Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 33 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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m, 33 — . _ die j Das wichtigste Ereignis in dieser Beziehung ist die Errichtung .'der Palestine Land Development Cümpany, einer englischen Aktiengesellschaft, welche die Kolonisation des Landes auf geschäftsmäßigem Wege entwickeln will, indem sie die Methoden •Oer bisherigen Landansiedlungs- und Parzellierungsbanken den ipalästinensischen Bedingungen anzupassen versucht. Obgleich «die P.. L. D- C. noch nictft formell in England eingetragen worden ist, da die gezeichneten Beträge erst jetzt eingezogen werden, so hat die Gesellschaft doch schon ihre Tätigkeit in . Palästina aufgenommen, indem sie einen ' beträchtlichen Teil <tes Nationalfondsgates Kinereth. als provisorische Lehrfarm geachtet hat, nun" sich die als Pächter oder Rentengutsbesitzer in Betracht _ kommenden Leute wenigstens teilweise selbst heranzubilden, ©der doch ihre Zuverlässigkeit zu erproben. Schon ist das ■ Land dort vorgepflügt, und die dort beschäftigten jüdischen Arbeiter sind frohen Mutes. Auch eine Herzlfeier wurde auf dem Nationalffondsgflt "abgehalten, an der sich -die umwohnenden Kolonien rege sbeteffigten. Bisher sind etwa 4000.Aktien ä 1 £, aber nur wenige <irönderaktien ä SO £ gezeichnet Charakteristisch ist vor allem tfe große Zahl der Aktionäre; an den Zeichnungen sind die verschiedenen Länder aber in sehr verschiedenem Verhältnis beteiligt Anstatt der gezeichneten 4000 Aktien müssen aber wenigstens 25 000 Aktien, also die Hälfte des nominellen Kapitals der Gesellschaft, untergebracht sein, wenn die kolonisatorische Arbeit wirklich allen sichtbar in Erscheinung treten solL Wir haben ausführbare Projekte großen Stils, an die wir aber leider aus Mangel an Mitteln vorläufig nicht ernstlich heranzutreten wagen. Wir hoffen jedoch und erwarten es sogar bestimmt, daß jeder Palästinafreund, der es ernst mit der wirtschaftlichen Hebung unseres schönen Landes meint dies auch durch weitere Übernahme und Verbreitung der Aktien der P. L. D. C. beweist Wir rechnen hierbei nicht nur auf die Wohlhabenden, sondern ebenso auf die "wenig Bemittelten, denn die P. L. D. C. ist die einzige Organisation, bei xler man auch kleine Mittel zur Hebung der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisarion auf. geschäftlicher Basis anlegen kann. Der Palestine Land Development Company ist aus diesem Grunde eine große Zukunft zu prognostizieren, wobei es nebensächlich ist, ob das Lehrgut an sich eine Dividende abwirft oder jährlich kleine Zubußen beansprucht Ebenso wie die „Palestine Land Development Co." hat auch der „Pflanzungsverein Palästina", der ja gleichfalls aus •der Initiative des' Palästinaressorts resp. seines Vorgängers, der iPalästinakommission, hervorgegangen ist seine praktische Tätigkeit in Palästina schon eingeleitet indem er in diesem Winter mit Hilfe von Kolonisten in Rechoboth seine erste Pflanzung von 150 Dunam begonnen hat; die Mandel- und Olivenbäume sind ausgezeichnet aufgekommen und berechtigen zu den besten Hoffnungen; auch werden die Mitglieder des Vereins schon in diesem Herbst infolge spezieller Abmachung mit den Kolonisten ihre erste Palästinagabe erhalten. Die Ölbaumspende hat in dem Berichtsjahr eine besondere Verwaltung bekommen, indem sich hierfür ein eingetragener Verein mit dem Sitz in Berlin gebildet hat dessen Mitglieder den Gegenwert von 2 Ölbäumen, also <S 12.