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Die Welt · 1908-09-11 · 36 (11.9.1908) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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: DIE32EELT : Nö. 36 fremder Rassen konnten wohl dem Leserkreise der russischen Presse so selbstverständlich zuschwimmen, hier gibt es aber vorläufig noch keine Schwarzen Hundertschaften. Die Sorgen der jüdischen Nation Der Tod entzieht die Menschen der irdischen Gerechtigkeit, die gewollte oder ungewollte Demission aber nicht. Man glaubte schon, MoTse Halevi sei für immer begraben, aber er regt sich noch, oder vielmehr er wird gerüttelt. Der allgewaltige, unumschränkt herrschende Chacham-Baschi von gestern muß heute seinen Platz auf der Anklagebank wegen Fälschung einnehmen. Das System der nationalen Autonomie wies ihm auch die Funktion Pässe auszustellen, zu; bei jedem Vertrag mußte also das Großrabbinat die Kontrahenten legitimieren. Nun ereignete es sich, daß ein Jude in Konstantinopel ein Haus erwerben wollte, und um dies zu verhindern, erklärte MoTse Halevi, der Betreffende sei gar nicht die Person, für die er sich ausgebe. Es wird behauptet, der Chacham- Baschi hätte nur das Jesuitenprinzip, der Zweck heilige die Mittel, angewandt, um eine widerrechtliche Aneignung von jüdischem Gemeindegrund zu hintertreiben. Wer soll sich aber in den Motiven der früheren Volksvorsteher zurechtfinden? Größere Sorgen bereiten dem neuen Großrabbinat die Klagen der jüdischen Fleischer. Sie behaupten, man erhebe bei ihnen unrechtmäßig Gabellagelder für Fleisch, das sie auch an Nichtjuden verkaufen, indem sie diese Steuer gleich am Schlachthaus für das gesamte Fleischquantum, das sie nehmen, zahlen müssen. Zudem entziehen sich viele Juden der Gabellasteuer, indem sie ihr Fleisch nicht bei jüdischen Fleischern kaufen; das bewirkt, daß die Fleischer zu viel belastet sind, während viele Juden nichts zum Budget der Nation beisteuern; sie wünschen also eine .direkte Einziehung der Gabella von den Konsumenten. Neben den eigeneninneren Angelegenheiten denken aber die Juden noch an die Pflege guter Beziehungen zu ihren Mitbürgern. Bei den Sammlungen zugunsten der Abgebrannten von Stambul beteiligen sich die Juden in hervorragender Weise. Von den ausländischen jüdischen Organisationen, die im Orient tätig sind,, hat die Alliance Israelite Universelle 2000 Fs., die deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance 2000 Fs. und der Hilfsverein 2500 Fs. beigetragen. Die Gabe der letzteren Organisation wurde dem Minister des Innern, Hakki bey, von Rabbiner Dr. Markus und Herrn Reisner, dem Präsidenten der Aschkenasim, übergeben, wobei der Minister die Gelegenheit wahrnahm, seine Sympathie für den Hilfsverein und die Juden auszusprechen. Bei den patriotischen Kundgebungen stehen die Juden natürlich an erster Reihe. Anläßlich der Thronbesteigung Sr. M. des Sultans wurde im Tempel von Galata ein Festgottesdienst abgehalten, bei dem der Chacham - Baschi - Stellvertreter eine spaniolische und türkische Rede hielt Er pries die Freiheit, die S. M. dem Volke wiedergegeben hat, und erklärte die Prinzipien der Konstitution. Auch an dem patriotischen Empfang des aus dem Pariser Exil heimkehrenden Prinzen Sabaheddine, des Neffen des Sultans, der die sterblichen Überreste seines fürstlichen Vaters aus dem Pere Lachaise heimbrachte, beteiligten sich die Juden in würdiger Weise. Neben den armenischen, griechischen und den vielen türkischen Schiffen, die dem Prinzen entgegenfuhren, befand sich auch ein Schiff, das von der jüdischen Jugend in Haidar-Pascha gemietet war und unter Leitung von MoTse Fresco dem Prinzen den Willkommengruß entbot. AUS DER BEWEGUNG il o o o o o o o Aufruf! Wir stehen vor einer welthistorischen EntWickelung. Unser Orient erwacht zu neuem Leben. Die Freiheit hält ihren feierlichen, friedlichen Einzug in die Cürkei und in das geliebte Palästina. Die zionistische Idee muh jetzt wieder wie ein neues Cageslicht vor der Jüdischen Öffentlichkeit aufsteigen. Es zeigt sich jetzt mit aller Klarheit, dafc wir, der Vergangenheit getreu, auch die Zukunft richtig vorausgesehen haben, indem wir unsere Bestrebungen und Hoffnungen nach Palästina richteten. Die Illafjnahmen der neuen turkifchen Regierung eröffnen schon jetzt bedeutende Hrbeitsmöglichkeiten in Palästina. Und damit in Palästina gearbeitet werden kann, muh um Palästina, d. h. im Zionismus gearbeitet werden, man muh alle Kräfte in Bewegung setzen, um unserer Partei mittel zu perschaffen, damit sie jetzt den grofcen Hufgäben gewachsen sei. Vielen ist es langweilig geworden, sich an der Kleinarbeit der Organisation zu beteiligen. "3n der Cat gehört Geduld dazu. Hber wenn man keine Geduld hat, schafft man keine Kraft, und wenn man keine Kraft hat, so ist es ganz vergeblich, Projekte zu machen. Die letzte 3ahreskonferenz hat den Uermin für die Schekeleingänge d. 3. bis zum 1. Oktober verlängert. Gedenket des Sdiekelst Wirkliche Parteimitglieder sind zahlende Ulitglieder. nur diejenigen, welche zahlen, arbeiten auch. Und erst durch die Organisierung zahlender ülitglieder bekommt der Zionismus — nicht nur als Idee, wie er es immer war, sondern als Organisation eine konkrete Gestalt und eine selbständige Bedeutung. Eine -Organisation ohne Beiträge ist ein hilfloses msfrument. Gedenket des Parteifonds! per Kongreh hat den Parteifonds einstimmig akzeptiert. Sämtliche Cagungen und auch die letzte Lahres» konferenz hat die Pflicht der Parteisteuer unsern Gesinnungsgenossen wieder aufs neue eingeschärft. man mache sich klar, was es heifct, Institutionen erhalten und immer neue verlangen, ohne die mittel zu diesem Zwecke herzugeben r Keine Partei und keine fieifung kann dieses meisferstück fertigbringen, ohne mittel nicht nur das fllte zu erhalten, sondern auch Heues zu schaffen. 3e tüchtiger die Hrbeit der mitfelbeschaffung, je reger die Begeisterung in den Vereinen in konkreten Ergebnissen zum Ausdruck kommen wird, desto mehr werden wir in .der üage sein, den Zionismus jetzt seinen höchsten Zielen tatkräftig etttgegenzuführen. Organisation, Einigung, erneute Werbe- und Spendekraft sind unsere Gegenwartsaufgaben. Das Aktionskomitee

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