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Die Welt · 1908-09-11 · 36 (11.9.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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nicht nur ein Beweis dafür ist, daß durch die Begründung eines Kindergartens in Tiberias einem dringenden Bedürfnis entsprochen ist, sondern auch von neuem dafür zeugt,, daß die Institution-des Kindergartens, die durch den Hilfsverein in Palästina zur Einführung gekommen ist, ältere Vorurteile völlig beseitigend, sich die größten Sympathien der Bevölkerung erworben hat. Marokko Der neue Sultan und die Juden in Tangei-;Am Morgen der Proklamation des neuen Sultans von Marokko sandte der Gouverneur von Tanger ein Telegramm äh den Chief Rabbi, worin er ihn ersuchte, in der Alcazaba, dem Regierurigs^ gebäude des Gouverneurs, zu erscheinen. Am Nachmittag kam Rabbi Mordechai Bengio, der Chief "Rabbi, ein seTir ehrwürdiger Mann, der sich in Marokko allgemeiner Hochachtung erfreut,, im Alcazaba an. Er war begleitet von den hervorragendsten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, nämlich den Herren Isaac Jvl. Nahon, Menahem Abecasis, Solomon M. Pariente, Judan M. Cohen, Möses M. Bengio und Joseph S. Nahon. Bei seiner Ankunft würde, der Rabbi, mit Freudenrjifen und Hochrufen auf den Sultan begrüßt. :Alle Mauren und alle Juden, welche zur Bjegrußurig des Chief Rabbi herbeigeeilt waren, trügen Fahnen, der verschiedensten Färben, welches sehr. malerisch aussah, "und eine Musikkapelle ließ fortwährend ihre Weisen ertönen. Der Gouverneur Hädy Abdesläm Ben Abdessadak erwartete den Chief Rabbi am, Eingang seines Empfangszimmers, welches aus diesem Anlaß besonders reich mit Teppichen geschmückt war. Außer dem Gouverneur waren noch sämtliche anderen Herren der Regierung anwesend. Als der Chief Rabbi und dier. Repräsentanten . der Jüdischen Gemeinde angekommen wären, lud der Gouverneur •sie nach herkömmlicher Weise ein, Platz zu nehmen, und eröffnete .ihnen dann offiziell, daß Marokko jetzt einen neuen Sultan habe, der . nach alter überlieferter Tradition fortfahren wolle, in den Juden Freunde des Landes zu sehen und sie mit Gerechtigkeit und Freundlichkeit zu behandeln. Rabbi Bengio dankte dem Gouverneur sehr herzlich, dann sprach er ein Gebet und erteilte dem neuen Sultan seinen Segen. Das Gebet und der Segen wurden vom Rabbi natürlich hebräisch gesprochen, und es war rührendanzusehen, mit welch' tiefer Aufmerksamkeit und Andächt der Gouverneur und seine Begleitung den Segenssprüchen des "Rabbi zuhörte, während die ganze jüdische Deputation sich von ihren Sitzen erhoben hatte. Bei ihrem Weggange schüttelte der Gouverneur jedem einzelnen Mitgliede der Deputation die Hand und* dankte ihnen für ihren Besuch und die Versicherung ihrer Treue für den neuen Herrscher . von Marokko. Der Gouverneur sprach während einer geraumen; Zeit mit Mr. Isaac M. Nahon, einem der hervorragendsten Mitglieder der jüdischen Gemeinde mit dem er auf sehr freundschaftlichem Fuße steht, und wiederholte ihm, daß die Juden nicht zu befürchten brauchten, während des neuen Regimes nach irgendeiner Richtung hin belästigt zu werden. Rabbi Bengio wurde von einer großen Volksmenge und der Musikbande, die ihn auch bei seiner Ankunft begrüßt hatte, nach Hause begleitet. Während des ganzen Nachmittags dauerten die Demonstrationen der Juden in den Hauptstraßen fort, und immer wieder ertönte der Ruf: „Alla segne Muley Hafid." Änderung der türkischen Grundrechte Wir entnehmen der in Konstantinopel neu "erscheinenden deutschen Tageszeitung „Die neue Türkei" folgende Meldung: Die" erste Regierungsvorlage des Parlaments-wird, wie wir 'erfahren,"' diei Über- ' Prüfung der Konstitution und die Zusammensetzung des Senats betreffen. Die Senatoren sollen nicht vom Sultan ernannt, sondern vom Volke oder vom Parlament gewählt werden. Auch ein Gesetz über die Grundrechte wird von einer Kommission des Evkaf-Ministeriums vorbereitet und ehestens eingebracht werden. Schächtverbot "; Das Schächtverbot in Bielefeld war am 25. August Gegenstand " einer Verhandlung des Schöffengerichts daselbst Die Fleischermeister , hatten ohne Rücksicht Auf das polizeiliche.. Verbot, durch' den . geprüften. Schächter die Schlachtung nach jüdischem Ritus fortsetzen lassen. Die prinzipielle Seite der Sache, nämlich die Frage, ob gegenüber den Anordnungen der