— als Jahresbeitrag zu zahlen haben. Aus technischen Gründen wird dieser Verein erst vom Oktober an sein eigenes Bureau erhalten, und erst dann kann eine wirkliche Propaganda dafür gemacht werden. Bisher wurde die Leitung des Vereins vom Palästinaressort nebenher besorgt und bei der Inanspruchnahme des Ressorts, dem Fehlen jeglicher Hilfskraft und der nötigen Räumlichkeiten ist es kein Wunder, wenn ab und zu Klagen über die schleppende Geschäftsordnung einliefen; das wird aber vom Oktober an alles anders-werden. Die Haupttätigkeil des Ressorts bezüglich der Ölbainnspende erstreckte sich natürlich auf die-Agitation für den Herzlwald, und wenn auch ein regulärer Abschluß gemäß den Vereinsstatuten erst Ende Dezember gemacht werden wird, so kann doch festgestellt werden, daß für den Herzlwald Ende Juni dieses Jahres schon ca 2200 £ bereit lagen, während die Eingärige des Juli und der bei den Föderationen liegenden Summen gewiß den Betrag schon auf 2500 £ erhöht haben werden, da an dem Todestage Herzls überall besonders eifrig gesammelt - wurde. Es würden also nur noch 350 £ oder ca. 1000 Bäume fehlen, bis die Summe erreicht sein wird, bei der unser Gesinnungsgenosse Moser uns die letzten 500 Bäunfe zugesagt hat um den Herzlwald voll, zu machen. Bekanntlich ist ja das Land Hulda an der Eisenbahn Jaffa-Jerusalem, nahe Ramleh, für den Herzlwald bestimmt-; da dieses Land aber die doppelte Anzahl Bäume, d. h. zirka 20000, fassen kann, so. sind wir der Ansicht daß die Sammlung fortgesetzt werden muß, bis das ganze Landgut aufgeforstet ist; natürlich soll hier auch für die näheren Freunde Herzls, soweit sie darauf reflektieren, Land für-Haine auf ihren Namen reserviert werden. ' ^gELT _ 11 Außerdem liegen noch 1300 £ für Ölbäume bei dem Jewish Colonial Trust, die nicht speziell für den Herzlwald bestimmt sind. Ein kleiner Teil des Geldes wird zur Vollendung des Goldberghaines bei Chederah dienen, der sich prächtig entwickelt; der andere Teil soll zu Neupflanzungen verwendet werden, wofür speziell der Teil von Beth' Arif bei Lydda in Betracht kommt der nicht an Kiriath Seferverpachtet ist sowie ferner Teile von Duleika-Urhdjune, welches Gut jetzt den Namen Kinereth erhalten hat Für die ölbaumspende im allgemeinen und den Herzlwald im besonderen ist in Beth Arif bei Lydda im Winter eine große Baumschule angelegt die sich gut entwickelt und auch später dazu dienen soll, stets kräftige und gut gepfropfte Bäume für die Ölbaumpflanzungen bereitzuhalten. Wenn die Ölbaumspende sich in der gleichen Weise auch weiterhin des Wohlwollens der Zionismen erfreuen wird wie bisher, so wird sie dermaleinst eine wichtige Rolle zu spielen berufen sein. Die Frage der Anlegung einer Versuchsstation Jst^ insofern einen Schritt weiter gekommen, als das Palästinaatntuns in den letzten Tagen berichtet hat daß im Herbst Athlit aufgeteilt wird und wir das für uns bestimmte Terrain erhalten werden. Wir hoffen dann gleich mit der Bearbeitung des Landes beginnen und auch die Baumschule und Obstplantage sofort anlegen zu können. Wir werden dann auch eine umfassende Agitation für die Versuchsstation beginnen müssen, denn die der Versuchsstation bis-, her zur Verfügung stehenden Mittel reichen außer zum Landkauf nur noch für Errichtung der wichtigsten