Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 12 (1908)
- Issue
- 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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bekannten Zahlen und Ergebnisse zusammen und kommt nach einer sehr eingehenden und günstigen Besprechung der Lage und der Aussichten der jüdischen Kolonien zu dem Schlüsse, daß Palästina in nächster Zukunft einen großen Aufschwung erleben und in absehbarer Zeit für den Welthandel von der größten Bedeutung •werden dürfte. Bei dem hohen Ansehen, das der „Economist" genießt, sind solche Äußerungen doppelt bemerkenswert und erfreulich. Jüdische Literatur in England (Originalbericht) Vom jüdischen Standpunkte aus muß die literarische Betätigung in England nach zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden: Die Produktion jüdischer Literatur und. das Studium dieser Literatur. Mit der Produktion werde ich mich ein andermal befassen. Heute möchte ich etwas über das Studium der Literatur sagen, im" Anschluß an die jährliche Konferenz des Verbandes jüdischer Literaturvereine, die jüngst in London startgefunden hat. Dieser Verband (Union of Jewish Literary Societies) bestand im Jahre 1902, da er gegründet wurde, aus 28 Vereinen in verschiedenen Teilen des Landes. Heute umfaßt er 46, einschließlich dreier in den Kolonien (Südafrika und Australien). Die Tätigkeit dieser Vereine ist nicht gleichartig und gleichwertig, manche sind infolge mangelnder Unterstützung eingegangen, an anderen Plätzen sind neue gegründet worden. Der Vorstand unterstützt die schwachen Vereine und arrangiert Vorträge. Außerdem gibt er ein „Jüdisch-literarisches Jahrbuch" heraus, das Abhandlungen und Vorträge über Gegenstände von jüdischem Interesse enthält. Dieses Jahr enthält das Jahrbuch einen Aufsatz über „Die Assuan Papyri" von Herbert Loewe, M. A. (ein Sohn des Herrn James Loewe, ehemaliger Sekretär des Jewish Colonial Trust), eine Abhandlung über „Die Gemara" von H. Sperling und fünf Aufsätze- (über Maimonides Hillel, die Makkabäer), die infolge eines von Claude G. Montefiore erlassenen Preisausschreibens geschrieben wurden. Im verflossenen Jahre arrangierte der Verband u. a. eine öffentliche Versammlung für Morris Rosenfeld, eine Versammlung, bei der M. Israel Cohen einen Bericht über den Haager Kongreß gab usw. Außerdem hat der Verband im Eastend Kurse für das Studium des Hebräischen nach der Ibrith B'Ibrith Methode eingerichtet. Die Jahresversammlung war von über 100 Mitgliedern aus allen Teilen Englands besucht und faßte zwei bedeutsame Beschlüsse: 1. Eine hebräische Jugendbibliothek zu gründen und 2. Eine Serie von Vorträgen über jüdische Literatur einzurichten, die in allen Vereinen gehalten und Ende des Jahres veröffentlicht werden sollen. (Man sieht, daß die jüdischen Literaturvereine in England der nationalen Strömung bedeutend mehr Rechnung tragen als die deutschen, die sich allerdings zu einem großen Teile in hoffnungsloser Stagnation befinden. Anm. d. Red.) Juden in der englischen Armee Der Chiefrabbi Adler macht infolge eines Vorschlages, ein eigenes jüdisches Detachement in der Territorialarmee zu bilden, darauf aufmerksam, daß die Juden in allen Waffengattungen des englischen Heeres bereits stark vertreten sind. Herr Adler sagt: Es ist durchaus unwahr, daß die Juden in miltärischer Beziehung gleichgültig seien. Meine Berichte über das Jahr 1907 . ergaben, daß sich in der Flotte und in der regulären Armee nicht weniger als 60 jüdische Offiziere, und in der Yeomanry und den Volunteers mehr als 100 Offiziere und über 800. Mann jüdischen Glaubens befanden. Die Juden stellen einen weit höheren Prozentsatz zu der Armee, als die übrige Bevölkerung. An dem südafrikanischen Kriege nahmen nicht weniger als 3000 jüdische Soldaten in der regulären Armee und in den Hilfstruppen teil. In der Zentralsynagoge wurde ein Denkmal enthüllt für 116 jüdische Soldaten, die im Kriege , ums Leben kamen. Der Vorschlag, ein Londoner jüdisches Regiment zu bilden, wird bei uns auf heftigsten Widerstand stoßen, weil wir ernstlich wünschen, in andere Regimenter aufgenommen zu werden, und nicht als ein abgesondertes Regiment zu dienen. Der englische Jude ist außerordentlich bestrebt, die Privilegien und die Pflichten des Reiches zu teilen, dessen Bürger zu sein er stolz ist. Jüdische Kriminalität in New York Im Verlaufe der Bestrebungen auf Erschwerung der Einwanderung nach Amerika wurde neuerdings auch öfters die Behauptung aufgestellt, die Einwanderer aus Rußland usw. stellten ein hohes Kontingent zu den Verbrechern. Infolgedessen wurde von sachverständiger und unparteiischer Seite die amerikanische Statistik über die Verbrecher auf den Anteil der Juden daran nachgeprüft, und hierbei wurden für New York, den Haupteinwanderungshafen und das größte jüdische Zentrum Amerikas und der ganzen Welt, für