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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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vielen Vorschläge des Palästinaressorts sehe, so zähle ich 14 Sammelzwecke, 14 Gründungen, die alle noch nicht* vollendet sind. Da muß ich doch sagen, es wird zuviel gesammelt Wie large sammeln wir z. B. für den Herzlwald! Ich möchte Ihnen empfehlen, anstatt für den „Kulturfonds" zu sammeln, den Bezalel und das Hebräische Gymnasium zu sichern. Ich fürchte, es werden viele Jahre vergehen, bevor wir für den neuen Fonds etwas zusammenbringen. Dr. Bodenheimer: Ich glaube, der Name „Kulturfonds" ist nicht passend gewählt. Das Wort Kultur wird in gewissen Kreisen ein Gruseln hervorrufen. Ich fürchte, daß speziell in England hierdurch die Agitation erschwert werden wird. Ich schlage daher vor, daß der Fonds Schulfonds heißen möge. Dr. Mahler: Ich glaube gleich Herrn Moser, daß wir vor allem die alten Institutionen sichern sollen, und dann noch eins: Wir Zionisten stellen uns in kultureller Hinsicht auf einen viel zu exponierten Standpunkt. Es ist ja nicht nötig, daß wir selbst große kulturelle Beiträge aufbringen, wir können in dieser Hinsicht mit den andern Organisationen zusammengehen, sie unterstützen und in unserem Sinne zu beeinflussen suchen und so unsere eigenen Mittel für unsere speziellen Zwecke reservieren. B. Goldberg: Als ich auf der Reise nach hier war, dachte ich daran, eine Konzentration der Sammlungen vorzuschlagen. Wenn wir aber statt dessen jetzt einen neuen Fonds schaffen, so bin ich nur unter der Bedingung dafür, daß wir in den nächsten 3 Jahren keinen andern Fonds außer dem Palästinakulturfonds ins Leben rufen. Wolffsohn: Wir haben hier verschiedene Meinungen gehört und ich stehe eigentlich auch auf Seite der Herren Moser und Mahler, daß es tatsächlich für uns geradezu gefährlich wird, daß wir tausend Sachen anfangen und keine zu Ende führen. Wir haben den Bezalel gegründet und er ist nicht gesichert, desgleichen das Hebräische Gymnasium, das ja auch nicht sicher ist. Aber, meine Herren, ich wüßte nicht, wo ich den Mut hernehmen soll, dagegen zu stimmen, wenn hier eine Liste vorliegt, worauf schon 3000 JC gezeichnet sind. Im übrigen bin ichdafür, daß wir in irgendeiner Form erklären, bis auf weiteres keinen Fonds mehr zu schaffen. Ich bitte die Herren, es so zu machen wie ich, dagegen zu sein und dafür zu zeichnen. Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß weite Kreise .herangezogen werden müssen, ein Fehler ist nur dabei: wenn wir es den andern überlassen sollen, einen solchen Fonds zu begründen, dann würde nichts dabei herauskommen. Wir müssen selbst etwas tun innerhalb des Rahmens, in dem wir arbeiten können. Nun haben wir dem Hebräischen Gymnasium eine Subvention zugesagt wir haben eine Bibliothek und sind nicht in der Lage, sie zu unterstützen, und gerade deswegen brauchen wir einen Kulturfonds, und darum bitte ich Sie, meine Herren, es so zu machen wie ich, im Prinzip dagegen zu sein und 1000 Jt zu zeichnen. Dr. Hantke bittet nur, festzustellen, daß wir die nähere Ausführung dem E. A. C. überlassen und daß event der Name geändert werden kann. Prof. Warburg: Herr Goldberg hat recht wenn er verlangt, daß dies der letzte Fonds sein soll. Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, daß der Zionismus bis ietzt nur Landfonds hatte. Was die andern Vereine betrifft, so kann ich Ihnen als Vorstandsmitglied des Hilfsvereins versichern, daß er es mit größter Freude aufnehmen wird, daß wir in kultureller Hinsicht etwas unternehmen. Ich stelle also folgenden Antrag: Die Jahreskonferenz beschließt, einen Palästinakulturfonds zu begründen. Derselbe soll 1. aus einem eisernen Fonds bestehen, welcher erst dann in die Erscheinung zu treten hat, wenn 100000 iM beisammen sind. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds müssen sich auf mindestens 100 J6 belaufen, und es dürfen nur seine Zinsen aufgebraucht werden; 2. aus einem anderen Fonds, der die kleineren Beiträge umfaßt, von welchen nur 50°/o der jährlichen Eingänge verbraucht werden dürfen. Antrag 1 wird mit allen gegen 3 Stimmen angenommen. Antrag 2 wird mit 13 gegen 10 Stimmen angenommen. Palästina-Debatte. Scheinkin: Herr Prof. Warburg möge es mir nicht verübeln, er hebt in seinem Bericht zu sehr den Gegensatz zwischen Palästinarat und dem Palästinaamt hervor. Der Palästinarat ist bereit, in Frieden mit ihm zusammen zu arbeiten und in Palästina beginnt man schon mit dem Palästinarat zu rechnen. Es ist auch kein Grund vorhanden, den Palästinarat als Feind der P. L. D. C. zu betrachten. Wir haben vieles kritisiert, es wurde manchem Rechnung getragen, und ich hoffe daher, daß alles in Zukunft anders wird. Ich muß bedauern, daß die Zeitschrift „Palästina" eingegangen ist. Ich schlage, vor, mit der Monatsschrift „Palästina" in München eine Vereinbarung zu treffen «und sie in Palästina selbst herauszugeben. Wenn schon Dr. Ruppin und DriThon in Palästina wohnen, dann soll auch Dr. Thon die Zeitung „Palästina" machen. Was "das Gymnasium betrifft muß ich bemerken, daß dieses Institut, im nächsten Jahre ein Budget von Frcs. 31000 hat. Da wäre es doch nicht schön, wenn dieses, nach dem Bezalel das hervorragendste zionistische Institut nicht mit mindestens Frcs. 5000 von A. C. subventioniert würde. Das Odessaer Komitee garantiert für die 31000. Frcs. nur dann, wenn das A. C. Anteil nimmt. IcK bitte also diese Subvention dem .Gymnasium sofort zu gewähren und nicht erst auf den Kulturfonds zu warten,' denn die Lehrer müssen sofort bezahlt werden. ( Ich bin auch der Leiter des Informationsbureaus. Die Aufgaben des Iriformationsbureaus sind ungeheuer wichtige und es ist daher die Pflicht des Aktionskomitees, auch das Budget des 'Informationsbureaus zu unterstützen. Schließlich komme ich zur Lage in der Türkei. Es ist die Aufgabe des Aktionskomitees, kapitalkräftige Kaufleute heranzuziehen, die hr Palästina ihre Gelder investieren, dann werden auch andere Vertrauen gewinnen. B. Goldberg: Mir scheint daß eine Änderung in unserer bisherigen Orient-Politik stattfinden müsse. Wenn wir kleinere Arbeiten unternehmen, heißt man das Chowele-Zionismus. Wollen wir hingegen größere Sachen machen, so haben wir hierzu - nicht die Mittel. Wir haben ein Industriesyndikat mit kaum 1G0 000 <J( geschaffen. Jeder weiß aber, daß eine ernstzunehmende Fabrik eine halbe Million nötig hat Es muß daher nach einem Plane gesucht werden, nach dem wir größere Kapitalien bekommen. Wir müssen eine Kraftanstrengung machen, ähnlich der, durch welche die Bank zustande gebracht wurde. Es gehört dazu nur. etwas mehr Mut. Mir schwebt ein solcher Plan mit der Gründung einer großen jüdischen Versicherungsgesellschaft vor. Wir wissen, wie klein z. B. die „Viktoria" angefangen hat und welch großen Einfluß sie jetzt durch ihre Kapitalien hat die sie zum großen Teil für hypothekarische Darlehen verwendet Es soll ein Ausschuß von Fachleuten zum Zwecke der Schaffung einer allgemeinen jüdischen Versicherungsgesellschaft eingesetzt werden. Wenn wir bedenken, das selbst in so armen Ländern, wie in Rußland und Galizien, die dortigen Juden viele Millionen den Versicherungsgesellschaften zuführen, dann muß es gelingen, auch eine jüdische Versicherungs^ gesellschaft zustande zubringen, deren Kapitalien für wirtschaftliche großzügige Zwecke in Palästina verwendet werden. Wir sprechen von einem Agrarkredit und gewähren im ganzen 200000 Frcs. Auf solche Weise können wir nur ganz , kleine Dinge schaffen. Ich beantrage: die Jahreskonferenz beauftragt den Aufsichtsrat der Bank, eine Kommission von Fachleuten einzusetzen, welche die Idee einer allgemeinen jüdischen Versicherungsgesellschaft studieren. Dr. Kohan-Bernstein: Ich möchte an Herrn Professor Warburg eine Frage stellen. In Palästina machen die Versuche mit Baumwolle durch Herrn Beermann viel von sich reden. Es wird gesagt daß er sich drei Jahre damit beschäftigt hat, ohne daß dabei etwas herauskam, während die gewöhnlichen Kolonisten Baumwolle guter Qualität produziert haben. Warburg: Was die Baumwoll-Versuche betrifft, so ist die Baumwolle leider_ durch ein Insekt zugrunde gerichtet worden, welches auch in Ägypten großen _Schaden anrichtete. Es ist dies ein blauer Schmetterling, der in Ägypten von den Fachleuten vernichtet wird. Das wußte man aber damals nicht, und darum ist vieles zugrunde gegangen. Es wurde ja auch versucht die Baumwolle bei Kolonisten anzubringen. Die meisten haben aber entweder gar nicht gepflanzt oder die Stauden wieder herausgerissen. Ich bin Fachmann auf diesem Gebiete und bin der Ansicht daß Versuche in der bisherigen Weise wenig ergeben werden. Die einheimische Baumwolle ist so schlecht daß ihre Kultivierung sich nicht lohnen würde. Die Russen haben die amerikanische Baumwolle eingeführt ebenso die Leventinische Gesellschaft, an der unsere Bank beteiligt war, und arbeiten mit großem Erfolg. Aber letztere Gesellschaft gewährt Vorschüsse und verfügt über riesige Kredite. Ich bin der Ansicht daß wir wohl in der Lehrfarm kleine Versuche anstellen, uns aber nachher auf die deutsche Gesellschaft in Cilicien stützen sollen. Ich habe darum Verhandlungen mit dieser Gesellschaft, deren Aufsichtsrat ich bin, angeknüpft, und sie werden uns gern ihr Material zur Verfügung stellen, wenn wir uns verpflichten, die Baumwolle ihnen abzuliefern. Es bedarf aber noch weiterer Verhandlungen, um zu sehen, ob die Versuche etwas erreichen werden. Von einem Versuch der Kolonisten halte ich nur dann etwas, wenn viel Grundwasser zur Verfügung steht. Darum bin ach für den Versuch' in der Gegend des Tiberias-Sees.

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