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Die Welt · 1908-08-14 · 32 (14.8.1908) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
32 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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16 ' - DIE3$ zweiten Manager hat der Board der Co. Herrn Dr. Viktor Jacobson (früher Manager der Filiale der A..P. C. in Beirut) angestellt. HerrDr. Jacobson wird seinenPosten am 1- September dieses Jahres antreten. Über die Geschäfte der Anglo-Palestine-Co. erstattete der Vorsitzende einen sehr günstigen Bericht und bemerkte dabei, daß das Geschäftsjahr 1907 bei allen Filialen tatsächlich mit einem Gewinn abgeschlossen habe und daher, wie bekannt, eine Dividende von 9dpro£- Aktie erklärt werden konnte. Auf verschiedene Anfragen teilte der Vorsitzende auch mit, daß die neue Agentur der A. P. C. in Haifa bereits begründet ist. Der Beschluß des Direktoriums des Trust, dahin gehend, daß für das Jahr 1907 eine Dividende von '6 pence pro <£-Aktie erklärt werde, wurde von dem Aufsichtsrat nach eingehender Diskussion einstimmig angenommen. Auf, die Anfrage des Herrn Jakob Moser, ob die in letzter Zeit in der Presse erschienenen Berichte bezüglich der Prozeßkosten anläßlich der Abänderung des Memorandums der Wahrheit entsprochen hätten, gab der Herr Vorsitzende folgende Erklärung ab: 1. Als Herr Dr. Katzenelson, der Vorsitzende des Direktoriums', auf dem letzten Kongresse von £ 2600 Kosten der Gegner und £ 3700 unserseits sprach, zog er sämtliche Kosten der möglichen drei Instanzen und nicht nur die tatsächlichen Kosten der einen von uns beschrittenen ersten Instanz in Betracht. 2. Die Gesamtkosten einschließlich der gegnerischen betragen ,£1661,. 3. Die Gegner stellten eine Kostenforderung von £ 418 auf, von welchem Betrage ihnen jedoch zufolge unseres Einwandes nur £ 236 vom ■ Gerichte bewilligt wurden. In der vom Gerichte Jin Abzug gebrachten Summe waren £ 55 für persönliche Kosten des Herrn Uriassohn und £ 100 für Kosten der Sammlung gegnerischer Unterschriften enthalten. 4. In dem von uns bezahlten Betrage von £ 236 gegnerischer Kosten sind auch £ 38 für Kosten der Rechtsanwälte des Herrn Zangwill enthalten. Der Herr Vorsitzende bemerkte noch, daß in Anbetracht der Tatsache, daß der Richter die persönlichen Kosten des Herrn Uriassohn, welcher in der Sache von Rußland nach England gereist ist, zu bewilligen sich weigerte, man anzunehmen berechtigt ist, daß er auch Herrn Zangwill keine persönlichen Kosten bewilligt hätte. Es wurde zur Kenntnis genommen, daß die zweite außerordentliche Generalversammlung zwecks Bestätigung der am 12. dieses Monats in der außerr ordentlichen Generalversammlung angenommenen Resolution am 9. September d. J. in London stattfinden wird. In der Sitzung der Gründeraktionäre wurde ein Bevollmächtigter resp. Vertreter desselben erwählt, um auf dieser Versammlung die Interessen der Gründeraktionäre zu vertreten. Zionistische Volksversammlung Aus Anlaß der Jahreskonferenz der zionistischen Weltorganisation veranstaltete die Zionistische Vereinigung Köln im Weißen SaalederBürgergesellschafteineoffentlichejüdischeVolksversammlung, die von etwa 600 Personen besucht war und über deren Verlauf wir einem Berichte der „Kölnischen Zeitung" etwa folgendes entnehmen: Der Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe, Rechtsanwalt Bodenheimer, sprach herzliche Worte der Begrüßung und streifte kürz das Wesen des Zionismus, der leider noch nicht überall festen Fuß gefaßt habe. Reichsratsabgeordneter Professor Dr. Mahler-Prag erörterte die Entwicklung der zionistischen Bestrebungen und das Aufleben der modernen zionistischen Bewegung durch das Werk Theodor Herzls, deren Stärke überall gezeigt habe, daß der SE'LT Zionismus weder ein Wahltätigkeitsverein, ■ noch eine bloße Parter, i; - sondern eine Weltanschauung von der Freiheit der Juden und ihrer Gleichberechtigung sei, mit dem Ziele, die Juden im eigenen Lande^f^ durch Entwicklung der latenten Kräfte wieder zu einem schöpferischen^^S für die ganze Menschheit segensreichen Kulturelement sich entwickeln' zu lassen. Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel-Wien hielt seinen ' Glaubensgenossen die Japaner und die Türken als Muster-von selbstbewußten Nationen vor, schilderte die Verfolgungen der Juden in Rußland, Rumänien und Österreich und feierte den großen sozialen Zug, der diesen Juden eigen sei, als Grundlage der zionistischen Idee. Dr. Grone mann-Hannover suchte an Beispielen nachzu- •'. weisen, wie die Werke zahlreicher jüdischer Kulturträger von den' verschiedenen Nationen als deren ,Kulturerrungenschaften in Beschlag, genommen, die jüdischen Heroen aber selbst kaum in den . betreffenden Ländern geduldet würden. Er ist erfüllt von der Gewißheit, daß viele Kulturschätze nur deshalb Rieht gehoben werden können und so der Welt verborgen bleiben', weil dem jüdischen Volke die Mitarbeit vorenthalten sei. Die Zionisten, die nichts weniger als Chauvinisten seien, * hätten sich daher die Aufgabe gestellt, den Juden 'eine Arbeitsstätte zu schaffen, durch die es den Juden ermöglicht werde, mit an der noch verborgenen Kultur zu schaffen zum Wohle der gesamten Menschheit. Reichsratsabgeordneter Stand-Lemberg gab sodann ern.Bild von der Entwicklung des Zionismus in den letzten zehn Jahren, besonders unter Theodor Herz!, mit dessen Tod nicht, wie die Gegner trium-. phierend gemeint hätten, die Idee des Zionismus erloschen, sondern im Gegenteil mächtig verbreitet worden sei. Der Redner würdigte in seinen weiteren Ausführungen die selbstlose, opfervolle Arbeit der Zionistenführer, denen der Präsident Wolffsohn mit dem besten Beispiel vorangehe. Nach der Ansicht des Redners hat der Zionismus zwei Hauptaufgaben: 1. die Juden sich selbst zu erhalten und 2. die erworbene europäische Kultur nach Palästina zu bringen. Das geflügelte Wort ex Oriente lux müsse umgekehrt werden, in das neue Wort: in orientem lux! Prof. Dr. Mettmänn-Palästina überbrachte Grüße aus Palästina von den jüdischen Brüdern, den Kindern sowie auch den Arabern und teilte mit, daß der zionistische Gedanke dort festen Fuß gefaßt habe. David Wolffsohn-Köln, der als Vorsitzender .des Engeren Aktionskomitees seit dem Tode Herzls an der Spitze der Bewegung steht, sagte, nachdem er die hebräische Ansprache des Vorredners übersetzt, hatte, einiges über die Erfolge des Zionismus. Er erinnerte an eine Versammlung des jüdischen Literaturvereins in Köln im Jahre 1893, in der er wegen seines Vortrages über den Zionismus von vielen ausgelacht worden sei, während heute die Macht der zionistischen Idee von niemandem mehr bezweifelt werde und ihre Tätigkeit bei Mächtigen und . Großen Verständnis finde. Leider ständen die Wohlhabenden unter den eigenen Brüdern noch beiseite. Sicher werde die Zeit noch kommen, da es keinen Juden mehr gäbe, der dem Zionismus nicht angehöre und nicht seine Pflicht als Jude tue zum Wohle des jüdischen Volkes und der gesamten Menschheit. Nach weiteren Ansprachen der Herren Dr. Scheinkin-Jaffa und Dr. Koh an-Bernstein-Palästina wurde die Versammlung mit Dankesworten des Vorsitzenden Dr. Bodenheimer nach Mitternacht geschlossen. Der Schluß des Berichtes über die Verhandlungen der Jahreskonferenz und die sonstigen Tagungen erscheint in der nächsten Nummer. Brief aus Konstantinopel (Von unserm Berichterstatter) Die große Reinigung Die große Reinigung hat begonnen. Sämtliche Minister sind abgesetzt, hohe Staatsbeamte exiliert, manche sind diesem Schicksal durch die Flucht entgangen, u. a. der zweite Sekretär des Sultans Izzet Pascha, der große Ländereien in Syrien besitzt, die nunmehr dem Fiskus zufallen "werden. Das neue Parlament Es scheint, daß die Jungtürken jetzt die Macht haben; sie arbeiten fast unsichtbar, nächstens werden sie mit der Herausgabe eines offiziellen Parteiorgans beginnen. Von einer eigentlichen politischen Parteigruppierung kann man neben der natürlichen Nationalitätenordnung jetzt noch nicht sprechendes sind aber genügend Anzeichen vorhanden, daß die Jungtürken eine Majorität bilden werden. Die Frage, wie das neue Parlament beschaffen sein wird, wird sicherlich bald die öffentliche Meinung und die Presse beschäftigen. Werden es wirtschaftliche Interessen sein,

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