Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 35 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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in Holland.' Der offiziösen Versammlung folgte ein gemeinschaftliches Festmahl, und nach dem Mahle ein gemeinschaftlicher Ausflug^ Der Plan gefiel schon damals so gut, undder Enthusiasmus, von keiner Offiziellität gehemmt, war so überaus groß und warm, daß man gleich beschloß, wenn möglich in jedem Jahre einen solchen Tag zu feiern. Durch die Kongreßarbeit war dies in 1907 unmöglich. Aber in diesem Jahre vereinigte sich wieder am 23. August ein großer Teil der guten Zionisten Hollands in Diereh bei Amheim zur gemütlichen Zusammenkunft. Den Vorsitz der Versammlung führte Eduard PooL Dieser gab zuerst Herrn Dr. L. S. Ornstein das Wort, welcher über die allgemeine Bewegung referierte. Er besprach zuerst das- Wesen der Demokratie, welches im Jüdentume nur in dem Zionismus zur Geltung komme. Nur sollte diese Demokratie nicht, wie so öfters geschieht, entarten zur Erhebung des eigenen individuellen Willens. Aus dieser falschen Auffassung des Begriffes entstehe der gefährliche persönliche ' Streit. Sodann behandelte er die Fehler und Tugenden der Organisation und sprach namentlich ausführlich über die politischen Erfolge der letzten Zeit urfd über die Reise des Herrn David Wolffsohn, welche er gegen die Angriffe einer sozialen Zeitung Hollands und eines Zionisten in „De Joodsche Wächter" verteidigte. Nach ihm referierte Herr Dr. jur. J. Cohen-Hsn. über die „Aussichten der zionistischen Bewegung in Holland." Dieser führte aus, daß der Streit, welcher hier gegen den Zionismus geführt wird, nicht nur die zionistische Idee bekämpft, sondern namentlich die jung-jüdische Arroganz, welche jüdischen Geist in das holländische Judentum bringen will, das bis jetzt von Enpassant-Juden geleitet wurde. Gerade deshalb sei dieser Streit so stark. Und darum auch seien wir so stark, wenn wir festaneinandergeschlossen kämpfen, nicht nur Propaganda nach außen führen, sondern auch in den jungen Zionisten selber den jüdischen Geist erheben. Scharf tadelte Redner die vielen, welche nur kritisieren können, nicht aber arbeiten. „Wenn wir noch keinen zweiten Herzl vergiftet haben, so war es wahrhaft das Gift,, das. uns dazu fehlte." Er schloß mit einem feurigen Aufruf zur gemeinschaftlichen Arbeit. An der Debatte nahmen viele Anwesenden regen Anteil, die meisten fragend, andere kritisierend. Die Versammlung dauerte sogar länger als ursprünglich geplant war und endete erst um vier .Uhr. Zum Schluß wurde beschlossen, dem E. A. C. die herzlichsten Grüße der Versammlung zu übermitteln. Obwohl es den ganzen Tag regnete, wurde dennoch ein kleiner Ausflug unternommen, und ein gemeinschaftliches Mal vereinigte fast alle Teilnehmer. Selbstverständlich mangelte es dort nicht der Toaste und noch weniger der Munterkeit und des Enthusiasmus, welcher auch an diesem Tage groß und vielverheißend war. Misrachi-Versammlung Frankfurt a. M., 24. und 25. August Professor A. Weyl-Frankfurt a. M. begrüßt die Versammlung namens der Misrachi-Ortsgruppe Frankfurt a. M. Er begrüßt insbesondere die Herren Rabbiner Reines-Lida, Rabbiner Fischmann- UngenT, Rabbiner Kahn-Eßlingen, Rabbiner Kaplan-New York, Schriftsteller Jaritz-Berlin. Professor W. gibt sodann der Hoffnung Ausdruck, daß die' "Beratungen sich friedlich gestalten mögen, ohne der Sache etwas nachzugeben. Für uns könne es kein nationales Judentum geben ohne Pflege des religiösen Momentes. Seitdem man geglaubt ha£ es gäbe ein Judentum ohne unsere altüberlieferte Religion, hat sich der allgemeine Abfall vollzogen. Es wird hierauf zur Wahl des Bureaus geschritten: Ehrenvorsitzender: Herr Rabbiner Reines-Lida. I. Vorsitzender: Herr Prof. A. Weyl-Frankfurt a. M. II. „ „ Dr. med. Ludwig Frank-Altona. Die eingelaufenen Begrüßungsschreiben, Telegramme werden verlesen. N Die Versammlung beschließt, an das Zentralbureau in Köln folgendes Telegramm zu richten: „Asefas hamisrachim bifrankfurt menoreches es hahanhogoh hanierkosis schel hazijonim bascholaum." ■ Rabbiner Reines-Lida (hebräisch) erteilt den Bericht über die Arbeiten und Lage-des Misrachi in Rußland: Bericht des Bureaus Lida Der Bericht bezieht sich auf die\ Geschehnisse seit dem VI. Kongreß und enthält beiläufig folgendes: Die Kraft des russischen . Misrachismus ist seit dem VI. Kongreß geschwächt. Die. Schwächung - ist teils -auf die Zersetzung durch Auftauchen des Ugandaprojektes, •teils auf die politischen Verhältnisse, zurückzuführen. Diese Hindernisse sind heute schon größtenteils beseitigt Der Misrachi ist