Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 30 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Gesellschaft nach den Einzelheiten des Geschäftsbetriebes? Das muß eben der Leitung und Geschäftsführung überlassen bleiben! Wenn der Prospekt auch nur irgendwie darüber in Einzelheiten eingegangen wäre, so würde der Palästinarat in seiner Oberkritik sich . ebenso daran geklammert haben, wie er herausgespürt hat, daß das Futter für die Pferde in dem Voranschlag angeblich nur für neun Monate eingestellt ist, was doch gewiß seinen guten Grund haben wird. Aber der Palästinarat weiß alles. „Es, unterliegt für.ihn keinem Zweifel, daß nach dem Verkauf der ersten 2500 Aktien der weitere Verkauf von Aktien aufhören wird." Ünd weshalb? „Denn, warurri soll in dieser Richtung die P. L. D. C. glücklicher sein als der J. C. T.?" Ich will den Grund verraten. Weil die P. L. D. C weiter agitieren wird, und zwar außerhalb der zionistischen Kreise, was die Bank als zionistische Institution nicht zu tun vermag oder wenigstens bisher nicht getan hat. Der Palästinarat fühlte sich, wie er angibt, sehr geniert dadurch, daß er das Projekt nicht im Stadium des Werdens besprechen konnte. Das hat er sich aber selbst zuzuschreiben; er hat noch nie einen einigermaßen durchgearbeiteten, mit den faktischen. Verhältnissen rechnenden Vorschlag dem Aktionskomitee unterbreitet; bisher hat er sich nicht als Rat, sondern nur als Abrät bewährt, und das hier besprochene Memorandum zeigt eine solche Engendes Blickes, einen solchen Mangel großzügigen Denkens, daß wohl zu fürchten ist, daß, wenn das Memorandum wirklich die Anschauungsweise der Majorität des Palästinarates widerspiegelt, er in absehbarer Zeit der Palästinaarbeit auch nicht von wesentlichem Nutzen sein dürfte. Die Palestine Land Development Company hat aber hieraus und aus dem Verhalten der galiläischen Arbeiter, die einen maßgebenden Einfluß auf die Gesellschaft verlangen und,, da ein solcher natürlich nicht bewilligt werden kann, die P. L. D. C. boykottieren wollen (d. h. mit . 17 gegen 16 Stimmen), eine sehr gute Lehre zu ziehen sich veranlaßt gesehen. Wenn sie wirklich geschäftlich arbeiten soll,, und das ist — darin allein stimmen wir durchaus mit dem Palästinarät überein — die Grundbedingung ihres Gedeihens, so darf sie auch nicht den Anschein erwecken, als sei sie von der zionistischen Bewegung resp. von deren Institution, dem Nationalfonds, abhängig. Zu dieser falschen Vorstellung kann man aber gelangen durch die Beteiligung des Nationalfonds an der P. Li D.'C. gegen die langjährige Pacht Es war ja weniger das Interesse der P. L. D. C, welches die Idee der Beteiligung .des Nationalfonds eingegeben hatte, als die unglückliche Lage des Nationalfonds, der, von. allen Seiten behindert, wirklich nicht weiß, was er mit seinem Larfd beginnen soll. Die Rentabilität der P. L. D. C. wird ja sicher dadurch geschädigt, daß das kapitalisierte 100 jährige Pachtrecht schon an dem ev. Gewinn der ersten Jahre partizipiert. Jetzt aber, wo, wie wir sehen, diese Beteiligung ganz anders ausgelegt wird und allerhand Forderungen und Ansprüche von Leuten, die nicht einmal eine einzige Aktie der Palestine Land Development Co. besitzen, an das Tageslicht lockt, und wo die Gefahr vorliegt, daß die P. L. D. C. tatsächtlich als ein Wohltätigkeitsinstitut aufgefaßt wird, ist es klar, daß die P. L. D. C. gut daran tun wird, nicht in enge Beziehungen zum Nationalfonds zu treten, ihm keine Gründeranteile auszuhändigen und nur insoweit Land von ihm zu pachten, und auch immer nur auf kurze Fristen, als es im Interesse der P. L. D. C. liegt. Insofern hat also der Palästiharat sein Ziel erreicht; die Beteiligung des Nationalfonds wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht Zustandekommen, aber nicht wegen der angeblichen Schädigung der Interessen des Nationalfonds, sondern um der P. L. D. C. den rein geschäftlichen Charakter zu wahren. O. Warburg Spezialbericht über die elfte Jahreskonferenz der amerik. Zf onisten Die beiden letzten Jahreskonferenzen der Federation'' -of American Zionists hatten in Tannersville im Gebirge stattgefunden. In diesem Jahre aber ist man an der See, zusammengekommen und ist vielleicht in noch größerer Zahl gekommen denn früher Man sah viele .der alten vertrauten Gesichter, es fehlten, nur wenige, dafür aber erblickte man manche interessante.