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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 19

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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No- 33 ■ ' ' DTE3J Ausfall zeigte die befriedigendsten Fortschntte der Schüler. Das Gymnasium zählt in 3 Vorbereitungs- und 3 Hauptklassen ca. 130 Schüler und Schülerinnen. Arabische Arbeiter in Jüdischen Kolonien Jaffa: Bei einigen Kolonisten von Petach Tikwah-Jbesteht die Absicht, eine Anzahl von arabischen Arbeitern aus Ägypten nach Petach Tikwah zu bringen, da diese Arbeiter angeblich zu sehr niedrigen Löhnen arbeiten und auch in der Kultur der Baumwolle, die sich in Petach Tikwah auszubreiten beginnt, erfahren sind. Gegen diesen Plan wandten sich die jüdiischen Arbeiter in einer Protestversammlung, die am 1. August in Jaffa stattfand. Die Redner forderten in den schärfsten Worten die Aufgabe des Planes und verlangten, daß alle jüdischen Organisationen ihren Einfluß in diesem Sinne geltend machen sollen. Die Ära der ottomanischen Konstitution (Von unserm Berichterstatter) Die Lage In unaufhaltsamen Zuge schreitet der Geist der Konstitution vorwärts. Es giebt kein Zurück mehr. Das Ministerium Said Pascha „mit dem einzigen Christen", das entgegen der gegebenen Verfassung zusammengesetzt war, mußte fallen. Sämtliche Zeitungen mit den „Indam" an der Spitze verlangten seine Demission. Die armenische Presse richtete einen Appell an ihre türkische Kollegin, sie möchte sich ihrem Wunsche anschließen und im neuen Ministerium auch für Armenier und Griechen Portefeuilles verlangen. Die türkischen Mitglieder des Komitees „Union et Progres" empfanden diesen Wunsch absolut nicht als Mißtrauensvotum, und um die Idee der Gleichheit und Brüderlichkeit aller Nationalitäten des ottomanischen Volkes zu verkünden,. sitzen im neuen Ministerium Kiamil Pascha zwei Armenier und ein Grieche. Es soll auch die Rede gewesen sein, einem jüdischen Mitgliede des Staatsrates das Handelsministerium zu übertragen, aber dieses Projekt wurde fallen gelassen, weil der betreffende Kandidat schließlich als homme passe erkannt werden mußte.' Unter den anderen hohen jüdischen Staatsbeamten wurde keiner für befähigt gefunden, im Ministerrate zu sitzen. Es hätte auch nicht genützt, wenn die jüdische Presse aus ihrer bescheidenen Reserve herausgetreten wäre und gleiche Wünsche wie die Armenier geäußert hätte. Es wird wohl noch dauern, bis die Juden in der Lage sein werden, moderne Männer als würdige Vertreter ihrer Nation in den Ministerrat zu entsenden. Das neue Ministerium hat nunmehr mit Geschick und Entschiedenheit seine Tätigkeit begonnen. Es wird nächstens sein Programm veröffentlichen, aber schon jetzt kann man sich aus seinen einzelnen. Akten und den Erklärungen verschiedener Minister ein Bild von seinen Projekten für die Zukunft machen. Die Plage des Staatskörpers, die zahllosen Beamten, die für Millionengehalt die Entwicklung des Reiches und den Fortschritt verhinderten, wurden abgeschafft. Die unnützen Beamten in den Ministerien, im Staatsrat, in den städtischen Verwaltungen usw., die Beamten mit mehreren Ämtern und mehrfachem Gehalt wurden verabschiedet. Man berechnet die Ersparnisse der Staatskasse durch Aufhebung der Armee von 30 000 Spionen auf 50 Millionen Francs, die Ersparnisse der Bevölkerung werden durch diese Maßregel wohl noch bedeutender sein. Welche Ökonomien der Staat durch die Streichung gewisser Fonds, wie Subvention europäischer Zeitungen, geheime Fonds zur Überwachung der Jungtürken im Auslande, Auszahlung unberechtigter Pensionen und Ähnliches erreicht, wird das vom Finanzminister in Ausarbeitung begriffene Budget zeigen. Eine Regulierung der Gehälter ist dadurch begonnen worden, daß man die Einkünfte der Gouverneure, die sich vielfach selbst ein offizielles Gehalt von 5ö0 bis 600Xt. (11 500—13 800 Frcs.) monatlich bestimmten, kürzte. Das Finanzministerium erkennt, daß es noch vieler Ersparnisse benötigen wird, um die Finanzen einer Gesundung en^gegenzuführen, daß neue Fonds beschafft werden müssen, um die Reformen ins Leben zu setzen. Es rechnet mit einer baldigen Anleihe und hat sich inzwischen von der Dette Publique und der Barique Ottomane einen Vorschuß von 150 000 Lt geben "lassen. Das weitgehende Programm des Handelsministers verspricht den Bau von Wegen, Eisenbahnen, Häfen, Bewässerungs¬ und Drainagearbeiten, Ausnutzung von Wasserkräften zur Erzeugung von Elektrizität, Gründung von Kreditgesellschaften, Entwicklung der Handelsgesellschaften und Ähnliches. Indessen gewinnt das Komitee „Union et Progres" immer mehr an Terrain. Es hat seine Delegierten in allen Ministerien, läßt die Armee Treue der Konstitution und dem Komitee schwören, feLT 21 überall, wo man es am wenigsten vermutet, findet man seine Vertreter. In berechneter Taktik vermeidet es das Komitee, sich als