Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 36 (11.9.1908)
- Date
- 1908-09-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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16 : DIE^ELT■= No. 36 Sehr geehrte Redaktion! Zu der m Nr. 34 der „Welt" gebrachten Notiz „Die Täuflinge .von Chrzanow" kann ich Ihnen folgendes mitteilen: Die Institution der Gräfin Ogniski, welche vom Landesausschuß subventioniert wird, befindet sich nicht in Chrzanow, sondern in einem von hier entfernt gelegenen Dorfe Bobrek, das zum Bezirk Chrzanow gehört. In diesem Hause werden ca. 30 jüdische Kinder aus Galizien (größtenteils unehelich und die Jünglinge nicht beschnitten) erzogen. . Die Verwaltung ist bereit, die Kinder herauszugeben, wenn man sie in einem Erziehungshause unterbringen wird. Es ist selbstverständlich, daß die hiesige Kultusgemeinde nicht imstande ist, für sie ein Asyl zu gründen, wenn sich die größeren Gemeinden nicht beteiligen wollen. Noch vor einigen Jahren beschäftigte sich damit eine hiesige Frau, namens Gitel Gronner, heute in Jerusalem wohnhaft, welche sämtliche Gemeinden Österreichs ersucht hat, ein Haus für diese Kinder zu bauen, und wie es aussieht, fand sie kein Gehör. Der selige Rabbiner Horowitz aus Krakau hat damals zu diesem Zwecke ein Flugblatt in hebräischer Sprache herausgegeben und an alle Kultusgemeinden versendet. Beim hiesigen Bürgermeister Herrn Dr. Siegmund Keppler liegen 1000 Kronen, welche von einem gewissen Mandelbaum aus Berlin zum Bau eines Erziehungshauses für die Kinder in Bobrek gespendet wurden. Es ist Sache des „Jüdischen Klubs", selbstverständlich wenn sich daran alle Kultusgemeinden Österreichs beteiligen werden, daß ein Haus für die jüdischen Findlinge von der Regierung oder vom Landesausschuß wenigstens subventioniert werden soll, um diesen Unglücklichen eine jüdische Erziehung geben zu können. "Mit Zionsgruß hochachtungsvoll ■■ Chrzanow, 1. September 1908. Hirsch Klein Zum samaritanischen Josua. Hochgeehrter Herr Redakteur! Sie waren so freundlich, in der letzten Nummer Ihres gesch. Blattes vom 4. d. Mts. einen Auszug aus meiner Abhandlung „Über die Unechtheit des samaritanischen Josuabuchs" zu bringen. Als ich die genannte Abhandlung für die Königlich Preußische Akademie in Berlin schrieb, konnte ich das von Yuynboll im Jahre 1846 herausgegebene Chronicon samaritanum bzw. liber Josuae nicht erhalten. Wie es sich später herausstellte, ist dieses Buch wohl in der Königlichen Bibliothek in Berlin vorhanden; nur ist es nach altem Brauche unter „samaritanische Literatur", nicht aber unter dem Namen des Herausgebers verzeichnet Das konnte ich freilich vorher nicht wissen. Erst in Kopenhagen wurde es mir durch das freundliche Entgegenkommen des Herrn Prof. Simonsen ermöglicht Einblick in das Yuynbollsche liber Josuae zu tun. Zunächst fand ich in Yuynbolls Einleitung meine in der erwähnten Abhandlung ausgesprochene Vermutung vollauf bestätigt: Die Samaritaner betonen in ihren Briefen an Scaliger vom Jahre 1598 ausdrücklich, daß sie nur einen arabischen, nicht aber einen hebräischen Josua besäßen. Ferner konnte ich bei einer näheren Untersuchung des arabischen Textes des liber Josuae feststellen, daß der samaritanische Josua in den meisten Fällen nicht mit Yuynbolls Text, sondern mit dem Texte der von mir bei der Abfassung meiner Abhandlung benutzten arabischen Chronik des im Jahre 1898 verstorbenen samaritanischen Priesters Pinhas ben Ishag übereinstimmt. Diese Feststellung überzeugte mich, daß der samaritanische Josua unbedingt von Pinhas' Chronik abhängig ist. In meinem auf dem orientalischen Kongreß gehaltenen Vortrag sprach ich infolgedessen die Vermutung aus, daß der samaritanische Josua entweder vom genannten Pinhas selbst oder von einem andern, möglicherweise heute noch lebenden Samaritaner verfaßt worden sein könne. Wie ich nun von Herrn David Yellin in Jerusalem