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Die Welt · 1908-09-11 · 36 (11.9.1908) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Deutschland Chemnitz: Am 3. September sehr gut besuchte Versammlung, verbunden mit einer Nachfeier zum Gedächtnis an Herzls Todestag. Deklamation (Frau Deutsch) und Gesang (Herr Kantor Goldberg), Gedächtnisrede (Herr Deutsch). Redner entwarf ein Bild von Herzls Werdegang und appellierte mit packenden Worten an die Anwesenden, an der Ausführung von Herzls Plänen mitzuarbeiten. Im zweiten Teil des Abends referierte unser Delegierter Herr Jacoby über den XI. Deutschen Delegiertentag in. Breslau. Diskussion. Eine Tellersammlung ergab Jt 30.— zu 5 Ölbäumen für den Herzlwald. Hier hat sich ein Jüdischer Turnverein gebildet, der beabsichtigt, sich der Jüdischen Turnerschaft anzuschließen. England London: Am vergangenen Sonnabend fand abends eine Versammlung der Hebrew Speaking Society („Dobbrei Ibrith") in den Räumen der Kings' Hall, Commercial Road, statt. Der frühere Präsident der Gesellschaft, Mr. J. Janischewsky, welcher demnächst nach Palästina geht, verabschiedete sich dort mit einer interessanten Rede, deren Thema lautete: „Mein Glaube." Die Rede war eine Rechtfertigung des Zionismus als eines Versuchs, der eher geeignet wäre, das Probien: der jüdischen Nationalität zu lösen, als das der jüdischen Massen.' Das letztsre Problem bedeute in der Hauptsache wohl nichts anderes, als die heutigen Juden vor Verfolgungen zu schützen, .und das, so führte der Redner aus, könne nicht dadurch gelöst werden, daß man versuche, das ganze Volk nach einem einzigen Lande zu bringen; denn selbst wenn man ein passendes Land gefunden hätte, werde es unmöglich sein, die Oberführung so schnell zu bewerkstelligen, daß sie mit dem natürlichen Wachstum der Rasse gleichen Schritt hielte. Deshalb sollten sich die Zionisten vor allem mit dem andern Problem beschäftigen, nämlich in Palästina die Grundlagen einer jüdischen Nation zu legen, welche imstande sei, unter normalen Verhältnissen sich frei zu entwickeln. Eine Diskussion schloß sich der Rede an. Ungefähr 100 Personen nahmen an der Versammlung, welche von Mr. S. B. Moseimovski geleitet wurde, teil. Bei der Monatsversammlung, der Association of East London Zionist; unter dem Vorsitz von M.r. J. K. Goldbloom wurde beschlossen, daß der Verkauf der Schekel bis zum 1. Oktober ausgedehnt werden sollte und daß die Sammlung für den Parteifonds fortgesetzt werde. Die Anregung der Propagandakommission behufs Gründung einer jüdischen Zeitung wurde zur Kenntnis genommen und einer Kommission, an deren Spitze Dr. Salkind steht, überwiesen. Von Mr. J. Beikind, dem Gründer der Kirjath Sefer-Schule in Palästina, wurde ein Brief verlesen, in welchem derselbe mitteilt, daß die Schule nunmehr mit einer beträchtlichen Zahl von Schülern eröffnet worden sei. Manchester: Am letzten Sonntag war der Vorstand des Herzl Moser Institute zusammen, um über eine Ehrung zu beraten, welche man dem hervorragenden Vorstandsmitgliede des Instituts, Miss Sarah Gittleson, anläßlich deren Heirat erweisen wollte. Man beauftragte die Präsidentin Mrs. Umanski, im Namen der Gesellschaft Miß Sarah Gittleson die herzlichsten Glückwünsche auszusprechen und ihr ein Geschenk zu überreichen. Tredegar: Bei einer Versammlung der New Tredegar & District Zionist Society in der Workmen's Hall am Sonntag hielt Mr. S. L. Harris eine Rede über das Thema: „Der Zionismus als ein Ideal." M. J. Pruss leitete die Versammlung und die Disküssion. Bradford: Während seines Ferienaufenthalts in Llandudno in Wales hielt unser Gesinnungsgenosse Rabbiner Dr. Strauß eine mit großem Beifall aufgenommene Predigt am Sabbat Nachmu vor einer größeren Anzahl von Badegästen über den Zweck der zionistischen Bestrebungen und ermahnte zu einheitlichem Handeln. Ungarn Nagybänya. Der hiesige Verein „Hatikwah" veranstaltete am 23. August eine sehr gut besuchte öffentliche Versammlung im Prunksaale der „Bürgerlichen Lesehalle". Unter den Erschienenen bemerkte man auch zahlreiche hervorragende Nichtjuden, wie Andreas György, gewesener Ackerbauminister, Georg Gergely, Akademieprofessor u. a. m. Die Vor rage nahmen einen glänzenden Verlauf. Ingenieur Benjamin B-eregi, Vizepräsident der „Ungarischen Landesorganisation", hielt eine Vorlesung über „Judentum und Zionismus unter den waltenden Ideen des XIX. und XX. Jahrhunderts". In einstündiger Ausführung behandelte der Redner die Entwicklung, den