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Die Welt · 1908-08-21 · 33 (21.8.1908) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
33 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Weise zu erreichen suchen. Nach einer konstitutionellen Türkei, nach einem wohlgeordneten Palästina wird eine jüdische Auswanderung ohne jedes Zutun unserseits sich außerordentlich entwickeln und wahrscheinlich auch kapital- und intelligenzkräftige Elemente mit sich'ziehen. Die Vorteile, die man von der Entstehung einer jüdischen Mehrheit in Palästina erwarten kann,- sind also auf diesem Wege zu erreichen:" Ein konstitutionelles Palästina ist ein stärkerer Ansporn für eine Einwanderung^ als all unsere Pröpägandehhiiftel zusammengenommen. Und daß die Juden im osmanischen Reiche national-jüdisch bleiben, scheint uns fast sicher. Die sephardisehen Juden in der Türkei sind weniger assimiliert als^ apathisch; der frühere, -nicht jüdische, sondern allgemeine Druck, die kleinen Verhältnisse, der Mangel höherer sozialer und intellektueller Impulse hat ihre ehemals so glänzenden Eigenschaften abgestumpft. Aber sie werden wieder aufleben und jüdisch aufleben. Daß vorderhand die „Alliance" dort den größten Einfluß hat, istnatürlich; arbeitet sie ja dort seit einem halben Jahrhundert und hat viele, viele Millionen ausgegeben und Generationen erzogen. Es ist auch begreiflich, daß gerade jetzt im Anfangsstadium des Umformüngsprozesses, die modernen sephardisehen Juden; die französisch sprechen und eine Pariser Kultur sich angeeignet haben, zur Geltung kommen müssen. Aber das ist das letzte Aufflackern dieses Einflusses, denn in einem modernen, emanzipierten Reiche wird sich ein fremdländischer Kultureinfluß für die Dauer nicht erhalten lassen. Unser Kultureinfluß hingegen ist ein einheimischer; er wird den Tiefen der jüdischen Seele und des jüdischen Zentrums in Palästina entsteigen. Und die Türken sind keine religiöse oder nationale Proselytenmacher, — das waren nicht einmal die Alttürken, und noch weniger werden es die- Jungtürken sein. Es ist klar, daß die Chancen des Zionismus jetzt viel besser geworden sind. Unter diesem Eindruck stand die letzte Jahreskonferenz; das war die Achse, unr die sich die politische Debatte drehte. Daß die Jahreskonferenz an dieses Problem mit großem Ernst herangetreten ist, entsprach einem' allgemeinem tief empfundenen Bedürfnis. Keine einzige Meinung^ sie mag noch so resolut ausgesprochen worden sein, kann den Anspruch darauf erheben* als das letzte Wort zu gelten, besonders in einer Zeit, in der die Ansichten von den Ereignissen: so stark beeinflußt werden und in der die Ereignisse so schnell wechseln. Aber die lebhaften Erörterungen werden doch zur Folge haben, daß die Beobachtung, die Wahrnehmung und die Fühlungnahme mit den treibenden Kräften in der Türkei in ein intensiveres Stadium treten werden. Wir werden uns nicht überall eindrängen, wir werden Fragen interner Natur nicht in die Öffentlichkeit zerren, sogar auf die Gefahr hin, daß man uns von uneingeweihter Seite den Vorwurf machenjwird,, döß^wir nichts tun, wo wir tatsächlich Sol manches tui&: wir/ werden uns nicht heroisch geberden, aber;afflf der Wacht werden wir doch stehenum> unsfern Besitzstand zu wahren und unsere: Interessenv irja Einklänge mit den Interessen des-F^irtschrttts des" öftdinahischen Gesamtreiches zu verteidigen. Außer