Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 28 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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•^W^^^^^^^^^^F^^^^^?^ No. 28 würde allerdings diese Frage vielleicht auch vor der gesamtzionistischen Organisation behandelt werden müssen. Es ist im Zusammenhang mit der hier erörterten Frage' mehrfach von «iner alljüdischen Organisation die Rede gewesen, auf die sämtliche jüdischen Organisationen zu vereinigen vielleicht mittels . dieser „Versöhnungspolitik" . möglich wäre. Kein Zweifel, daß eine solche jüdische Weltverbindung etwas sehr Erstrebenswertes darstellt In Brüssel haben es die Zionisten ja versucht Damals scheiterte der Plan an dem prinzipiellen Widerstand der andern, und es scheint, daß er auch heute nicht mehr Aussicht auf Verwirklichung hat Wenn wir dies behaupten, stützen wir uns dabei auf ein Vorkommnis aus den letzten Tagen, das in einem schneidenden Kontrast zu den Hoffnungen unserer Verwässerungspolitiker steht. Es verlautet daß in der jüngsten Zeit von Berlin aus beachtenswerte Versuche unternommen wurden, die die Schaffung einer alljüdischen Weltorganisation zum Zwecke hatten. Der Plan ging dahin, ein Komitee zu schaffen, das aus Delegierten aller größeren jüdischen Organisationen bestehen, und wenigstens einmal im Jahre zur Besprechung allgemeiner Fragen, z. B. solcher der Emigration und Kolonisation, zusammentreten sollte. In der verflossenen Woche kam dieser Plan in der Anglo Jewish Association zur Debatte, zugleich mit einem Gegenvorschlag, der von der Ica ausging und wesentlich anders lautete. Nach dem Plane der Ica, dem die Alliance Israelite Universelle bereits zugestimmt hatte, sollten in England, Frankreich, Österreich, Deutschland und Amerika von einer „repräsentativen" Korporation je zwei Delegierte gewählt werden, die in Fällen der Not zusammentreten und das Recht haben sollten, evtl. auch Delegierte anderer Körperschaften zu einer größeren Konferenz einzuladen. Als repräsentative Körperschaften gelten dabei die Alliance, die Anglo Jewish Association, das American Jewish Committee, die österreichische Allianz, die deutsche Konferenzgemeinschaft und der Hilfsverein, so daß Deutschland vier Delegierte entsenden würde. Dazu kämen dann noch zwei Vertreter der Ica, so daß das Komitee insgesamt aus vierzehn Personen bestände. Die amerikanischen Vertreter sollen in Europa wohnhaft sein. Man sieht sofort den grundlegenden Unterschied zwischen diesem Plane, der angeblich von Jakob Schiff angeregt wurde, und dem Berliner Vorschlag. Der letzte beabsichtigt, einen wirklichen „Verband der Verbände" auf einer gewissen demokratischen Grundlage zu bilden, in dem z. B. Rußland und Rumänien daher nicht nur Objekt sein würden. Der erste ist auf den sattsam bekannten Notabeincharakter zugeschnitten und würde u. a. die zionistische Organisation aus dem Komitee ausschließen. Dieser Vorschlag findet aber offenbar bei den Organisationen mehr Anklang als der Berliner. Die Ica," Amerika und \iie Alliance haben ihm bereits zugestimmt; auch die Anglo Jewish Association hat den Berliner Vorschlag abgelehnt und sich für den Pariser erklärt. Damit dürfte die Frage einer Gesamtorganisation 'der Juden für absehbare Zeit wieder als gescheitert zu betrachten sein, und es entfallen alle Kombinationen, die man an die angeblich vorhandene Neigung, mit den Zionisten zusammenzuarbeiten, geknüpft hat. 