Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 35 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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^S&f&Xr&ißr?!gj5^v^-^ggg5Sg§^i^ffl : DIEl|gELT; NTo. 35 abgesehen von geringen Interpolationen, rein biblisch-hebräisch; dagegen sind die Zusätze und größeren Einschübe von Arabismen durchsetzt und machen durchweg den Eindruck einer Obersetzung aus dem Arabischen. Im Gegensatz hierzu schreibt Abul-Fath in den Erzählungen, die sich mit obigen Zusätzen des samaritanischen Josua decken, verhältnismäßig gutes Arabisch; folgt er aber den Berichten der Bibel, so kann er, sich vom Einfluß der hebräischen Sprache nicht ganz frei machen, und sein Stil Ist in diesen Fällen mehr oder weniger dem hebräischen Sprachgebrauch angepaßt. Diese Tatsachen überzeugten mich, daß jene Zusätze des samaritanischen Josua aus dem Arabischen übersetzt sein müssen. Ein anderes höchst wichtiges Moment führte mich bald auch auf die Quellen des samaritanischen Josua: Abul-Fath erzählt S. 35 Z. 10 von einer Thorarolle, die von Abischa, dem Sohne des Pinhas, des Enkels des Hohenpriesters Aron, im 13. Jahre des Einzuges der Israeliten in Kanaan geschrieben worden und lange Zeit verborgen gewesen sei, bis sie durch seinen. Zeitgenossen, .den damaligen samaritanischen Oberpriester Pinhas ben Josef (1304—1358 n. Chr.), durch göttliche Offenbarung entdeckt und später fm Jahre 1355 am Sabbath des Laubhüttenfestes „in einer außerordentlich großen Stunde" im Beisein der ganzen Gemeinde Öffentlich gezeigt wurde. Nun ist im samaritanischen Josua Kap. XXIV, 2 von derselben Thorarolle die Rede, von der Abul-Fath spricht; da aber jene Thorarolle erst im Jahre 1355 „bekannt" geworden ist, so kann sie dem Verfasser des Josuabuches nicht vorher bekannt gewesen sein. Hierdurch ist die Abhängigkeit des samaritanischen Josua von Abul-Fath zur Evidenz erwiesen: der Verfasser des samaritanischen Josua muß die Annalen des Abul-Fath als Quelle benutzt haben. Nur kann nicht sein ganzes Material den Annalen des Abul-Fath entstammen, da die Stücke, die der Verfasser des samaritanischen Josua aus dem Arabischen übersetzt hat, zum Teil in Abul-Faths Annalen in gekürzter Form vorliegen. Es lag also auf der Hand, daß der Verfasser des samaritanischen Josua neben den Annalen des Abul-Fath auch noch eine andere ältere arabische Quelle benutzt hat, eine arabische Chronik, die auch dem Abul-Fath vorlag. Ich habe daraufhin die samaritanischarabischen Handschriften der Berliner Königlichen Bibliothek durchgesehen und fand in Ms. Orient. Quart. Nr. 963 das, was ich suchte. In diesem Manuskript ist eine vom samaritanischen Priester Pinhas ben Ishaq (gestorben im Jahre 1898) verfaßte Chronik enthalten, die mit dem Tode Mosis beginnt und bis auf unsere Zeit fortgeführt wird. In dieser Chronik sind ältere aber auch jüngere Quellen zusammengeflossen und sie bietet in dem Teile, der für den samaritanischen Josua in Betracht kommt, einen viel umfangreicheren Text als Abul-Fath, und so ist es möglich, den Text des hebräischen Samaritanus auf größeren Strecken zu kontrollieren. Der Verfasser des samaritanischen Josua muß aber außerdem noch manche Einzelheiten, die sowohl bei Abul-Fath als auch in der Chronik des Pinhas ben Ishaq fehlen, anderen Quellen entnommen haben. Einige kleinere Änderungen und Zusätze mögen allenfalls von ihm selbst herrühren, — das einzige, was er als selbstständiger Autor in