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Die Welt · 1908-09-04 · 35 (4.9.1908) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Appellieren an das jüdische Gefühl begründen, sondern will auf Grund von Vernunftschlüssen seine Berechtigung beweisen- Er erklärt die Begriffe des Nationalismus, Zionismus und der Assimilation und kommt dann auf den Zionismus und Dr. Herzls diplomatische Tätigkeit zu sprechen. Er bespricht den jüngsten Besuch Wolffsohns (Hedadrufe) in Petersburg und führt mit Bezug auf die neuesten Vorgänge in der Türkei folgendes aus: Der Umschwung in der Türkei ist für uns von immenser Wichtigkeit. Er lehrt uns, daß wir.mit dem Türkenvolke rechnen und die öffentliche Meinung in der Türkei gewinnen müssen. Unsere sef. Brüder in der Türkei müßten uns dabei behilflich sein. Als vernünftig hilfsbereite Freunde sind wir den Türken willkommener als protegierte Schützlinge diverser Diplomaten. Referent schließt mit der vertrauensvollen Hoffnung, daß durch die Reaktivierung der Verfassung die Erreichung unseres Zieles nähergerückt sei. (Stürmischer Beifall.) Abiturient F. Kohn spricht über die Pflichten und Aufgaben der jüdischen Mittelschüljugend und gibt eine Fülle von Anregungen. In seinem von Beifall unterbrochenen Vortrage zeigt uns der Redner, wie der jüdische Mittelschüler zu seinem und seines Volkes Nutzen arbeiten und wie. er den Weg zur jüdischen Masse finden kann. . Nur durch harmonische Entwicklung des Körpers und des Geistes wird sich die jüdische Jugend zu vollen Menschen, zu vollen Juden emporheben und die jüdische Hoffnung im Sirine Herzls werden. _ (Langanhaltender Beifall.) Nachdem Abiturient Lang (Osijek) kurz über das Verhalten der Zionisten den Ariern und Assimilanten gegenüber sprach, wurde die Vormittagssitzung geschlossen. Hierauf formierten sich die Kongreßteilnehmer zu einem Demonstrationsbummel und durch- . querten, allgemeines Aufsehen erregend, die Stadt Sonntagnachmittag fand eine jüdische Bürgerversammlung statt, zu welcher an 500 Personen aus Semlin, seiner Umgebung, und aus Belgrad erschienen. Vizepräses der sefard. Gemeinde Semlins, M. Haim, eröffnete die Versammlung, worauf Herr S. Walzenkorn, Kaufmann, einstimmig zum Vorsitzenden gewählt wurde. Als erster ergriff das Wort Kultuspräses und Mitglied des Großen A. C., Dr. H. Spitzer (Osijek), der über das Thema sprach: Was ist der Zionismus, was will er? Wer sind seine Gegner, welche sind ihre Einwendungen? Mit seinen 1 V* stündigen Ausführungen gelang es' dem Vortragenden, durch treffliche Beispiele und eine meisterhafte Rednergabe das. Publikum mit den einfachen und klaren" Ideen des Zionismus vertraut zu machen und durch glänzende Argumente die Beschuldigungen (speziell des Unpatriotismus) und Insinuationen unserer Gegner zu entkräften. Der Vortragende entfesselte große Beifallsstürme. Zum Schluß fordert Redner die Anwesenden auf, sich mit dem Zionismus zu befassen, seinen Entwicklungslauf zu verfolgen und die Judenfrage zu studieren. Nun ergreift das Wort Referent Rabbiner und Hebraist Dr. M. M argel (Pozega). Er sprach über die Renaissance des Judentums.: Die Emanzipation bildet die erste Etappe der jüdischen Renaissance: ein dunkles Werden und Entstehen. Zugleich wurde der erste Assimilationstraum gesponnen. Die Vorgänge in Rußland haben der Assimilation endgültig den Bankrott erklärt, während der jüdischen Renaissance durch Dr. Herzl eine die ganze Welt umfassende Verbreitung gegeben wurde. In den zuckenden, fast leblosen Körper des -jüdischen Volkes goß Dr. Herzl den unsterblichen Geist des nationalen Bewußtseins. Die Renaissance des Judentums ist nicht zu vernichten, die Juden wollen leben, und das will auch der Zionismus. Der hartnäckige Wille zum Leben, ausgedrückt im Zionismus, ist das Panier der Unsterblichkeit des jüdischen Volkes. —- Redner erläuterte einige Hauptstellen des zionistischen Programms und sagte zum Schlüsse: Es gedeihe, wachse und blühe das jüdische Volksbewußtsein; es möge die Jugend das Alter in das Lager des bewußten Judentums zurückbringen! (Großer Beifall.) Nachdem cand. phil. A. Singer einige treffliche Worte zur Charakteristik der Assimilanten sprach und ihre vollständige Ohn- —macht schilderte, wurde von der Versammlung eine Resolution, in welcher sie der zionistischen Bewegung ihre Sympathien ausspricht, einstimmig angenommen. Abends fand ein zahlreich besuchter Kommers, der sehr animiert verlief, statt. . Montag vormitlag sprach als erster cand. phil. A. Singer über die Lage der Juden in den südslavischen Ländern und speziell über den Fortschritt des Zionismus in diesen Ländern. Redner konstatiert, daß in Kroatien eine starke antisemitische Strömung vorhanden ist, die jedoch an