Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 31 (7.8.1908)
- Date
- 1908-08-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. 31 ■ DIETOELT ' Aach die aschkenasischen Juden rühren sich. In heftiger Fehde lagen bisher die einzelnen aschkenasischen Tempelgemeinden, eine Synagoge betrachtete die andere als «ine Konkurrenzgemeinschaft Nunmehr haben die Vorsteher der österreichischen, der Kertscher Gemeinde, des Schneidertempels und derOr-Thora sich versammelt und beschlossen, eine einzige Gemeinde zu bilden. In der Begeisterung für Gleichheit und Brüderlichkeit werden wir es noch erleben, daß die hiesigen spanioüscben und aschkenasischen Juden sich ehenfalls in eine brüderliche „Nation" vereinigen werden, Die Demission des Chacham-Baschi Chiefrabbi Moise Levy hat' demissioniert Die Wahleines neuen Rabbiners ist bereits angeordnet Kandidaten sind Rabbi Haim Nahum und Jacob Meir. Konstantinopel: Seit der Verkündung der Verfassung bis heute sind mehr als 300 Konzessionsgesuche für Fabriken und Hüttenwerke dem Handelsministerium unterbreitet worden. Sieben europäische Gesellschaften, darunter zwei deutsche und eine amerikanische, verlangen eine Konzession für die Anlage eines Telephonnetzes in Konstantinopel und Umgegend. Eine Wiener Gesellschaft unterbreitet einen. Vorschlag für einen Omnibusbetrieb nach dem Muster der Urbaine in Paris. FEUILLETON Tischa Beab Huf dem stillen Hefter, rings umsät Don Steinen, Bleiche luänner trauern, Frauen, Kinder meinen. Und die Tränenbäcrje sich zum Strom Dereinen Und netzen ein Grab. Die öemeinde betet. Uller Hippen beben. Sumpfe edjptöne in die Cüfre schroeben, TDecfcend dumpfes €cho aus dem TDaldesmeben Um Tischa Beab. - Und die Seufzer roecken Iüitleid und Bedauern: ÜSglein trillern traurig, alte Heiden trauern. Und das All durchzuckt ein leises tiefes Schauern. Die Ilacht erscheint. Kühle Eüfte trinken all bie beißen Tränen, Die sich in der fjörje bald als TTebel dehnen. Bald als dichte IDolken . . . aufgelöst in Strömen ... Der Himmel meint . . . Und aus TDolkenftShen steigen dunkle Scharen mit gesdjundnen Ceibern, blutgefärbten Haaren, Unb der alte Schmerz pon zweitausend Jahren Dem Grab entsteigt. .Die Märtyrer kommen . - . alle . . . Schwestern, Bruder, Setzen sich auf Judas neue Trümmer nieder, Jeremias singet seine Klagelieder . Und Jesaias — sdjroeigt! . . . Samuel Jlfeisels DIE LETZTE SEEREISE Von N. Sokolow (Schluß) Groinem vergaß auch nicht einen Augenblick, daß es am schlimmsten mit Schmul-Aron zugehen kann. Lag ja die Gefahr nahe, daß man sein gläsernes Auge entdecken könnte. Deswegen mußte er die schwarze Brille tragen; nun konnte aber gerade diese Brille ihn verraten. Dagegen gab es schon kein Mittel. Das einzige wäre, Schmül-Aron mit Dwoire formell zu paaren, damit Dwoires Tochter auch ihn als Tochter empfange. Aber in diesem Falle blieben wieder Schmul-Arons Frau und Kinder allein! Auch war es zweifelhaft, ob sich Dwoires Tochter auf solche Fiktionen einlassen würde. Ursprünglich bestand die Absicht, ihr brieflich diesen Vorschlag zu machen, aber man sagte sich, auf eine Anfrage wird sie bestimmt „nein" antworten, daher zog man es vor, die Sache auf sich beruhen zu lassen und so zu handeln, wie es die Ereignisse mit sich bringen werden. Wird man sehen, daß die Schwierigkeiten für Schmul-Aron gar zu groß seien, dann wird man Dwoires Tochter zuwinken, daß sie Schmul-Aron als Vater anerkennen und empfangen müsse,' und dann wird Groinem die Schmul-Aronsche Familie auf sein Konto mitnehmen, denn er reiste ja ganz allein. Wird aber dieser Notfall nicht eintreten, desto besser, wozu soll man also von vornherein überflüssige Verwicklungen schaffen? Und sollten die O-Beinchen der Kinder Binjomin- Zews Schwierigkeiten bereiten, dann müßte die ganze -Reisegesellschaft solidarisch - eintreten. Das war beschlossen. Groinem drohte das Amt niederzulegen, sollte Binjomin-Zew, für den er verwandtschaftliche Rücksichten hatte, ausgeschlossen werden. Man sprach früher davon, Binjomin-Zew solle allein reisen, sich dort nach Beschäftigung umsehen und dann erst Frau und Kinder „herübernehmen"; aber seine Frau Jente wollte nicht allein bleiben, entweder zusammen oder keiner. Da half kein Bitten und kein Drohen. Der Trotzsinn einer jüdischen Frau! Und weshalb sollte man denn eigentlich Binjomin- Zew zurückweisen? Gibt's denn keine Juden in Amerika? Bedürfen sie keine „Melamdim"? Sollten die Einwanderungsbeamten solche Reschoim (Bösewichter) sein, um dies nicht einzusehen? Groinem gab zu, die Sache sei etwas schwierig, — aber würde man vor jeder schwierigen Sache zurückschrecken, dann wäre das Leben ja überhaupt unmöglich. Binjomin-Zew selbsi war etwas wirr. Er sah iii dieser Gesellschaft fast so aus wie ein weißer Flecken auf schwarzem Grund. Seine Augen irrten umher, als ob er nichts sähe. Groinem sprach ihm zu: Du Angstmeier! Du „Bation"! Eine Welt wirst du sehen. Schmul-Aron hatte sich von niemandem verabschiedet. Er schämte sich . . . Chaim'L war aufgeregt; sein Gesicht war flammenrot. Er wollte zeigen, daß er auch in Amerika so tüchtig sein wird wie einst in Vermittlergeschäften hier — mit den polnischen Edelleuten und Bauern. Er wollte seine Berje- (tüchtiger Kerl) . 2*