Anspruch nehmen dürfte. Nachdem dieses festgestellt ist, liegt die Abhängigkeit des Samaritanus von seinen arabischen Quellen in ihrem ganzen Umfange klar vor. Seine Abhängigkeif zeigt sich nicht nur in Fällen, wo. wie in den oben angeführten, der Arabist den Sinn mancher Wörter und Sätze durch eine Retroversion ins Arabische erkennen kann, sondern auch in Fällen, wo zunächst jedes Raten vergeblich -erscheint. Erst durch einen Vergleich mit dem arabischen Texte stellt sich heraus, daß entweder das betreffende Wort dem Arabischen falsch nachgebildet oder daß es einfach falsch geschrieben ist; in manchen Fällen zeigt sich sogar, daß arabische Wörter ohne weiteres in den Text des samaritanischen Josua übernommen worden sind. So haben wir ein. Josuabuch vor uns, das, wenn es auch nicht direkt als Fälschung hingestellt werden kann, so aber doch als eine unbeholfene, unselbständige literarische Leistung und geradezu als eine Verballhornung des biblischen Josua angesehen werden muß. Nun wollen wir versuchen, die Entstehungszeit des vorliegenden samaritanischen Josuabuches näher zu bestimmen. Durch die Feststellung der Beziehungen" des Kompilators zur Chronik des Abul-Fath, die nach Angabe des Verfassers (S. 4, 13) im Jahre 1355 h. Chr. geschrieben wurde, ist ein Terminus post quem gewonnen worden. Dieser Zeitpunkt kann aber noch durch folgende •Tatsache um zwei Jahrhunderte vorgerückt werden. Der gelehrte Drucker Samuel Schallum, der erste Herausgeber der von Abraham Zakkuto (1450—1510) verfaßten Chronologie Juchasin' (Konstantinopel 1566), erwähnt , in seinen Nachträgen zu diesem Werke, daß er in einer samaritanischen Chronik einen . Bericht über den Krieg zwischen Josua und den Königen unter Schobach, dem König von Persien, gefunden hätte, welchen die Samaritaner einem Midrasch entnommen zu haben behaupteten, und gibt einen Auszug aus der Korrespondenz zwischen Josua und Schobach in hebräischer Sprache wieder.- Schon aus dem Umstand, daß sein Bericht nicht wörtlich mit dem des samaritanischen Josua übereinstimmt, dürfte gefolgert werden, daß ihm eine andere Quelle vorlag, als dieser Josua. Und da er von einer samaritanischen Chronik und nicht von einem Josuabuch spricht, so scheint ihm ein samaritanischer Josua in hebräischer Sprache überhaupt nicht bekannt gewesen zü sein. Aus dem ganzen Stil seines Berichtes geht" deutlich _ hervor, daß die samaritanische Chronik, die von ihm bzw. dem Obersetzer benutzt wurde, ebenfalls nur in arabischer und nicht etwa in hebräischer Sprache geschrieben war; allerdings ist seine hebräische Übersetzung eine weit bessere, als die des samaritanischen Josuabuches und weist lange nicht so viele Arabismen auf. In dieser Tatsache könnte man einen Anhaltspunkt dafür finden, daß es zu jener Zeit, also um 1550, einen hebräisch geschriebenen Josua in samaritanischer Rezension noch nicht gegeben hat. Diese Annahme wird noch dadurch gestützt daß die Samaritaner, wie man aus Dr. Gasters einleitenden Bemerkungen (§ 1) folgern muß, in ährer Korrespondenz mit Scaliger (um 1598 ri. Chr.) nur von einem arabischen Josua sprechen und nichts von einem hebräischen wissen. Wichtig ist auch die Mitteilung des Herausgebers (ebenda), nach der auch er weder eine Pergamenthandschrift noch irgendeine andere alte Handschrift des hebräischen Josuabuches bei den Samaritanern in Nablus gefunden habe. Die Vermutung läge also nicht allzu fern, daß vorliegender samaritanischer Josua erst nach