Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 32 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8 DIE XII. Jüdischer Verlag Der Jüdische Verlag, dessen* Arbeiten in dem weitaus größten Teile des Jahres ebenfalls von den Kräften des Zentralbureaus ausgeführt wurden, zeigte leider nach wie vor eine nicht befriedigende Entwicklung.- Aus diesem Grunde sind wir an eine umfassende Reorganisation des Unternehmens geschritten, die wir mit Hilfe' einer neu angestellten, buchhändlerisch geschulten Kraft zu einem guten Resultat zu führen hoffen. Im Laufe des Jahres haben wir einige Werke neu aufgelegt und demgemäß die im Verlag investierten Mittel erhöht. XIII. Finanzielle Lage Die finanzielle Lage des Aktionskomitees ist nicht günstig. Infolge der verschiedenen Neueinrichtungen haben sich die Ausgaben wesentlich erhöht. Die in unserer Bilanz ausgewiesenen Einnahmen aus Schekelgeldern sind nicht - unwesentlich geringer als die des Vorjahres, eine Erscheinung, die in erster Linie auf das verspätete Einsetzen der Schekelsammlung, das in diesem Jahre besonders stark beobachtet werden konnte, zurückzuführen ist. Tatsächlich sind noch Schekelgelder aus verschiedenen Ländern zu erwarten, die bisher ihre diesjährigen Schekeleinnahmen überhaupt noch nicht an uns abgeführt haben; anderseits konnten infolge Schlusses des Rechnungsjahres verschiedene nachträglich eingelaufene Beiträge in die Bilanz nicht -mehr mit aufgenommen werden. Immerhin ist ein solches Hinausschieben der Schekelsammlung auf die Dauer unzulässig und muß die regelmäßige Geschäftsführung durchaus behindern. Wir werden Ihnen daher Vorschläge machen, die darauf ausgehen, ein früheres Einsetzen der Schekelsammlung überall zu gewährleisten. Parteifonds Aus der Erwägung heraus, daß es ein dringendes Bedürfnis der zionistischen Organisation sei, ihr eine sichere finanzielle Grundlage zu schaffen, hatte der Kongreß die Bildung eines Parteifonds beschlossen, zu dem jeder Zionist eine einmalige Steuer von mindestens 5 Francs entrichten sollte. Gleich nach dem Kongresse sind wir daher in eine ausgedehnte Agitation für den Parteifonds eingetreten. Das Zionistische Zentralbureau hat mehrere tausend Briefe, Zirkulare, Flugblätter usw. an sämtliche Föderationen und eine große Anzahl Gesinnungsgenossen verschickt; wir haben des weitern die Föderationen und Landsmannschaften unaufhörlich auf die hohe und überaus wichtigeT3edeutung des Parteifonds aufmerksam gemacht un4 durch die Presse eine lebhafte Agitation eingeleitet. Wenn nun der Erfolg sehr weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, so ist dies in erster Linie dem Umstände zuzuschreiben, daß die große Mehrzahl der Landsmannschaften bisher die Agitation für den Parteifonds nur lässig oder verspätet betrieben oder überhaupt gar nicht eingeleitet hat. Wir müssen dies auf das lebhafteste beklagen. Die große Masse der Zionisten hat sich der Idee des Parteifonds durchaus nicht abgeneigt gezeigt. Oberall dort, wo die lokalen Leitungen sich dafür einsetzen, sind gute Ergebnisse erzielt worden. In Österreich z. B. erbrachte Böhmen, wo man energisch für den Parteifonds tätig war, mehr als das ganze übrige Österreich, Galizien und die Bukowina zusammengenommen. Ähnliche Beispiele fanden wir in Amerika und Rußland. [ELT. Nb.,.32 Unter diesen Umständen können wir nur mit Nachdruck die Forderung aufstellen, daß diejenigen Landesorganisationen, die den Betrag, den sie gemäß der Anzahl ihrer Schekelzahler zu erbringen" hatten, bisher nicht abgeliefert haben, nunmehr das Versäumnis gut machen und mit Eifer und Ausdauer dafür eintreten, daß dieser Betrag jetzt noGh erreicht werde. Aus den beigefügten Tabellen ist sowohl die absolute Höhe des von jedem Lande abgeführten Betrages für den Parteifonds zu ersehen, als auch in Prozenten ausgedrückt das Maß, zu dem die einzelnen Länder ihrer Verpflichtung zur Zahlung des Parteifonds nachgekommen sind. Materielle Beihfilfe der Institutionen Aus dem oben Gesagten ergibt sich, daß der bisherige Weg nicht genügt, um die Summen, die zur ordnungsmäßigen Führung der Geschäfte erforderlichsind, regelmäßig und pünktlich aufzubringen. Wir müssen daher ernstlich an Mittel, und Wege -denken, um ein! für allemal eine geordnete Fmanzwirfschaft unserer Organisation herbeizuführen. Der Parteifönds, der ja ausdrücklich ein. Fonds für ganz spezielle Erfordernisse sein soll, kommt hierfür nicht in Betracht. Nach eingehenden Erwägungen ist daher das E. A. C. zu dem Schlüsse gelangt, Ihnen vorzuschlagen, daß die Institutionen der zionistischen Bewegung alljährlich zur Deckung der Kosten der zionistischen Organisation mit einer Beisteuer in einem gewissen Prozentsatz ihres. Reingewinns herangezogen werden sollen. Wenn man bedenkt, daß diese Institutionen ihre Entstehung und ihr Bestehen der zionistischen Organisation verdanken und alle ihre Vorteile und Einrichtungen in reichstem Maße genießen und in Anspruch nehmen, ohne daß ,sie sich bisher an den Kosten dieser Organisation, die für sie arbeitet, beteiligt hätten, ist ein solches Verlangen durchaus gerechtfertigt. Die Durchführung einer solchen Bestimmung würde der zionistischen Organisation alljährlich eine bestimmte regelmäßige materielle Grundlage geben und ihr dadurch ihre Aufgaben in beträchtlichem Maße erleichtern. Änderung der Geschäftsordnung Einem Beschluß des Kongresses zufolge, Vorschläge für eine Änderung der Geschäftsordnung des Kongresses zu machen, haben wir das Berliner Bureau beauftragt, einen Entwurf für eine abgeänderte Geschäftsordnung des Zionisten-Kongresses zu machen. Herr Rechtsanwalt Gronemann, Mitglied des Berliner Bureaus, hat sich daraufhin in dankenswerter Weise dieser Aufgabe unterzogen und einen Entwurf fertiggestellt, der der Jahreskonferenz vorliegt. Ein zweiter Entwurf, der uns von Herrn Dr. Franzie Berenstein liebenswürdigerweise unterbreitet worden ist, liegt Ihnen ebenfalls vor. Für den Fall, daß die Jahreskonferenz wegen der Kürze der Zeit nicht in der Lage sein sollte, über die Entwürfe endgültig zu entscheiden, schlagen wir Ihnen vor, die Frage der Änderung der Geschäftsordnung durch Veröffentlichung in der „Welt" zur öffentlichen Diskussion zu stellen und es uns zu überlassen, einen endgültigen Entwurf rechtzeitig für den nächsten Kongreß fertigzustellen. Einsetzung eines Ehrengerichtes , Es hat sich herausgestellt, daß das in unserem Organisationsstatut vorgesehene Kongreßgericht den Ansprüchen insofern nicht genügt, als es nur zum