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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Dr. Bodenheimer: Die Ausführungen im Berichte des Hauptbureaus in bezug auf die Bewilligung von bestimmten Summen seitens der Verwaltung des N.-F. wurden vielfach falsch aufgefaßt. Ihren Ausgangspunkt finden sie in einem Beschlüsse des westösterreichischen Distriktstages, wonach den Delegierten für die Jahreskonferenz aufgetragen wurde, dahin zu wirken, daß der N.-F. in bezug auf die Bewilligung vorl Geldern möglichst abhängig vom Kongresse gemacht Werde. Der Kongreß tagt doch nur alle 2 Jahre, und da ist es . doch nicht möglich, wenninzwischen eine Frage auftaucht, erst zu warten, bisder Kongreß darüber befragt wird; die Verwaltung muß in der Lage sein, auch ohne Befragen des Kongresses Entschlüsse zu fassen. Selbstverständlich sind Fragen, die nur vom Kongresse entschieden werden können, hier ausgeschlossen. Von Selbständigkeitsgelüsten beim. N.-F. kann keine Rede sein. Das geht auch klar aus den Sätzen hervor, die sich den hier zitierten anschließen, und wo es heißt: „Es handelt sich hier, nicht darum, irgendeinen Gegenstand der Kompetenz des Kongresses zu entziehen oder die Genossenschaft und deren Direktorium von einer Verantwortung zu befreien, vielmehr widerstrebt die ganze Einrichtung des Kongresses einer solchen Erledigung der Agenden des Jüdischen Nationalfonds. Nur dann könnte vielleicht die Rede davon sein, ob der Kongreß eine derartige Aufgabe übernehmen solle, wenn er ständig tagen würde." Auch die Bemerkungen des Berichtes über den Kongreß klingen aus dem Zusammenhang gerissen ganz anders, als sie gemeint sind. Mir lag nichts ferner, als etwa die Bedeutung des Kongresses herabzusetzen. Ich wollte nur zum Ausdruck bringen, daß die Hast, in der der Kongreß tagen muß und der Umstand, daß er nur alle zwei Jahre für ganz kurze Zeit zusammentritt, ihn nicht ohne weiteres mit einem Parlamente vergleichen lasse. Man muß wohl unterscheiden zwischen Geschäftsführung und den Grundprinzipien des N. F. Eine Beschränkung in bezug auf die Höhe der Beträge, über die die Verwaltung zu verfügen^ hat, ist praktisch undurchführbar. Vergessen Sie nicht, daß eine Obereinstimmung unserer Handlungen mit dem englischen Rechte notwendig ist; um nun allen Wünschen möglichst gerecht zu werden, haben wir zuerst die Jahreskonferenz abgewartet. Wenn manches nicht so durchgeführt worden ist, wie es sollte, so liegt dies nur an den Verhältnissen und nicht am schlechten Willen. Bezüglich Achuzath Barth bemerke ich, daß wir in dieser Frage handeln mußten, da durch JZuwarten die ganze Sache gescheitert wäre. Es war auch unsere Oberzeugung, im Interesse der Sache zu handeln. Heute ist daran nichts mehr zu ändern, da die A. P. C. bereits die Verträge abgeschlossen hat. Wir würden also die A. P. C. in arge Verlegenheit bringen, und ich stehe da ganz auf dem Standpunkte des Herrn Wolffsohn, daß eine Institution die andere nicht bekämpfen soll. Für den N. F. ist die Sache erledigt Es sind noch andere wichtige Fragen zu erörtern, Dinge, die gemacht werden müssen. Nehmen Sie sich nicht die Gelegenheit, aus Zeitmangel über diese Dinge nicht sprechen zu können. Es handelt sich um die Bewilligung von Agrarkredit an die kooperativen Genossenschaften, um die Landverwaltung, um die Schulen und andere wichtige Gegenstände. Herr Moser beschwert sich darüber, daß im Berichte des Hauptbureaus über die geringen Ergebnisse der Sammlungen für den N. F. in England und die dortige Sammelstelle ein so abfälliges Urteil gefällt ist. Man hätte die besonderen Verhältnisse des letzten Jahres und insbesondere den Umstand berücksichtigen sollen, daß infolge der Sammlungen für den Parteifonds die Sammlungen für alle andern Fonds eingestellt wurden. Dr. Bodenheimer erwidert, daß an das Hauptbureau Beschwerden seitens einzelner Mitglieder der N. F.-Verwaltung für England gekommen sind, die das Hauptbureau zur Kenntnis bringen mußte. Dr. Tschlenow bemerkt zur Angelegenheit Achuzath Baith, daß er als einziges Mitglied in der Direktoriumssitzung den Standpunkt vertreten habe, daß die Ausführung dem ursprünglichen Beschlüsse nicht entspricht und eine gewisse Genugtuung darüber nicht unterdrücken könne, daß die Generalversammlung sich seinem ursprünglichen Standpunkte anschließt Er verweist auf die geänderten Verhältnisse in der Türkei, die es notwendig erscheinen lassen, die Gelder des N. F. möglichst beisammen und immer zur Verfügung zu haben. Wenn aber schon ein Betrag von 300 000 Frcs. bewilligt wurde, so müsse es unbedingt bei dem ursprüglichen Beschlüsse bleiben, oder derselbe ganz rückgängig gemacht werden. Es ist selbstverständlich, daß der Hauptzweck des N. F. immer die Erwerbung von Boden in Palästina bleiben müsse. Wir haben uns aber, als wir den Beschluß seinerzeit im Direktorium faßten, gesagt; daß wir damit etwas Großes und Schönes schaffen können, das für die künftige Entwicklung der Kolonisation Palästinas von großer Bedeutung ist Niemals ist es uns aber eingefallen, unser Geld für irgendwelche Häuserbaugenossenschaften herzugeben, an denen wir kein Interesse haben. Das, was wir . im neuen Vertrage tun sollen, ist nichts anderes als «ine Art philantropischer Arbeit- Ich stelle den Antrag: „Die Generalversammlung spricht sich dafür aus, daß der ursprüngliche Beschluß wieder hergestellt wird". Die Debatte wird geschlossen.