'Interessant ist auch der Kommentar, mit dem die „Jewish World", die bekanntlich der Ito nicht fernsteht, diesen Beschluß der Anglo Jewish Association begleitet. Sie heißt ihn freudig gut wie sie immer' der Schaffung eines ständigen Internationalen Jüdischen Komitees widerstrebt hat. „Ein solches Komitee müßte notwendigerweise einen politischen Charakter bekommen, und wir können nicht anders als .fühlen, daß es dem oft gegen die Juden erhobenen Vorwurf des Mangels an Patriotismus neue Nahrung - geben würde. Dieser Plan ist in Wahrheit ein direkterer und gefährlicherer Versuch der .Schaffung eines jüdischen Nationalismus, .als die extremsten und eifrigsten Zionisten jemals geträumt hättenj daß er unternommen würde." Nachdem die „Jewish World" dann : DIE^ELT ausgeführt hat, daß nichts gegen dieses Komitee sprechen würde, wenn es sich wirklich nur mit Fragen der Emigration und Kolonisation befassen würde, fährt sie fort: „Wir sehen aber schon im Geiste, wie das Komitee an Regierungen „im Namen der jüdischen Nation" herantritt, und wir sind nicht sicher, daß solche Vorstellungen auf Rußland und Rumänien beschränkt blieben; leicht kann man sich ausmalen, daß dieses internationale Komitee es für angemessen halten würde, auch der britischen und amerikanischen Regierung Vorstellungen wegen der Behandlung fremder Einwanderer zu machen und sich mit ähnlichen Sachen zu befassen, in denen es gebunden wäre, mehr Schlechtes zu tun als Gutes." Man muß diesen Kommentar, der zweifellos die Meinung der leitenden Männer der in Betracht kommenden Organisationen wiedergibt, gelesen haben, um zu begreifen, wie wenig die Hoffnungen derjenigen Zionisten den Tatsachen entsprechen, die von einer Annäherung der Zionisten eine „Organisation der Juden" erwarten, die, wie der betreffende Leitartikel — denn ein solcher ist es — im Zionistischen ABC-Buch ausführt, als einen ihrer drei Hauptzwecke die politische Vertretung der Juden zu übernehmen hätte. Solchen Hoffnungen fehlen offenbar auch jetzt noch alle Unterlagen. Die politische Lösung der Judenfrage ist immer noch eine Forderung, die die Zionisten allein und im Gegensatz zu den andern Organisationen verfechten. Es dient zu nichts, diese Tatsachen zu verschleiern. Wir mögen in vielfacher Hinsicht zusammengehen können, im Kerne sind wir verschieden. Hüten wir uns, daß wir der Schale wegen den Kern nicht aufgeben! J. B. Palästinarat und Palestine Land Development Company Die Fortsetzung der mitunter recht erbitterten Debatte der letzten Zeit in der Parteipresse, die durch die bekannten, gegen die Parteileitung und das Palästinaressort gerichteten scharfen Artikel im Hed Hasman und im Haschiloach inszeniert wurde, hat den Palästinarat veranlaßt, die seinerzeit von ihm formulierten, inzwischen aber durch die Aufklärungen des Herrn Dr. Ruppin widerlegten Ansichten über die Palestine Land Devel. Comp, jetzt noch zu publizieren. Das Hauptbedenken nämlich, daß der Palästinarat gegen die P. L. D. C. einzuwenden hatte, war gegen die Beteiligung des Nationalfonds an einem auf seine Zweckmäßigkeit noch nicht geprüften Kolonisationsversuch gerichtet Da aber jetzt beschlossen wurde, in der ersten Zeit nur eine kleinere Fläche in Kinereth, wie jetzt das Gut in Dalaika und Umel Djune genannt wird, zu bewirtschaften, soll auch zunächst der Kredit des Nationalfonds nicht in Anspruch genommen werden. Durch diese vorläufige Reduktion des Plans der P. L. D. C. wurde das wichtigste Bedenken des Palästinarats beseitigt, und demgegenüber beschloß auch der Palästinarat von einer Veröffentlichung seines Memorandums über die Gesellschaft abzusehen. Um nun jedoch der Preßfehde ein Ende zu machen und zugleich aufzuklären, worauf sich hauptsächlich die Ablehnung der Übernahme von Aktien der P. L. D. C. seitens des Odessaer Komitees begründete, hielt der Palästinarat es für richtig, sein früheres Gutachten mit der Erklärung des Herrn Dr. Ruppin zu veröffentlichen. Im Nachstehenden bringen wir demgemäß das uns zugegangene Schreiben des Palästinrats. An die löbl. Redaktion der „Welt"! Durch die Diskussionen, zu denen die Frage der P. L. D. C. in der Öffentlichkeit geführt hat hat sich auch der Palästinarat veranlaßt gesehen, über die Angelegenheit zu beraten. Wir bringen nachstehend sowohl das Memorandum zum Abdruck, das der Palästinarat über die Sache abgefaßt hatte, wie auch eine Erklärung des Vertreters des Palästiriaamts, Herrn Dr. Ruppin, die der Pälästinarat mit Befriedigung zur Kenntnis genpmmeni'hat Jaffa, Juni 1908. Bureau des Palästinarats. »I » 1 i i t!t ^ä^>£^^^ä^S>tiii^ä^x^^