erfahre, ist er in den letzten Tagen dem Verfasser des samaritanischen Josua auf die Spur gekommen. Herr Yellin wird, wie er mir schreibt, bald seine letzten Ermittelungen in der Presse bekannt machen. Herrn Yellin gebührt, wie ich bereits in meiner Abhandlung hervorgehoben habe, das Verdienst, zu allererst die Unechtheit des samaritanischen Josua erkannt zu haben. Zum Schluß sei mir noch eine kleine Berichtigung gestattet. In einer Fußnote zu Ihrem Artikel über die Unechtheit des samaritischen Josuabuches geben Sie an, daß ich über dasselbe Thema in der Königlich Preußischen Akademie einen Vortrag gehalten hätte. Dieses trifft nicht ganz zu. Die Abhandlung, aus der Sie einen Auszug gemacht haben, ist der Akademie von den Herren Prof. Theodor Nöldeke und Eduard Meyer vorgelegt und von letzterem in der Sitzung vom 30. Juli der Akademie vorgetragen worden. Sie ist nunmehr in den Sitzungsberichten Bd. XXXIX erschienen und ist jedem, der sich für die nähere Begründung der Unechtheit des samaritischen Josua sowie für die in Ihrem Auszug weggebliebenen Belege interessiert, zugänglich. Mit vorzüglicher Hochachtung 7. September 1908. Dr. A. S. Yahuda. „März", Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber Ludwig Thoma, Hermann Hesse, Albert Langen, Kurt Aram Zweites Augustheft 1908. Preis JC 1.20, im Abonnement: das Quartal (6 Hefte) JL 6.—. Verlag von Albert Landen in München. In dem glänzend geschriebenen -Leitartikel des zweiten Augustheftes des „März" entwirft der bekannte Reichstagsabgeordnete Conrad Haußmann in großen Zügen ein Entwicklungsbild der größeren asiatischen Staaten in den letzten Jahrzehnten. Welche Hoffnungen die Jungtürken auf „die neue Ära" in der-Türkei setzen, darüber verbreitet sich Ahmed Riza. Ferner bringt das HefTden Schluß der Novelle „Sumpffieber" von Hermann Bessemer, der von Hermann Hesse übersetzten Abschnitte „Aus dem Dialogus miraculorum des . Cäsarius von Heisterbach", den Anfang einer Satire „Der Genius von Hintermichelswaag" von Wilhelm Schüssen und einen Beitrag „Lob der Gegenwart" von Adolf Loos. Weiter einen illustrierten Artikel „Die Welt der Materie im Deutschen Museum" von Adolf Saager, der sich in allgemein verständlicher Form mit der dem Laien sogeheimnisvoll erscheinenden Wissenschaft der Chemie befaßt. Kühne Hypothesen stellt Avincena in seinem Artikel „Das Weib und die Menschwerdung" auf. Und wenn man vom Standpunkt der Wissenschaft aus seinen Schlußfolgerungen aueh manches Fragezeichen entgegensetzen mag, so wird sich doch keiner dem Charme und dem Geist seiner Ausführungen verschließen. Zu der besonders durch das Münchener Künstlertheater in Fluß gekommenen Frage der Bühnenreform nimmt Dr. Max Maas in seinem Aufsatz „Bühnenreform und antikes Theater" Stellung; und „Die Erinnerungen eines Arztes aus dem russisch-japanischen Kriege" von W.Weressajew, die sich wie satirische Märchen ausnehmen und doch wahr sind, werden zweifellos allgemeines Interesse erwecken. Verein jüdischer Techniker, Mittweida Alle A. H. A. H., B. B.' B. B., an die hiermit gleichzeitig die Bitte ergeht ihre Adresse uns unverzüglich zukommen zu lassen, werden von der am 30. August erfolgten Ausschußwahl für das W.-S. 1908/9 in Kenntnis gesetzt die ergab: Nat. Gottlieb, Präsident; H. Kommissar, Schriftführer; W. Liverant Kassierer; M. Goschansky, Bibliothekar. kaeH-ieoloplie Lebranstalt in Itn Das Schuljahr 1908/09 nimmt Montag den 19. Oktober seinen Anfang. Die Aufnahmeprüfungen, zu welchen nur die früher schriftlich angemeldeten zugelassen werden können, finden Montag den 19. und Dienstag den 20. Oktober statt Die Vorlesungen beginnen Mittwoch den 21. Oktober. WIEN, 1. September 1908. Der Rektor: Prof. Dr. A. Schwarz HOST Schreibe-Maschine Erste Marke der Welt Schönste Schrift 85 Buchstaben Hebräische Typen Kein schmutziges Farbband The 9ost Typewriter Co. Ltd. SO, Holborn Viaduct, London E. G.