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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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der Versammlung den besten Erfolg für ihre Verhandlungen wünscht. Die Versammlung beschloß ein Beantwortungstelegramm an Herrn Dr. Katzenelsohn abr zusenden und ihm für seine Wünsche bestens zu danken. " , Am 12. August fand auch eine außerordentliche G e n e r a 1 v e r s a m m 1 u n g. des J ewish Colonial Trust statt. Dieser Generalversammlung wurde die folgende Resolution,, welche auf eine Abänderung der Statuten bezug hat, zur" Annahme unterbreitet: Daß die Statuten in folgenderweise geändert werden: Der folgende Paragraph soll nach § 85 als § 85 a hinzugefügt werden.: ^.Ungeachtet des Inhaltes irgendwelches änderen Paragraphen der Gesellschaftsstatuten Die Konstitution Jaffa: Die ersten. Nachrichten über die Gewährung einer Verfassung trafen aus Konstantinopel am 24. Juli hier ein und am 30. Juli wurde durch die Ausrufer der Regierung das wichtige Ereignis der Bevölkerung bekanntgegeben. Die Bevölkerung nahm die Ankündigung mit Ruhe entgegen. In den Kreisen der Lokal - regierung scheint man von dem Umschwung der Dinge befriedigt zu sein. Am 4. August fand eine Volksversammlung in der Militärkaserne unter Teilnahme des Militärs zur Feier des Ereignisses statt Es wurden von Christen, Mohamedanern und Juden (von letzteren in hebräischer Sprache) Reden gehalten. In allen Ansprachen und Manifestationen, die sich später auf der Straße wiederholten, wurde betont, 'daß durch die Konstitution alle Konfessionen und Nationalitäten des Landes gleichberechtigt seien. Die Konstitution ist bekanntlich nur eine Reaktivierung. der im Jahre 1876 erlassenen Verfassung, in der die Gleichstellung aller Konfessionen .ausgesprochen - wurde. ■ , Gelegentlich dieser Manifestation nahm auch die Bevölkerung zu einem amtlichen Konflikte zwischen dem Mutessarif von Jerusalem und dem neuen Kaimakäm von Jaffa Stellung. Es wurden Telegramme nach Konstantinopel abgesandt, in denen das Vertrauen der Bevölkerung zum Kaim.ikarn, der als fortschrittfreundlicher Beamter sich beliebt gemacht hat, ausgesprochen wurde. Man kann als sicher annehmen, daß viele osteuropäische Juden, die bisher wegen mangelnder Rechtsgarantien die türkische Staatsangehörigkeit nicht erwerben wollten, nunmehr bereit sein werden, türkische Staatsangehörige zu werden. Die Verfassung in der Türkei Jaffa, 6. August 190S Fünf Tage laug war bereits die Kunde allgemein verbreitet, daß der Sultan seinem Reiche die Konstitution wieder verliehen hat, — und keine größere Kegung war zu merken. Diese unveränderlich ruhige Haltung der Bevölkerung erweckte beinahe den Eindruck der Apathie, und ließ insbesondere einem Fernstehenden Zweifel aufgehen, ob diese Bevölkerung denn auch für eine Konstitution reif sei. War es anfängliches Mißtrauen, war es orientalische Langsamkeit und Gemütlichkeit, die erst allmählich, nach längerm Verdauungsprozeß, und nicht unmittelbar und impulsiv, auf unerwartete Ereignisse reagieren läßt, oder bedurfte es erst eines Anstoßes, seitens, der wenigen Vertreter aus der Intelligenz,' die längst die Freiheit herbeigesehnt hatten, — kurz, -erst-am 4. August wurde endlich in ganz Jaffa die wiedergegebene Verfassung feierlichbejubelt. Dagegen hatten die Ovationen einen so ruhig-würdigen und aufrichtig-innigen Charakter, daß man bald den Eindruck haben konnte/ hier kein Strohfeuer der Begeisterung vor sieh entfacht xxl sehen. Ebenso ist man eher geneigt, zu glauben, daß hier das Wort von der Verbrüderung der Nationen und Konfessionen auf fruchtbaren Boden fällt, und nicht nach dem ersten Rausche vergessen sein . wird. . Wie überall, in der Türkei, so hat auch in Jaffa das Militär an erster Stelle die Verfassung gefeiert; der Stadtkommandant (oberster Garnisonsoffizier in Jaffa) war der Hauptprotektor der Feier. Auf dem Hofe der - Stadtkaserne fand eine sehr stärk besuchte- Volksversammlung statt. Von hier aus wälzte sich die soll die Gesellschaft weder durch den