Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 29 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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sowie den Ausbau der zionistischen Weltorganisation, deren bedeutendster Faktor der Kongreß ist Redner berührte dann die Schöpfungen des Zionismus, die verschiedenen Gründungen in Palästina und die bedeutende Entwicklung des Landes in neuester Zeit. Warmer Beifall belohnte Dr. Pinkus, dessen Vortrag sehr anspricht und zu Herzen geht. Einen hohen Kunstgenuß bereitete dem Publikum Herr B. Seidmann mit seinem Klaviervortrag. Er spielte das Largo op. 10 und das Rondo in G von Beethoven und den Marche funebre von Chopin. Herr Alfred Gutter, gewesenes Mitglied des Essener Stadttheaters, brillierte mit einigen Vorträgen in vollendetster Weise. Er trug das Gedicht vor „Der Sturm" von Morris Rosenfeld, „Moses* und am Schluß „Die Träne". Am Schlüsse trug Herr Rabbinowitsch den „Stern Judas" und die „Hatikwah" vor, ebenfalls von dem dankbaren Publikum stark applaudiert. Zionistischer Studententag in Holland Wie überhaupt in den akademischen Kreisen Hollands von irgendwelchem Antisemitismus keine Rede ist, so spürt man davon auch im Studentenleben fast oder gar nichts. Die Lage der jüdischen Studenten in Holland ist daher ganz verschieden von derjenigen in den übrigen Ländern: die jüdischen Studenten sind Mitglieder der verschiedenen Studentenkorps, bekleiden dort ihre Ehrenämter so gut wie die anderen und genießen alle großen Vorteile, welche ein freier studentischer Verkehr für Haupt und Herz bietet. Von speziell jüdischen Verbindungen kann und darf also in Holland keine Rede sein. Selbstverständlich aber hat diese Gleichberechtigung wieder den großen Nachteil, daß die Assimilation nirgends so stark ist wie unter den jüdischen Studenten und daß in diesen Kreisen die zionistische Propaganda ihre ganz eigenen Mittel haben muß und nur von zionistischen Studenten geführt werden kann. Diese haben auch wirklich schon seit mehreren Jahren ihre Arbeit geleistet und mit gutem Resultat: mehr als20u/o der jüdischen Studenten sind Zionisten. Jetzt aber wurde die Notwendigkeit einer engeren Zusammenschließung bemerkbar, damit die Arbeit mehr systematisch geführt Werden könnte und die verschiedenen Akademiker, in einer Körperschaft, stärker als bisher vereint, auch für die allgemeine Propaganda nach außen das Ihrige tun sollten. Die zionistischen Studenten Hollands kamen daher auf Veranlassung des Fräulein cand. jur. J. Hoofien und der Herren docts. phil. D. Cohen und prop. techn. S. F. Loeb am 13. Juli in Haarlem zusammen. Die Versammlung war sehr gut besucht Herr S. F. Loeb aus Delft referierte über die neue Organisation; seinen Vorschlägen entsprechend wurde nach längerer Debatte beschlossen, aus den in den verschiedenen Universitätsstädten schon bestehenden zionistischen Vereinen einen zionistischen Studentenverein zu bilden, dessen Vorstand die Delegierten der fünf Universitäten sind. Dieser Vorstand wird wahrscheinlich ein zionistisches Studentenjahrbuch veröffentlichen; auch wird in jedem Jahre eine zionistische Studentenversammlung abgehalten werden. Weiter wird man feste Normen für die Propaganda festsetzen und diese mit aller Kraft zur Hand nehmen. In der Nachmittagssitzung referierte cand. jur. A. Kahn aus Amsterdam in einem überaus schönen Referate über den „Herzlzionismus". Seiner Rede folgten interessante Debatten, an welchen auch der Herr Rabbiner de Vries teilnahm. Am Ende der Versammlung wurde u. a. beschlossen, einen Ölbaum für die jüdische Gemeinde Haarlem zu pflanzen, welche ihre Räume für diesen Tag frei zur Verfügung gestellt hatte. Viele Teilnehmer vereinigten sich in Zandvort zu einem gemeinschaftlichen Mahle. Man schied erst spät, in einem jungen und ungemein großen Enthusiasmus, welcher die besten Hoffnungen gibt für eine tüchtige Arbeit der jungen zionistischen Generation Hollands. England . ' Bradford: Der Jahrzeitstag des sei. Dr. Herzl wurde in der hiesigen Synagoge durch einen Spezial-Goltesdienst gefeiert, bei dem unser Gesinnungsgenosse Herr Rabbiner Dr. Strauß ein besonderes Gebet vor Rezitierung des Kadisch vortrug. Vorletzten Sonntag hielt Herr Jacob Moser einen interessanten Vortrag über seine Palästinareise. Newport: Am 18. Juli fand hier eine große Versammlung statt' in der Herr N.S. Burstein über das Thema „Zionismus in England" sprach. Nach dem beifällig aufgenommenen Vortrag, in dem der Redner scharfe Kritik an der gegenwärtigen Leitung der englischen Federation übte, gelangte eine Resolution zur einstimmigen Annahme, die ausdrückt, daß sich die Versammlung mit den Ansichten. des Redners über die augenblicklich beklagenswerte Lage des Zionismus in England einig erklärt und wünscht, daß unverzüglich Schritte zwecks Regelung der Verhältnisse des englischen Zionismus geschehen sollen. ' Amerika Dem Halbjahresbericht des zionistischen Vereins „Hatechiah" in New York entnehmen wir, daß er in der letzten Zeit eine sehr eifrige Tätigkeit entfaltet hat Unter anderem würden Vorlesungen mit anschließenden Diskussionen über folgende Themata gehalten: .