den realen palästinensischen und den politischen türkischen- Angelegenheiten, die den Zionismus betreffen, hatte die Jahreskonferenz efh'e" Reihe von Problemen vor sich, die unsere Organisation, unsere Propaganda und ihre Arbeitsmöglichkeiten anlangen* Um unsere Palästihaaröeit zu fördern,* müssen; Wir ihr materielle Kräfte zuführen, und um uns in der Türkei Geltung zu verschaffen, müssen: wir für unsere- Idee^ größere Volksmassen und eine tatkräftige Beisteuer gewinnen^ Das Allerleichtesteist" Projektezurffaefienr oder an die Leitung mit Fragen heranzutreten: weshalb ist dies; oder jenes nicht geschehen; die Kritik ist ein nützliches, anregendes Element und wir wollen ihre Bedeutung nicht unterschätzen. Aber viel schwieriger ist es, positive Arbeit zu leisten, die Mittel-zu beschaffen, die angeblich besseren Methoden der- Propaganda nicht nur anzudeuten, aber auch; klarzü> zeigen und den praktischen Beweis fürderen Wirk-: samkeit zu erbringen. Je mehr man in' dieser- Beziehung weiß und je getreuer manim Gedächtnis all: die früheren Methoden und-Kritiken wahrt, destö ruhtgerv toleranter und— skeptischer verhält man-sichren einzei-- nen Einwendungen und Anregungen gegenüber. Wenn' man tief im Zionismus wurzelt, wird man es auchnicht tragiseh nehmen, daß hie und" da eine gewisse Unzufriedenheit herrscht. Wir sind alle unzufrieden,» und; wir werden unzufrieden sein, so lange wir unser Ziel nicht erreichen werden; Man übt Kritikan der Leitung und mit wieviel Recht könnte die Leitung. Kritik an den einzelnen Landsmannschaften, die? Landsmannschaften an den Vereinen, die Vereine ,an ihren» Leitungen und letztere an den Mitgliedern; üben! Mögen die Außenstehenden darüber triumphieren, für uns sind all diese Erscheinungen natürliche" Symptome einer Bewegung, einer Entwicklung und eines Mißverhältnisses zwischen dem, waswir erreicht, und. dem' was wir .anstreben; Und die Kritik klingt bei uns" immer in dem gemeinsamen' Beschlüsse und in: dem* gemeinsamen Bewußtsein aus,, daß wir weiter unbeugsam und mit verstärkter Energie arbeiten müssen- Das? war auch das moralische Ergebnis der letzten Jahreskonferenz. N . S, : BERICHT ÜBER DIE GENERÄI^VERS^yVÖVÜLrUNTCS DES JÜDISCHEN NATIONÄLFONDS Die Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds würde am Donnerstag, den 13. August, nachmittags- 121/« Uhr eröffnet Nach Verlesung; der Bilanz ergriff der Vorsitzende, Dr. Bodenh'eTm er, das Wort zu folgender "Ansprache: Sie haben in der Jahteskonferenz den Berichtdes Haupfbureaus bereits erhalten. Diese* Bericht enthält eine Därstellung-derTätigkeit des Bureaus,- das der Leitung des- Direktoriums; una insbesondere des Vorsitzenden unterstellt ist Iii diesem Berichte sind: aber auch prinzipielle Äußerungen enthalten. Ich möchte die Erklärung abgsben,. däß dieseprinzipiellen Äußerungen' keine Erklärungen' des irektoriums. bilden, sondern lediglieh Meinungsäußerungendes¬ Leiters: des Direktoriums, welche sich für iha bei der Leitung, des Hauptbureaus als zweckmäßig" ergehen haben: Das Direktorium trägt daher für diese Äüßerungeäkernt* Verantwortung,- und-ichvfü^'hinzu,, däß7 infolge Vonr.Oberiastangi vdes Hauptbureaus mit Arbeiten undder" weit auseinander liegeiHfttf Wohnorte der Mitglieder eine vorherige Aussprache über die prinzipiellen Fragen he'rbeizünlHretf unmöglich war-.

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