dem Jahre 1598 verfaßt worden ist. Gerade der Umstand, daß die Samaritaner, die für Geld und gute Geschenke sich immer bereit finden ließen, ihre Handschriften auch an „Unreine" zu veräußern, in ihrer erwähnten Korrespondenz den Verkauf eines Josua an Nichtsamaritaner rundweg ablehnten, dürfte als Beweis angesehen werden, daß sie eben einen hebräischen Josua gar nicht besessen haben. Denn hierbei kann es sich nur um einen hebräischen Josua gehandelt haben, da sie doch den arabischen wohl aus der Hand gegeben haben müssen, wie die Juynbollsche Herausgabe des arabischen Liber Josuae beweist. Ich möchte daher annehmen, daß der hebräische Josua in der Fassung, in der er in der editio Gaster vorliegt, seine Entstehung überhaupt nur der Nachfrage europäischer Gelehrter jener oder vielleicht noch späterer Zeit zu verdanken hat Ich möchte sogar ferner annehmen, daß manche Korrekturen und Änderungen im vorliegenden samaritanischen Josuabuche von neueren Abschreibern auf Grund des massoretischen Textes und auch sonst vorgenommen worden sind. Die Kodizes B und C bieten manche Lesarten, die, wie oben erwähnt, sich mit dem arabischen Originale decken; diese dürften wohl auf den Kompilator selbst zurückgehen, da er von seinen arabischen Vorlagen in so hohem Maße abhängig ist und die eigentliche Übersetzungsarbeit geleistet hat. Wenn nun Kodex A, den Dr. Gaster als Grundlage seiner Edition annahm (§ 86), solchen Lesarten gegenüber andere bietet die dem Geiste derhebräischen Sprache näher stehen, so dürften sie wohl als nachträgliche Korrekturen angesehen werden. Wir würden somit in der editio Gaster einige, wenn auch kleinere Bestandteile allerjüngsten Datums haben. In unseren bisherigen Ausführungen haben "wir versucht, den Beweis dafür zu erbringen, daß der samaritanische Josua ein Machwerk aus neuerer Zeit ist. Die Zweifel, die man schon vor vielen Jahren an der Existenz eines echten alten hebräischen Josua in samaritanischer Rezension gehegt hatte (§ 1), erweisen sich als richtig, und von einem solchen Josua kann heute überhaupt nicht mehr die Rede sein. Nun entsteht aber die Frage, ob aus der übrigen bei den Samaritanern noch erhaltenen Literatur nicht auf das frühere Vorhandensein eines alten hebräischen Josua geschlossen werden kann. Gibt es doch bei den Samaritanern einen arabischen Josua, von dem schon Abul-Fath, wie erwähnt, spricht und den er als Quelle benutzt hat Sollte nicht etwa, möchte mancher fragen, dieser arabische Josua auf eine alte, ursprünglich hebräisch geschriebene samaritanische Rezension zurückgehen? Es könnte doch wohl möglichsein, daß es vor vielen Jahrhunderten eine solche hebräische Rezension gegeben hat die "dann später verloren gegangen ist. Wir hätten somit doch wenigstens im arabischen Josua Bestandteile eines verlorengegangenen alten biblischen Buches, das wesentlich vom massoretischen Text abwich? und manche wichtige Zusätze enthielt die für die biblische Wissenschaft immerhin von Bedeutung wären. Hier könnten indessen für einen solchen Josua, außec einigen unbedeutenden Einzelheiten, doch nur die Schobachsage und die Erzählung des Zweiundhalb-Stämme- Reiches unter Nobach in Betracht kommen. Denn alle anderen im arabischen Josuabuche vorhandenen Zusätze sind teils von echt "■ arabischem bzw. mohammedanisch-theologischem Geiste getragen, teils aus apologetischen und polemischen Gesichtspunkten von den Samaritanern eingeschoben worden. Daß aber auch die Schobach- , 2*