Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 27 ' - —— DIE3 eines Braders König Karls V. von Frankreich. Diese 2weibändige Abschrift der „Antiquites etQuerres des Juifs" des Flavius Josephus, wurde sicherlich schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts hergestellt; beim Ableben des Herzogs von Berry im Jahre 1416 jäh unterbrochen, wurde ihre künstlerische Ausschmückung dann dem berühmtesten Maler jener Zeit, Jean Foucquet zur Fortführung und Vollendung übertragen. Seit dem 17. Jahrhundert war nur der erste Band als in der Pariser Nationalbibliothek befindlich bekannt; vom zweiten nahm man an, er existiere überhaupt nicht mehr. Erst im Jahre 1903 wurde ein Fragment des zweiten Bandes durch den reichen englischen Kunstsammler Yates Thompson in London wieder aufgefunden, und" bald darauf durch Q. F. Warner im Schlosse zu Windsor auch der noch fehlende Rest dieses zweiten Bandes; nur zwei Miniaturen sind völlig verschollen geblieben. Durch, die großherzigen Schenkungen des Mr. Yates Thompson und Sr. Majestät König Edwards VII. von England wurde damals die Wiedervereinigung der beiden, so lange Zeit getrennt gewesenen kostbaren Miniaturencodices in der Pariser Nationalbibliothek ermöglicht. Das Manuskript enthält im ganzen 25 Miniaturen, die mit Ausnahme der drei ersten und der zehn kleineren letzten von Jean Foucquet gemalt wurden. Hohes Interesse bietet die Vergleichung der 12 Foucquet-Miniaturen mit den noch aus dem Anfange des 15. Jahrhunderts stammenden drei ersten Textbildern. Die letzteren sind zwar in der szenischen Komposition trefflich erfunden und in der Figurengruppierung bereits ungemein lebendig bewegt, zeigen jedoch im einzelnen noch viele Unbeholfenheiten und gleichförmig wiederholte Konventionalismen. Welch ein Abgrund trennt diese Blätter von den nur ein halbes Jahrhundert jüngeren Miniaturen Jean Foucquets! Unbehindert schweift hier der Blick durch weit geöffnete Fenster hinaus in die lebendige Natur. Köstliche Architektur- und. Landschaftsbilder aus der heimatlichen Touraine, völler Luft und Licht und natürlicher Farbenpracht, hat Foucquet als Hintergrundgemälde für die darzustellenden historischen Szenen auf das Pergament gezaubert, und in den figürlichen Darstellungen selbst hat er uns zugleich auch ein getreues Abbild der Kultur und der Sitten seines Zeitalters hinterlassen. — Die Wahrheit war eingezogen in das Reich der Kunst, um es fortan nicht mehr zu verlassen. . Eine andere Ausgabe dieses Manuskriptes, noch köstlicher als das kleine Buch, von dem wir soeben gesprochen haben, kommt uns zu Händen, während wir diese Anzeige abfassen. Die Akademie "der Inschriften hat durch eine monumentale Publikation die glückliche Vereinigung der beiden Bände des Josephus in der Bibliotheque Nationale geehrt, und sie hat mit dieser Aufgabe einen der sichersten Kenner Frankreichs betraut, nämlich den Grafen Paul Durrieu, denselben Gelehrten, der uns schon die herrlichen Faksimileausgaben der „Heures de Turin" und der „Tres riches Heures du duc de Berry" geschenkt hat Dank seinen Kenntnissen und der trefflichen Leistung des Verlagshauses Plön ist das Denkmal, das die Akademie so errichtet hat, würdig ihrer selbst und des großen Namens des Jean Foucquet: 27 Tafeln in Heliogravüre geben aufs getreueste in Originalgröße alle Miniaturen des Manuskriptes wieder, woran sich