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Die Welt · 1908-09-04 · 35 (4.9.1908) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
35 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DJE^gElT insbesondere mit durchdringendem Verstand und klarer Beobachtungs-, Auffassungs- und Beurteilungsgabe ausgestattet. Seine vielseitigen Kenntnisse und seine Erfahrungen befähigten ihn schon lange, unserer Organisation große Dienste zu leisten. Was ihn mehr noch als alles andere auszeichnete, war seine edle Herzensgüte, sein grundehrliches, anspruchsloses; schlichtes und bescheidenes Wesen. Dr. Leo Kohan war einer unserer Besten im genauen Sinn dieses Wortes. Ein gesinnungstüchtiger Nationaljude, in engster Fühlung mit der jüdischen Masse Rußlands, war Dr. Leo Kohan „Zionist, schon vor dem Zionismus". Unserer Bewegung schloß er sich mit Eifer und' Ernst an, wie überhaupt Eifer und Ernst die Grundzüge seines Charakters waren. In Kischinew, wo er lebte und wo er sich einer großen Popularität erfreute, war er unablässig für unser Ideal, das zugleich sein Lebensideal war, tätig. Seine berufliche Tätigkeit — er war Arzt mit großer Praxis — stand für ihn immer im Hintergrunde, so oft es "galt, in nationaler, palästinophiler und zionistischer Richtung in der Öffentlichkeit zu wirken. Er suchte nie_ — weder durch Worte, noch durch irgendwelche Äußerlichkeiten — zu glänzen, er besaß eine stille unbeugsame Energie, eine Wärme und Innigkeit, wie man sie nur bei selten idealen Naturen findet. Dr. Leo Kohan erlebte alle Schrecken des Kischinewer Pogroms vom Jahre 1903. Er entging mit seiner Familie mit knapper Not der drohenden Gefahr. Als Krankenhausarzt nahm er in sich all die grauenhaften Eindrücke in frischer Unmittelbarkeit auf. Kurz darauf sahen wir ihn ki K. bei der Arbeit des Hilfswerkes. Sein Eifer und seine Hingebung kannten keine Grenzen; er plagte sich und machte übermenschliche Anstrengungen, er arbeitete mit seinem ganzen Herzen, und ein bösartiger Krankheitskeim nistete sich schon damals in seinem Organismus ein. Wir begegneten ihm kurz darauf bei der Versammlung des D. J. Hilfsvereins in Berlin unter den Delegierten der Kischinewer jüdischen Gemeinde. Die Leiden haben seine physische Widerstandskraft geschwächt, aber seine zionistische Gemütsstärke gestählt. Sein ganzes Streben war einem Ziele zugewandt: Palästina. Für dieses Ziel hat er alles andere in den Hintergrund geschoben, vernachlässigt, zuletzt aufgegeben. Gut bürgerlich eingelebt, nicht unbemittelt, mit den besten Familienverbindungen, konnte er in seiner Heimat seinem Berufe leben. Er gab alles auf und ging nach Palästina. Er verlebte die letzten zwei Jahre im Lande seiner Sehnsucht, — nicht wie ein kranker Mann. Er widmete sich der ärztlichen Praxis und — stand im Mittelpunkte zionistisch-palästinensischer Tätigkeit. Nichts war ihm zu schwer und nichts zu gering. Gering schätzte er nur sich selbst, seine Kräfte und seine Gesundheit. Es dauerte nicht lange, und er wurde der gesuchteste Arzt, der geschätzteste Ratgeber und eine der Säulen des zionistischen Kreises. Sein Titel: „A. C.-Mitglied" war keine leere Etikette. Er stand mit uns im lebhaftesten Briefverkehr, er riet und machte Vorschläge, er unterzog sich allen möglichen Arbeiten, die man ihm kaum angedeutet hatte, und was er tat, tat er mit ganzem Herzen.- Sein letzter Brief an uns war schon auf der Reise geschrieben, auf der traurigen Fahrt, von der unsere Weisen sagten: Raglohi d'bär nasch inun rhowilin lai. Seine Krankheit trat in eine akute Phase, und er begab sich nach den Heilstätten, zuerst in der , Nähe von Wien, dann nach der Schweiz, um Genesung zu suchen. Und in der Schweiz, fern von seiner früheren Heimat, fern auch von seiner altneuen Heimat: Palästina, in einem Sanatorium, wo nur seine hingebungsvolle Lebensgefährtin mit ihm war, ereilte ihn der Tod. Wir verloren in Dr. Leo Kohan einen Freund, einen Mitarbeiter, eine Zierde unserer Partei. Segen ruhe auf dem Andenken des Gerechten! Basel, 