Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Ausdruck und versicherte, daß er ein aufrichtiger Freund der Juden sei. Für morgen ist eine Versammlung der Juden auf einem Platze im jüdischen Stadtviertel geplant, zu der auch die Kolonisten aus den umliegenden Kolonien erscheinen wollen. Der plötzliche Umschwung der Dinge kommt den meisten hier sehr überraschend, da die jungtürkische Bewegung in Palästina bisher sehr wenig Anhänger zählte und auch sonst das Volk sich um die Politik wenig kümmert. Es scheint, als ob die Araber, die in ihrer Mehrzahl zwar nicht über eine große Bildung, wohl aber über eine gute natürliche Begabung verfügen, sich schnell in die Neugestaltung der Dinge finden, weil viele reiche Araber und Mullahs (Mohamed. Priester) sich große Mühe geben, das Volk allenthalben über die neuen Verhältnisse aufzuklären. Man sieht überall auf den Eisenbahnstationen, auf der Straße, in den Kafees usw. kleine Ansammlungan von Menschen, die im eifrigen Disput begriffen sind, oder eine improvisierte Rede eines Gebildeten anhören. Die bevorstehenden Wahlen und die Juden Jerusalem. Die Nachricht von der Gewährung der Verfassung durch den Sultan hat hier bereits zu mancherlei Kombinationen über die Beteiligung der Juden an den Wahlen für das zukünftige türkische Parlament Veranlassung gegeben. Die Zahl der Juden in Jerusalem, welche türkische Staatsangehörige sind, ist so groß, daß ihre Stimmen bei den Wahlen ins Parlament entscheidend in die Wagschale fallen werden. Es werden bereits jüdische Kandidaten für das zukünftige Parlament genannt, aber all diese Meldungen sind natürlich verfrüht. Sicher scheint nur soviel zu sein, daß die Juden energisch von dem ihnen durch die neue Verfassung gewährten Wahlrecht Gebrauch machen werden. Aus den Kolonien Petach-Tikwah: Bekanntlich hat die Kolonie Petach-Tikwah im vorigen Jahre dadurch großen Schaden erlitten, daß ein erheblicher Teil der Orangenernte durch Winterstürme in der Qualität beeinträchtigt wurde und den Transport nach Europa nicht aushielt. Große Sendungen von Orangen kamen in Liverpool in verdorbenem Zustande an und waren vollständig wertlos. Infolgedessen blieben die- Erträgnisse aus den Orangenpflanzungen weit hinter den Erträgnissen der früheren Jahre zurück. Dies hat bewirkt, daß die Kolonisten in diesem Jahre wenig oder gar keine neuen Orangenpflanzungen angelegt haben. Außerdem wurde der Kredit der in früheren Jahren seitens vieler Kapitalisten für die Orangenpflanzungen gerne gewährt wurde, zurückgezogen, und viele Kolonisten haben daher Schwierigkeiten,, die großen Unterhaltungskosten der von ihnen in den letzten Jahren angelegten Orangenpflanzungen zu bestreiten. Man hofft, von anderer Seite Kredit zu ^erhalten und hat sich zu diesem Zwecke an einige große Institute "nach Europa gewandt. Die Ernteaussichten für die nächste Orangenernte sind bisher befriedigend. Die Bäumchen sind durchwegs gut bestockt. Der Anbau von Baumwolle in Petach-Tikwah ist im letzten Jahre schon in ziemlich erheblichem Umfange betrieben worden. Die Baumwollpflanzen scheinen gut zu gedeihen und es ist wahrscheinlich, daß sie dauernd in die in den jüdischen Kolonien erzeugten Bodenprodukte aufgenommen werden. Rechoboth. Die Weinernte ist im vollen Gange, die Qualität der Trauben ist vorzüglich, quantitativ soll die Ernte dagegen geringer sein als im Vorjahre. Ekron. Die Ernte ist beendet und die Ergebnisse sind sehr gut. Selbst auf dem Lande von „Mansurah", das von den Ekroner Kolonisten erst vor 2 Jahren bebaut wurde, ist die Ernte sehr befriedigend. Mit dem Oscher hat die Kolonie alljährlich Schwierigkeiten dadurch, daß sie den Oscher nicht für sich allein, sondern zusammen mit 3 arabischen Dörfern zu zahlen hat. Auch in diesem Jahre war es sehr schwer, die Forderungen für den Oscher auf eine den gesetzlichen Bestimmungen entsprechende Höhe herabzudrücken. Die Kolonie leidet unter dem Mangel an jüdischen Arbeitern. Bisher sind nur arabische Arbeiter, ungefähr 50 an der Zahl, beschäftigt. Die Kolonie die fast ausschließlich Körnerbau betreibt, erfreut sich vor anderen jüdischen Kolonien einer großen Stetigkeit ihrer Bewohner. Von den Kolonisten, die die Kolonie vor 23 Jahren gegründet haben, sind bis auf 2 Leute noch heute alle in der Kolonie ansässig. Allerdings ist auch kein Zuzug von neuen Kolonisten zu verzeichnen gewesen. Gederah (Katra). In unserer Kolonie giebt es jetzt viel Arbeit und es herrscht ein reges Leben. Wiewohl der Ausfall der Ernte sich noch nicht vollständig übersehen läßt, kann man doch im allgemeinen schon jetzt dieses Jahr als ein sehr befriedigendes bezeichnen. Nach jüdischen Arbeitern, die