Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 29 (24.7.1908)
- Date
- 1908-07-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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von .-allen Eindrücken mit einer .besonderen Genugtuung, von den angenehmen Erinnerungen, die er aus diesem Hause mitgenommen hat Der Empfang in diesem echtjüdischen Hause hat auf ihn einen überwältigenden Eindruck gemacht Wir müssen hoffen, — und ich glaube fest daran, — daß die Zeit nicht fern ist, wo es nicht mehr heißen wird: „Juden und zionistische Juden", — wo jeder. Jude Zionist sein, wo jeder Jude an seine Zionsehnsucht glauben wird. — Ich werde treu auf meinem Posten stehen und mir meiner Pflichten dem Volke gegenüber stets bewußt sein. Gort möge uns helfen, unser Ziel zu erreichen. Nach der Ansprache wurden viele der Anwesenden Herrn Wolffsohn vorgestellt der daraufhin die große Synagoge und Schtraschun'sche Bibliothek unter Jubel und Hedadrufen besuchte. Bankett zu Ehren des Herrn Wolffsohn und des Herrn Sokolow in Wilna Am Mittwoch den 15. d.M., um 10 Uhr abends, veranstalteten •die hiesigen Zionisten ein glänzendes Bankett zu Ehren der auswärtigen Gäste: des Präsidenten der zionistischen Organisation, HerrnDavid Wolffsohn, und des Generalsekretärs der Organisation, Herrn Nahum Sokolow. Das Bankett fand im großen Saale des „Grand Hotel" statt, der mit zionistischen Bildern und Emblemen in bunten Farben geschmückt war. Das Bild Herzls war mit lebenden Blumen umkränzt Der Saal war von Festteilnehmern überfüllt Warschau, Minsk, Kowno, Grodno, Lida, Smargon und noch viele andere Städte waren durch Deputationen vertreten. Es lief eine große Anzahl' von Begrüßungstelegrammen seitens vieler zionistischer .Vereine ein. - Herr B. Goldberg eröffnete das Meeting im Namen des Zentralkomitees der russischen Zionisten. Er teilte mit daß die Reise des Präsidenten nach Petersburg befriedigende Resultate erzielt hat und" von nachhaltiger Wirkung sein wird. In Rußland, führte Redner aus, sei es nicht erst notwendig, das nationale Bewußtsein in den Juden zu erwecken, da es niemals verloren gegangen ist Unsere Bewegung begegnet daher fast in allen Volksschichten der stärksten Sympathie. Leider ist uns die technische Möglichkeit einer eifrigen Arbeit genommen worden: Wir waren bisher nicht in dre Lage, die zionistischen Elemente in Rußland zu vereinigen und zu einem entsprechenden Machtfaktor zu gestalten. Herr Goldberg erinnert an die Rückkehr des Dr. Herzl aus Petersburg (bei Erwähnung dieses Namens erheben sich alle Anwesenden von ihren Sitzen). Das war vor fünf Jahren, nach dem Kischinewer Blutbad. Eine tiefe moralische Depression bemächtigte sich der russischen Judenheit. Das Erscheinen des zionistischen Führers in Rußland wurde daher damals wie ein wohltuendes Ereignis empfunden, das neues Leben in unsere Bewegung brachte. Ähnlich ist der geistige Aufschwung der russischen Juden in unseren Tagen. Nach den blutigen Revolutionskämpfen scheint nun die Ordnung hergestellt zu sein, aber die soziale Apathie und starre Gleichgültigkeit gegen jede ideale Bewegung hat große Dimensionen angenommen. Unter solchen Umständen war das Verbot der Versammlungen und Agitationen ein schwerer Schlag für unsere zionistische Arbeit Wenn man dies erwägt, wird man die Bedeutung der Reise unseres Präsidenten nicht unterschätzen. „Ein Gefesselter kann sich nicht selbst seiner Fesseln entledigen." Wir sind daher unserem Präsidenten herzlich dankbar, daß er uns Hilfe zur rechten Zeit brachte. In Dr. Herzl haben wir den großen Europäer verehrt, der zu uns zurückgekehrt ist In Herrn-Wolffsohn dürfen wir einen der Unsrigen erblicken: in unserer Mitte lebte er und wird hoffentlich im Geiste stets in unserer Mitte bleiben. Herr Dr. Bychowsky begrüßte den Präsidenten im Namen der Zionisten Polens und der Warschauer Gesinnungsgenossen insbesondere. Im' Namen der Zionisten von Grodno spricht Herr Strad, im Namen der Zionisten in Smargon Herr Ochimschilenitz, im Namen der Dwinsker Gesinnungsgenossen Herr Kolmensohn (hebräisch); Herr Kahn übermittelte die Wünsche der zionistischen Gruppe in Lida; einer der Gäste begrüßte den Präsidenten im Namen der Zionisten in Smargon. Herr Dr. Warschawsky überbrachte die Wünsche der Wilnaer Zionisten. Zwei Schülerinnen der Schule - „Jehudijah" überreichten dem Präsidenten ein prachtvolles Blumenbukett Eines von diesen Mädchen richtete folgende hebräische Ansprache an Herrn Wolffsohn: „Im Namen aller Kolleginnen, aller Schülerinnen der „Jehudija" möchte ich unserer Freude darüber Ausdruck gebeij, daß wir das Vergnügen hatten, den lieben Präsidenten in unserer Stadt zu empfangen. Zum Andenken überreichen wir Ihnen dieses Blumenbukett und wünschen Ihnen, daß es "~ Ihnen vergönnt sei, von uns in Palästina empfangen zu werden, wo wir Ihnen einen Kranz lebendiger Blumen