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Die Welt · 1908-08-28 · 34 (28.8.1908) · page 9

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
34 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Mehr als 80 Abiturienten und Akademiker waren versammelt, "die aus den entferntesten südslavischen Gauen gekommen waren. Außerdem waren nahezu 200 Begrüßungstelegramme eingelaufen, darunter von David Wolffsohn, Abgeordneten Stand und dem Führer der Esseker Zionisten Präsidenten. I. N. Schulhof. Im Namen des A. C. begrüßte den Kongreß der Esseker Kultusvorsteher Dr. Hugo Spitzer, ferner die Vertreter zahlreicher zionistischer Vereine, darunter Wohlmut für den Bund zionistischer Korporationen und Amar für die Wiener Kadimah. : Darauf folgten die Referate über Zionismus (Erwin Kraus, Essek), über Mittelschüler (Kohn. Semlin). über die zionistischen Institutionen (Albala. Belgrad), über die Sepharden (Isachar) und über die südslavischen Juden (Singer). Die Sonntag nachmittag abgehaltene Bürgerversammlung in Semlin gewann die dortige Judenschaft im Fluge für den Zionismus, dank der begeisternden Reden der Herren A. C. Mitglied Dr. Spitzer und Rabbiner Dr. Margel. Dienstag abend verbrachten die Kongreßteilnehmer in Belgrad, wo ein gelungenes Fest stattfand. Hier sprach Advokat Dr. Alkaiay und mehrere andere Redner, die die Verbrüderung der Sepharden und Aschkenasen feierten. Wir hoffen, daß nach diesem Kongreß im ganzen Lande ein noch regeres zionistisches Leben beginnen wird. In kürzester Zeit sollen hebräische Sprachvereine sowie jüdische Turnvereine gegründet werden. Rußland Zionistische Agitation unter den kaukasischen Bergjuden Das Zentralkomitee der russisch - zionistischen Organisation beschäftigt sich neuerdings besonders mit der Agitation des Zionismus unter den kaukasischen Bergjuden. Zu diesem Zwecke hat es soeben die erste zionistische Broschüre in der „Tater"-Sprache herausgegeben. Die Broschüre stellt das erste gedruckte Buch in •dieser Sprache überhaupt dar und ist mit hebräischen Lettern ge- druckt. Die „Tateru-Sprache, die Umgangssprache der Bergjuden, ein Gemisch von Hebräisch, Arabisch. Kurdisch und hauptsächlich Tartarisch. Die Broschüre heißt „Matlaw Zionigo", d. h. .Das Wesen des Zionismus". In Vorbereitung ist eine zweite Schrift in der „Tater--Sprache. ein Gebetbuch. Unter den Bergjuden in Daghestan, Eriwan usw., die dort seit uralten Zeiten wohnen, herrscht zurzeit eine starke Bewegung für die Auswanderung nach Palästina. Der ganze Stamm umfaßt heute noch 25—30 000 Seelen. Rumänien Bukarest. Am vergangenen Sonntag veranstaltete die hiesige zionistische Abteilung Idealul eine literarische Unterhaltung. Herr Michel Zelter sprach über den Zionismus des Altertums als rundlage des modernen Zionismus. Herr Aoram Golde nberg deklamierte Jehuda ben Haievy von Heine und Tischo Ab von Friedländer. Sodann wurden die neuesten Nachrichten über die zionistische Bewegung aus der „Welt" vorgelesen. Eine zweite sehr gut besuchte Konferenz hielt die zionistische Sektion Rasanitul ab. Nach der Eröffnungsrede des Präsidenten Herrn M. Walter, hielt Herr H. L. Zelter einen vorzüglichen Vortrag über die jüdischen Arbeiter und die sozialistische Bewegung. Türkei Die ^Zionisten Konstantinopels sandten aus Pera dem Aktionskomitee in Köln ein Begrüßungstelegramm. Südafrika Bloemfontein: Die Generalversammlung der Bloemfontein Zionist Association fand am 5. Juli statt Die Versammlung, die von Mr. H. Goldberg geleitet wurde, war sehr gut besucht. Der Hon. Secr. Mr. Max Cohen verlas den Jahresbericht, dem zu entnehmen ist, daß die Vereinigung im verflossenen Jahre sich sehr gut entwickelt hat. Hierauf fanden die Wahlen statt. Für den Nationalfonds wurden 5 £ gespendet. Johannesburg: Der Schekeltag der United Zionist Associations of Johannesburg war ein voller Erfolg. Nach einigen einleitenden -Worten des Vorsitzenden des Schekelkomitees Mr. Caplan, hielt Dr. Landau einen Vortrag über zionistische Arbeit, speziell in Palästina. Dr. Hertz sprach über die Bedeutung des Schekels, Mr. - S. Hersch über die politische Lage und die