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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Trietsch: Bei-Begründung der-Palestine Land Development Company .hat Herr Professor Warburg eine Rente von 5 °/o in Aussicht gestellt Anderseits wird uns erklärt, daß mit ölbautnpflanzungen 40 bis 50 °/o erzielt werden können. Warum hat man sich bei den Prospekten der P. L. D. C. mit dem Versprechen eines so geringen Nutzens begnügt, während wir wissen, daß Ölbaumpflanzungen das zehnfache bringen? Man könnte mir entgegenhalten: Die Ziffern stimmen nicht. Hun, ich habe seit Jahren das gesamte einschlägige Material studiert, und ich känn Ihnen versichern, die Zahlen werden von der Wirklichkeit noch übertroffen. Wenn in den ersten Jahren die Ölbaumpflanzungen in den Kolonien nicht so hervorragend günstige Ergebnisse hatten, so lag das daran, daß die Kolonisten die Sache noch nicht kannten und insbesondere noch nicht wußten, daß es spezielle Sorten gibt,, die ganz außerordentlich ertragreich sind. Jetzt, wo sie ihre Erfahrungen verwerten, bringen die Pflanzungen in manchen Kolonien, z. B. in Rechoboth, einen meh£ als 40 "Zotigen Ertrag. Das ist doch eine geradezu kolossale Chance, und wenn sie nicht ausgenützt wird, ist ein ernster Tadel am Platze. Als seinerzeit der Plan der Ölbaumsammlung auftauchte, dachte man an ein großzügiges Unternehmen. Man hoffte, auf diese Weise kolossale Werte zu schaffen und dadurch das jüdische Palästina von der Ica und den andern Organisationen unabhängig zu machen. Das hätte auch erreicht werden können, wenn man das internationale Kapitalistenpublikum in richtiger Form auf diese großartigen Gewinnaussichten aufmerksam gemacht hättel Statt dessen kam man und verlangte 6 Mark! Warum machen das andere Gesellschaften anders? Ich habe den Prospekt einer Kautschukgesellschaft gelesen, der von Herrn Professor Warburg mit unterzeichnet ist und worin bis zu 22 V Dividende in Aussicht gestellt wird. Da hat man nicht 6 Mark verlangt, der Prospekt läutete auf 2 Millionen (Professor Warburg: die sind aber auch iu 14 Tagen zusammengekommen!)'. Wir hätten es genau so machen müssen, und wir können es heute noch -so machen, wenn wir uns dazu aufraffen wollen, eine systematische Palästinaarbeit zu betreiben. Ich beklage sehr, daß man die Zeitschrift „Altneuland" aufgegeben hat Wenn die Spesen zu groß waren, hätten sie dadurch verringert werden können, daß man die Redaktion nach Palästina verlegt hätte. Die Vorschläge des Herrn Goldberg bezüglich der Versicherungsgesellschaft verdienen vollste Aufmerksamkeit. Ausgearbeitete Projekte und wertvolles Material liegen unserer Bank schon vor. Man hat es nur bisher abgelehnt sich damit zu beschäftigen. Sodann habe ich noch folgenden Antrag zu stellen: Die Jahreskonferenz möge beschließen, daß die Berichte der El-Arisch-Expedition und alle sonstigen hierauf bezüglichen . Schriftstücke den daran interessierten Mitgliedern des Großen Aktionskomitees zugänglich gemacht werden. Es geht nicht an, einerseits zu erklären, El-Arisch sei ein wertloses Land, und es dann anderseits offiziell in den Begriff der Nachbarländer einzuschließen. Ich habe mich mit einigen Freunden persönlich der Mühe unterzogen, das Land zu studieren. Ich glaube, es ist nicht zu viel verlangt wenn man denjenigen, die sich dafür interessieren, die Möglichkeit gibt die Ergebnisse ihrer eignen Forschungen mit denen der seinerzeit ausgesandten Expedition zu vergleichen. Dr. Gabel: Ich kann es nur dankbar begrüßen, daß das Informationswesen über Palästina in letzter Zeit fortgeschritten ist Darum sollte man sich hüten, die wichtigsten Quellen versiegen zu lassen. 'Die Zeitschrift „Palästina" durfte nicht eingehen, und das Informationsbureau in Jaffa muß unter allen Umständen erhalten bleiben. Unsere Palästinaarbeit leidet an einem grundsätzlichen Fehler. Wir ziehen unser Volk nur zu Spenden heran, nicht aber zu Kolonisationsarbeit In diese müßten wir einen großen Zug bringen, wir müßten eine Kolonisation großen Stiles zu betreiben anfangen. Ich stelle darum folgenden Antrag: Die Jahreskonferenz empfiehlt dem Palästinaressort, einen allgemeinen Plan zu entwerfen, nach welchen die Immigration der jüdischen Bevölkerung nach Palästina und die Kolonisation derselben vor sich gehen soll Dr. Hantke: Es dürfte Ihnen bekannt sein, daß für den 20. September eine Versammlung nach Berlin einberufen ist die sich mit der Schaffung einer Allgemeinen Jüdischen Kolonisatiorisorgarri- •satiön beschäftigen solL Ursprünglich bestand der Plan, einen Zusammenschluß aller jüdischen großen Organisationen herbeizuführen. Dieser Plan ist, wie Sie wissen, zerstört worden. Man hat sichauf die Karrikatur einer solchen Organisation geeinigt, die die Zionisten und überhaupt den großem Teil der Juden ausschließt Wie es sich mit dem neuen Pläne verhält ist nicht ganz •klar. Jedenfalls hat man sich gehütet die eigentlichen offiziellen Vertreter des Zionismus