Besitzer der Regierungsgewalt aufzuspielen und rät der Bevölkerung, sich nicht in die Regierungssache zu mengen. Jede Proklamation der Regierung ist jedoch von einer Erklärung des Komitees begleitet, und es veröffentlicht selbst Aufrufe und Verordnungen. Es scheint, daß neben dem Ministerium eine zweite Regierung herrsche, die das Vertrauen des Volkes genieße und die öffentliche Meinung repräsentiere. In diesem Vertrauen und in der Selbstlosigkeit der leitenden Männer, mehr noch als in dem natürlichen Bedürfnis einer korruptionsfreien Administration ist die ruhige und sichere Entwicklung des konstitutionellen Regimes verbürgt. Die Volksverräter und gewissenlose Ausbeuter der Nation sind aus der Nähe des Sultans entfernt, und statt ihrer umgeben ihn die wahren, edelsten Volksfreunde, freiheitsliebende Männer aus dem Komitee „Union et Progres". Der Sultan selbst hat das ganze ottomanische Volk als Mitglieder des Komitees und sich zum Präsidenten erklärt. Als Beweis seines Vertrauens hat er dem Komitee den Garten und das Kasino „Pour Blanche" aus den kaiserlichen Domänen in Saloniki zum Geschenk überwiesen, das dem Komitee als Zentralsitz dienen wird. Seinen festen Willen die Konstitution aufrecht zu erhalten, drückt der Sultan bei jeder Gelegenheit aus. Am letzten Selamlik erschien er wie das Militär und die hunderttausendköpfige Volksmenge mit der weißroten konstitutionellen Kokarde geschmückt. Über die Stellung des Komitees zu den verschiedenen Nationalitäten kann kein Zweifel herrschen. Zu den Mitgliedern des Komitees zählen Vertretet, sämtlicher Nationen des ottomanischen Reiches, und der errungene Sieg kann dieser politisch geschulten Organisation nur ein neues Ziel geben, die Entwickelung und Festigung ihrer Positionen, die Aufrechterhaltung der Verfassung. Die Konstitution gewährt allen Bürgern gleiche Rechte, sie bürgt somit für den freien Wettbewerb aller Klassen und Nationalitäten. In diesem Sinne will auch das Komitee bei den bevorstehenden Wahlen seinen Einfluß geltend machen. Es wird darüber wachen, daß nur solche Kandidaten gewählt werden, die ein konstitutionelles Programm vertreten, gleichviel welcher Partei und Nationalität sie angehören. Freilich stellt die Verfassung die Unteilbarkeit des ottomanischen Reiches fest, aber die Autonomiebestrebungen einzelner Nationen und Provinzen waren ja nur darauf gerichtet, das alte unerträgliche Regime abzuschütteln. Heute aber suchen griechische, bulgarische Banden und serbische Komitatschis nicht mehr ihr Heil in der Separation, sondern in der Einigkeit und Festigung der erlangten Freiheit. Die Konstitution gewährt jetzt die rechtliche Sicherheit, und die Dezentralisation des Regierungssystems nähert sich den Forderungen der Autonomie, besonders da, wo die Nationen in kompakteren Massen wohnen. Die Regierung schreitet schon an die Reorganisation der Autonomie der Städteverwaltung, für Konstantinopel werden in kurzem die städtischen Wahlen ausgeschrieben werden. Wie sehr die Regierung die gerechten Forderungen der Nationen berücksichtigt, beweist die Erlaubnis, albanesische Bücher wieder zu drucken und die albanesische Sprache, in den Schulen zu unterrichten, die einzige Sprache, die merkwürdigerweise im osmanischen Reiche verboten war. Die Wählerlisten für das Parlament müssen nach dem Wahlgesetz neben der türkischen Sprache auch in der Sprache der jeweiligen Nationalität abgefaßt sein. Jeder ottomanische Untertan muß aber heute von dem Bewußtsein durchdrungen sein, daß neben seinen persönlichen und den Interessen seiner eigenen Nationalität ihn noch gemeinsame Bedürfnisse mit den anderen Nationalitäten verbindet. Die jüdische Nation im osmanischen Reiche galt stets zu den loyalsten Untertanen S. M. des Sultans, in diesen Tagen der Freiheit hat sie ihre Solidarität gemeinsam mit Türken, Armeniern und Griechen manifestiert. Die Einberufung des Mischlisch Umumi Seit 32 Jahren war der große jüdische Volksrat in Konstantinopel nicht mehr zusammengetreten, trotzdem er oft genug hierzu Gelegenheit gehabt hätte. Es hieß immer, zu einer solch großen Versammlung müßte ein spezielles Irade vom Sultan erfolgen, was nicht zu erreichen wäre. In Wirklichkeit aber wußten die paar Machthaber stets das Gesuch zur Einberufung des Mischlisch Umumi zu hintertreiben. Die von der Konstitution gegebene Versammlungsfreiheit benutzen nunmehr die bewußteren Elemente, um eine Besprechung, des obersten Volksrats herbeizuführen. Es galt den aus 20 Chachamim bestehenden Waad ruchmi um drei inzwischen verstorbene Mitglieder zu ergänzen und den eigentlichen Leiter der Nation, den Mischlisch gaschmi zu wählen. Schon vorher wurde eine eifrige Agitation entfaltet. In einigen bemerkenswerten Artikeln setzte der „El Tiempo" die Bedeutung des Augenblicks auseinander und empfahl moderne Kandidaten, denen das

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