Wirtschaftsgebäude und Anschaffung des Inventars, aber nicht für den wissenschaftlichen Ausbau der Station. Wie wichtig eine solche Versuchsstation ist hat wieder einmal der Besuch des landwirtschaftlichen Sachverständigen Lothar Meyer in Palästina erwiesen. Das Bedenken, daß Athlit zu, sehr' abseits von den großen Zentren jüdischer Kolonisationstätigkeit liege, ist insofern nicht stichhaltig, als ruhige Versuchsarbeiten möglichst unbeeinflußt von wohl- oder übelwollenden, durch ihre ständige Kontrolle die ruhigen Versuchsanstellungen störenden Nachbarn. durchgeführt werden sollten. Hingegen ist es, wie auch Lothar Meyer in seinem Gutachten mit Recht hervorhebt durchaus wünschenswert, daß in den Hauptkolonien ein Bauernhof einem in Europa gut ausgebildeten Landwirt pachtfrei zur Verfügung gestellt werde, der dafür verpflichtet ist die Ergebnisse der modernen Landwirtschaft und die Resultate der Experimente der Versuchsstation in die Praxis überzuführen. Bekanntlich hat der letzte Kongreß das Palästinaressort beauftragt, Vorstudien behufs Schaffung einer Siedlungsgenossenschaft zu machen und der Jahreskonferenz diesbezüglich Bericht zu erstatten. Wir sind der Ansicht, daß die Schaffung einer Siedlungsgenossenschaft eine bei der jetzigen türkischen Grundgesetzgebung außerordentlich komplizierte und schwierige Frage ist welche genaue Studien seitens Sachverständiger erfordert, und die nur nach gründlichster Prüfung praktisch in Angriff, genommen werden sollte. Wir haben demgemäß das Palästinaamt beauftragt, die Frage zu studieren; es werden aber gewiß außerdem auch noch Gutachten seitens anderer Sachverständiger eingefordert werden müssen. Das ist natürlich schon wegen des Fehlens jeglicher Mittel dem Palästinaressort unmöglich; wir glauben aber, daß die Verwaltung des Nationalfonds, der ja auch wohl einen Teil der pekuniären Grundlage der zu gründenden Siedlungsgenossenschaft zu liefern bestimmt ist, die geeignete Instanz ist diese Untersuchungen anstellen zu lassen. Das Palästinaamt hat bei seinem erst dreimonatlichen Bestehen aus Mangel an Zeit und Überhäufung mit anderen dringenderen Aufgaben die Materie noch nicht studieren können. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, daß schon dem nächsten Kongreß die Unterlagen für eine Beschlußfassung vorgelegt werden. Eine Übereilung scheint uns aber um so weniger angebracht zu sein, als die in Aussicht stehende parlamentarische Vertretung in der Türkei wohl bald die dringende Reform der Bodengesetzgebung in die Hand nehmen wird. Da die Poale Zion an dieser Frage besonders interessiert sind, haben wir versucht sie zu veranlassen, die Sammlung eines Fonds hierfür in die Wege zu leiten; jedoch ist uns von einem Erfolg bisher nichts bekannt geworden. Wir kommen schließlich zu den Kulturaufgaben in Palästina, deren energische Inangriffnahme ja von der großen- •Majorität des vorigen Kongresses auch dringend gefordert wurde, freilich ohne daß irgendwelche Direktiven gegeben wurden,, auf welche Weise die hierfür ja vor allem nötigen Mittel beschafft werden sollten. Wollen wir . Zionisten Einfluß auf kulturelle Einrichtungen in Palästina erlangen resp. solche gründen, so bedarf es eines großen Fonds, eines Palästinakulturfonds oder Palästinafonds. Aus der Erfahrung heraus, daß nur ein größerer Fonds imstande ist, neue Geldmittel anzuziehen, möchten wir den Vorschlag