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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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der Geschäfte getadelt worden, ebenso auch seine Meinung über die Kompetenz des Direktoriums. Da er sich überzeugt habe, daß die große Mehrheit der Generalversammlung und der als Gäste anwesenden übrigen Mitglieder der Jahreskonferenz annähmen, es sei im Nationalfondsbericht ein Gegensatz gegen die Auffassung, zum Ausdruck gebracht, daß der Kongreß und das E. A. C. die oberste entscheidende Instanz für die Verwaltung des Nationalfonds bilde, so erkläre er ganz bestimmt, es liege ihm nichts ferner, als sich zu dieser Auffassung in Gegensatz zu stellen. Vielmehr werde er auch irr Zukunft dafür Sorge tragen, daß die Kompetenz, die die Mehrheit der Generalversammlung dem Direktorium eingeräumt habe, nicht mehr überschritten werde. Direktoriumssitzungen des Jüd. Nationalfonds Am 13. und 14. August d. J. fanden in den Räumen des ■ Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds, Köln, Karolingerring 6, zwei- Boardsitzungen des Jüdischen Nationalfonds statt Den Sitzungen wohnten bei: die Herren Dr. M. J. Bpdenheimer, Vorsitzender des -Direktoriums, die* Direktoren Dt. A. Hantke, L. Kessler und Dr. E. W. Tschlenow, die Governors Professor Dr. O- Warburg und D. Wotffsohn sowie Herr H. Neumarin, Sekretär der Gesellschaft und die Herren H. Kaufmann und N. Groß, Sekretäre des Hauptbureaus, Köln. Es wurden sämtliche schwebenden Palästinaangelegenheiten ausführlich besprochen, alle vorliegenden praktischen, wie auch die prinzipiellen Fragen eingehend erörtert und diesbezügliche Beschlüsse gefaßt Die von den Bücherrevisoren geprüfte Bilanz pro 1907 wurde verlesen und unterzeichnet - Unter anderm wurde beschlossen, eine neue Nationalfondsmarke im Werte von 4—5 Pfg. herauszugeben. Es lagen zu derselben bereits Entwürfe verschiedener Küstier sowfe auch der Kunstgewerbeschule Bezalel vor. Das Direktorium wählte von denselben fünf, darunter zwei vom Bezalel aus, von welchen Probedrucke hergestellt werden sollen. Erst nach Fertigstellung der Probedrucke soll endgültig über die Wahl entschieden werden. DIE ZIONISTISCHE Donnerstag den 13. August (Nachtsitzung). Präsident Wolffsohn eröffnet die Sitzung um 9 7z Uhr abends und verliest ein Schreiben des Herrn Kremenezky, worin dieser sein Bedauern ausdrückt verhindert zu sein, der Jahreskonferenz beizuwohnen und dem Parteifonds eine Spende von Kronen 500 überweist Hierauf erhält Professor Warburg das Wort zum Bericht des Palästinaressorts Der letzte Kongreß hat bekanntlich bezüglich der Palästinaarbeit eine Reihe Resolutionen gefaßt und bezweckte damit, derselben eine größere Intensität zu verleihen. Damit diese Resolutionen nun aber nicht wieder, wie es so häufig bei Kongreßbeschlüssen der Fall ist wertvolle Anregungen bleiben, glaubte der Kongreß noch beschließen zu sollen, daß 25 "/o aller Einnahmen des A. C, sofern sie nicht für andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Man durfte demnach wohl erwarten, daß die Palästinaarbeit jetzt einen Aufschwung nehmen würde. Es zeigte sich aber bald, daß infolge des geringen Schekeleinganges einerseits, und anderseits, weil die Kosten des neugeschaffenen Palästinaamtes dem Palästinaressort belastet, wurden, die letzterem tatsächlich zur Verfügung gestellten Summen geradezu minimal waren; die im Laufe des Jahres von der Zentrale dem Palästinaressort überwiesenen JC 2000.— konnten natürlich bei weitem nicht genügen, um die Wünsche des Kongresses ausführen zu können. Als erschwerender Umstand kam noch hinzu, daß als indirekte Folge der Kongreßbeschlüsse die privaten Hilfsquellen des Palästinaressorts allmählich versiegten, weil die Föderationen sich dem Glauben hingaben, das Ressort verfüge über genug Mittel; somit hörte dann der an sich schon spärliche Eingang des Palästinaschekels und der Palästinaspenden mit der Zeit so gut wie ganz auf. Aus diesen Gründen sah sich das Ressort gezwungen, seine Tätigkeit zu beschränken, sowohl was die Agitation und Belehrung betrifft als auch bezüglich der Subventionierung der palästinensischen Unternehmungen. Zu unserm großen Bedauernmußten