Aufsichtsrat oder das Direktorium noch mittels derselben noch in irgend anderer Weise irgendein Kolonisationsprojekt in oder Auswanderung nach irgendeinem anderen Teil der Welt als Palästina, Syrien und anderen Teilen der asiatischen Türkei und der Halbinsel Sinai und der Insel Cypern gründen, entwickeln, betreiben und weiter führen oder unternehmen". Das Resultat der Abstimmung war das folgende: Für die Abänderung der Statuten stimmten 4879 Stimmen, gegen die Abänderung 85 Stimmen. Eine zweite außerordentliche Generalversammlung zwecks Bestätigung vorbesagter Resolution wird am 9. September d. J. in London abgehalten werden. Volksmenge nach den Haupsträfien, auf denen an verschiedenen Stellen begeisterte Reden (von Juden auch in hebräischer Sprache) fehalten wurden. Interessant ist, daß neben dem Militär auch ie Priester einen sehr aktiven Anteil an den Ovationen nahmen, also gerade die Elemente, die in andern Staaten die Stützen der Reaktion bilden. Zu ihnen gesellen sich auch Intelligeute, die den Kreisen des freien Logenverbandes nahestehen. Bekanntlich sind die Freilogen im ganzen Orient ziemlich stark verbreitet, die schon vor vielen Jahren „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" auf ihr Banner geschrieben haben. Auch jetzt trugen Fahnen und Armbänder der Arrangeure der Feierlichkeiten diese Losungsworte. Die fortschrittliche Intelligenz, zu den insbesondere sehr viele Juden gehören, meint es bisher ehrlich. Das arabische Volk wiederum ist trotz seiner religiösen Exklusivität tatsächlich in hohem Grade tolerant. Man darf sich durch die hier und da voi-kommenden kleinen Reibungen zwischen Arabern und Juden nicht zu einem falschen Urteile verleiten lassen. Zwischen Arabern und arabisch sprechenden alteingesessenen Juden merkt man niemals etwas von religiösem oder nationalem Haß. Und man muß das Verhalten der arabischen Bevölkerung den eben eingewanderten, allen Verhältnissen des Landes noch vollständig fremd gegenüberstehenden Juden als ein geradezu vorzügliches bezeichnen, wenn man den tiefen, trotz Jahrhunderte langen Zusammenwohnens mit Juden unausrottbaren Juden-» haß des deutschen Volkes und slavischer Völker vor Augen hat. Freilich wird jetzt auch das arabische Nationalgefühl aufblühen, aber der Prozeß von der ersten Emanzipation bis.zum nationalen Chauvinismus erfordert immerhin eine Spanne Zeit, inzwischen aber muß eine intensive Arbeit der Juden auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiete einsetzen. Das jetzt bereits auf hohem Niveau stehende jüdische Schulwesen in Palästina muß noch weiter ausgebaut werden, und Bildungs- und Kulturstätten im weitesten Sinne für das Land sein. Und in dem nun nicht mehr aufhaltbaren ökonomischen Aufschwung des Landes sollen die Juden, die bereits eine starke Position einnehmen, die erste Arbeit leisten. Es heißt jetzt, mit großen Mitteln der neuen Lage gerecht werden, nicht unbeteiligt zaudern, wenn der rapide Entwicklungsprozeß einsetzt. Jaffa, 11. 8. 1908. Die Erkenntnis von der Wichtigkeit der Ereignisse in Konstantinopel ist allmählich in die hiesige Bevölkerung gedrungen. In Jaffa und Jerusalem herrscht ein ungewohntes reges Leben. Tag für Tag linden Versammlungen, Straßenaufzüge und Feierlichkeiten aus Anlaß der Verfassung tatt. Bei allen Verasntaltungen offenbart sieh ein vollständiges Solidaritätsgefühl zwischen den Anhängern aller Konfessionen"*. Gestern kehrte der Kaimakäm von Jaffa, der sich durch seine Unparteilichkeit uud liberale Gesinnung in der kurzen Zeit seiner Amtsführung die Sympathien der Bevölkerung erworben hat, aus Jerusalem zurück. Es wurde ihm ein enthusiastischer Empfang bereitet. Tausende holten ihn mit Musik vom Bahnhofe ab und begleiteten ihn im langen Zuge zum Serail. * Auch die jüdische Jugend nahm an dem Zuge teil und trug die jüdische Fahne. Später versammelten die Juden sich vor dem Serail und brachten Hochrufe auf den Kaimakäm aus. Der Kaimakäm kam heraus und gab seinem Danke für den Empfang PALÄSTINA

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