Reproduktionen anderer vergleichsweise herbeigezogener Werke des Foucquet und seiner Zeit schließen. Durrieu fügt eine gewichtige Einleitung hinzu, in der er die Geschichte und Beschreibung des Manuskriptes mit subtilstem Studium gibt. Er scheidet drei Gruppen von Bildern: Die drei ersten - Blätter schreibt er dem Paul von Limburg zu, dann kommen zwölf Blätter von Foucquet, und die zehn letzten sind vielleicht dem Buchmaler Poyet zuzuweisen. Gestützt auf die Miniaturen der zweiten Gruppe gibt Durrieu uns eine ganz gedrängte Studie über Jean Foucquet, in der er das ganze, dem Meister mit mehr oder weniger Wahrscheinlichkeit zuzuschreibende Werk, an uns vorbeiziehen läßt. Das Resultat ist, daß nur verhältnismäßig wenige Stücke dem Meister mit Sicherheit zugewiesen werden können. Durrieus Arbeit ist jedenfalls die bedeutendste, die bisher dem Foucquet gewidmet worden ist; begleitet ist sie von einer ganz vollständigen Bibliographie über Foucquet. — Im ganzen also stellt sich diese Unternehmung als eine künstlerisch wie wissenschaftlich musterhafte Leistung dar. Die Ausgrabungen in Gezer In der „Frankfurter Zeitung" gibt Professor Dr. F. Lohr folgende anschauliche Schilderung über die jüngsten Ausgrabungen in Gezer: Der Hügel, an dem vor einigen Jahren, wie seinerzeit an dieser Stelle berichtet wurde, die Trümmer der Stadt Gezer von dem englischen Gelehrten Dr. Macalister entdeckt worden sind, liegt bei dem Dorfe Abu Shusheh, etwa eine Stunde Wagenfahrt südwestlich von Ramien. Wer also von Jaffa nach Jerusalem reist, kann diesen Abstecher von Raraleh aus bequem machen. Aber es lohnt sich auch, von- Jerusalem aus einen besonderen Ausflug dorthin zu unternehmen, für den l1/« Tag vollauf genügen. Man sieht bei Zelt - n dieser Gelegenheit etwas vom Lande an der guten, früher sogar von sechzehn Wachttürmen beschützten Straße und lernt auf jenem Hügel die Reste der Besiedlung kennen, die vom dritten Jahrtausend bis in die Zeit der Makkabäer (2. Jahrhundert v. Chr.) hinabreichen. Die Ausgrabungen werden im Auftrage des Palestine Exploration Fund ausgeführt und von dem Entdecker der Stadt selbst geleitet. Als ich kürzlich die Gelegenheit wahrnahm, das Arbeitsfeld zu besuchen, wurde gerade eine der Makkabäerzeit angehörende Zisterne freigelegt Sie hat glatte, zementierte Steinwände, ist von einer Mauer aus unregelmäßig behauenen Blöcken eingefaßt, und ein von zwei Mauerzügen begrenzter Weg, ähnlich einem mykenischen Dromos, führt zu ihr hin. Vor der Zisterne, etwas abwärts, kamen unter den Schlägen der Hauer Fundamente zum Vorschein, die nach Macalisters Schätzung während Salomos Herrschaft gebaut sind und demnach das ansehnliche Alter von 3000 Jahren haben. Die Wände, die auf diesen Hausmauern ruhten,' sind verschwunden. Sie bestanden gewiß nur aus Lehm oder aus kleinen, durch Erdmörtel gebundenen Steinen, ganz ähnlich den heutigen Wohnungen in den Dörfern dieser warmen Länder. Der eben genannte Salomo hatte zu Gezer besondere Beziehung. Die Stadt leistete zwar den unter Josua andrängenden Scharen erfolgreichen Widerstand, war aber von dem Pharao, dessen Tochter Salomo zu seinen vielen ausländischen Frauen zählte, erobert und seinem im nahen Jerusalem weilenden Kinde als Mitgift gegeben worden. Nicht gering war das Geschenk, denn der Stadthügel hat einen Umfang von rund 1500 m, ist also beinahe dreimal so groß