wir vor allem auf die Weiterführung unserer Zeitschrift „Palästina" verzichten, da sie uns ein jährliches Defizit von ca. 2000 <M gebracht hatte; um so dankbarer müssen wir Herrn Theilhaber in München sein, der seit Aufhören unserer Zeitschrift eine Monatsschrift gleichen Namens, wenn auch von geringerm Umfang, aus eigener Initiative herausgibt Mag auch die Kritik einiges an dem Blatt auszusetzen haben, so sollte man doch bedenken, daß Niederreißen leicht Aufbauen dagegen sehr schwer ist und daß wirklich außergewöhnlicher Mut dazu gehört, bei unserm Publikum, das an niedrige Preise und unpünktliche Zahlung gewöhnt ist ohne Subvention ein derartiges Blatt herauszugeben. Wir glauben, daß das Blatt allseitige Unterstützung verdient Aus dem gleichen Grunde konnte das 'Ressort dem hebräischen Gymnasium und dem Bezalel die in Aussicht gestellte Subvention leider nicht überweisen, was um so schmerzlicher gewesen ist als es sich bewußt war, daß an größere Sammlungen unter den Zionisten für diese Institutionen nicht zu denken ist so lange die Föderationen angeblich mit dem Sammeln des Parteifonds beschäftigt sind. So bestand denn die Haupttätigkeit des Ressorts darin, den Verkehr mit Palästina und den sich dafür interessierenden Organisationen und Privatpersonen aufrecht zu erhalten, was in der letzten Zeit infolge der Einrichtung des Palästinaamtes bedeutend erleichtert wurde, da wir jetzt unbedingt zuverlässige Auskünfte zu erlangen und zu erteilen vermögen. Wir haben Gründe anzunehmen, daß schon in der nächsten Zeit hierdurch kapitalkräftige Personen veranlaßt werden, sich in Palästina niederzulassen. So denken einige Leute aus Rußland und Deutschland sich als Landwirte in Palästina anzukaufen; ein Herr aus Südafrika gedenkt dort eine große Straußenfarm zu errichten, und. die meisten wohlhabenden zionistischen Besucher des Landes haben sich an dem einen oder andern der dortigen Unternehmungen beteiligt. Es könnte dies zwar noch in einem ganz andern Maßstabe geschehen als bisher, aber man erkennt doch, daß das Mißtrauen gegen die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas allmählich aufhört. , Freilich sind die Möglichkeiten für Beteiligungen ausländischer Kapitalien an palästinensischen Erwerbsgesellschaften vorläufig noch keine sehr ausgedehnten, aber immerhin besitzen wir an der Bank Anglo Palestine Co, in der Olivenpreßgesellschaft Athid, in der Maschinenfabrik L- Stein & Co. Ltd., die .im Berichtsjahr in eine englische Gesellschaft, umgewandelt wurde, drei Unternehmungen, die nicht nur Unterstützung durch Beteiligung verdienen, sondern die auch recht aussichtsreich sind und die ihnen anvertrauten ^Gelder gut zu verzinsen versprechen. Schließlich macht auch der Pflanzungsverein Agudath Netaim sichtliche Fortschritte und gewinnt .immer mehr Boden und Sympathien, sowohl in Palästina als in der Diaspora." Auch das durch die Initiative der Zionisten im vorigen Jahre begründete, auf durchaus geschäftlicher Basis beruhende Palästi na- Industrie-Syndikat hat sich bemüht für den Beginn seiner Tätigkeit dankbare Arbeiten in Palästina zu finden und hofft demnächst wirklich mit einer größeren Arbeit sich im heiligen Lande betätigen zu können. Weit wichtiger sind aber die Institutionen, welche der palästinensischen Landwirtschaft zu dienen bestrebt sind. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß •die Hebung der palästinensischen Landwirtschaft die Grundfrage unserer .ganzen Palästinatätigkeit sein muß, und daß, wenn wir nicht verstehen werden, unser Volk in weit größerem Maße, wie es bisher der Fall war, der palästinensischen Agrikultur zuzuführen, das Resultat unserer Bemühungen doch nur sein wird, zu den bisherigen Ghettozentren ein neues entwickelt zu haben. Der Weg mag schwierig sein, die Arbeit eine lange und zeitraubende, und das Unternehmen vor allem große Mittel erfordern, es hüft nichts, wir müssen uns noch mehr anstrengen als bisher, wir müssen selbst noch tiefer in unsere Taschen greifen und noch eifriger die andern Volksgenossen anspornen, wenigstens einen Teil ihres Kapitals in palästinensischen ländlichen Unternehmungen anzulegen.

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