Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Verwässerungspolitik treiben. Das ist aber in der letzten Zeit viel zu viel geschehen. Erinnern Sie sich, wie streng wir früher ein Zusammengehen mit Nichtzionisten ablehnten, nicht einmal ein Waisenhaus wollten wir mit den Andern bauen. Das war ein Extrem, aber jetzt sind wir in das entgegengesetzte Extrem verfallen. Wir müssen uns immer bewußt sein, daß wir ein ganz bestimmtes Programm haben, daß wir eine ganz bestimmte Partei sind. Mit diesem Bewußtsein sollen wir überall hingehen und diesen Standpunkt überall vertreten. Gronemann: JWr scheint, es handelt sich um eine Sache persönlicher Würde. Ich bin nicht dafür, ein Verbot der Teilnahme an der Versammlung zu erlassen. Jedenfalls ist es gut, daß die Sache zur Sprache gekommen ist. Jetzt werden wohl auch die Zionisten einsehen, wie eigentlich die andern sich zu uns stellen. Im übrigen liegt die Sache ja so, daß die Herren ohne uns fast nichts machen können. Mir scheint, es ist notwendig, daß die geladenen Zionisten in der Versammlung geschlossen auftreten. Trietsch: Die Zionisten sollen als Fachleute hingehen. Wenn unsere Fachleute dort arbeiten werden, wird man ein besseres Verständnis für den Zionismus gewinnen. Dieser Versuch, Organisationen verschiedener Richtungen zur Arbeit in Palästina heranzuziehen, hätte von uns ausgehen sollen. Nur hätte dies nicht unter unserer Flagge geschehen sollen. .Wenn wir stärker wären, würde auch die Ica in Palästina mit uns zusammenarbeiten. Wolffsohn: Ich kann wohl die Beratungen über diesen Punkt dahin zusammenfassen, daß die Mehrheit der hier Anwesenden sich meiner Meinung anschließt. Wir haben keinen Grund, die Versammlungzu boykottieren. Die Eingeladenen sollen dorthin gehen, und sollen uns dann berichten, was dort geschehen ist Sehen wir, daß etwas Gutes dabei herauskommt, werden wir gewiß nicht fehlen, wie wir überall mitarbeiten, wo etwas zum Besten des jüdischen Volkes geschieht. Jetzt, wo noch gar nicht feststeht, wie sich diese Sache entwickeln wird, sollen wir jedenfalls noch keinen Beschluß darüber fassen. Sokolow verliest ein Schreiben des Zentralkomitees der jüdischen Arbeiter in Palästina, die sich bitter darüber beklagen, daß in der größten Kolonie „Petach-Tikwah", die Tausende von Arbeitern beschäftigt darunter auch 200 jüdische Arbeiter, in der letzten Zeit die jüdischen Arbeiter immer mehr zurückgedrängt werden. Das Schreiben schildert ferner die Leiden der jüdischen Arbeiter und teilt die ungeheuerliche Tatsache mit, daß ägyptische Arbeiter herangezogen werden sollen. Es wird auf die Gefahren und die große Schädigung, die hierdurch für den Zionismus erwachsen werden, aufmerksam gemacht und die Jahreskonferenz ersucht, die energischsten Mittel dagegen zu ergreifen. Wolffsohn: Es wäre nutzlos, über diese Angelegenheit zu debattieren, weil wir nicht in der Lage sind, direkt in dieser Sache etwas zu tun. Dagegen müssen wir in irgendeiner Form den dringenden Wunsch ausdrücken, daß jüdische Arbeiter in keiner Weise verdrängt werden dürfen, denn dies wäre tatsächlich ein Unglück für die ganze Entwicklung Palästinas. Scheinkin: Es ist eine geradezu unglaubliche Tatsache, um die es sich hier handelt. Man will jüdische Arbeiter verdrängen und ägyptische an deren Stelle setzen, ja, sie direkt ansiedeln. An und für sich ist der Vorschlag ökonomisch undurchführbar, denn auch die ägyptischen Arbeiter, die jetzt noch billig zu haben sind, werden, wenn sie sehen, daß die Araber höheren Lohn bekommen, alsbald den gleichen Lohn verlangen. Der Palästinarat hat beschlossen, eine Kommission zu bilden, um billige jüdische Arbeiter heranzuziehen. Wir denken in erster Linie an jemenitische Arbeiter, die sehr billig arbeiten. Wolffsohn: Wir werden sowohl das Palästinaamt, wie auch unsere anderen Institutionen in Palästina beauftragen, mit allen Mitteln darauf hinzuwirken, daß die Absicht der Verdrängung der jüdischen Arbeiter nicht verwirklicht werde. Auf diese Weise dürfte diese leidige Angelegenheit wohl in Ordnung kommen: Es folgt die Abstimmung über die Anträge. Zunächst liegen mehrere Anträge des Herrn Scheinkin vor: 1. Die Zeitung „Palästina" soll durch das Palästinaamt in Palästina herausgegeben werden, wenn -die Mittel dazu da sind. Der Antrag wird angenommen. 