genannten ersten Rundschreiben haben wir während dieser Zeit noch zwei erscheinen lassen (eins im Namen des C. K.). Sie erschienen in unserer nationalen und in der Landessprache. Das letzte Zirkular enthält eine detaillierte Instruktion über unsere Arbeit. Jedes Sammelmittel wird darin behandelt, sein Zweck, die Art der Sammlung, Abführung und Kontrolle klar entwickelt. Dieser Instruktion haben wir auch zwei Briefe beigefügt, welche die Vertreter des Nati'onalfonds benutzen können, um ihre Stadtbürger in Fällen der Freude oder Trauer zur Spendenleistung aufzufordern. Wir haben zu diesem Zwecke auch besonderes Briefpapier mit den Emblemen des Nationalfonds hergestellt,- mit und ohne besagten Text. Dieses Papier erfreut sich guter Verbreitung. In einem Monate haben wir 8000 Bogen a 1 Kopeke verkauft. Gleichzeitig mit diesen Schriften haben wir im Jargon eine Broschüre über den Nationalfonds herausgegeben, welche eine Schilderung seines Entstehens, seines Zwecks und seiner Organisation enthält und daneben eine ausführliche, durch Beispiele verschiedener Lebensereignisse veranschaulichte Darlegung der Sammlungsarten bringt. Die Broschüre enthält viele Illustrationen. Ihr Preis, 2 Kopeken, und ihr Stil machen sie volkstümlich. Wir haben an alle unsere Koirespondenten je 1 Exemplar gratis versandt, und außerdem sind bis nun 16000 Exemplare verkauft worden. Dann haben wir, ebenfalls im Jargon, ein Flugblatt herausgegeben, welches, neben, einem warmen Appell, kurz und klar schildert, wie das Blatt auch betitelt ist: „Was kann und soll,jeder Jude für den Jüdischen Nationalfonds tun?" Der Aufruf wird den Gesinnungsgenossen unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Er ist außerdem vollinhaltlich in unsrer Wochenschrift „Das jüdische Volk" erschienen und der Nummer des „Rasswjet" vom 9. Ab beigelegt. Außerdem, um dem Flugblatt eine große Verbreitung in Polen zu geben, haben wir es als Annonce in der Tisch'oh B'Ab¬ Nummer der Jargonzeitung „Unser Leben", welche in einer Auflage von 35 000 Exemplaren erscheint und hauptsächlich in Polen gelesen wird, drucken lassen. Im allgemeinen ist das Flugblatt in 60 000 Exemplaren verbreitet. Die uns vom Hauptbureau zur Verfügung gestellten 9600 Exemplare seines Flugblattes zum 9. Ab in hebräischer Sprache haben wir teilweise dem „Hasman" beigelegt, teilweise in 15 größere Städte des Westens zur Verbreitung während dieses Tages versandt Jetzt sind Vorarbeiten im Gange, um eine Broschüre über den N.-F. in hebräischer und russischer Sprache herzustellen, und hoffen wir, bis zum Herbst mit dieser Arbeit fertig zu werden. Um breitern Schichten die.Bekanntschaft mit unserm Statute zu erleichtern, haben wir das N.-F.-Statut insRussische übersetzt unter der Redaktion des A. C.-Mitgliedes G. Belkowsky. Die Obersetzung ist soeben erschienen. Ihr Preis," 10 Kop.,, wird, jedem Interessenten die Aneignung ermöglichen. Damit wäre dasjenige, was wir an Agitation mittels Drucksachen" leisten konnten, erschöpft Außerdem, wie schon erwähnt benutzen ' wir 2ur Agitation unsere Korrespondenz. Es sind bisher 950 Briefe versandt worden, und 800 haben wir erhalten. Die Ergebnisse der Arbeit Die Ergebnisse unserer Arbeit im Laufe dieser Periode können uns zwar noch nicht befriedigen, sie zeigen aber eine unzweideutige Tendenz zum Wachsen. Wie aus der Tabelle des ^iaupfbureaus ersichtlich ist hat Rußland im Laufe des verflossenen Halbjahres fast den vierten Teil, im letzten Quartal sogar 27°/o aller Einkünfte aufgebracht und zwar Jt 