Reise des Präsidenten Wolffsohn nach Rußland. Johannesburg: Am 26. Juli fand die Halbjahresversammlung des United Johannesburg Jewish National Fund Club statt. Der Jahresbericht ergab ein erfreuliches Bild zionistischer Tätigkeit. In den letzten sieben Monaten sind von dem rührigen Verein nicht weniger als 9000 Jf. gesammelt worden. Einen '"-uptanteil zu diesem guten Erfolge ist dem jüngst veranstalteten Bazar zuzuschreiben, über den wir berichtet haben und der rund 6000 J£ erbrachte. Hiervon wurden 4000 dem Nationalfonds, 1500 der Bezalelschule, 100 der Ölbaumspende und 400 der zionistischen Lesehalle in Johannesburg zugeführt. In der Versammlung wurde beschlossen, eine Sammlung von 100 Ölbäumen auf den Namen der Herren Hersch, Janower und Melzer, der rührigen Vorstandsmitglieder des Vereins, zu veranstalten. Ein zionistisches Preisauschreiben Der „South African Jewish Chronicle" erläßt ein Preisausschreiben über das Thema „Der Zionismus in Südafrika und seine Aussichten daselbst-. Der Aufsatz darf nicht weniger als 1000 und nicht mehr als 1500 Worte enthalten und wird in der Roschhaschononummer des Blattes ganz oder teilweise veröffentlicht werden. Amerika Dem Beispiele der Federation der Galizischen und Bukowinaer Juden, die sich neulich für den Zionismus erklärten und das Baseler Programm annahmen, folgten jetzt auch andere große jüdische Organisationen. Auf der zwölften Jahreskonferenz des Fortschrittlichen Ordens des Westens, einen der größten jüdischen Orden Chicagos, am 2. Juli, wurde eine Resolution angenommen, die dem Zionismus Sympathie ausdrückt und die unterstehenden Logen verpflichtet, sich zugunsten des Zionismus zu besteuern. Unter den Delegierten der Versammlung waren viele wohlbekannte Zionisten aus Chicago, St. Louis und anderen Plätzen, und ihrem energischen Auftreten ist dieser Erfolg in erster Linie zuzuschreiben. St. Louis: Der Zionist Council of St. Louis veröffentlicht seinen Jahresbericht in Form einer hübsch ausgestatteten jüdischen und englischen Broschüre. Wir entnehmen dem Berichte folgende Zahlen: Im verflossenen Jahre wurden ' Louis insgesamt ■J(, 10 680 für zionistische Zwecke gesammelt, «javon entfielen auf Nationalfonds «-Ä2700.—, N.-F.-Marken 160.—, Ölbäume 450.—, J. C. T.-Aktien 1700.—, Schekel 1545.—, Parteifonds 3225.—, Bezalel 200. -, Palästina-Pflanzungsverein 200.—, Industrie-Syndikat 500.—. Diese Zahlen stellen einen Rekord dar und beweisen wiederum erneut, was unter sachverständiger Leitung und bei eifriger Hingabe für zionistische Zwecke erreicht werden kann. Da die Besorgung der Arbeiten des Bukowinaer Zionistischen Distriktskomitees von der jüdisch-nationalen akademischen Verbindung „Hebronia" übernommen wurde, wird ersucht, sämtliche für dieses Distriktskomitee bestimmte Zuschriften und sonstige Zusendungen an die Adresse der gefertigten Verbindung zu richten. Jüdisch-nationale akademische Verbindung „Hebronia" für das Distriktskomitee Czernowitz, Stefaniengasse 10. NACHRICHTEN Österreich (Von unserm Korrespondenten) Die antisemitisch-liberale Union Den Träumen des Abg. Hof rat Kur an da, die von uns bereits gewürdigt worden sind, war es nicht beschieden, in Erfüllung zu treten. Abg. Kuranda verlangte eine Koalition der deutsch-fortschrittlichen Grüppchen und Oberreste der großen Freisinnsarmee gegen die Christlich-Sozialen. Er war zu den größten Opfern bereit. Kein Kampf gegen den Klerikalismus. Kein Sturmlauf gegen den Antisemitismus. Allein es half nicht. Die Liberalen deutschvölkischer und agrarisch-nationaler Kouleur, ziehen es vor, enge Fühlung mit dem gefürchteten Feinde zu suchen. Zwischen den „Freiheitlichen" in der Provinz, die zum Unterschiede von den Wiener Freisinnigen keine Juden sind, und den Antisemiten ist es zu einem Kompromiß gekommen. Es werden gemeinsame Kandidaten zum Landtag aufgestellt Das Ve—JItnis der Liberale^ im neuen Landtag zu den Christlichsozialen, mit deren Hilfe sie gewählt werden sollen, kann man sich dann leicht denken. Der niederösterreichische Liberalismus will nicht in Schönheit sterben.

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