„Die Juden in der Türkei", von Rev. J. Seff, „Zionismus und seine Nachfolger", von J. Maltin, „Autoemanizipation" von Dr. Katzmann; „Messianische Bewegungen im Judentum" von Rev. J. Seff, „Die ästhetischen und ethischen Elemente im Zionismus" von Dr. Katzmänn, „Die ökonomischen und nationalen Faktoren im Zionismus" von Mr. Walitzky, „Erziehung der jüdischen Jugend" von E. L. Jaffel Auch wurden große Massenversammlungen und Feiern veranstaltet, von denen z.B. die Feier des Chamischa Osser B'schwat ein mehr als tausendköpfiges Publikum angezogen hatte. Auch die Makkabäerfeier war sehr stark besucht Auch die Flugschriftenpropagandä wurde eifrig betrieben. Ober zweitausend Exemplare der „Kopekenbibliothek" wurden verteilt, vierhundert Nummern des „Hapoel Hazoir" wurden verkauft, zahlreiche andere Propagandaliteratur wurde abgesetzt Der Fonds zur Herausgabe einer zionistischen Zeitung in jüdischer Sprache wurde vom Vereine energisch unterstützt Auch war die Hatechiah einer der ersten Vereine in Amerika, die die Sammlung für den Parteifonds in die. Hand genommen haben (Leider sind das nur sehr wenige. Anm." d. Red.). Nationalfondsbüchsen wurden in großen Mengen verteilt, auch für die ölbaumspende hat der Verein beträchtliche Summen aufgebracht Infolge der Agitation des Vereins wurden sechs seiner Mitglieder veranlaßt, die Woodbine Agricultural School zu besuchen, um naclrAbsolvierung des landwirtschaftlichen Studiums nach Palästina, zu ' gehen und dort Ackerbau zu betreiben. Diese Mitglieder organisierten auch den ersten zionistischen Verein an dieser Schule. Die Tiffereth Zion Society in Boston, die bisher ihrje Haupttätigkeit der Agitation für den Bezalel widmete, hat jüngst mit einem Kosten-r aufwand von über 400 Mark 5000 jüdische Flugblätter über den Nationalfonds verbreitet, die zu einem Cent das Stück verkauft wurden und guten Absatz fanden. In New York hat sich ein zionistischer Gesangverein gebildet der sein erstes Konzert anläßlich einer Herzlgedenkfeier zu geben beabsichtigt. In New York hat sich eine neue zionistische Vereinigung gebildet, die sich „Jewish League of New York" nennt und hauptsächlich aus Geschäftsleuten des Eastends besteht. Die Vereinigung bezweckt die Verbreitung des Zionismus wie auch die Vertretung der jüdischen Handelsinteressen. Auf der Jahresversammlung im Atlantic City wird eine neue Herzlbüste ausgestellt sein, ein Werk des:Bildhauers Ruthansky. Der Künstler, ein ehemaliges Mitglied der Kadimah in Wien, hat Herzl noch persönlich gekannt und hat seinerzeit bereits eine wohlgelungene Büste von Dr. Nordau geschaffen. Das anläßlich der Jahresversammlung in Atlantic City stattfindende Massmeeting wird von Mr. Samuel St raus, Eigentümer des „New York Globe",, geleitet werden. Bekanntlich hat das Bekenntnis des Herrn Straus zum Zionismus jüngst Anlaß zu der Nachricht gegeben, daß die reichen Juden Amerikas ihre Stellungnahme gegenüber dem Zionismus geändert und dessen tatkräftige Unterstützung beschlossen hätten. Sudafrika Auf der jüngsten Versammlung der Chovevi Zion Society in Bulawayo wurden £ 50 für den Parteifonds und andere zionistische Institutionen gespendet Australien Am 6. Juni fand in Sydney eine gut Besuchte Versammlung statt zum Zwecke der Gründung eines zionistischen Frauenvereins daselbst. Die Herren Percy J. Marks, D. Blaschki, A. Schackel, C. S. Browne und S. Pechter fungierten als Leiter der Versammlung, zu der auch viele Damen erschienen waren. In den Reden wurde u. a. Bezug genommen auf die günstigen Erfolge, die der zionistische Frauenverein in Melbourne aufzuweisen hat Die Versammlung beschloß die Gründung des Vereins, dessen Statuten-in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versammlung . beraten werden sollen. Zur Schriftführerin des vorbereitenden Komitees wurde Miß Blumenthal gewählt. Die Versammlung .nahm einen sehr enthusiastischen Verlauf, so daß man annehmen kann, daß der neue Frauenverein erfolgreich wirken wird.