Stand und die Beziehung des Zionismus zum Sozialismus. Die kleine Virtuosin. Ilonka Glück, trug einige Klavierstücke vor, Frl. Leona Hartmann (Szatmär) hielt eine begeisterte Ansprache an . die jüdischen Frauen, Ella Vieder deklamierte „Die Hoffnung" von Ibu Gabriol und stud. med. Victor Jordan (Szatmär) schilderte die Gegenwartsarbeit in Palästina und im Golus. Mit einigen schwungvollen Worten des Vorsitzenden, cand. Adv. Ludwig Friedmann endigte die in jeder Beziehung gelungene Versammlung. — Abends fand zu Ehren der anwesenden Gäste und Deputationen der Nachbarvereine ein Bankett statt, wobei über 100 Personen anwesend waren und viele Toaste gehalten wurden. Ende der Woche konstituierten sich der Zionistische Männerverein, Frauen- und Mädchenverein. Amerika Amerikanische Besucher in Palästina Im Anschlüsse an die Berichte über die Palästinareise eines Herrn Lichtenstein aus Philadelphia, der samt seiner Frau in Jerusalem war und den dortigen Wohltätigkeitsanstalten namhafte Geschenke überwies, drückt ein Korrespondent des „Tageblatt" in New-York sein Bedauern darüber aus, daß die meisten Besucher aus Amerika ihre Beobachtungen auf die Wohltätigkeitsanstalten der großen Städte in Palästina beschränken, ohne mit dem gesunderen und tüchtigeren Element in den Kolonien in Verbindung zu kommen. Da sie in ihren Hotels in Jerusalem sitzen bleiben, kommen die ausländischen Gäste nur in Berührung mit solchen Leuten, die ein Interesse daranhaben, Spenden für die verschiedenen Wohlfahrtsanstalten zu erlangen. Die große Masse der jüdischen Ackerbauer und Handwerker kann man nur in ihren Wohnsitzen beobachten, und die Touristen, die sich nicht der Mühe unterziehen, diese Bevölkerungselemente kennen zu lernen, bleiben unwissend über die tatsächlichen Bedingungen in Palästina, und was schlimmer ist, sie nehmen einen falschen Eindruck mit sich und den Glauben, daß Palästina ausschließlich aus Wohltätigkeitsanstalten besteht Agitationsreise Mi*. Zolotkoffs Der Assistent des Staatssekretärs in Chicago, Mr.LeonZolotkoff, unternimmt zurzeit eine Agitationstour durch die westlichen Staaten im Interesse des" Ordens Knights of Zion und des Zionismus im allgemeinen. Er wird voraussichtlich Vorträge halten in Des Moines, Omaha, Lincoln, Sioux City, St Paul und Denver. In einem Vortrage vor der Kadimah in Chicago konstatierte der Vizegroßmeister der Knights of Zion, Mr. L. Knitier aus Omaha, daß der Zionismus in den westlichen Staaten an Bedeutung und Ausdehnung gewinnt. Australien Die Jahresversammlung der Victorian Zionist League am 19. Juli nahm einen sehr erfreulichen Verlauf. Die vorgelegten Berichte lassen ein Anwachsen der Bewegung deutlich erkennen. Der verdiente Vorsitzende Honrable Nathaniel Levi, J. P., sah sich zu allgemeinem Bedauern aus Gesundheitsrücksichten veranlaßt, von seinem Amt zurückzutreten. An seiner Statt wurde Mr. B. C. Aiston gewählt Misrachi Köln: Gemäß einem Beschlüsse der jüngsten Tagung des Misrachiverbandes sprach am Donnerstag, den 3. ds. Mts. eine misrachistischeDeputation bestehend aus den Herren Dr.Bamberger- Nürnberg und Dr. Feuchtwanger-Frankfurt bei dem Präsidenten Herrn Wolffsohn in Köln vor. Im Laufe der Unterredung in der Wohnung des Herrn Präsidenten sowie in dem zionistischen Zentralbureau wurden alle von der Deputation vorgebrachten Fragen eingehend besprochen. Es handelte sich hauptsächlich um zwei Fragen, über die ein vorläufiges Einverständeis erzielt wurde: die Frage der Schekelausgabe und die der Unterstützung des Hebräischen Gymnasiums durch den Nationalfonds. Was die Schekelfrage anlangt, wurde der Deputation .erklärt, daß das Zionistische Zentralbureau in Köln in jeder Hinsicht bestrebtsei, dem Misrachi die Aufbringung der zur Bildung einer Föderation" erforderlichen Schekelanzahl zu erleichtern und sich bemühen werde, die in einzelnen Ländern zutage getretenen Schwierigkeiten zu beseitigen. Das Zionistische Zentralbureau in Köln wird demgemäß das Zentralbureau der zionistischen Organisation für Rußland ersuchen, es möge Schekelblocks in genügender Anzahl an einen Vertrauensmann des Misrachi ausgeben, der sie selbst an die Vertrauensleute des Misrachi weitergeben wird. Im gleichen Sinne soll ein Ersuchen an das galizische Zentralkomitee gerichtet werden mit der Maßgabe, daß Vorsorge getroffen werde, daß die neuen Schekelblocks schon Anfang Oktober in den Besitz der misrachistischen

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