Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 30 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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■ NEBELT georanetes Gemeinwesen, ein Friedenswerk, [an dessen Gedeihen absolute und um so mehr repräsentative Regierungen und Völker das größte Interesse haben müssen. Die Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten (B) Die elfte Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten bot in ihrem Verlaufe das erfreuliche Bild bewußter Stärke und harmonischen Zusammen-' wirkens, das wir bei den Versammlungen dieser, großen Föderation zu finden gewohnt sind, und das ihre jährliche Konferenz zu einem der bedeutungsvollsten Ereignisse innerhalb der amerikanischen Judenheit gestempelt hat. Auch die nichtzionistische amerikanische Presse kann nicht umhin, dieses zuzugestehen. Mit einer gewissen Verwunderung ntiiß sie zugeben, daß eine so rein ideale Bewegung, wie die zionistische, deren Erfolge doch immerhin noch in der Zukunft liegen, es vermocht hat, im '„praktischen" Amerika festen Fuß^zififassen lind — was ihr das bezeichnendste dünkt — ihre Stellung zu behaupten und ihr Ansehen zu vergrößern, obwohl „sie doch hisner ihren Anhängern immer nur mit Versprechungen und Zukünftshoffhungen kommen konnte". Unter diesen Umständen gewinnt dle^ jüngste Konferenz um so mehr an Bedeutung, als bei ihr zum ersten Male ein homo novus öffentlich in Aktion trat, der irrf "ppBfischea-".und. jüdischen Leben Amerikas eine Rolle spielt. Mr. Samuel-.Strauß, der der Massenversammlung präsidierte und I als: eTnex^e^i^izepräsidenten in den Vorstand der Federation gewählt wiardeTisit als-ßesitzer der großen New Yorker Tageszeitung „Globe" einer .der bedeutendsten und einflußreichsten Juden Amerikas. Wie aus seiner großen. Rede in dem Massenmeeting hervorgeht, ist er aus einem gewissen religiösen Bedürfnis zum Zionismus gekommen. Ihmder mit,allen jüdischen Überlieferungen absolut gebrochen hatte, der sie .vielleicht gar nicht mehr kannte, nie kennen gelernt hatte, erscheint der; Zionismus geeignet, die religiöse Sehnsucht, die in ihm schlummert^ zu erfüllen und seinem Verlangen nach Judentum, nach Zusammenhang mit dem jüdischen Volke zu entsprechen. Es ist ein beredtes Zeichen, daß ein solcher Mann, ein Amerikaner durch und durch, .der Amerika jedenfalls viel besser kennt' als das Judentum,. in seinem 'Amerikanersein nicht genug findet und sich getrieben fühlt; Iii das nationale Judentum einzugehen. Er hat die Kluft gesehen, die. zwischen'dem freien Amerikaner und dem freien'— unfreien — Judenämenk'aner bleibt, und die zu überbrücken^feih'noch so radikales Amerikanisieren und Reformieren der Juden und" des- Judentums stärk genüg ist. Eine solche Stimme aus diesem Milieu"1 deramerikanischen Judenheit ist besonders bedeutungsvoll, und ist:vielleicht ein Anzeichen' eines bevorstehenden bedeutsamen Umschwungs1 "in; den Gesinnungen der maßgebenden jüdisch-amerikanischen Kreisen1 ,r. . . fß.)'Bei'Verlesung des Kassenberichts Vierzehn Sammelzwecke äüf .aeF Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten wurde u. a. defTatisache Erwähnung getan, daß von der Federation im verflossenen'Jahre für irisgesamt vierzehn verschiedene Zwecke Sammlungen unternommen worden sind. Zugleich wurde festgestellt, daß der Gesamtbetrag dieser Sammlungen zurückgegangen ist. Wenn nun auch zweifellos an. diesem Rückgang im Ertrage der Sammlungen die ökonomische Krisis Schuld trägt, unter der Amerika jetzt schon über eiwrJahfleidet und die zu überwinden es sich eben anschickt, ist dooK .vielleicht die Frage berechtigt, ob nicht das Ergebnis auch unter!; des; Vielheit der Sammelzwecke gelitten hat Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Menge der verschiedenen Ziele schließlich eine: Zersplitterung der Kräfte herbeiführen muß und herbeigeführt hat Wenn-.;wir nun untersuchen, für welche Zwecke denn die Zionisten üherall sammeln, wem denn diese vierzehn Arten der Sammeltätigkeit;, galten, so wird uns bald klar, daß direkten zionistischen Zielen .nur der kleinere Teil von ihnen dient Die zionistische Organisation. kennt zunächst nur zwei Arten der Sammeltätigkeit die für den Schekel und für den