Mmisterialinstanz ein polizeiliches Verbot für einzelne Landesteile guftig'erlasseri werden kann, kam niefit zur Entscheidung. Das Schöffengericht stellte nämlich fest, daß die polizeiliche Verordnung nicht ordnungsmäßig : bekannt gemacht war, und gelangte deshalb zur Freisprechung. Laut Bericht in Nr. 33 der Welt hat Herr Dr. Braude auf der Jahrieskonferenz folgendes gesagt : „Diese Sache steht auch im Zusammenhange mit einer Angelegenheit des galizischen Landeskomitees..... Die Misrachisten hätten Herrn Fadenhecht als Vertreter für die Verhandlungen bestimmt und verfangt, daß man ihnen separate Schekelblocks zuschicke. Wir antworteten, Herr Fadenhecht könne die Schekelblocks von dem zuständigen Distriktskofnir.ee resp. der Ortsgruppe in Kolomea erhalten. Herr Fadenhecht hat sich aber nicht an das Distriktskomitee, sondern direkt an die Zentrale gewendet und sich bemüht, von dieser die Schekelblocks zu erhalten." Da die vom Misrachi an die Jahreskonferenz gerichtete Eingabe betr. der Schekelabgabe nicht — auch nicht auszugsweise — in dem Bericht über die Jahreskonferenz abgedruckt ist, ist es notwendig, auf die Äußerungen des Herrn Dr. Braude hier zu antworten. Wir übergehen absichtlich den ersten Satz seiner Ausführungen; der uns unverständlich ist, und erwarten, daß Herr Dr. Braude diese Kombination der Schekelabgabe und Sabbataffäre aufklärt. Zur Sache selbst macht Herr Dr. Braude unrichtige Angaben, wie sich aus folgenden Tatsachen ergibt: Am 12. Febr. 1908 schrieb das galizischeZentralkomitee in Lemberg folgenden, von "Herrn Dr. Braude unterzeichneten Brief an Herrn Fadenhecht: Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse! Ihr Schreiben samt beigelegter Legitimation seitens des Misrachibureaus haben wir erhalten. Ordnungsgemäß könnten Sie die Schekelblocks nur von Stanislau als Ihrem Distriktskomitee erhalten. Da eine direkte Überlassung von Blocks eine Durchbrechung unserer organisatorischen Vorschriften bedeuten würde, so könnte dies nur auf eine Weisung von Köln hin erfolgen. Wollen Sie sich also nach Köln wenden und auf Regelung der Sache dringen. Wir erwarten von dort Direktiven. Sie verlieren dabei nichts, da ohnedies die Schekelsammlüng erst in einiger Zeit eingeleitet wird. Bis dahin ist die Sache hoffentlich geordnet. Mit Hochachtung und Zionsgruß Centralny Komitet galicyiskich Syonistow gez. E. F. (unleserlich) gez. Dr. Braude Die von Herrn Dr. Braude verlangte Weisung ging von Köln in den" ersten Tagen des März an die galizische Zentrale ab; diese jedoch kümmerte sich nicht darum. Der obige Brief ist der einzige, welchen Herr Fadenhecht von der galizischen Zentrale erhielt; denn alle späteren, teilweise eingeschriebenen Briefe des Herrn Fadehhecht an die galizische Zentrale blieben unbeantwortet. Ferner: Am 18. Juni 1908 telegraphierte die galizische Zentrale an das Zionistische Zentralbureau in Köln: „Distriktskomiiee Stanislau beauftragt ausfolgen Blocks." Das Kölner Zentralbureau gab die Mitteilung an Herrn Fadenhecht weiter, und dieser fuhr daraufhin am 21. Juni 1908 von seinem Wohnort Kolomea die über 50 km weite Strecke nach Stanislau, um die Blocks in Empfang zunehmen; er mußte aber unverrichteter Sache nach Hause zurückkehren, da in Stanislau weder Schekelblocks noch irgendeine Weisung von der galizischen Zentrale vorhanden waren. Es ist selbstverständlich, daß Herr Fadenhecht, der der misrächistische Vertrauensmann für ganz Galizien ist, sich zur Erlangung der. Schekelblocks an die galizische Zentrale wandte; es "ist aber "durchaus unrichtig, — wie Herr Dr. Braude es darzustellen suchte, — daß Herr F. sich darauf versteifte, nur von der , Zentrale die Schekelblocks entgegenzunehmen. R i c h t i g ist vielmehr, 'daß Herr Fadenhecht, wie seine Fahrt nach Stanislau beweist, gerne bereit gewesen wäre, die Schekelblocks auch vom Distriktskomitee in Empfang zu nehmen, daß er nur infolge der Schwierigkeiten und Schikanen von seiten der galizischen Landeszentrale erst nach Ablauf der galizischen „Schekelw'oche" in den Besitz der Blocks kam und daß Herr'Dr. Braude sein Verfahren resp. das der falizischen Zentrale nachträglich noch durch nicht den atsachen entsprechende Angäben zu rechtfertigen suchte. Bureau des Misrachi für Westeuropa Dr. Feuchtwanger ' Frankfurt ai M., 7. Sept. 1908

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