2. Die zionistische Organisation möge das Hebräische Gymnasium in Jaffa für das laufende Jahr mit 5000 Frcs. subventionieren. Nach einer kurzen Debatte wird der Antrag in folgender Fassung angenommen: Die Finanzkommission möge versuchen die Mittel zu schaffen, um dem Hebräischen Gymnasium eine Subvention von 5000 Frcs. gewähren zu können. 3. Die zionistische Organisation möge das Informationsbureau in Jaffa in diesem Jahre mit 2500 Frcs. subventionieren. . Der Antrag wird dem E. A.C. zur Erwägung übergeben. 4. .Das A. C. möge Icapitalkräftige Kaufleute veranlassen, große Kapitalien in kaufmännischen Unternehmungen in Palästina anzulegen. Der Antrag wird abgelehnt Antrag Goldberg: Die Jahreskonferenz beschließt, den Ausichtsrat zu ersuchen, einen Ausschuß von Fachleuten zum Studium der Frage der Errichtung einer Allgemeinen^ jüdischen Versicherungsgesellschaft einzusetzen. Der Antrag wird angenommen. Anstatt des zurückgezogenen Antrag Gabel bringt Trietsch folgenden Antrag ein: Das Palästina-Ressort, wird beauftragt, durch das Palästinaamt—gemeinsam mit dem Informationsbureau — feststellen zu lassen, inwieweit unter den jetzigen Verhältnissen an die Ermutigung einer Einwanderung von Juden in Palästina zum Zwecke der Kolonisation gedacht werden kann. Der Antrag wird angenommen. Der Antrag Trietsch, die Akten der El Arisch-Expedition den daran interessierten Mitgliedern des Großen A. C. zugänglich zu machen, wird abgelehnt Präsident Wolffsohn gibt hierzu die Erklärung ab, daß diese -Angelegenheit hn E. A. C. beraten, und daß das Material, wenn möglich, später den Mitgliedern des Großen A_ C. zur Verfügung gestellt werden solL Antrag Cowien: Die Jahreskonferenz empfiehlt dein Direktorium des J. N. F. die gesamten Zinsen seines Vermögens, sowohl aus Effektenbesitz als auch aus dem Barguthaben beim J. CT. und A. P- G. alljährlich dem E. A. C. zur Verfügung zu stellen. Der Antrag wird abgelehnt Dr. Hantke: Wir kommen zu einem sehr wichtigen Punkte, zur Presse. Die Frage der Existenz der „Welt" ist entschieden günstiger geworden, da das Defizit nur mehr 5000 beträgt. Ganz anders ist es mit dem „Ha'olam". Das A. C. ist nicht in der Lage, den „Ha'olam" in der jetzigen Form zu erhalten. Ich -möchte nur, daß die Absicht des Zentralbureaus bzgl. des „Ha'olam" ausgeführt wird. Wir wollten, daß die „Welt" mit der „Rundschau" vereinigt und nach Berlin verlegt würde. Dieser Antrag wurde abgelehnt da das A. Cerklärte, die Zeitung könne nur in Köln vom A. C. genügend kontrolliert werden. Wir schlagen nun einen andern Plan vor: Die „Welt" zu einem 14tägigen Organ auszugestalten, etwa wie die „Sozialistischen Monatshefte". Heute kann natürlich kein Beschluß gefaßt werden. Das A. C. soll jedenfalls diese Frage prinzipiell entscheiden. Die Tatsache, daß zwei Organe in Deutschland erscheinen, hat zur Folge, daß beide Organe gegeneinander arbeiten, ohne es zu wollen. Es wird jedenfalls viel Arbeit und Geld nutzlos vergeudet Ich stelle den Antrag: „Die Jahreskonferenz ersucht das E. A. C, die Frage der Umwandlung der „Welt" in eine Revue genau zu prüfen, und diese, sofern keine finanziellen Bedenken dem entgegenstehen, vorzunehmen." Wolffsohn: Ich bitte den Antrag abzulehnen. Eine Organisation, wie die zionistische, darf nicht darauf angewiesen sein, Blätter zu bitten, daß sie Verlautbarungen von uns aufnehmen. Gerade der „Ha'olam" zeigt mir, wie von Berlin aus ein 'Blatt sich naturgemäß unserer Kontrolle entziehen muß. Außerdem steht die Sache so, daß die „Welt" im letzten Halbjahr nur ein Defizit von 3000«^ aufweist. Wir hoffen, die „Welt" dahinzubringen, daß das Defizit ganz verschwindet Wenn sehon ein Organ in Deutschland verschwinden soll, kann man doch nicht verlangen, daß das offizielle Zentralorgan dem Landesorgah hintangesetzt werde. Fei weh Ich halte die Anregung.des Herrn Dr. Hantke, die „Welt" in eine Halbmonatsschrift umzuwandeln, für berücksichtigenswert. Die „Welt" wird also zu einer Revue umgestaltet die Korrespondenzen sollen dann von der „Jüdischen Rundschau" gebracht werden. Ich empfehle der Jahreskonferenz, dem E. A. C. zu empfehlen, diesen Antrag zu prüfen und in Erwägung zu ziehen.