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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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■ - Esist selbstverständlich, daß das Hauptbureau nach Übernahme der: Geschäfte des Wiener Bureaus mit letzterem in eine eingehende Korrespondenz eintreten mußte, um die Organisation durchzuführen. Es entstanden nun . zunächst einige Differenzen, die jedoch zum größten Teile auf Mißverständnissen beruhten. Diese Differenzen sind. nun geschlichtet, und wir stehen gegenwärtig mit Wien in einer sehr kollegialen und angenehmen Korrespondenz. Ähnlich verhalt sich die.Sache mit Rußland, insbesondere seitdem Herr Dr. Tschlenow dortselbst die Leitung der Sammelstelle übernommen hat, und wir. konstatieren mit Vergnügen, daß Rußland seither mit seinen Beiträgen wieder an die erste Stelle gerückt ist Mit England sind wir leider über die Schwierigkeiten noch nicht hinweggekommen, und ich muß gerade bei Betrachtung der englischen Zustände eine Bemerkung machen, die in gewissem Sinne von prinzipieller. Bedeutung ist und worüber wir uns eventl. in der Generalversammlung noch aussprechen müssen. In England sind durch die Differenzen innerhalb der dortigen Organisation die Sammlungen für den Nationalfonds beeinträchtigt worden, da nicht mit der nötigen Obereinstimmung seitens aller Kräfte an die Arbeit geschritten werden konnte. Es ist deshalb von der Leitung des Hauptbureaus die-Frage in Erwägung gezogen worden, ob es nicht notwendig wäre, den Nationalfonds in England von der Föderation soweit unanhängig zu stellen, daß die vorhandenen Kräfte zu einer ersprießlichen Arbeit für den Nationalfonds vereinigt werden könnten. Wir haben diese Aktion in der Weise eingeleitet, daß wir die Föderation ersucht haben, einige ihrer Mitglieder speziell für die Arbeiten des Nationalfonds zu bestimmen. Diese Mitglieder sollten dann einige außerhalb der Leitung der Föderation stehende Personen heranziehen. Dies wurde auch versucht, der Modus hat sich aber nicht bewährt. Ich halte es für meine Pflicht, gerade der Entwicklung der englischen Sammelstelle unsere besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden, da es zweifellos ist, daß wenn dort tüchtig gearbeitet würde, wir von den englisch-sprechenden Ländern eine beträchtliche Erhöhung der Einnahmen des Nationalfonds erwarten dürfen. Im übrigen möchte ich bemerken, daß-wir nicht mit gar so großer Zuversicht darauf bauen dürfen, daß der Nationalfonds sich ganz von selbst weiter entwickeln wird. Wir mußten konstatieren, daß der Nationalfonds im Jahre 1907 nicht so zugenommen hat, wie in den früheren Jahren. Erst in diesem Jahre werden wir wieder auf den normalen Stand der früheren Jahre im Nationalfonds kommen. Ich "glaube es sagen zu dürfen, daß dieser Erfolg der größeren und strafferen Ordnung der -Nationalfonds- Propaganda zu verdanken ist, und daß durch diese Propaganda eine- Reihe weiterer Mitarbeiter für den Nationalforids gewonnen worden ist. Immerhin ist aber der Nationalfonds noch immer nicht auf einen Granitfelsen gegründet, sondern eine zarte Pflanze, und wir müssen bei unserer Arbeit immer darauf Bedacht nehmen, daß die geringste Unpopularität, die, sei es durch Maßnahmen des Hauptbureaüs oder des Direktoriums bewirkt würde, den Nationalfondsständ wesentlich herabdrücken, kann. Wir sind daher bestrebt, die entstehenden Mißverständnisse zu beseitigen und alle Beschwerden eingehend zu prüfen. Was die Arbeit des Direktoriums anbelangt, so haben Sie aus dem offiziellen Bericht ersehen, daß wir bestrebt waren, die Beschlüsse der letzten Generalversammlung durchzuführen. Es handelt sich vor allem um die Kreditgewährung an die Häuserbaugenossenschaft „Achuzath Bath". Durch persönliche Besprechungen, die wir mit dem Direktor der A. P. C, Herrn Levontin, bei seiner Anwesenheit in Köln gepflogen haben, zeigte sich, daß die A. P. C. den beanspruchten Kredit von Frcs. 300 000 für Jaffa nicht im vollen Umfange benötige. Der Direktor erklärte, daß es voraussichtlich infolge bestehender Schwierigkeiten noch einige Jahre dauern dürfte, bis die Gesellschaft bauen könne. Die A. P. C. machte deshalb den Vorschlag, den zu gewährenden Kredit so zu verwenden, daß auch Häuserbaugesellschaften in Haifa und Petach- Tikwah Kredit gewährt würde. Herr Direktor Levontin hob hervor, daß gerade in Haifa sich mit Erfolg arbeiten lasse, besonders, da bereits der Grund und Boden vorhanden ist Dies gilt im gleichem Maße von Petach-Tikwah, wo Handwerkerfamilien in ganz unhygienischen Wohnstätten zusammengedrängt seien. Wir haben uns demnach entschlossen, vorbehaltlich der Genehmigung des Direktoriums mit. der A. P. C. einen Vertrag zu .schließen, wonach wir von dem gestatteten Kredit von Frcs. 300000 auch andere jüdische Bau-Genossenschaften in Palästina unterstützen, mit dem Vorbehalt daß von Fall zu Fall ein Beschluß des Direktoriums einzuholen sei. Auf Grund dessen hat die A. P. C. einen ..