der Einheit und dem Selbstbewußtsein der Juden zerschellen wird. Redner begrüßt den durch die Initiative Dr. Spitzers gegründeten „Jüdischen Gemeindebund" und fordert zur Eroberung der Kultusstüben auf, wie dies in Bulgarien, Serbien teilweise geschah. Der Zionismus hat in Kroatien schöne - Erfolge aufzuweisen, und das-schönste Produkt "jüdischer Geistesarbeit ist die Zeitschrift „Zidovska smotra". (Großer Beifall.) Redner erwähnt rühmlichst die Agilität der bulgarischen Zionisten, beleuchtet die Verhältnisse unter den Zionisten Serbiens und Bosniens und schließt mit der Aufforderung zur Arbeit für den Ausbau der zionistischen Organisation in den südslawischen Ländern. (Beifall.) Es folgt eine Debatte, in welcher E. Kraus als Leiter der N. F.¬ Sammelstelle Aufklärungen gibt Cand. med. D. Albala spricht über die neuesten Institutionen im Zionismus. Diese Institutionen sind. das Resultat des aus dem politischen und praktischen Zionismus zustandegekommenen synthetischen Zionismus und sollen die kulturelle und ökonomische Hebung Palästinas herbeiführen. Alle diese Institutionen verdienen Aufmerksamkeit und Unterstützung, da sie einen gesunden Bauern- und Bürgerstand erziehen und die jüdischen Ideale realisieren. (Beifall und Applaus). Hierauf wird die Vorrnittagssitzung geschlossen. Montag nachmittag wurde das letzte Referat: DieSephardim des cand. med. J. Isachar vorgelesen. Es war dies der interessanteste Vortrag des Kongresses. Referent erschloß uns eine fast unbekannte Welt, die der sephardischen Juden des Orients, und schilderte uns ihre ökonomischen und kulturellen Verhältnisse. Sein Referat klang in dem Wunsch aus, die zionistische Jugend möge die künstlich aufgerichtete Scheidewand zwischen Sephardim und Aschkenasim niederreißen und durch Verbreitung des Zionismus die Harmonie zwischen ihnen herstellen. (Großer Betfall.) Rabbiner Dr. Margel spricht sodann über die versöhnende Tätigkeit des Zionismus (Beifall). Zum Punkte EVentualia sprachen folgende Gg.: stud. techn. R. Dezma schlägt vor, den III. Kongreß ins Goldene Buch einzutragen (wird einstimmig angenommen). Stud. phil. A. Szemnitz bespricht die Mängel der zionistischen Agitation unter den Sephardim und schlägt vor: der Kongreß möge veranlassen, daß das zionistische Zentralbureau spaniolische Broschüren in Raschischrift drucken und den südslawischen zionistischen Organisationen zur Verfügung stelle (wird nach längerer Debatte angenommen). Stud. med. Eskenasi schlägt die Gründung eines Broschürenpreßfonds vor (wird nach längerer Debatte abgelehnt). Cand. phil. A. Singer schlägt die Gründung eines Preßfonds für die „Zidovska smotra" vor (nach kurzer Debatte angenommen). — Nachdem noch, einige Gg. zu Eventualia sprachen und der Führer der serbischen Zionisten Dr. Alkalay begrüßt wurde, kamen folgende Resolutionen zur einstimmigen Annahme: [Resolution A. Licht] 1. Der Kongreß fordert die Zionisten in den südslavischen Ländern zur intensiven Arbeit für den Ausbau der zionistischen Organisationen dieser Länder auf und drückt der Leitung in Osijek und, Belgrad sein Vertrauen aus. Der Kongreß fordert die jüdische Jugend in den südslawischen Ländern zum Studium der jüdischen Literaturgeschichte, ferner der jüdischen Kulturprobleme und der hebräischen Sprache auf. Der Kongreß begrüßt die ausgezeichnete jüdische Zeitschrift „Zidovska Smotra" in Zagreb und das Wochenblatt „Jevrejski Glasnik" in Belgrad und empfiehlt, für beide eine große Agitation zu entfalten. * Der Kongreß fordert, die Wichtigkeit der Funktion, die das xWeib in der Volkserziehung ausübt erkennend, die Teilnahme der Frauen an der nationalen Arbeit. Der Kongreß appelliert an die Kultusgemeinden, sie mögen jüdische Kulturinstitute mit öffentlichem Charakter gründen. (Resolution A. Szemnitz) 2. Der Kongreß betrachtet als heilige Pflicht der jüdischen Jugend südslawischer Länder, auf zionistischer Basis für die Annäherung der Sephardim und Aschkenasim und Paralysierung des Antagonismus zwischen ihnen zu arbeiten. [Resolution J. Kajon] Der Kongreß fordert die jüdische Jugend der südslawischer Länder zur Gründung jüdischer Turnvereine auf. Dieselben sollen gemeinsame Uniform, hebräisches Kommando haben und den gemeinsamen Namen „Maccabea" führen. Allgemeiner Zionistentag in Holland Neben den offiziellen zionistischen Generalversammlungen mit den hochwichtigen Vorschlägen und Abgeordneten wurde, zuerst vor zwei Jahren, in Holland im Sommer ein allgemeiner Zionistentag abgehalten, zu "dem jeder Schekelzahler eingeladen wurde, und an welchem jeder, der wollte, seine Meinung äußerte über Fragen der allgemeinen Bewegung und speziell der zionistischen Bewegung

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