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Die Welt · 1908-07-31 · 30 (31.7.1908) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
30 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. -3G; K. C,4b, dieser Hinsicht -von . .seinen Mitgliedern" 'verlangt,, besteht" darin, daß diese -auf dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung stehen müssen. Die K. (^.-Verbindungen sind nur geschaffen, um nach dem Prinzip der Selbsthülfe im vollsten Lichte der Öffentlichkeit die völlige Gleichberechtigung der deutschen Juden herbeizuführem Mit Rücksicht hierauf und weil zurzeit die Aufnahme von jüdischen Akademikern in andere Verbindungen fast ausnahmslos nicht erfolgt, isf der Zusammenschluß der jüdischen ■ Studenten eine Notwendigkeit und bei den jetzigen Verhältnissen durch die Ehre geboten. Dieser Zusammenschluß ist somit einem rein sozialen Anlaß entsprungen und hat mit religiösen oder konfessionellen Gesichtspunkten nicht das mindeste zu tun." Man merke wohl auf die Logik, man beachte den rührenden Stolz! Also die K. C.-Verbindungen sind da: Erstens, weil sie die volle Gleichberechtigung der Juden herbeiführen wollen, 5 zweitens, weil Juden in andere Verbindungen nicht aufgenommen werden. Der Zusammenschluß ist daher erstens eine Notwendigkeit, zweitens aber auch „bei den jetzigen Verhältnissen" durch die Ehre geboten, im übrigen aber ist er einem rein sozialen (!!) Anlaß entsprungen. Wir wissen nicht,; ob den Herren nicht die Schamröte aufgestiegen ist, als sie dies niederschrieben. Jedenfalls wurde die Aufnahme nicht genehmigt. Da inzwischen aber die Statuten der Vertreterversammlung geändert wurden, besteht die Hoffnung,. daß. die „Rheno-Silesia" doch noch der Gunst teilhaftig werden wird, hineinzukommen. Sie wird es nämlich noch einmal beantragen, und dann hat sie vielleicht, wenn es gut geht, mehr Glück. Schlimmstenfalls kann sie ja das Gesuch .auch noch zum drittenmal einreichen. . Selbstverständlich erstens: aus sozialen Gründen, zweitens aber, weil es durch die. Ehre geboten ist. Wie heißt es doch in dem Studentenlied? „Frei ist der Bursch!" die BRO¬ DAS MEMORANDUM DES PALÄSTINARATES Obgleich ich gewünscht hätte, die recht unfruchtbare, weil ausschließlich negative Kritik, aber keinen einzigen positiven Vorschlag produzierende Diskussion bezüglich der Palestine Land Development Company abschließen zu können, zwingt mich die Veröffentlichung des Memorandums des Palästinarates, nochmals in der Sache das Wort zu ergreifen. Da das Memorandum die Basis des ablehnenden Beschlusses des Odessaer Komitees, sich an der P. L. D. C. zu beteiligen, gebildet' hat, so kann es nur erwünscht sein, daß es jetzt auch der Öffentlichkeit unterbreitet ist,' da letztere dadurch in die Lage versetzt ist, die ganze Haltlosigkeit der Argumentation, die gegen die P. L. D. C. angeführt wird, zu erkennen. Die am Schlüsse zugefügten Erklärungen des Herrn Dr. Rupp'in haben zwar schon den meisten Argumenten des Palästinarates jeden Boden entzogen; immerhin dürfte es sich der Mühe verlohnen, die Fragen noch etwas eingehender zu behandeln. Genau so wie die Beweisführung des Odessaer Komitees, bezieht sich auch die Argumentation des Palästinarates einzig und allein auf die einleitende Tätigkeit der P. L. D. C, nicht auf das Wesen derselben. Daß es eine Kolonisationsgesellschaft sein soll, wird ganz übersehen; die Gegnerschaft erstreckt sich nur gegen die Administration des Lehrgutes, die einerseits als wahrscheinlich nicht rentabel, anderseits als überflüssig angesehen wird. Was den ersten Punkt betrifft, so ist es ja Ansichtssache, wie man über die Zukunft einer Farm denkt, die theoretische Begründung der Unrentabilität durch den Palästinarat ist aber sicherlich hinfällig. Der Palästinarat gibt zwar zu, daß man „gewiß in Palästina ein Kapital in einer rationell organisierten Landwirtschaft so investieren kann, daß es unzweifelhaft rentabel sein wird", behauptet aber, daß „die Praxis der Kolonisation