als die Burg von Troja- Hissarlik, und da er aus der westlichen Ebene ziemlich steil, bis zu 90 m aufragt so hatte diese befestigte Höhe auch strategische Bedeutung, besonders in Kämpfen gegen die Philister. Etwas weiter südlich von den Hausmauern öffnet sich eine Höhle; in ihr hat nach den Funden an Geräten aus Feuerstein eine Ansiedlung um 3000 v. Chr. bestanden. Auf diese Höhlenbewohner folgten die gewöhnlich Kanaaniter genannten Semiten, die in einer gewaltigen Völkerwelle von Osten und Süden her Palästina überfluteten. Von ihnen ist in Gezer ein Festungsbrunnen angelegt worden, so unerreichbar für einen Feind, daß im Falle einer Belagerung die Besatzung stets mit Wasser versorgt war. Achtzig hohe Stufen führen in einem weiten, gewölbten Felsenschacht zur Tiefe. Gar manchmal werden die kanaanitischen Frauen — Arbeitstiere, wie heute das fellachische Weib — geseufzt haben, wenn sie an der Quelle unten das Wasser geschöpft hatten und es nun die schlüpfrigen Treppen hinauftragen mußten. Zur Erleichterung konnten sie wenigstens in die an der Felswand eingehauenen Löcher fassen und sich so vorwärts ziehen. Ihren Kult übten diese Kanaaniter in zwei Tempelbezirken aus, in denen Massöböth, aufrecht in einer Reihe stehende heilige Steine, aufgedeckt sind. In dem größeren Heiligtume befinden sich noch vier Steine an ihrem Platze und vom fünften ein Stumpf. Sie können kein Gebälk getragen haben, da ihre Höhe ungleich ist und sie für solchen Zweck viel zu schwach fundamentiert sind. Vielmehr wurden sie selbst als der Gottheit geweiht verehrt, wozu das alte Testament ja auch Parallelen bietet, und einer unter ihnen ist oben so glatt, daß man glauben möchte, er habe seine Rauheit durch das Küssen der Betenden verloren. An der Westecke des Bezirkes sind in einer Grube Scherben gefunden mit Knochen von Opfertieren. Dazwischen lag auch der Schädel eines kleinen Mädchens: Es sind hier ebenso wie bei anderen semitischen Stämmen Kinder der Gottheit hingegeben worden. Der ganze Berg ist von einer Mauer umgeben, und auch an dieser Umwallung läßt sich die Entwicklung der Anlage verfolgen. Die Höhlenbewohner haben sich nur wenig geschützt. Sie bauten zwei parallele Mauern und füllten den Zwischenraum mit Bruchsteinen aus. Die erobernden Kanaaniter mußten sich aber besser decken. Ihre Mauer ist aus polygonalen Blöcken gefügt, doch erst nach und nach zu solcher Festigkeit ausgebaut worden. Drei Schichten sind in ihr zu unterscheiden. In der obersten ist ein Skarabäus aus der Zeit Amenhoteps III. gefunden worden, so daß ihr Bau um 1450 anzusetzen sein wird. Rechnet man auf jede der beiden anderen Schichten rund 500 Jahre, wie man das "jetzt z. B. auch bei der Bemessung der trojanischen Bauperioden tat, so fällt der Beginn des Mauerbaues in die Mitte des dritten Jahrtausends. Aus den Trümmern dieser inneren Mauer ist in der Makkabäerzeit um 120 v. Chr. eine äußere eilig aufgeführt. Aber die syrischen Heere haben trotzdem den Platz besetzt und, wie eine griechische Inschrift meldet, den Palast des Makkabäerfürsten Simon verflucht. Die Fundstelle der Inschrift im nordöstlichen Teile der Stadt bezeichnet also den Platz der späteren Zeit, und dazu stimmt es gut, daß in der nächsten Umgebung eine ganze Menge Hausmauern der Makkabäerperiode zutage gefördert sind. Unter den Einzelfunden erregen besonderes Interesse vergoldete