27987. Im Juli sind noch Ji 3880 hinzugekommen. Wenn wir dies Ergebnis von 7 Monaten — JC. 31 867 — mit dem des ganzen vorhergehenden Jahres 1906/7, wo ^38 500 eingingen, vergleichen, so habenwir ein ansehnliches Plus. Ich hoffe, Jm zweiten Halbjahr ein besseres Resultat aufweisen zu können. Was die einzelnen Einkunftsquellen anbelangt so gibt Rußland im allgemeinen dasselbe Bild, wie die andern Länder: An erster 5telte die sogenannten „Allgemeinen Spenden", dann das Goldene Büch, dann alle anderen Spendenarten. Mit Befriedigung müsseh wir dabei konstatieren, daß die Verbreitung der N. F.-Marken in der letzten Zeit merkbar zunimmt Im Laufe "dieser 5 Monate habten wir Marken für Rbl. 907 (ca. JC 2000) verkauft Dies ist natürlich an und für sich keine große Summe, erscheint aber sehr bedeutend im Vergleiche mit den Beträgen aus andern Ländern. Büchsen habenwir bisher 2000 verkauft Ich sage „verkaufte, weil wir diese nicht unentgeltlich, sondern zum Preise von'20 Kop. abgeben. Wir müssen eine große Zollsteuer zahlen, ca. SO Pfg. pro Stück; außerdem kommen noch die Versandkosten. Wir hielten es für notwendig, die Ausgaben des N. F. nach Möglichkeit zu verkleinern. Unser Verfahren scheint der Verbreitung nicht geschadet zu haben. Wir haben bis jetzt 2000 Dosen verbreitet, aber damit nur die Bedürfnisse von 115 Städten befriedigt Wenn die Zahl bei unentgeltlicher Versendung auch größer wäre, hätten wir der Sache damit nicht gedient, denn die Hauptsache besteht nicht in der zu .großen Verbreitung, . sondern in der späteren regelmäßigen Leerung. Telegrammblankette und Sammelbogen haben wir nicht viel verbreitet — 300, resp. 50 Stück, — weil die Zusendung Schwierigkeiten ergab; wir hoffen aber, mit der Zeit beide; in großem Maße zugunsten unseres Fonds verwenden zu können. Eine gute Anwendung finden unsere Quittungsblocks (ein Heft enthält 30 Quittungen über Beträge von 5 Kop. bis 1 Rub., in unseren zionistischen Farben, mit der Karte von Palästina ausgestattet). Wir haben in dieser Zeit 178 Blocks verbraucht. - Publikationen Alle Spenden, die im Laufe einer Woche eingehen, werden im Parteiorgan „Rasswjet" in allen Details veröffentlicht. Gleichzeitig werden die Gesamtsummen dem Hauptbureau und der Bank allwöchentlich mitgeteilt. Derselben werden auch zur selben Zeit die Gelder abgeführt. Gewöhnlich schicken wir noch die Nummern des „Rasswjet" in diejenigen Städte, welche in dem Sp'endenaüsweis der betreffenden Woche vorkommen. Durch all diese Maßregeln ist den weitesten Kreisen die^ Kontrolle vollständig ermöglicht. Die Ausgaben Unsere Ausgaben..überstiegen in diesem Halbjahr die gewöhnlichen 10%, wie dies auch vorausgesehen wurde; die Neueinrichtung und die erweiterte Propaganda brachten dies mit sich. 4 Zum Schluß des Jahres werden wir einen genauen Bericht veröffentlichen. Wir hoffen, mit der Zeit wenn unsere Organis'afionsaüsgaben sich verkleinern und die Einkünfte vergrößern werden, mit den 10°/,, auskommen zu können—jedoch kaum mit "weniger. Es wäre nicht ratsam, in dieser Richtung zusparsam' zu sein: die Kasse des J. N. F. hätte unbedingt die Kosten' zu tragen. Wir sind noch nicht so weit, daß jeder seiner Pflicht immer gedenkt und selbst den Weg sucht wie sie zu erfüllen ist Wir müssen immer mahnen und den Weg ebnen. „Israels Söhne, wenn sie ermahnt werden, geben sie." Dies ist richtig. Es erfordert aber, unaufhörlich zwei Dinge: Arbeit und Geld. Diese beiden müssen wir in den Dienst unserer Sache stellen. Moskau, August 1908. Dr. E W. Tschlenow