Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 29 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Heinrich Pick diese VeFsammlang mit einer Begrüßung der Erschienenen, worauf derselbe die eingelaufenen Begrüßungsdepeschen und -Schreiben zur Verlesung brachte. Ebenso wurde auch ein Schreiben des abwesenden Obmannes, des Herrn Dr. Hugo Rappaport, zur Verlesung gebracht, der der Veranstaltung bestes Gelingen wünschte und dem Vereine anläßlich der Feier einen größeren Geldbetrag spendete. Hierauf hielt Herr Dr. Margulies die Gedächtnisrede, die dem Andenken Theodor Herzls gewidmet war und der ein enthusiastischer Applaus folgte.. Nachdem der Nationalfondskommissär Herr Hugo Natscheradez der Versammlung den Beschluß der Leitung, bei den Herzlfeiem Sammlungen für den Herzlwald zu veranstalten, mitgeteilt hatte, wurde mit einer solchen Sammlung die Feier geschlossen. Diese beiden Veranstaltungen waren die ersten des erst neugegründeten Vereins, welcher durch deren Gelingen der großen Idee neue Anhänger und Freunde gewonnen hat Als Resultat der Sammlungen wurde der Betrag für zehn Ölbäume abgeführt. _ Das Innerösterreichische Distriktskomitee erließ nachfolgenden Aufruf für die Schekelsammlung 1907/08 Gesinnungsgenossen! Schon naht das Schekeljahr seinem Ende und unser Distrikt hat seiner Pflicht der Schekelabfuhr noch nicht voll genügt Es geht aber keineswegs an, daß die bis, nun alljährlich festgestellte Steigerung der Schekelerträge ansbleibt oder gar in einen Rückfall umschlägt. Wir alle sind uns klar bewußt um was es sich hier handelt: 1. Die Zahlung des Schekels zu einer Dokumentierung unserer Stärke, zu einer Probe der Leistungsfähigkeit unserer Organisation zu gestalten. 2. .Nicht nur den Gesinnungsgenossen, sondern auch der jüdischen und nichtjüdischen Öffentlichkeit den Umfang, den Gehalt und die Bedeutung unserer Bewegung vor Augen zu führen. 3. Den finanziellen Apparat der Gesamtorganisation auf eine gesunde Grundlage zu stellen. Gesinnungsgenossen! Darüber, daß ihr eure Pflicht insoweit erfüllt daß ihr selbst den Schekel zahlt wollen wir kein Wort verlieren. Es ist das geringste Opfer, das von einem Zionisten verlangt wird. Viel schwerere Opfer aller Art werden die Zionisten noch bringen müssen, um ihr Ideal zur Wirklichkeit werden zu lassen. Aber nicht weniger wichtig als alle andern Leistungen ist die kleine Schekelzahlung: sie dokumentiert die Zugehörigkeit zur Organisarion, gibt das Wahlrecht zum Kongreß und bildet den Grundstock der Mittel für unsere Arbeit Wir rufen euch aber auf, die Erwartungen unserer Leitung auch in anderer Weise nicht zu enttäuschen und namentlich an Werbeeifer es nicht fehlen zu lassen. So viele Juden schauen mit Wohlwollen auf unsere Arbeit nehmen Anteil an unsern Erfolgen, können sich aber aus kleinlichen Gründen nicht aufraffen, sich uns anzuschließen. Andere wieder, welche mit unsern Zielen völlig einverstanden sind, haben noch keine Gelegenheit gehabt, ihre Gesinnung zu betätigen. Diese zahlreichen Freunde müssen gewonnen werden! An euch ist es, sie aus ihrer Lässigkeit aufzurütteln, ihnen begreiflich zu machen, daß sie alle kleinlichen Bedenken überwinden müssen, denn das jüdische Volk lebt in Kriegszeiten und kann keinen Mann entbehren! Der Feind steht nicht mehr vor den Toren. Er. ist allerorten auf unserer Verfolgung begriffen — da ist keine Zeit zum Schwanken und Zaudern, „Das jüdische Volk schläft" — so hieß es auf einem Kongreß — ihr seid berufen, es zu erwecken, es zu organisieren, ihm Weg und Ziel zu weisen. Aber es gibt auch eine große Anzahl von Stammesgenossen, die entweder noch gar keine oder eine falsche Vorstellung vom Zionismus haben. Da gilt es, unablässig aufzuklären, nicht zu ermatten in dieser mühevollen Arbeit Gesinnungsgenossen! Das jüdische Volk erwartet daß jeder seine Pflicht tut Jeder einzelne trägt eine große Verantwortung — nicht nur für das, was er tut, sondern noch mehr für das, was er unterläßt obzwar er es hätte tun können. Alle eure sonstigen Pflichten müssen jetzt zurückstehen — eure ganze Kraft habt ihr der Schekelagitation zu widmen. An die Arbeit! Mit Zionistengruß: . Das Innerösterreichische Distriktskomitee. Max Markus, Alexander Geller, Obmann.. Schriftführer. Zur Durchführung der in vorstehendem Aufruf angeordneten Schekelagitation erläßt das Distriktskomitee die nachstehende Instruktion für die Schekelsammlung. Vereine haben zunächst — soweit dies nicht schon geschehen st — von