Nationalfonds. Die letztere hat noch eine" Unterart, die Ölbaumspehde. "Sodann hat der. letzte Kongreß in Erkenntnis : No. 30 der dringenden Forderungen des Augenblicks noch eine Forderung des Sammeins aufgestellt die für den Parteifonds. Damit sind eigentlich die xrffiziellen zionistischen Sammelmöglichkeiten erschöpft. Die Agitation-für den Verkauf -von Aktien der Bank oder von Anteilen der verschiedenen Unternehmungen des Palästinaressorts kann man ja eigentlich nicht als „Sammeln" bezeichnen, da hierbei, der Geber •lediglich etwas kauft, für seine Gabe änen Gegenwert erhält der sich, sogar verzinst. Und wepn wir aneh noch die verschiedenen Erfordernisse lokaler Natur, zu deren Deckung an den Opfersinn der Zionisten appelliert wird, in Betracht ziehen, kommen wir doch immer erst zu einer Zahl, die der Ziffer Vierzehn noch recht weit fern steht Es. handelt sich eben um Forderungen nicht direkt zionistischer Natur, um solche, dieneben den zionistischen existieren. Wenn wir aber anderseits wieder hören, daß den meisten Nachteil von diesem Rückgang des Sammelertrags und diesem Obermaß von Sammelmöglichkeiten die Schekelsammlung und die Samrhlung für den Parteifonds hatte, die beiden Institutionen also, auf denen das ganze Gebäude der zionistischen Organisation ruht und von deren Ertrag unter Umständen unsere ganze Schlagfertigkeit jedenfalls aber unsere ganze Arbeitsmöglichkeit abhängt so wird uns klar, welchen Schaden der Zionismus direkt von jener eifrigen Tätigkeit hatte oder hat die sich in ihrer Geschäftigkeit zersplittert. Wir wollen beileibe nicht ein Wort gegen jene Einrichtungen sagen, die an uns herantreten und unsere Unterstützung heischen und deren Gedeihen unzweifelhaft im Sinne, unseres Programms ist Aber die zionistischen Federationen und Organisationen sollten sich doch sagen, daß sie geschaffen sind einem einzigen bestimmten Zwecke zuliebe, zur Erreichung eines Ideals, dessen Realisierung vielleicht alle jene andern Sammlungen unnötig macht. Konzentration der Arbeit tut uns not Jeder von uns gebe, soweit er kann, und für jeden würdigen Zweck. Unsere agitatorische Kraft aber, unsere organisatorischen Mittel dürfen einzig und allein unserer Bewegung gehören. Deutsch-jüdische Studentenverbindungen (B) j^ne^"^^^" Heldentaten gewohnt. Mit Ausnahme der paar wackern zionistischen oder ausgesprochen nationaljüdischen Verbindungen erschöpfen sie größtenteils ihre Tätigkeit in einem blinden Nacheifern fremder Formen, in öder Assimilatiorishascheirei. Im Judentum und für das Judentum bedeuten sie wenig oder nichts. Nur hin und wieder hört die Öffentlichkeit von ihnen, wenn ihre nichtjüdischen Kommilitonen sie mit Liebenswürdigkeiten bedenken. Dann erleben wir gewöhnlich ein Beispiel des kläglichen Wedeins, das die eigenste Schöpfung der Assimilation ist und das, wie man uns vormachen will, dazu dienen soll, die Achtung vor den Juden zu erwecken. Ein Beispiel aus jüngsten Tagen. In Bonn besteht die Verbindung im K. C. „Rheno-Silesia", von der die nichtjüdischen Studenten nichts wissen wollen. Sie lassen sie in die Vertreterversammlung der Studentenschaft nicht zu. Die Juden befinden sich dabei in . guter Gesellschaft, unsere moderndeutschen „liberalen" Ketzerrichter haben auch die katholischen Verbindungen in diese Vertreterversammlung nicht hineingelassen. Gelegentlich wurden die Bedingungen statuiert unter denen die katholischen Verbindungen aufgenommen werden sollten. Sie sollten versichern, daß sie ihre Mitglieder nicht im Sinne einer bestimmten politischen Partei erzögen (in Deutschland nennt man so etwas „akademische Freiheit"). Die Katholiken waren zu stolz, sie verzichteten gegenüber dieser Ungebörigkehv Die „Rheno-Silesia" war hingegen der Ansicht daß hier eine passende Gelegenheit gegeben sei, gleichberechtigt zu werden. Sie reichte ein Gesuch ein, in dem es mit einer hübschen kleinen Denunziation der katholischen Verbindungen heißt: „Während die katholischen Verbindungen religiöse und konfessionelle Ziele erstreben und auch im politischen Leben ihre Mitglieder im Sinne einer bestimmten konfessionellen Partei erziehen, nehmen die K.C.-Verbindungen zu derartigen Fragen keine Stellung.- Die einzige Bedingung, deren Erfüllung "der