-" Hierauf wird zur Wahl eines Direktors an Stelle des ausscheidenden Herrn Kremenezky geschritten. Das Direktorium schlägt die Wiederwahl Herrn Kremenezky vor, was per Akklamation einstimmig angenommen wird. . Es folgt Erledigung von Punkt 3: Bücherrevisoren und deren Remuneration. Herr Wolffsohn .beantragt die Festsetzung einer Remuneration von 20 Guineen .sowie Bestätigung der bisherigen Revisoren. Der Antrag wird angenommen-. Punkt 4: Agrarkredit: Hierzu liegt ein Brief des Herrn Üsäschkin vor, welcher zur Verlesung gelangt ' Als erster Debattenredner zu Punkt 4 spricht Herr Dr. Kohan- B ernst ein- Er ist dafür, einen Teil des Nationalfonds (»y«) für andere praktische Zwecke zu verwenden; der Teil aber, der für den. Ankauf von Boden bestimmt worden sei, solle auch wirklich zu diesem Zwecke benutzt werden, wenn er mit Vorteil dafür verwendet werden könne. Man dürfe damit keinen Augenblick säuinen, er halte den gegenwärtigen. Zeitpunkt hierfür besonders günstig. Das zum Bodenankauf in Palästina bestimmte Viertel solle dazu verwendet werden, den Kolonisten in Palästina billige Agrarkredite zu verschaffen. Redner geht nun auf sehr interessante Details der Zustände in den Kolonien in Galiläa und Judäa ein, wie er sie auf seiner letzten Reise in Palästina kennen gelernt hat. - , Dr. Hantke: Wenn ich recht verstehe, handelt es sich um kurzfristigen und um langfristigen Kredit Zunächst möchte ich bemerken, daß der N. F. nicht in der Lage ist, sein ganzes Vermögen produktiv arbeiten zu lassen. Er muß immer ein gewisses Geschäftskapital besitzen, weil er einen Betrieb unterhält Man kann sich nicht darauf verlassen, daß jedes Jahr 200 000 Mark eingehen werden. Es fragt sich nun, wie weit soll der Kredit gehen. Ich stimme nun Herrn Dr. Bernstein-Kohan bei, daß Kredit an Einzelpersonen nicht bewilligt werden soll, sondern nur an Genossenschaften. Wir haben bisher mit der A. P. C. gearbeitet und werden künftig auch mit der P. L. D. C. arbeiten. Ich würde es begrüßen, wenn der N. F. Erwerbungen für große Institute machen würde. Jetzt können wir nur auf fremden Namen .Grund und Boden erwerben und wissen nicht was wir mit unserem eigenen Boden anfangen sollen. Wir waren schon glücklich darüber, daß uns die P. L. D. C. aus dieser großen Verlegenheit befreit und jetzt stellt sich heraus, daß sie nur den einen Teil des Landes bearbeiten lassen kann. Ich bin der Ansicht, daß die Einwanderung der kaukasischen Bergjuden in Palästina etwas Gutes ist aber wir dürfen das Land diesen Leuten nur so verpachten, daß wir es nachher nicht von der Bilanz abschreiben müssen.' Ich wäre nun dafür, daß wir das Land, das eigentlich uns nicht gehört, an dem wir nur gewisse Rechte haben, an die P. L. D. C. verkaufen. Ich habe im Direktorium die Frage aufgeworfen, wir konnten uns aber darüber nicht einigen. Ich bin der Ansicht daß das einzige, was wir gegenwärtig tun können, das ist, was Herr Dr. Kohan- Bernstein vorschlägt: nämlich Land zu kaufen, wenn es von nationaler Wichtigkeit ist und kurzfristige Kredite gewähren. Dr. Tschlenow: Was die Frage des Agrarkredits betrifft, so ist dieselbe öfters. schon bei uns aufgetaucht Bei den gegenwärtigen Verhältnissen in der Türkei ist das aber eine verfängliche Sache. Man soll Experimente machen, aber keineswegs mit den Mitteln des N. F. Ich verweise Sie nur darauf,' daß der Antrag bezüglich des Agrarkredits auf dem VIII. Kongresse abgelehnt wurde. In dieser ungewissen Zeit dürfen wir die Gelder des N. F. nicht für lange Zeiten festlegen. Deswegen dürfen wir von langfristigen Krediten überhaupt nicht sprechen. Ich stelle folgenden Gegenantrag gegen den Antrag Bernstein-Kohan: Die Generalversammlung möge beschließen, der A. P. C. für kurzfristige Kredite an kooperative Gesellschaften ein Darlehen von 100 000 Frcs. zu gewähren, wenn dadurch aus andern Quellen größere Mittel zu diesem Zwecke flüssig gemacht werden können. Prof. Warburg wäre mit dem Vorschlage Dr. Kohan-Bernsteins einverstanden, wenn die Sache ohne weiters zu machen wäre.. Aber in der Praxis ergeben sich gewisse Schwierigkeiten, auf die Herr Dr. Tschlenow schon. hingewiesen hat. . Die Barmittel. des N. F. sind nicht so groß, daß wir in. größerm Maße Kredite gewähren können. Wir haben 300000 Frcs. für Achuzath Baith bewilligt während der größere Teil des' Vermögens des N. F. in Effekten besteht die wir nicht flüssig machen wollen. Das wesentliche für

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