30. August: Die Beisetzung Dr. Leo Kohans fand hier heute vormittag unter großer Beteiligung statt. Die Zionisten Basels wie der nähern Umgebung waren zahlreich herbeigeeilt, um dem verstorbenen wackern Zionisten und Vorkämpfer der zionistischen Idee das letzte Geleit zu geben. Stadtrabbiner Dr. Cohn hielt die Trauerrede, in der er in würdiger Weise der großen Verdienste und der edeln Eigenschaften des Heimgegangenen gedachte. Am Grabe sprach Dr. Camille Levy-Biel, Mitglied des A. C, namens des Aktionskomitees und des Schweizerischen Zionistenverbandes tiefempfundene Worte der Trauer und des Trostes.. Ais offizielle Vertreter waren außerdem noch anwesend die Herren Dr. L. Weil und J. J. Weil, Vorsitzender der zionistischen Vereinigung in Basel. Das Zentralkomitee der Schweizer. Zionisten hatte durch Zirkulare den Gesinnungsgenossen die traurige Nachricht übermittelt und sie zur Teilnahme an der Beerdigung aufgefordert. Dank gebührt außer den bereits Genannten auch den Herren Bloch-Ross, Präsident der Friedhofskommission und Eisenmann,' Vorsitzender der Chevr Kadischah, die jeder, an seinem Platze dafür sorgten, daß sich die Bestattung des Heimgegangenen würdevoll vollzog. Zionistenkongreß in Zemun (Semlin) (Ausführlicher Originalbericht) Den 16. und 17. August l J. tagte hier, an der Grenze zwischen Sefardim und Aschkenasim, in der Gemeinde, aus welcher Dr. Herzl stammt, — der III. Kongreß jüd. Hochschüler und Abiturienten aus den südslawischen Ländern. Diese Veranstaltung übertraf alle bisherigen und war kein Studentenkongreß mehr, sondern ein Kongreß der kroatischen, bosnischen und serbischen Zionisten par excellence. Sonntag den 16., vormittags um 10 Uhr, eröffnete cand. ph.il. A. Singer, Ferialleiter des „Bar Giora", den Kongreß mit einer Ansprache, in der er betonte, daß Zemun deshalb zum Kongreßorte gewählt wurde, um dem Zionismus neue Kreise, die der Sefardim in Belgrad, zu gewinnen und die Verbrüderung, der Sefardim und Askenasim auf zionistischer Basis zu manifestieren. Es folgte die Begrüßung des über 200 Köpfe zählenden Publikums, unter denen sich viele Juden Zemuns und. Belgrads und, über 70 Kongreßteilnehmer, ferner der Vertreter des Großen A. C. Kultuspräses Dr. H. Spitzer (Osijek.), Schriftsteller Rabb. Dr. M.- Margel (Po*ega), die DelegiertenJ der sefardischen Kultusgemeinde Belgrad, der Vereine „Theodor Herzl" (Osijek), „Ziön" (Belgrad), Jüd. Leseverein (Zemun), „Moria" (Gjakovo); „Gideon" (Belgrad). Serb.-jüd. Gesangverein (Belgrad), Klub der jüd. Jugend (Belgrad), derakadem. Verbindungen Kadimah (Wien), Maccäbea (Wien), der Vereinigung Esperanza (Wien), des akadem. Klubs „Hajarden" (Zagreb) und vieler Aiittelschülergruppen, befanden. Präses Bauer führte aus: „Der „Bar Giora" hat als erster die Fackel der Wahrheit in die südslawischen Länder getragen. Es ist das Verdienst seiner Mitglieder und besonders des A. H. Gg. A. Licht, Redakteurs der „Zid. Smotra" (brausender Applaus und Hedadrufe), daß der Zionismus so große Kreise ergriffen hat und Kroatien einen ehrenvollen Platz in der Bewegung einnimmt Möge der III. Kongreß dazu beitragen, daß sich alle Juden der südslawischen Länder unter einer Flagge vereinigen und der Kongreß einen Verlauf nehme, wie es der hohen Idee, die er manifestiert, ziemt (Beifall.) Es folgen die Ansprachen der Delegierten verschiedener jüdischer Korporationen und des Vertreters des Großen A. C. Dr. H. Spitzer, der die Grüße des Großen A. C. und seines Präsidenten überbrachte. Unter stürmischem Beifall wurden zirka. 70 Telegramme und Begrüßungsschreiben verlesen, darunter vom Präsidenten Herrn Wolffsohn, E. A. C. Mitglied J. Kann (Haag), Reichsratsabg. A. Stand, Zentralbureau des jüd. Nationalfonds (Kpln), Dr. Alcalay (Belgrad), AL Licht (Zagreb), vieler Korporationen und Gg. aus allen südslawischen Städten usw. Der erste Referent E. Krauß (Osijek) sprach über Zionismus und-seine Geschichte. Redner will den Zionismus nicht dorch

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