-.neue. Friedenwald, . Magnes, Jackson,. Radin, Ueberman, Luibarsky, Livingstorie, Frömenson, Richards, Lipsky, Jasin, Rasin, Abel .und viele mehr; auch einige Nichtzionisten, .wie Gordin und Freidus, waren erschienen, und dann viel beachtet Samuel . Strauß, Eigen.-: türner der bekannten " New-Yorker Tageszeitung , „Glöbe", 'Vorsitzenderdes neügegrundeten New-Yorker, Vereins.. Schon Freitag, trafen die Delegierten, in Atlantic City ein,.Samstag war „Conventiongottesdienst",- verbunden. mit einer sehr, würdigen und eindracksvoUen rlerzlgedenkfeier. Abends fand großer Empfang statt, währenddessen die jungern Delegierten sich bei Gesang' und Tanz erfreuten, indessen die. älteren Vorberaturigen, und Besprechungen abhielten. Am Sonntag den 12. Juli», vormittags 10 Uhr, begannen die Verhandlungen vor einer.Versammlung von 4—500. Delegierten und Gästen mit einer. Begrüßung des Mayprs der Stadt".und der Eröffnungsrede Dr. Friedenwalds; Dr. Friedenwald führte u.. a. folgendes aus: Ich will Ihnen keine Aufzählung dessen geben, was die Föderation im verflossenen Jahre geleistet hat. Was immer sie getan hat, es war nur ein Teil von. .dem, was hätte getan werden können. Die Erfahrung mehrerer. Jahre hat uns bewiesen, daß unsre Schwäche begründet ist in unserm System unbezahlter Arbeiter,. deren Zeit durch ihren eigenen Beruf absorbiert wird und die bei. der größten Hingebung doch nur einen Teil; ihrer Zeit unserer Sache -widmen:können. Infolgedessen entstand .jener, unbefriedigende Zustand unserer finanziellen Verhältnisse, der alle unsere Bemühungen paralysierte. Im letzten Jahre. stellten, wir nun Herrn Frömenson" an, der in der kürzen Zeit, in der er den Süden und Südwesten besuchte, gezeigt hat daß unser; Volk überall willig ist uns moralisch und: materiell zu unterstützen. Nach diesem Erfolge beabsfchtigen wir, nunmehr einen bezahlten Sekretär anzustellen, der uns seine'ganze Kraft und Zeit "m New- York widmen soll, während Herr Frömenson fortfahren wird,', das Land zu bereisen. Dann können wir auch dem dringenden Er^ suchen unsres Freundes Dr. Magnes nachkommen, der von . der technischen Kleinarbeit der Sekretärschaft befreit werden will, um unserer Sache in anderer Weise dienen zu können. Dr. Magnes hat den Posten als Sekretär mehrere Jahre bekleidet; . seine Weigerung, eine Wiederwahl anzunehmen, fand unsere Billigung, denn wir erwarten von ihm noch größere Dienste, wenn er an anderer Stehe für uns wirken kann. Seine Dienste "waren für uns unschätzbar, und nur seine Gegenwart verbietet mir, unserer Bewunderung und unserm Dank den adäquaten Ausdruck zu geben. An seiner Stelle empfehlen wir Ihnen als angestellten Sekretär Herrn Dr. Jasin aus Texas, dessen Eifer und Arbeitsfreudigkeit Ihnen allen bekannt ist. Im Besitze seiner Kraft und der Mr. Fromensons können wir hoffen, unsere Bewegung allüberall in diesem "Lahde auszubreiten und zu stärken. Wir haben sehr bedauert, die an Dr. Lewin ergangene- Einladung, wiedereine Vortragstournee zu unternehmen, infolge der finanziellen Krise dieses Jahres widerrufen zu müssen. Indesseh haben wir Dr. Lewin neuerdings eingeladen, vorausgesetzt, daß die ökonomischen Verhältnisse sich bessern, Anfang nächsten Jahres wieder zu einer Vortragsreise hierher zu kommen, und wir versprechen uns davon wieder einen sehr schönen Erfolg. Wir bedauern . mitteilen zu müssen, daß der infolge. eines Kongreßbeschlusses erlassene Aufruf des Aktionskomitees auf Schaffung eines Parteiforids bei unsenrVereinen nicht genügend Beachtung gefunden hat Der -Fonds muß gesammelt werden, wenn wir . dem von uns gewählten Aktionskomitee die Möglichkeit geben wollen, zu arbeiten. Ich erwarte bestimmt, daß : im kommenden Winter in jedem Vereine Anstrengungen gemacht werden, eine möglichst große Summe dafür zusammenzubringen. Dr. Friedenwald erinnerte sodann an -die mannigfachen. Angriffe, denen der Zionismus in,Amerika im letzten Jahre ausgesetzt war: ,',Wir wurden. bekämpft weil das zionistische Programm keinerlei Bezug nimmt auf die Religion und weil innerhalb unserer Reihen nicht nur. alle Glaubehstreuen sind, vom strengsteh Ortho-; doxen bis zum Weftestrefonnierten,. .sanftem" sogar. Ni<AtgiäubigeV, Dieser Angjriff ..würde'. flktärlfch- .-von splchen Predigern, gemacht die den Geist der; mittelalterlichen Inquisition, geerbt - haben .und bereit waren, den Bannstrahl zu schleudern. Solche-Leute sollten.