zu der Gründungsversammlung einzuladen, während man anderseits unter der Masse der Personen, die eingeladen worden sind, auch einige Zionisten mit einer Einladung bedacht hat. Ich bitte nun das Palästinaamt um Auskunft, wie wir uns nach seiner Ansicht zu dieser Sache stellen sollen. Wolffsohn:. Ich möchte zunächst auf die Äußerungen des Herrn Goldberg zurückkommen, der verlangte, daß unsere Agitationsarbeit im Orient und insbesondere in der Türkei von Grund auf geändert werden müsse. Herr Goldberg war am Dienstag noch nicht hier, sonst würde er wissen, daß diese Frage in der geheimen Sitzung am Dienstag auf. das Eingehenste besprochen worden ist, und daß sich daher eine nochmalige Besprechung an dieser Stelle erübrigt. Was die Frage der Stellungnahme zu den andern Organisationen und insbesondere zu der geplanten Neuorganisation betrifft, so sollten wir uns bemühen, nach Möglichkeit Differenzen zu vermeiden. Wir müssen immer noch die Hoffnung hegen, daß die andern 'Organisationen doch noch einmal mit uns zusammen gehen werden. Selbstverständlich werden Unstimmigkeiten nie ganz zu vermeiden sein, weil wir natürlich von unserm speziellen Standpunkt unter keinen Umständen abgehen dürfen. Ich würde es für verfehlt halten, heute einen Beschluß über unsere Stellungnahme zu der zukünftigen Organisation zu fassen. Nach allem, was wir davon wissen, und was vorgangen ist sollten wir zunächst abwarten, wie sich diese Angelegenheit entwickelt Feiwel teilt mit, daß die Sammlung für den Palästinakulturfonds 6650 M ergeben habe. Was die Ausführungen des Herrn Dr. Hantke anbelangt, so ist darüber offenbar nicht das Palästinaressort, sondern das E. A. E. zuständig. Im übrigen bin ich in dieser Hinsicht durchaus der Meinung des Präsidenten. Moser: Ich bitte um Aufklärung, wie wir uns als Repräsentativzionisten auf der in Berlin am 20. September d. J. tagenden Versammlung verhalten sollen. Sollen wir die Sache gänzlich ignorieren oder unser Verhalten nach einem bestimmten Gesichtspunkte einrichten? Ich bitte um eine Direktive. Feiwel: Das Unternehmen ist ein Experiment, dessen Aussichten ich persönlich sehr pessimistisch beurteile. Ich glaube nicht, daß jetzt schon außerhalb Palästinas ein Zusammengehen mit andern möglich ist die Zeit ist offenbar dafür noch nicht reif. Auf der Versammlung, die vor einigen Monaten wegen der Gründung einer allgemeinen Organisation in Berlin stattfand, hat sich gezeigt, wie sehr wir doch von den Andern gehaßt werden, und daß' uns auch die Alliance nichts weniger als freundlich gegenübersteht. Dessen ungeachtet bin ich doch dafür, daß die eingeladenen Zionisten inoffiziell an der Versammlung teilnehmen. Es handelt sich um ein Experiment, dessen Ausgang uns vielleicht endgültig darüber aufklärt, ob und inwieweit ein Zusammengehen möglich ist Dr. Mahler: Wir befinden uns in dieser Angelegenheit vollständig im Unklaren. Die Einerr sind dafür, die Versammlung überhaupt nicht zu besuchen. Die Andern raten, daß wir als Private, nicht als Vertreter des Zionismus hingehen sollen. Demgegenüber muß ich erklären: Wir alle, die wir eingeladen worden sind, sind doch nur eingeladen worden, weil wir eine Stellung in der zionistischen Organisation einnehmen. Auch, die andern Herren, die dort hinkommen, kommen nicht als Private, sondern weil sie innerhalb gewisser Organisationen, oder innerhalb des Judentums etwas bedeuten. Ich kann daher an dieser Versammlung auch nur dann teilnehmen, wenn ich als Zionist dort auftreten kann. Hantke: Wir müssen doch auf unsere Würde halten. Die Ica hat erklärt daß sie nicht mit den Zionisten zusammen arbeiten wolle, das ist doch eine offizielle Erklärung, darum sollten wir nicht zu der Versammlung gehen. An der ganzen Sache haben wir gar kein Interesse. Ich möchte, daß das A. C. sich schlüssig wird, ob wir uns an der Sache beteiligen sollen oder nicht, eine Direktive hierfür ist notwendig. Dr. Braude: Wir galizischen Zionisten, die wir eingeladen worden sind, haben ein sehr starkes Interesse daran, bei der Versammlung auch zu erscheinen. Im andern Falle werden nämlich unsere Gegner dort als Vertreter des galizischen Judentums auftreten, und das müssen wir nach Möglichkeit verhindern. Sollte indessen hier beschlossen werden, nicht hinzugehen, so werden wir 'uns selbstverständlich diesem Beschlüsse fügen. Sokolow: Wir Zionisten müssen die Frage nicht im besondern, sondern prinzipiell stellen. Und da glaube ich, daß wir überall mitgehen sollen, wo wir Gelegenheit haben, als Gleiche unter Gleichen dabei zu sein. Wo immer im Judentum sich etwas regt, wo eine jüdische Organisation ein Lebenszeichen von sich gibt, müssen die Zionjsten zugegen sein, aber — und das möchte ich nachdrücklich unterstreichen, als Zionisten. Sie sollen bei solchen Verhandlungen als Zionisten Stellung nehmen. Sie sollen nicht provokatorisch auftreten, sie dürfen aber unter keinen Umständen

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