Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 32 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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l( jU€D1SCH6R ff ATI QUAL- FÖI1 DS| MITTEILUNGEN DES HAUPTBUREAUS DES JÜDISCHEN NATIONALFONDS IN KÖLN Als Nachtrag zur statistischen Tabelle der im Juli d. J. ausgewiesenen Spenden verzeichnen wir nachfolgend die Erträge der im Monat JuK seitens der einzelnen Sammelstellen verkauften Nationalfondsmarken und Telegrammblankette, soweit die Sammelstellen uns diese Erträge gemeldet haben: N.-F.-Marken: Telegrammblankette: Rußland . . . . .c^ 681.26 Österreich - . . *Ä 87.65 Österreich Ungarn . - . Rumänien Gesamtverkauf „ 281.69 . 15162 1.62 England Rußland. Belgien . Ungarn . 45.90 23.76 18.10 11.05 980.19 Gesamtverkauf «iU 86.46 Unser geschätzter Gesinnungsgenosse Herr Meier Henisch in Stanislau, Nationalfondskommissär des südgalizisehen Distrikts, unterbreitet uns eine Reihe von Vorschlägen zur Neugestaltung der Nationalfondsorganisation, insbesondere der Geldgebarung und des Spendenausweises. Wir stellen hierdurch diese Vorschläge zur öffentlichen Diskussion und bitten diejenigen Gesinnungsgenossen, die für diese Fragen Interesse haben, um ihre gefl. Meinungsäußerung. Die Anregung des Herrn Henisch lautet folgendermaßen: i. Organisation. Die Organisation der Nationalfondsverwaliurig bleibt dieselbe wie zuvor. Sie gliedert sich in: a) Hauptbureau b) Landesbureaus, c) Distriktskommissionen und d) Vertrauensmänner bezw. N.-F.-Kommissäre für jeden Ort- 3. Wirkungskreis. Der Wirkungskreis des Hauptbureaus unterscheidet sich von dem aller übrigen Nationalfondsbehörden hauptsächlich dadurch, daß dem Hauptbureau die ausschließliche Verwaltung der Nationalfondsgelder — bis zur weiteren Abführung derselben nach London — und die Besorgung des Spendenausweises zufällt, während den übrigen Bureaus und lokalen Vertrauensmännern lediglich die Propaganda und die Organisation der Sammlungen obliegt — Mit Rücksicht darauf, daß sämtliche Eingänge für den Nationalfonds beim Hauptbureau konzentriert wären, müßten naturgemäß auch die detaillierten Spendenausweise dort besorgt werden und der Beamtenkörper dementsprechend vergrößert werden. 3. Spendenausweis. Zur Veröffentlichung der Ausweise sowie sämtlicher Mitteilungen des Hauptbureaus dient ein vom Hauptbureau etwa unter dem Titel „Der jüdische Nationalfonds" herauszugebendes Wochenblatt. Die Ausweise sollen nach Ländern geordnet, und innerhalb der einzelnen Länder die Provinzen (in Österreich :Kronländer)auseinandergehalten werden. Überdies soll auch iedem Ortsnamen dieBezeichnungdesDistriktskomitees, zu dem-dieser Ort gehört, beigefügt werden, wie dies jetzt schon die österreichische LandessammelsteHe tut. Zum Schlüsse eines jeden Ausweises wird eine tabellarische Zusammenstellung abgedruckt, die die Obersicht - über die Eingänge ermöglicht Das die Spendenausweise derganzen Welt enthaltende Blatt wird allwöchentlich den Expeditionen der zionistischen Zeitungen sämtlicher Länder zugeschickt und von diesen sodann ihrer Gesamtauflage beigelegt. (Genau so verfährt u. a. auch das Odessaer Palästinakomitee.) Außerdem erhält jede N.-F.-Behörde eine Anzahl dieser Ausweise. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand. Abgesehen von der Vereinfachung der Geldgebarung, die ja ganz besonders bei öffentlichen Geldern angestrebt werden muß, wird der Nationalfonds größere Summen ersparen, die er jetzt den Zeitungen, welche die Ausweise publizieren, direkt oder indirekt bezahlen muß. Denn in diesem Falle bekämen die Zeitungen, denen die wöchentlichen Spendenausweise zugehen würden, bloß eine Vergütung für das Mehrporto der Beilage. Selbstverständlich müßte das Hauptbureau die Eingänge mindestens zweimal monatlich nach London abführen und die Quittung der Jüdischen Kolonialbank jedesmal veröffentlichen. Der Geldverkehr mit dem Hauptbureau würde auch keine Schwierigkeiten verursachen. In Österreich-Ungarn könnte sich das Hauptbureau ein Konto bei den beiden Postsparkassenämtern eröffnen usw. — Dies ist mein Plan, der sich bis in die kleinsten Details weiter verfolgen ließe. Diesmal war es mir nur um die Entwerfung der Grundzüge zu tun. Anf Einzelheiten werde ich eventuell später zurückommen. Eine kleine Mühe — ein großer Erfolg! 'Millionen werfen wir achtlos weg, die uns jeder Tag in kleinen Werten bietet Alle die unscheinbaren Dinge unsers werktäglichen Verbrauchs, — sie können gesammelt werden und, systematisch verwendet, ungeheure Summen ergeben, die zu Werken der Menschenliebe dienen, für die sonst das Geld kaum aufzubringen wäre. Welches Werk stände uns Juden wohl näher, als unsern armen, verfolgten Brüdern, den Juden in aller Welt, zu helfen, ihnen eine Heimat zu bereiten. Diesem Zwecke dient wie heute schon jeder Jude weiß, der Jüdische Nationalfoads, dessen Bestimmung es ist in Palästina und seinen Nachbarländern Land anzukaufen, das für ewige Zeiten im Gesamtbesitz des jüdischen Volkes bleibt. Dieses Land werden Juden bearbeiten und dadurch sich und dem ganzen jüdischen Volke im Lande ihrer Väter allmählich das Vaterland schaffen helfen, dessen Fehlen wir Juden heute allüberall so schmerzlich empfinden. Der Jüdische Nationalfonds, der heute — kaum sechs Jahre nach seiner Gründung — bereits über ein Vermögen von 1 Millon Mark verfügt könnte bereits vier größer sein, wenn wrr früher daran gedacht hätten, nicht nur Heller und Pfennige zu sammeln, sondern auch alle die tausend Nichtigkeiten, die uns wertlos erscheinen mögen und die wir deshalb achtlos beiseite tun. Nach dem alten Worte, das in Deutschland für andere Dinge so große Erfolge erzielte: „Viele Wen^j machen 6än Viel! Vereinte Kräfte führen zum Ziel!" haben wir nun bereits angefangen, diese scheinbar wertlosen Abfälle des Tages zu sammeln. Aber an eines der wichtigsten dieser kleinen Sammelobjekte haben wir bisher nur wenig gedacht. Es ist die Briefmarke. Wohl jeder hat Freunde im Auslande, hat Beziehungen zu größern Geschäften usw., — kurz, jeder hat rgendeine Gelegenheit,