aus unsern Feldern' einen Siegeskranz darbieten werden. Dort, hoffen wir, wird unsere Sprache, in der wir Sie begrüßen, aufleben und blühen, wie diese lebendigen Blumen." Im Namen der „Chowewe Sfaß Ewer" spricht (hebräisch) Herr Natik. Er begrüßte den bedeutenden Schriftsteller Herrn Sokolow, der seine ganzen Talente dem jüdischen Volke widmet Herr Rosenblatt aus Kiew begrüßt im Namen der ' „Vereinigung jüdischer Lehrer in Rußland" den Herrn Präsidenten und den Initiator des Beschlusses, daß als offizielle Kongreßsprache hebräisch eingeführt werden soll — Herrn Sokolow -- (die Anwesenden bereiten Herrn Sokolow eine begeisterte Ovation). Die Talmudjünger der Jeschiwah zu Lida waren durch Herrn Lewin vertreten, der den Präsidenten und Herrn Sokolow begrüßte. Herr Sokolow habe viel zur Entwicklung des literarischen Geschmacks und Hebung des nationalen Selbstbewußtseins unter den Talmudjüngern beigetragen. Die Talmudjünger befinden sich auch in einem Gärungsstadium und biWen einen großen Teil der begeisterten Jugend, die an der Renaissance unseres Volkes mitarbeitet' Herr Drujanow sprach im Namen der „Chowewe Zion". Es gibt, führte Redner aus, zwei Arten von Arbeiten, die bei einem Bau geleistet werden müssen: die wesentliche und nebensächliche Arbeit. Die letztere ist freilich ebenfalls wichtig und unvermeidlich, läßt jedoch bei manchen ein unbefriedigendes Gefühl zurück. Was unser Präsident jetzt in Rußland geleistet hat, ist von großer Tragweite, gehört aber doch zum Kreise der notwendigen nebensächlichen Arbeiten, die nur als Mittel ihren Zweck haben. Ich hatte auch Gelegenheit, unsern Präsidenten in Palästina zu sehen, wo er mit der wesentlichen Arbeit mit dem Zweck der Arbeit beschäftigt war. Ich erinnere mich noch lebhaft der erhabenen Gefühle und der arbeitsfreudigen Begeisterung, die in uns Herr Wolffsohn, der Präsident erweckte. Ich wünsche ihm im Namen der „Chowewe Zion", daß es gelingen möge, seine Kraft der uns noch bevorstehenden wesentlichen Arbeit — der Wiederaufstehung unseres Heimatlandes — widmen zu können. Rede des Herfn Wolffsohn: Liebe Brüder und Schwestern! Ich danke Ihnen allen, insbesondere den Mitgliedern des Zentralkomitees, die mir es möglich machten, heute in Ihrer Mitte zu weilen. Ich danke den Gästen, die von nah und fern kamen, um mit uns gemeinsam die Zeit, zu verbringen. Dank sage ich auch den jungen Damen, die mir Blumen überreichten. Nur wenn die Frauen hebräisch sprechen werden, wird das Hebräische unsere Muttersprache sein. Daher ist esfür mich eine besondere Freude, zu sehen, daß die Frauen unsere heilige Sprache lernen und sprechen. Ich danke allen, die zu dieser Feier gekommen sind, wenngleich wir noch keinen Grund zu einer Siegesfeier haben. Wir dürfen nicht den Wert unserer Arbeit unterschätzen, noch weniger dürfen wir ihn überschätzen. Man soll meiner Reise in Rußland nicht mehr Bedeutung beimessen, als ihr zukommt. Ich möchte Sie an ein Beispiel aus unserer Geschichte erinnern, an die Zeit, da wir noch in der ägyptischen Knechtschaft litten. Damals versagte man unseren Vorvätern das Stroh, das sie für die Ziegel brauchten, die zu brennen sie gezwungen waren. Überschätzen Sie die Erfolge der jüngsten Tage nicht. Ich habe nur erreicht daß man uns das Stroh wieder gibt, das man uns bisher verweigerte. Aber es ist ein Unterschied zwischen damals und heute. Damals brannten wir Ziegel für die Fremden, für die Zwingburgen Pithom und Ramses. Wir aber schaffen für unsere Stadt, für Zion. Wenn bisher ein Jude aus dem Auslande .nach Rußland kam, um etwas für seine Brüder zu tun, so waren die russischen Juden immer die Beschenkten, die Almosenempfänger, der ausländische Jude der Almosengeber, der Gönner. Anders ist es nun bei uns Zionisten. Ich bin nicht hierhergekommen, um Almosen zu geben oder Wohltaten auszuüben, sondern Ihnen die Arbeit zu erleichtern; ich bin kein Wohltäter, sondern der von Ihnen Bevollmächtigte und erfülle nur Ihren Willen. Im Zionismus kennen wir den Begriff „Wohltäter" nicht Wir arbeiten einer für alle, indem wir für unser Volk arbeiten, jeder arbeitet nach seinen Kräften, um eine gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erreichen, in dem Lande, worauf sich unsere Arbeit konzentrieren muß. Darum, dürfen wir unsere Kräfte nicht zersplittern, nachdem wir dieses große Werk begonnen haben, wir dürfen nicht heute hier und morgen dort arbeiten, wir müssen unsern Willen auf die Verwirklichung unseres einzigen Ideals richten. Es ist merkwürdig, daß wir noch immer betonen müssen, der Zionismus ist für Zion geschaffen. Wir wissen alle, wo Zion liegt, und im Baseler Programm heißt es ausdrücklich „Palästina". Wer keine Geduld hat wer nicht warten kann und mag, soll andere Wege gehen, und wir werden wahrlich froh sein, wenn diese etwas erzielen werden. Aber, meine Herren, das kann an unserm Programm