Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 31 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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JVLisrachi Am 24. August findet in Frankfurt a. Main im oberen Saal des Börsenrestaurants, Schillerstraße, eine Misrachiversammlung statt. Tagesordnung: Bericht des Bureau: Lida. Bericht des Bureau: Frankfurt. Unsere Aufgaben in Palästina: Ref. Rabbiner Fischmann. Organisation: Ref. Dr. L. Franck. Agitation und Propaganda: Ref. Dr. Bambergar. Presse: Ref. Rüben Cohn. Alle Gesinnungsgenossen haben Zutritt. Falls die Verhandlungen nicht an einem Tage zu Ende geführt werden, wird die Versammlung auch am nächstfolgenden Tage weiter beraten. Jüdische Sprachkonferenz Czernowitz,. Das vorbereitende Komitee der „Jüdischen Sprachkonferenz" versendet folgendes Zirkular: Um die Entwicklung der jüdischen Sprache zu fördern, wird für den 3.—7. Elul (30. August bis 3. September 1908) eine Konferenz nach Czernowitz (Bukowina) einberufen, auf der folgende Themen zur Behandlung gelangen werden: 1. Jüdische Orthographie. 2- Jüdische Grammatik. 3. Fremdworte und Neubildungen. 4. Jüdisches Wörterbuch. 5. Jüdische Bibelübersetzung. 6. Die jüdische Jugend und die jüdische Sprache. 7. Jüdische Presse. 8. Jüdische Bühnen und jüdische Schauspieler. 9. Die ökonomische Lage der jüdischen Schriftsteller. 10. Ökonomische Lage der jüdischen Schauspieler. 11. Die Anerkennung der jüdischen Sprache. 12. Literarisches Eigentum und sein Versicherungsrecht. — Wer an dieser Konferenz Anteil nehmen will, möge seine Adresse der „Jüdischen Sprachkonferenz, Czernowitz" bekanntgeben und für die Kosten der Vorbereitung den Betrag von 5 Kronen einsenden. S. J. Abrahamowicz (Mendele mocher sforim), Odessa; Schalom Asch (Kazimierz); S. J- Anochi (Wilna); S. Arski (Wilna); Dr. Natan Birnbaum (Mathias Acher, Wien); Jakob Dinesohn (Warschau); M. Gordin (Newyork); A. Weiter (Wilna); M. Wintschewski (Newyork); Dr. Ch. Zitlowski (Newyork); A. L. Taubes (Czernowitz); Akad. Verein „Jüdische Kultur" (Wien); A. Katz (Newyork); J. A. Loubetzky (Wien); Mathias Mises (Przmysl); Ch. D. Naumberg (Wilna); Dr. Eliaschow (Kownol); J. L. Perez (Warschau); M. N. Brainin (Petersburg); Abraham Reisen (Krakau); Morris Rosenfeld (Newyork); Fabius Schach (München); Dawid Pinski (Newyork). Vom Hilfsverein Der Vertreter des Hilfsvereins der Deutschen Juden und Leiter des Zentralbureaus für jüdische Auswanderungsangelegenheiten, Herr Paul Laskar, Hamburg, ist vor kurzem von einer mehrwöchentlichen Studienreise, die er im Interesse der jüdischen Emigration nach den Vereinigten Staaten unternommen hat, zurückgekehrt. Herr Laskar wurde von den dem Hilfsverein befreundeten Organisationen, namentlich von den Bnei-Brith-Logen in Amerika, auf das freundlichste empfangen. Die Reise führte ihn zuerst nach New York, wo er sowohl auf der Einwandererstation Ellis-Island wie bei den verschiedenen jüdischen Organisationen eingehende Studien über alle Verhältnisse der jüdischen Emigration zu machen in der Lage war. In einer längeren Konferenz mit der Einwanderungskommission Watchhorn wurden die Wünsche und die Bedürfnisse der jüdischen Emigration besprochen. / Von New York begab sich Herr Laskar nach einer Reihe anderer Einwanderungszentren, so u. a. nach Philadelphia, Chikago, Minneapolis und Duluth. In Washington hatte Herr Laskar auch eine Audienz bei dem Handelsminister Oskar Strauß und konnte dem'obersten Chef des Einwanderungswesens Zwecke und Ziele der Arbeiten des Hilfsvereins auf dem Gebiete der Auswanderung, die dem Handelsminister nicht fremd waren, näher darlegen. Überall hat Herr Laskar feststellen können, daß die Tätigkeit des Hilfsvereins zugunsten der Emigranten von unseren amerikanischen Glaubensgenossen und auch von den amerikanischen^ Einwanderungsbehörden dankbar anerkannt und als ein großer Segen für die gesamte jüdische Auswanderung empfunden wird. Die reichen Erfahrungen, die Herr Laskar durch seine Studien an Ort und Stelle und durch seine Besprechungen mit den maßgebenden jüdischen Kreisen und den.zuständigen Behörden gesammelt hat, werden ohne Zweifel für die jüdische Emigration gute Früchte tragen, Das Hilfskomitee für Haskieu Das große Hilfskomitee, das sich auf Anregung des Hilfsvereins der Deutschen Juden anläßlich der Brandkatastrophe in Haskieu (Konstantinopel) unter dem Ehrenvorsitz Sr. Eminenz des Chacham Baschi Moise Halevy gebildet hatte, und das aus den beisteuernden Organisationen und den angesehensten Glaubensgenossen in Konstantinopel besteht, nimmt jetzt, nachdem die Hilfsbedürftigkeit der Betroffenen und der Verteilungsplan im einzelnen genau festgestellt ist, die Schlußverteilung der Gelder vor. Die Entschädigungssummen sind in rationeller Weise nach dem Grade der Bedürftigkeit abgestuft Die Komiteemitglieder haben in aufopfernder Arbeit nunmehr den ersten Teil der Aufgabe gelöst. Außer dem Chacham Baschi, " der gleichzeitig der Ehrenpräsident des Lokalkomitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel ist, gehören dem Komitee noch an: Rabbiner Dr. D. F. Markus, Direktor der Schulen des Hilfsvereins in Konstantinopel, Se. Exzellenz Behor Effendi, membre du conseil d'etat; Se. Exzellenz Jaques Bey de Leon, Präsident des Meglig Amumi, Kurator der Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden zu Konstantinopel; Se. Exzellenz Dr. Isaac Pascha Molho, Divisionsgeneral; J. Fernandez, Präsident der Alliance Israelite Universelle in Konstantinopel; Dr. med. S. Wellisch, Medecin sanitaire en chef de rinstruction publique und Mitglied des Schulkomitees des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Konstantinopel usw. usw. Da die Nachwirkungen des gewaltigen Schadenfeuers, daseinen'ganzen Stadtteil in Asche gelegt hat, noch lange fortdauern werden, macht sich das Bedürfnis nach einer Hilfsleistung dauernder Natur stark fühlbar. Gemäß einem Vorschlage des Hilfsvereins der Deutschen Juden wird daher jetzt die Begründung einer Kreditkasse erwogen, die mit den noch zur Verfügung stehenden Mitteln finanziert werden soll. Aus den Beiträgen, die der Hilfsverein der Deutschen Juden und die Alliance Israelite Universelle in Paris gewährt haben, wird voraussichtlich diese Kasse gebildet werden. Da es sich darum handelt den Ärmsten der Bevölkerung aufzuhelfen, kann eine solche Kasse mit verhältnismäßig kleinen Mitteln großen Segen stiften. Der unangenehme Name Wie die Zeitungen meldeten, ereignete sich in Bad Westerland auf Sylt ein schrecklicher Unglücksfall. Der Bankdirektor Daniel' aus Berlin wurde von der Meeresströmung ergriffen und ins Meer hinausgetrieben. . Da die ungenügenden Rettungseinrichtungeri versagten, stürzte sich ein Zuschauer, Ingenieur Kohnberger aus Wien, trotz der starken Brandung ins Meer, und es gelang ihm, nach unendlicher Mühe, unter eigener größter Lebensgefahr, den Verunglückten ans Land zu schaffen. Leider erlag dieser dort gleich einem Herzschlag, während Herr Kohnberger selbst bewußtlos ins Krankenhaus gebracht wurde, wo er an einer Lungenentzündung schwer darniederliegt. Warum wir dies berichten? Etwa, um die Tat des Herrn Kohnberger als einen Beweis jüdischen Mutes zu reklamieren? Nein, der steht für uns auch ohne dieses fest Aber die Zeitungen, an ihrer Spitze, die Sylter Zeitung, der der Name des Retters genau bekannt war, 'änderte -ihn um in Kronberger, Kohnberger klingt zu jüdisch! Die Juden von Mossul Als Rev. Elia Schelomo Sayech vor einigen Jahren den Posten einesGroßrabbiners in Mossul antrat, fand er zu seiner unangenehmen Überraschung, daß der größere Teil der jüdischen Jugend Mossuls mit jüdischen Dingen fast gaf nicht vertraut war und das Judentum kaum dem Namen nach kannte. Er wandte sich an die Alliance Israelite Universelle in Paris und setzte durch, daß diese einige Lehrer nach Mossul schickte, die in einem von der Gemeinde gemieteten Gebäude den jüdischen Kindern Unterricht erteilten. Bisher wurden bereits 295 Kinder, aufgenommen und eine große Zahl mußte mangels Mittel zurückgewiesen werden. Die jüdische Gemeinde Mossul zählt jetzt zirka 500 bis 600 Knaben und 300 bis 400 Mädchen, eingerechnet die, die in der nächsten Umgebung, in . Karkuk, Zachu, Slemanji usw. wohnen. Die jüdischen Gemeinden in all diesen Plätzen sind sehr arm, und auch der Gemeinde in Mossul fehlen die notwendigen Mittel zum Bau und zur Erhaltung von Schulen, die auf 120 000 Mark veranschlagt werden. Der Rabbiner ging daher1 nach Bagdad und Pasora, wo ihm von den dortigen, Brüdern zirka 7500 Mark zum Zwecke des Schulbaues gegeben wurden. Jetzt weilt er in China und will später nach -Indien gehen, um auf diese Weise die erforderlichen Beträge zu erhalten.