tatkräftig aus dem Chaos — den übrigens jede Organisation gefühlt hat — hervorgegangen. Aber es fehlt die zusammenhaltende, die vorhandenen Kräfte vereinigende und neue Kräfte für den Misrachi akquirierende Organisation. Die Schaffung dieser Organisation ist unsere Aufgabe. Und der russische Misrachismus ist sich seiner Aufgabe bewußt. Doch1 das A. C. setzt der Arbeit Hindernisse in den Weg. Die Misrachi-Schkolim wurden dem Bureau nicht rechtzeitig ausgeliefert Aus diesem Grunde kann es nur von 700 Schekelzahlern verrechnen. Die Zahl der Misrachisten ist unvergleichlich größer, nur wären viele gezwungen, allgemeinen Schekel zu zahlen. Mit einer begeisterten Aufforderung zur Arbeit beendigte . Rabbiner Reines seinen mit langanhaltendem Beifall empfangenen Bericht. Hierauf erstattet Herr Dr. Feuchtwanger den Bericht ~über das Bureau Frankfurt ä. M. seit dem letzten Kongreß: Er betont die Verbreitung des Misrachi in Deutschland, Berichtet über Holland, Schweiz und Österreich-Ungarn. Er hebt speziell die intensive und erfolgreiche'Tätigkeit des Leiters der. Misrachizentrale in Koloniea hervor. Daß die Schekelzahl nicht der wirklichen Ausdehnung des Misrachi entspricht, und daß selbst in Gemeinschaft mit Rußland die für die Föderation nötige Anzahl von 3000 Schkolim nicht erreicht wurde, liegt vornehmlich in den Schwierigkeiten, die dem -Misrachi bei der Beschaffung der Schekelblocks gemacht worden sind. Darüber gibt eine Eingabe, die der Misrachi an die Jähreskonferenz gerichtet hat, Auskunft. Das Projekt des Misrachi, eine Mittelschule in Palästina zu gründen, wurde so weit gefördert, daß voraussichtlich in kurzer Zeit die Schule in Jaffa zu eröffnen sein wird. Es war geplant, jedes Jahr eine Klasse zu eröffnen, bis die Schule auf sieben bis acht-Klassen gebracht ist. Von seiten der Leitung der in Jaffa bestehenden Schule Tachkemoni auf gesetzestreuer Basis1 erging an den Misrachi das Ersuchen, die Schule unter seine Leitung zu nehmen und nach seinem Sinne umzuwandeln. Die nötigen Informationen, die. erbeten wurden, . sind von Jaffa noch nicht eingetroffen, so daß diese Angelegenheit hoch nicht spruchreif ist. Sie wird von dem bereits bestehenden Schulrat" eingehend beraten werden. (Beifall und Händeklatschen!) Ein Antrag dem Herrn Dr. Feuchtwanger für seine Tätigkeit für den Misrachi eine Vertrauenskundgebung zu bereiten, wird einstimmig angenommen. Herr Rabbiner Fischmann-Ungeni ](Bessarabien) hält hierauf (Jargon) sein Referat: ^Unsere' Aufgaüe'n'in ^Palästina." Nach.' einer längeren Debatte, welche in der Nachmittägssitzung fortgesetzt wurde, erhielt Herr Dr. Frank-Altona das Wort zum Referate über „Organisation*.' Referent stellte auf Grund seiner Ausführungen die Notwendigkeit, der Umänderung des zionistischen Programms in folgender Fassung zur Debatte: „Der Zionismus erstrebt eine öffentlich, rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina aufder Basis des überlieferten schriftlichen und mündlichen jüdischen Religionsgesetzes." Nach einer längeren Debatte, wurde ein Antrag auf Schaffung eines Misrachibureaüs mit festangestellten" Beamten mit großer Majorität angenommen. 2: Tag: 25. August. Prof. Weyl eröffnet die Sitzung und gibt Herrn Dr. J. Bamberger- Nürnberg das Wort zum Referate: „Agitation."' - Es folgt hierauf das Referat über „Presse" (Rüben Cohn-Antwerpen). In der hierauf folgenden Debatte! wurde die Schaffung eines eigenen offiziellen Misrachiblattes (deutsch) beschlossen und zur Prüfung zweier vorliegenden Angebote usw., eine Pressekommission gewählt. In der Nachmittagsitzung wurde: die Debatte fortgesetzt und folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Es soll eine Deputation nach Köln reisen, welche persönlich~ mit Herrn Präsident Wolffsohn über die Abgabe der Schekelblocks direkt an den Misrachi verhandeln soll. 2. Der Misrachi anerkennt die Entwicklungsmöglichkeit des Baseler Programms im Sinne des gesetzestreuen Judentums und formuliert den Hauptsatz seines Programms: „Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina , auf der Grundläge des überlieferten Judentums." . - 3. Das Zentralbureau des Misrachi möge die Einrichtung der Föderation auf Grundlage desin Preßburg festgesetzten Programms veranlassen. Für diese Föderation sind in den einzelnen Ländern Zentralstellen zu errichten, die zunächst die Sammlung der Schekel und die Gründung der Ortsgruppen in die Hand zu nehmen haben. . 4. Der Misrachi hält es'für seine, vornehmste Pflicht, an dem wichtigsten Punkte zionistischer Gegenwartsarbeit, der Vorbereitung des Volkes, tätigen Anteil zu nehmen. Er erblickt die zweckdienliche