insbesondere zur Herstellung von Wein' und Alkohol gebraucht werden, besteht hier zurzeit große Nachfrage. Gegenwärtig arbeiten in der Kolonie 15 sephardische und 5 aschkenasische Arbeiter. Die sephardischen Arbeiter haben ihre Frauen, welche ebenfalls in der Kolonie Arbeit finden, und ihre Kinder mitgebracht. Die Abschätzung des Oschers ist diesmal dank der Intervention des neuen Kaimakams in Gaza, der ein sehr rechtschaffener und gewissenhafter Beamter ist, in gerechter Weise vor sich gegangen. Einige Kolonisten -und Kolonistensöhne haben, bei der Geulah und den Chowewe Zion Land gepachtet. Einige von unseren jungen Leuten müssen leider, da sie zu wenig Boden besitzen, unsere Kolonie verlassen; sie werden sich nach Galiläa begeben, um dort bei der Ica Landzu pachten. Chederah. Bei der jetzt beendeten Ernte sind zum Schneiden des Getreides fünf Mäh- und Bindemaschinen verwendet, und man hat mit ihnen befriedigende Resultate erzielt. Auch von der Umgebung wurden die Maschinen verlangt JDie Ernteergebnisse waren bei Weizen und Gerste besser als im Durchschnitt* der letzten Jahre. Erbsen hatten einen mittelmäßigen Ertrag, Bohnen waren schlechter als mittelmäßig. Es.besteht eine lebhafte Nachfrage nach jüdischen Arbeitern; es war aber trotz Anfrage bei der Arbeiterorganisation Hapoel-Hazoir nicht möglich, jüdische Arbeiter zu finden. Kinereth. Die Arbeiten, welche die P-L.D. C. in Kinereth (dieser Name ist dem Nationalfondslande in Dalaika und Umeldjune gegeben worden) begonnen hat, gehen rüstig vorwärts. Man ist damit beschäftigt, das Land, das noch niemals mit einem europäischen Pfluge gepflügt worden ist in europäischer Weise zu bearbeiten. Das kleine Wirtschaftsgebäude wird repariert und erweitert Am Todestage Herzls kamen die Kolonisten und Arbeiter aus den umliegenden Kolonien in Kinereth zu einer Gedenkfeier zusammen. Häuserbau in Jerusalem Jerusalem. Vor kurzem wurde hier in der Nähe des Stadtteils „Giwaat-Saul" ein Grundstück von 75000 Quadratellen erworben- Es soll in 60 Teile für je ein-Haus-geteilt werden und jeder Teil im Ausmaße von 1200 Quadratellen zum Preise von 220 Frcs. im Läufe des Jahres abgegeben werden. Der Boden ist noch billig gekauft worden, denn für angrenzendes Land hat man bereits mehr als das Doppelte des vor einem Jahre für „Giwaat-Saul" gezahlten Bodenpreises gezahlt. Eine kleine Kuvertfabrik, die von zwei Juden betrieben wird, ist in der Nähe der bucharischen Kolonie eröffnet worden. Bisher sind alle in Palästina gebrauchten Kuverts vom Auslande bezogen worden. Wohltätigkeitsinstitutionen Jaffa: Wie schon bei einem vor einiger Zeit zugunsten des jüdischen Frauenvereins „Ezrath. Naschim" stattgehabten Konzert alle hiesigen Bevölkerungskreise einschließlich der Konsulate und Regierungskreise sich beteiligten, so nahmen auch die. Juden an einem Konzert, das zugunsten eines neuzuerbauenden jüdischen Krankenhauses gegeben wurde, Anteil. Fast alle Mitwirkenden an den musikalischen Darbietungen waren Juden. Die Stadtverwaltung hat übrigens bei dem Bau des Krankenhauses in anerkennenswerter Weise die Parität aller Konfessionen gewahrt und bestimmt, daß ein Teil der Arbeiten den Mohamedanern, ein Teil den Juden und ein Teil den Christen übergeben werden soll. Das jüdische Hospital „Schaare Zion", das seit 18 Jahren in Jaffa besteht, hat vor einigen Monaten wegen Mangel an Mitteln geschlossen werden müssen. Das ist natürlich ein großer Übelstand, da jüdische Kranke nunmehr während ihrer Krankheit in ihren ungesunden Wohnungen verbleiben müssen und jeder vernünftigen Pflege entbehren. Nachdem neuerdings wieder einige Mittel für das Hospital eingegangen sind, hat man dasselbe wieder eröffnet da gerade jetzt in den heißen Sommermonaten die Krankeitsfälleam häufigsten sind. Es wäre sehr zu wünschen, daß das Hospital im Auslande mehr Unterstützung fände, damit es nicht wieder nach einigen Monaten geschlossen werden muß. Die Jaffaer Bevölkerung ist so arm, daß sie das Hospital aus eigenen Mitteln nicht unterhalten kann. Arbeitsaussichten. Jaffa: Während für junge Leute, die als Erdarbeiter tätig sein wollen, und ebenso für tüchtige Handwerker in Palästina noch Beschäftigung vorhanden ist, haben Leute, die keinen bestimmten Beruf haben, ebenso wie Buchhalter, Kontoristen usw. keine Aussicht auf Existenz. Es muß deshalb dringend davor gewarnt werden, daß Leute, die in Europa gar keinen bestimmten Beruf haben oder lediglich Buchhalter- und Kontoristenkenntnisse haben, hierherkommen. Prüfungen im Hebräischen Gymnasium Jaffa: Im Hebräischen Gymnasium haben jetzt vor Beginn der Sommerferien die allgemeinen Jahresprüfungen stattgefunden. Der