Palästinas erwiesen habe, daß alle hier sogen, „ad- - ministrativen" Wirtschaften von Mißerfolg begleitet waren". Es muß also an der palästinensischen Luft liegen, denn anderswo gedeihen administrative Wirtschaften .recht gut Aber auch in Palästina gibt es viele Grundbesitzer, die ihr Land nicht selbst bearbeiten, sondern es „administrieren" lassen. Die Schwäche dieser Beweisführung hat wohl der Palästinarat geahnt und daher dem Worte „administrativ" eine ebenso willkürliche wie sonderbare Deutung gegeben; er nennt administrative Wirtschaften „alle jene gesellschaftlichen und Privatunternehmungen, deren Eigentümer nicht nach materiellem Gewinn streben, sondern hauptsächlich philanthropische oder andere ideelle Zwecke verfolgen". Der Palästinarat benutzt also das in Palästina unbeliebte Wort „administrativ" an Stelle des Wortes „gemeinnützig". Gemeinnützige Wirtschaften gibt es aber bisher in Palästina außer „Sedjera" und der in der Gründung begriffenen „Salvendifann" nicht, und „Sedjera" würde sich aller Wahrscheinlichkeit nach in einigen Jahren ganz gut rentiert haben, wenn nicht die J. CA. vorgezogen hätte, große Teile der Farm zu verpachten. Damit ist also das ganze historische Beweisgebäude hinfällig. Aber ebenso verkehrt ist die zweite theoretische Beweisführung. Der Palästinarat sagt: „Die Praxis hat kategorisch gezeigt; daß die erste Bedingung einer jeden Unternehmung in Palästina ist, daß sie einen streng geschäftlichen Charakter trägt, und daß der Eigentümer materiell und ernst an der Sache interessiert sein soll. Hier bei der P. L. D. C. kann davon keine Rede sein." Warum nicht? Weil die Aktionäre mit zu geringen Summen beteiligt sind. Wie so weiß der Palästinarat das, und zwar zu einer Zeit, wo die Werbung doch kaum begonnen harte? In der Tat hat aber die P. L. D. C. eine erhebliche Anzahl von Aktionären mit 50 £ und mehr, und erwartet, sobald sie erst in nichtzionistischen Kreisen agitieren wird, weit mehr größere Aktionäre zu erwerben. Aber ist denn das Argument überhaupt richtig? Hat der Jewish Colonial Trust, die Anglo Palestine Co., nicht auch 1 "£-Shares, und ist nicht der größte Teil der englischen Aktiengesellschaften auf dem 1 £ -System aufgebaut? Besitzen etwa die Chartered-Co. von Südafrika, die Goldminen von Transvaal keinen geschäftlichen Charakter? Und so argumentiert der Palästinarat dessen Mitglied, Herr Levontin, doch Erfahrung in diesen Dingen hat und selbst einer auf 1 £ -Aktien aufgebaute Bank vorsteht Was das zweite Argument betrifft, daß die Lehrfarm überflüssig ist so kommt-diese Behauptung etwas spät, nachdem der Nationalfonds seit fünf Jahren daran arbeitet, eine Lehrfarm einzurichten und gerade zu" diesem Zweck doch auch den Landbesitz erworben hat Leider ist diese Behauptung aber auch grundverkehrt. Eine Lehrfarm ist absolut nötig; nach der Begutachtung durch den hervorragendsten deutschen Landwirt Lothar Mayer fehlt es den jüdischen Landwirten nicht an Eifer, sondern absolut an den nötigen Direktiven. Er schreibt: „Es ist m.E. hohe Zeit die vielen infolge des Fehlens zielbewußter und tatkräftiger Instruktion und Direktive eingetretenen Versäumnisse gutzumachen." Beschäftigen sich die beiden bisher widerlegten Argumente nur mit der Lehrfarm, so wird die bei weitem wichtigere Haupttätigkeit der P. L. D. C, die Kolonisationsarbeit, überhaupt kaum erwähnt; nur wird bezweifelt daß die P. L- D. C. Geld zum "Ankauf von Ländereien dafür besitzen wird, und gefragt wer die Häuser bauen und das Inventar kaufen soll. Hätten die Herren nur die geringste Ahnung von der durch die Praxis längst erprobten Kolonisationstätigkeit anderer Länder, so würden sie wissen, daß es sehr verschiedene Formen gibt sich Kredit zu schaffen und die Leute anzusiedeln, und daß es genauer Studien der lokalen Verhältnisse bedarf, um sich zu entscheiden. Fragt man denn ein anderes Unternehmen, z. B. eine Bank, bei der Konstituierung der 2

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