Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 32 (14.8.1908)
- Date
- 1908-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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No: 32 WE3§rPLT schon jetzt feststellen: Alles, was im türkischen Reiche kulturgestaltend sein wird, muß unserer Sache zugute kommen. Die wirtschaftlichen Vorteile, die wir bieten, die Schaffung neuer Erwerbsquellen, die moderne Entwicklung, die wir in Palästina vertreten, gewinnen einum so größeres Gewicht, als das ottomanische Gesamtreich einen neuen Aufschwung nach dieser Richtung zu nehmen bestrebt ist. Unsere praktischen Unternehmungen, unsere realen Arbeiten und Anlagen werden sich gedeihlicher entfalten können. In die verhüllte Zukunft der. inneren Gestaltung des türkischen Reiches fällt ein Strahl von Licht: unsere friedliche, ^kulturelle, historische Aufgabe im Lande unserer Väter. Es ist für uns ein aufrichtendes Bewußtsein, daß unser Orient zu neuem Leben erwacht. Unsere Gegner wurden nicht müde, uns den Vorwurf zu machen, daß wir unsere Blicke dorthin richten, wo rückständige und rückbildende Verhältnisse für alle Ewigkeit, - wie sie wähnten, herrschen müssen. Nun zeigt der neue Geschichtsgang,' daß unseren Gegnern nicht nur die historische Treue und Anhänglichkeit an das Land der Väter, sondern auch der weitausschauende Blick für die allgemeine politische Entwicklung fehlte. Wir werden mit dem vorwärtsstrebenden ottomanischen Volke einen ebenso innigen Kontakt suchen wie mit den von ihm anerkannten Autoritäten. Unser loyales und kulturelles Werk kann dadurch nur gefördert werden, wenn der öffentlichen Meinung eine Einflußnahme auf die Regierungsgeschäfte eingeräumt wird. Denn was wir anstreben, ist nicht für dieses oder jenes Regime, für diese oder jene Partei, sondern für deren Gesamtheit ersprießlich und gedeihlich. Darin liegt die Garantie unseres Erfolges. - . III. Die Bemühungen in Rußland Seit dem Anfange der zionistischen Bewegung stand unsere Parteigenossenschaft in Rußland im Vordergrund unserer Organisation. Leider haben aber die Ereignisse der letzten. Jahre diesen beträchtlichen Teil unsererPartei außerordentlich geschwächt. Die schicksalsschwere Zeit des Übergangsstadiums und der Erschütterungen hatte tiefe Spuren in unsern Reihen in Rußland 'hinterlassen. Zersplittert und zerfahren, zerklüftet und unsicher, jedoch im Geiste unbeugsam und gesinnungstüchtig, versuchten unsere dortigen Brüder in der letzten Zeit, ihre Organisation wieder aufzubauen; aber sie vermochten sich nicht gegen die Mißgriffe lokaler bureau- , kratischer Willkür zu schützen. Die Krise verschärfte sich immer mehr: die elementarste Betätigung der Parteiarbeit war lahmgelegt, die Gefahr vollständiger Ver- . kümmerung drohte. Diese Erwägung wie auch manche diesbezügliche , Anregung unserer russischen Gesinnungsgenossen waren für uns entscheidend, als wir uns bereits vor mehr als _einem Jahre entschlossen haben, einen Versuch zu machen, unserseits dazu beizutragen, die Wirrnisse in Rußland zu klären und die Hindernisse der dortigen Organisation aus dem Wege zu räumen. Während des letzten Kongresses im Haag war unsere Arbeit schon im vollen Gänge, als wir die Gelegenheit wahrgenommen haben, "mit hohen Vertretern der russischen Regierung einen bereits früher begonnenen Meinungsaustausch zu diesem Zwecke mit aller Energie weiterzuführen." ' Mitbestimmend wirkte auch die Auffassung, daß die Fühlungnahme mit der russischen Regierung wie mitallen andern Großmächten überhaupt in der Konsequenz unseres Programmes des politischen Zionismus liegt. Müssen wir ja immer unser Augenmerk darauf lenken, die politisch-internationalen Beziehungen, die von einer nicht zu unterschätzenden Bedeutung für die Chancen und Möglichkeiten unseres Endzieles sind, zu suchen und zu unterhalten. Infolge längerer Unterhandlungen erging an den Präsidenten des A, C. vor zwei Monaten vom russischen Premierminister eine Einladung, nach Petersburg zu kommen. Der Präsident des A. C. begab sich infolgedessen in Begleitung des Generalsekretärs nach Petersburg, wurde dort in würdiger Weise als Leiter der zionistischen Organisation empfangen und hatte eine Reihe von Konferenzen mit den hervorragendsten Vertretern der russischen Zentralregierung über die Zwecke und Aufgaben des Zionismus im allgemeinen wie auch über die Möglichkeit zionistischer Arbeit in Rußland im besondern. Zur selben Zeit sind auch die meisten A.-C.-Mitglieder Rußlands nach Petersburg herbeigeeilt, um im vollen Bewußtsein ihrer Verantwortung und der Wichtigkeit dieser Bemühungen gemeinsam mit dem Präsidenten über deren Einzelheiten zu beraten und zu; bestimmen. Die Reise hat im Prinzip und für die allgemeine Stimmung schon' jetzt ein günstiges Resultat ergeben. Die Konferenzen haben die berufensten Vertreter der russischen Regierung zu sympathischen Erklärungen über den Zionismus angeregt und manches störende grundsätzliche Mißverständnis zerstreut. Um aber die vorgesteckte Aufgabe auch praktisch zu erreichen, war es notwendig, im Einklänge mit den gepflogenen Unterhandlungen mit der Regelung der Angelegenheit in lokaladministrativer Hinsicht einige von uns zu diesem Zwecke gewählte Vertrauensmänner in Rußland zu betrauen. Unsere Vertrauensmänner werden sich angelegen sein lassen, mit den maßgebenden Faktoren, bei denen sie unsererseits eingeführt worden sind, über die Modalitäten zu verhandeln, die die zionistische Arbeit im Rahmen unseres Programmes in Rußland ermöglichen und den bisherigen Konflikten Einhalt gebieten können. Auch hat die Annäherung an die Vertreter der auswärtigen Politik Rußlands einen sympathischen Zusammenhang geschaffen, der für die Zukunft von Nutzen sein kann. Allerdings muß man von diesem Umschwünge erwarten, daß er nur den Beginn dessen darstellt, was man im Sinne einer genügenden Entwicklung von ihm erhoffen muß. Jedenfalls dürfen wir die sichere Hoffnung hegen, daß sich die Leistungsfähigkeit und das Selbstvertrauen unserer Gesinnungsgenossen in Rußland infolge unserer letzten Bemühungen bedeutend steigern werden. Günstige Anzeichen eines neuen Erwachens zionistischen Geistes in Rußland zeigten sich schon während der Reise des Präsidenten und lassen sich jetzt überall dort andauernd wahrnehmen. IV. Neue Institutionen Palästinaressort-Palästinaamt Das Hauptmerkmal unserer. Arbeit innerhalb der Organisation bildete die Einrichtung mehrerer neuer Parteiinstitutionen, die die Arbeitsmöglichkeiten und Erfolgaussichten der Bewegung beträchtlich vermehren. An Stelle der vormaligen Palästinakommission trat das Palästinaressort, über dessen Arbeit Ihnen ein besonderes Referat vorliegt. Als eine der wichtigsten vom Palästinaressort vorgenommenen Arbeiten und zugleich als eine der bedeutsamsten der von uns geschaffenen neuen Institutionen dürfte das Palästinaamt zu betrachten sein, das