Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 32 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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gemäß dem Kongreßbeschluß in Palästina eingerichtet wurde. Nachdem Herr Dr. Ruppin bereits vor dem Kongresse in unserem Auftrage nach Palästina gegangen war und dort in fünfmonatlichem Aufenthalte die einschlägigen Verhältnisse studiert hatte, übertrugen wir ihm die Leitung des Palästinaamtes, in dessen Arbeiten er sich gemeinsam mit dem Sekretär Herrn Dr. Thon teilt. Seit Juni befindet sich das Amt in voller Tätigkeit, ein gesonderter Bericht über seine Arbeiten liegt Ihnen vor. Zionistisches Zentralbureau, Abteilung Berlin Vielfach ausgesprochenen Wünschen entsprechend haben wir in Berlin zunächst versuchsweise eine besondere Abteilung des Zionistischen Zentralbureaus eingerichtet, die bestimmt sein sollte, die agitatorische und propagandistische Arbeit in der ganzen Welt zu zentralisieren und zu beleben und auf die technische Ausgestaltung der Organisation mit Rat und Tat einzuwirken. Außerdem sollte die Abteilung als- Bureau des Palästinaressorts fungieren, das demgemäß auch ein Viertel zu seinen Kosten, die auf 8000 J6 jährlich festgesetzt sind, beiträgt. Das Bureau, dessen Mitglieder fast ausschließlich im Ehrenamte arbeiten, hat Dank der großen Mühe und Arbeitsfreudigkeit, mit der sich diese ihrer Aufgabe unterzogen, nennenswerte Ansätze bezüglich der Verbesserung und der Erweiterung der Agitation in Wort und Schrift wie auch der Sammlung von Material für eine Vereinheitlichung der Organisationsformen geschaffen. Wir können uns der Erwägung nicht verschließen, daß bei dem gegenwärtigen finanziellen Stande unserer Organisation die vollständige Aufrechterhaltung des Berliner Bureaus nicht die nutzbringende Wirkung haben kann, die eine so schwere Belastung unseres Etats rechtfertigen könnte. Das E. A. C. wird daher in Erwägungen darüber eintreten, wie das Bureau dergestalt reduziert werden kann, daß es möglich ist, die von dem Bureau bereits geleistete Arbeit nutzbringend zu verwerten und ohne große Kosten diejenigen Einrichtungen des Berliner Bureaus zu erhalten, deren Bestehen sich als besonders wertvoll erwiesen hat. V. Abänderung des Bankmemorandums Der Kongreß hatte beschlossen, die Erledigung der Abänderung des Bankmemorandums dem E. A. C. und einer vom Kongresse gewählten Kommission von 3 Juristen zu überlassen. Die Gutachten der Juristen lagen uns erst nach der Sitzung des Großen Aktionskomitees im Januar vor. Sie waren nicht übereinstimmend, Herr Rechtsanwalt Bielkowski sprach sich für die Fortsetzung des Prozesses, Herr Dr. Friedemann dagegen aus, während Herr Dr. Bodenheimer seine Entscheidung von einer vorherigen nochmaligen Beratung mit englischen Juristen abhängig machte. Inzwischen ging das Prozeßverfahren seinen Gang. Die vom englischen Richter angeordnete Abstimmung der Aktionäre hatte das Ergebnis,v daß sich eine große Mehrheit für die Abänderung aussprach. Für die Abänderung stimmten: 16006 Aktionäre mit 50 117 Aktien, dagegen nur 2487 Aktionäre mit 9426 Aktien. Das Gericht kam indessen zu einem ablehnenden Bescheide, es wies die Statutenänderung ab und legte der Bank sämtliche Kosten auf. Wir haben von Anfang an keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir die Durchführung der Abänderung nicht für notwendig halten. Der Begriff des Zionismusist so klar, der Wille der überwiegenden Mehrheit der; Zionisten ist so eindeutig auf Palästina gerichtet, und die Organisation unserer Bank ist derart, daß niemals gegen den Willen der Mehrheit der - Zionisten eingreifende Änderungen in den Prinzipien ihrer Geschäftsführung durchgeführt werden können, so daß es^unseres Erachtens keiner Änderung der Statuten bedürfte. Selbstverständlich aber fügten wir uns dem ausgesprochenen Willen des Kongresses. Nachdem die juristischen Gutachter zu einer einheitlichen Meinung nicht gelangt waren, hielten wir uns für verpflichtet, den Prozeß bis zur endgültigen Entscheidung weitergehen zu lassen. Auch haben wir alles get£n, was im Interesse der Durchführung des Prozesses dienlich erschien. Die Kosten der versuchten Abänderung des Bankmemorandums Nachdem das englische Gericht die beantragte Abänderung des Memorandums der Jüdischen Kolonialbank abgelehnt hat, sind vielfach übertriebene und unrichtige Behauptungen über die angebliche Höhe der Kosten laut geworden. In jüngster Zeit hat das englische Gericht nunmehr auch die Kostendes letzten Termins, der in dieser Angelegenheit stattgefunden hat, festgestellt, und es ist jetzt möglich geworden, eine genaue Aufstellung der Kosten zu machen. Darnach betragen die sämtlichen Spesen, die der Jüdischen Kolonialbank in dieser Angelegenhenl seit 1905, wo die Versuche auf Abänderung des Bankmemorandums zuerst greifbare Formen annahmen, erwachsen sind, einschließlich aller Ausgaben an die Gerichte, Rechtsanwälte, Inserate, zurückerstatteten Kosten der Gegenpartei usw. insgesamt £ 1661.—. Ergänzung der Bankstatuten Für den Fall, daß das Memorandum nicht abgeändert würde, hatte der letzte Kongreß beschlossen, daß die Statuten der Bank derart ergänzt werden sollen, daß sie eine Beschränkung des Geschäftsbereichs der Bank auf Palästina und die -Nachbarländer ausdrücken. Eine entsprechende Resolution ist vom Aufsichtsrate bereits gefaßt worden und wird der in diesen Tagen hier stattfindenden Generalversammlung der Bank vorgelegt werden. VI. Palästinaarbeit Im allgemeinen kann man konstatieren, daß innerhalb der Organisation seit dem VIII. Kongreß ein frischer und lebendiger Geist herrscht. Das Palästinaressort und das Palästinaamt in Jaffa entfalteten eine lebhafte Tätigkeit. Die neugegründete Pal est ine Land Development Company, die berufen sein soll, für die Kolonisation in Palästina vorbildlich zu wirken, hat ihren Arbeitsplan aufgestellt und hat ihre Tätigkeit schon begonnen. Es ist zu hoffen, daß die Zeichnungen für die Gesellschaft den im Prospekt bestimmten Betrag bald erreicht haben werden. Bemerkenswert ist das wachsende Interesse, das sich allenthalben in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen für Palästina zeigt. Weitere Kreise der Judenheit, die unseren Bestrebungen bisher ablehnend gegenüber standen, interessieren sich heute lebhaft für die jüdische Wiederaufrichtung Palästinas. Anglo Palestine Company Auch sonst hat die Konsolidierung der Jüdischen Verhältnisse in Palästina erfreuliche Fortschritte