„Kredit von Frcs. 50 000 einer Gesellschaft in Haifa zugesagt und teilt uns mit daß voraussichtlich Obligationen herausgegeben werden, durch welche :die Summen wahrscheinlich, in kurzer Zeit wieder hereingebracht werden können. Wir müssen nun . zusehen, ob die Obligationen wirklich in kurzer- Zeit untergebracht werden können. Von einem Gelingen dieses Versuches wird es abhängen, ob auch andere Gesellschaften zu unterstützen sind. Was die Palestine Developement Co. betrifft, so konnten wir mit ihr einen Vertrag noch nicht abschließen, da die Gesellschaft noch nicht registriert ist. Wir haben jedoch mit der A. P. C. verhandelt und ebenso mit Herrn Prof. Warburg und sind zu folgendem Resultat gelangt: Die P. D. C. wird nicht das ganze Land für ihre Zwecke gebrauchen, sondern voraussichtlich nur einen Teil. Um nun den Rest nicht unverwendet liegen zu lassen, haben wir mit Herrn Prof. Warburg besprochen, daß dieser Teil der P. L. D. C. nicht in Erbpacht, gegeben, sondern auf kurze Frist verpachtet werden soll, so daß die Gesellschaft in der Lage ist, den Boden an einzelne Pächter abzugeben. Wir haben hierbei in Erwägung gezogen, daß das Land an die kaukasischen Bergjuden abgegeben werden soll. Das sind die beiden Angelegenheiten, die nach der letzten Generalversammlung erledigt worden sind. Es sind nun inzwischen andere Angelegenheiten an das Direktorium herangetreten, über die ich kurz berichten will: Aus einem Berichte, dem ersten offiziellen Bericht den Herr Dr. Ruppin im Auftrage des Nationalfonds an das Direktorium erstattet hat geht hervor, daß Dr. Ruppin schwere Bedenken hat daß der Nationalfonds Land kaufen soll. Das Palästinaamt ist der Meinung, daß der Nationalfonds vorläufig überhaupt keinen Grund und Boden in Palästina kaufen solL Dagegen sollen Gesellschaften, die Land erwerben wollen, dadurch unterstützt werden, daß sie vom NationalFonds einen Kredit erhalten, der hypothekarisch sichergestellt wird. Das Palästinaamt ist ferner der Ansicht daß dieser Modus sich auch auf gewisse Bezirke anwenden läßt, die der N.-F. früher erworben hat die aber rechtlich an den Nationalfonds noch nicht übertragen sind. Über diese Sache wird das Direktorium sich noch schlüssig werden. Es sind ferner kleinere Projekte an uns herangetreten, wie das Gymnasium, Technikum und Bibliothek, für die der Nationalfonds Boden hergeben soll. Auch diese Fragen sind teilweise noch nicht spruchreif. Das Direktorium ist — vielleicht sogar einstimmig — der prinzipiellen Meinung, daß der Nationalfonds in besondern Fällen in der Lage ist, für solche Zwecke Land zur Verfügung zu stellen. Sodann ist eine wichtige Frage erörtert und dem Direktorium unterbreitet worden: Über die sogenannten kooperativen Genossenschäften. Es haben sich nämlich unter der Ägide der A. P. C. Genossenschaften gebildet die zumeist auf landwirtschaftlicher Grundlage beruhen und eines größeren Kredites bedürfen, um mit Erfolg arbeiten zu können. Die A. P. C. ist nicht in der Lage, ihnen größere Beträge zu bewilligen und hat sich an den Nationalfonds gewendet um einen Kredit mit langer Frist zu erhalten, aus dem sie dann diese Genossenschaften fördern kann. Das Direktorium steht diesem Verlangen prinzipiell sehr sympathisch gegenüber und ist bestrebt, einen Modus zu finden, um die erforderlichen Kredite der A. P. C. zur Verfügung zu stellen, soweit wir über flüssige Mittel hierfür verfügen. Es kommt hierbei allerdings in Betracht, daß es sich um Kredite auf längere Zeit handelt Durch die Besprechungen mit Herrn Direktor Levontin hat sich ein Modus ergeben, den die A. P. C. für annehmbar erklärt und auf den der Nationalfonds, wie ich glaube, eingehen kann. Ich möchte nur noch auf einen Punkt zu sprechen kommen. Eben weil ich nach jeder Richtung den Nationalfonds dagegen schützen möchte, daß er unpopulär wird, möchte ich hier eine Frage offen erörtern, die mir vielfach gestellt worden ist, die Frage bezüglich der Kosten der Verwaltung des Natiönalfonds. Diese Kosten sind nicht unerheblich, können aber nach Lage der Dinge nicht kleiner sein. Das Bestreben der Nationalfonds-Verwaltung ist allerdings darauf gerichtet, eine Einschränkung der Kosten für die Folge herbeizuführen. Wenn Sie aber bedenken, daß wir ein Bureau in Londonunterhalten müssen, der Propaganda wegen das Hauptbureau in Köln sich befinden muß, wenn ferner die Verwaltung der Ländereien in Palästina sein muß, so ergibt sich, daß eine Dezentralisation notwendig ist die erhebliche Kosten verursacht Unsere Besitzungen in Palästina bringen uns zurzeit leider -noch nichts ein, sondern decken sich ungefähr mit dem Erträgnis der Pacht, so daß wir daraus auf Einnahmen nicht rechnen können. Nun ist das Palästinaamt eingerichtet worden und wenn ich auch sonst ängstlich' darüber wache, daß der Nationalfonds mit Ausgaben nicht belastet werde, so halte ich es doch für unsere* Pflicht, die Kosten des Palästinaamtes, das für uns, sowie für die Zentrale gleich nötig ist zu decken. Wie hoch die Kosten sich belaufen werden, haben wir noch nicht genau festgestellt Wir werden mit dem A. C. in loyaler Weise die Frage regeln und ich bin überzeugt daß das A. C. keine unbilligen Forderungen an den Nationalfonds stellen wird.

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