ihren Mitgliedern den Schekel unverzüglich einzukassieren und abzuführen. Ferner soll in jedem Vereine umgehend eine Vorstandssitzung stattfinden, um wegen einer umgehenden Schekelagitation Maßnahmen zu treffen. Das D. K. ist von diesen Sitzungen zu verständigen. Vor allem wird es sich darum handeln, die Vorstandsmitglieder und andere Vereinsmitglieder "zu einer persönlichen, regen Schekelagitation heranzuziehen. Schekelsammlung durch Einzelpersonen. Gesinnungsgenossen, welche Schekelagitation betreiben wollen, können die Blocks im Lokal des D. K., IX, Türkenstraße 9, Telephon 14199, jederzeit erhalten. Abführung der gesammelten Schekel. Die gesammelten Schekel können entweder direkt per Postanweisung an das Innerösterreichische Distriktskomitee, IX, Türkenstraße 9, gesandt werden, oder im Wege der vom Zionistischen Zentralverein über Anweisung des Distriktskomitees ausgegebenen Postsparkassen-Erlagscheine (mit Schekelvermerk). In jedem Falle ist an das D. K. gleichzeitig die Schekelliste, welche mit jedem Block ausgegeben wird, genau ausgefülllt zurückzusenden, so daß Name, Stand und Adresse jedes einzelnen Schekelzahlers ersichtlich ist Direkte Abführung einzelner Schekel. Jene Gesinnungsgenossen, welche keine Gelegenheit hatten, ihren Schekel durch Zahlung eines Vereinsbeitrages oder an Schekelsammler zu entrichten, werden besonders darauf aufmerksam, gemacht daß sie den Schekel (K 1.20) auch direkt per Postanweisung oder durch Postsparkassen-Erlagscheine (mit Schekelvermerk) abführen können. In diesem Falle ist Name, Stand und Adresse genau zu vermerken. Mit der Zahlung des Schekels bringt man zum Ausdruck, daß man das Baseler Programm anerkennt. Auf diese Form der Schekelabführung machen wir besonders auch die jüdischen Mädchen und Frauen aufmerksam, welche zum großen Teil die zionistische Idee begeistert aufgenommen haben, von denen aber trotzdem nur wenige sich organisieren. Es genügt aber durchaus nicht, daß bloß die männlichen Familienmitglieder den Schekel zahlen, auch Mädchen und Frauen müssen ihre Gesinnung selbständig betätigen, um so mehr, als in der zionistischen Bewegung Frauen und Männer gleiche Rechte (vor allem das aktive und passive Wahlrecht zum Kongreß) besitzen. Serbien Belgrad: Seit dem Monat März erscheint hier eine zionistische Wochenschrift in serbischer Sprache unter dem Namen „Jevrejski glasnik" (Jüdischer Bote). Herausgegeben wird dieses Blatt im Namen des Vereins „Zion" von Dr. Dav. Alkalay, Vizepräsident der sephard. Kultusgemeinde. Das Blatt ist im populären Tone gehalten und soll einem längst empfundenen Bedürfnis der serbisch sprechenden Spaniolen entsprechen. Anfangs hatten die Herausgeber viel unter den Angriffen jüdischer Assimilanten zu leiden, woraus sich auch die bescheidene Form und Inhalt der ersten Nummer erklären läßt. Die bisher erschienenen Nummern zeigen einen erfreulichen Fortschritt. Von der leitenden Presse der serbischen Residenz wurde der „Jevrejski glasnik" mit Sympathie aufgenommen. Sonntag den 5. Juli fand in der alten Synagoge auf Veranlassung des zionistischen Jugendvereins „Gideon" eine erhebende Trauerfeier (Hesped) für den verewigten Führer Dr. Th. Herzl statt Die Synagoge war von einer mehrhundertköpfigen Zuhörerschaft gefüllt Die Gebete und Trauergesänge exekutierten die Kantoren Testa und Freimann, begleitet vom vollzähligen Chor des „Serbisch-jüdischen Gesangvereins". Stud. iur. Leon Chaim hielt einen tiefempfundenen Nachruf in serbischer Sprache, der auf alle Zuhörer einen großen Eindruck machte. Für den Herzlwald wurde gesammelt Schweiz Zürich: Am Sonntag den 12. Juli beging die zionistische Ortsgruppe die Herzlfeier zum Andenken an den vierjährigen Todestag des bedeutendsten Juden der Neuzeit. Ein ziemlich zahlreiches Publikum ließ es sich trotz Preßfest und Feuerwerk nicht nehmen, dem Akte beizuwohnen. Eingeleitet wurde die sehr gelungene Feier durch zwei Violinsoli, Präludium von Corelli und Romanze von Beethoven, vorgetragen von Herrn Dan. Dorn, deren innige, feinfühlige Wiedergabe die richtige Stimmung schuf. Fräulein Elsa Winitzki trug in sehr ansprechender Weise zwei Gedichte vor: „Vor dem Bilde Theodor Herzls" von Gg. M. Färber und „Juda" von Morris Rosenfeld. Hierauf gab uns Herr Dr. Felix Pinkus in einem halbstündigem Vortrage die Festrede. Er schilderte in klaren Ausführungen den Obergang Herzls, des bedeutenden und anerkannten Schriftstellers, zum Zionismus, das Erscheinen des „Judenstaates"