das Jahr 1907 folgende Ergebnisse festgestellt: Die Totalzahl der gegen Juden erhobenen Anklagen betrug im Jahre 1907 666. Verglichen mit der Gesamtzahl der jüdischen Bevölkerung New Yorks, die vom American Jewish Committee am 31. Dezember 1907 auf 750000 geschätzt wurde, befand sich also unter 1000 Juden nicht ganz eine Person, die unter Anklage gestellt wurde (genau 0,0888 °,'o). Die Totalziffer der in demselben Zeitraum angeklagten Nichtjuden betrug 3907. Die Totalbevölkerung der Stadt New York belief sich nach der Statistik des-Gesundheitsamts am 31. Dezember 1907 auf 2687800 Personen; nach Abgang der Juden verblieben also 1937800 Nichtjuden. Es entfielen also mehr als zwei Angeklagte auf je 1000 Nichtjuden. Diese Zahlen können schon als Beweis dafür angesehen werden, daß die Kriminalität der Juden New Yorks nicht halb so groß ist, wie die der Nichtjuden. Natürlich ist eine Anklage noch nicht gleichbedeutend mit einem vollführten Verbrechen. Nun wurden im ganzen 450 Juden und 2380 Nichtjuden verurteilt, oder in Prozenten ausgedrückt, 0,0613 °/o der jüdischen und--0.1233 % der nichtjüdischen Bevölkerung, das heißt auch zu den Verurteilten stellten die Juden relativ nicht einmal die Hälfte der von den Nichtjuden gestellten. Die von Juden begangenen Verbrechen waren durchweg leichterer Natur, was deutlich aus dem Strafvollzug hervorgeht: 153 oder nur 0,02 % der gesamten jüdischen Bevölkerung, d. h. einer, auf 5000 Juden, wurde zu Zuchthaus oder Gefängnis verurteilt Bei der nichtjüdischen Bevölkerung lauten diese Zahlen folgendermaßen: 991, d. i. 0,05 % oder einer auf 2000. Der Prozentsatz der Vorbestraften ist unter den jüdischen Verbrechern etwas geringer als unter den nichtjüdischen. Interessant ist, daß mehr als die Hälfte der verurteilten Juden unter 20 Jahren alt war. Nun ist es eine Tatsache, daß die Eingewanderten das größere Kontingent zu den Leuten über 20 Jahre stellen, während sich unter den Minderjährigen natürlich ein größerer Prozentsatz bereits in Amerika Geborener befindet Der Prozentsatz der Verbrecher ist unter den Eingewanderten geringer als unter denjenigen, die in den Straßen . New Yorks aufgewachsen sind. Immerhin ist die Zahl der bestraften Minderjährigen unter den Juden prozentual immer noch geringer als unter den Nichtjuden. Es wurden verurteilt: Juden Nichtjuden Minderiährige 0,0345 0,0400 % Erwachsene 0,0268 0,0831 % Diese Statistik beweist einmal wieder die längst bekannte Tat-, sache, daß der Jude überall einen erheblich geringem Prozentsatz zu den Verbrechern stellt als der Nichtjude, dann aber auch, daß das einwandernde jüdische Element in Amerika sich als ein moralisch besonders starkes erweist und in dieser Hinsicht wohl dem eingeborenen Juden, ganz besonders aber dem eingeborenen Nichtjuden gegenüber überlegen ist Auch die Vereinigten Staaten haben also gar keine Ursache, die Türe zuzumachen. Eine Prachtausgabe des Josephus Der Turiner Bibliothekbrand vom Jahre 1904, bei dem mit anderen Bücherschätzen auch die „Beiles Heures" des Duc de Berry mit ihrem kostbaren Miniaturenschmucke von der Hand der Gebrüder Van Eyck dem gefräßigen Elemente zum Opfer fallen mußten, veranlaßte bekanntlich den Lütticher Bibliothekarkongreß vom Jahre 1905 zu einer Resolution,, in der es für wünschenswert erklärt wurde, daß die wertvollsten alten Miniaturencodices photomechanisch vervielfältigt würden, damit, falls Katastrophen, wie jene von Turin sich wiederholen sollten, der Welt wenigstens möglichst getreue Reproduktionen solcher der Vernichtung preisgegebenen Kunstschätze erhalten blieben. Dieser dankenswerten Anregung ist nun von Seiten der Oberleitung der Pariser Nationalbibliothek unter dem werktätigen Beistande des durch die Vorzüglichkeit seines phototypischen Reproduktionsverfahrens rühmlich bekannten Kunstverlages der Gebrüder Berthaud in Paris alsbald Folge gegeben worden, indem man sich ohne Zögern zur Herausgabe von Faksimilepublikationen der berühmtesten Miniaturencodices der - französischen Staatsbibliothek anschickte (Psalter Ludwigs des Heiligen, Heures d'Anne de Bretagne, usw.). Jetzt sind etwa 10 Bände dieses Publikationswerkes zu billigen Preisen erschienen, jeder Einzelband versehen mit trefflichen historisch-kritischen Begleitnotizen aus der Feder H. Omonts, des Konservators der Manuskriptabteilung der ' Pariser Nationalbibliothek. Auch den beiden neuesten Bänden dieser Sammlung, dem „Album de Villard de Honnecourt" und den „Antiquites jtrives de Josephe" dürfte das lebhafteste Interesse der Kunstkenner und Kunstliebhaber nicht versagt bleiben. Um seiner hohen künstlerischen Schönheit willen verdient das bweite dieser neu publizierten Manuskripte der Pariser National* zibliothek die Beachtung des Künstliebhabers. Es gehörte dereinst zur wundervollen Bibliothek des Jean de France, Herzogs vonBerry-,