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Die Welt · 1908-07-10 · 27 (10.7.1908) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
12 (1908)
Issue
27 (10.7.1908)
Date
1908-07-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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zu polemisieren, gelüstet uns keineswegs. Wer wird denn so naiv sein, zu glauben, daß der verehrte Herr Abgeordnete und Mitglied des Polenklubs aus wissenschaftlichen und volkshygienischen Gründen für die Verteurung des „aristokratischen Genußmittels", des Zuckers stimmt! Übrigens die Theorie ist köstlich und vorzüglich verwendbar. Wir sehen schon voraus, wie Abg. Dr. Gold die Notwendigkeit begründen ,wird, den Branntwein zu verteuern, dieses giftige Luxus- und Genußmittel, — es ist nämlich eine Branntweinsteuervörlage eingebracht. — und um die Verbote der Einfuhr von Vieh und billigem Heisch, dieser nur für Sabbat reservierten GenußmitteJ, zu rechtfertigen, ist Dr. Gold imstande, Vegetarier zu werden. Das Wahlprogramm der republikanischen Partei und die Passfrage in Amerika Einen bemerkenswerten Erfolg hat das American Jewish Committee bei der Nomination des Präsidentschaftskandidaten und der Aufstellung des republikanischen Wahlprogramms davongetragen. Bekanntlich hat es in Amerika Entrüstung hervorgerufen, daß gegenüber amerikanischen Juden bei einer Reise nach Rußland seitens der russischen Behörden_ die beschämenden Bestimmungen in Anwendung gebracht werden, die die russische Regierung für ausländische Juden erlassen hat Das American Jewish Committee hat es nun durch Vermittlung seiner Delegierten beim republikanischen Parteitag durchgesetzt, daß eine Bestimmung in die Plattform aufgenommen wurde, die die zukünftige Regierung verpflichtet, dafür einzutreten, daß amerikanische Bürger außerhalb Amerikas überall gleichmäßige Rechte genießen und daß irgendwelche Unterschiede dabei nicht gemacht werden dürfen. Auch verlautet, daß der Präsident des American Jewish Committee mit dem Präsidenten der Republik in Unterhandlung stehe, um eine Änderung des Vertrages mit Rußland zu erreichen, derzufolge die den Juden gegenüber in Anwendnng gebrachten Schikanen ausgeschlossen sein sollen. Anderseits beklagen die jüdischen Zeitungen Amerikas bitter die Untätigkeit der jüdischen Delegierten in Chikago, die es nicht der Mühe wert gehalten hätten, die Frage der Behandlung jüdischer amerikanischer Bürger in Rußland offen zur Sprache zu bringen. Auch, die Einwanderungsfrage kam vor den Nationalkonvent der Republikaner. Außer einer Delegation der Polen, Franzosen, Italiener und Böhmen erschien auch eine jüdische Abordnung unter Führung des Herrn Liebling von der „Jewish Daily Press" vor dem Konvent und verlangte die Aufnahme einer Resolution in das Wahlprogramm, die die unbehinderte Zulassung der Einwanderung verlangt. Indessen wurde diese Frage vom Konvent gar nicht berührt Ein Appell an die Königin von Rumänien In Amersfoort (Holland) hat ein Komitee von Frauen verschiedener Religionsbekenntnisse eine Adresse an die Königin von Rumänien gerichtet, in der diese um eine gerechtere Behandlung der rumänischen Juden ersucht wird. Eine Nossig-Ausstellung in London In den Dore Galleries in London ist augenblicklich eine interessante Ausstellung von Werken Dr. Nossigs zu sehen. Die Sammlung enthält lediglich Porträtmedaillons und Totenmasken von der Hand des Künstlers. So ist u. a. die Totenmaske der ermordeten Kaiserin Elisabeth von Österreich ausgestellt Sehr gerühmt wird in den englischen Zeitungen auch das Medaillon mit Porträt Paderewskis. Vollendung der Hedschasbahn. Ober den Stand der Mekkabahn wird aus Könstantinopel gemeldet: Nach einer amtlichen Mitteilung wird der Bau der Mekkabahn, da die Schienenlegung in einem Monat bis Medina fertig ist, bald vollendet sein. Die Einweihung der Bahn findet daher sicher am 1. September, dem Tage der Thronbesteigung des Sultans, statt Die Mitteilung besagt weiters, dieses Ereignis erfülle das Herz des Kalifen mit großer Freude, der Gott danke, daß er ihm einen so großen Erfolg gegönnt habe. Der„Ikdam" sagt in seinem Leitartikel, diese Kunde werde in der ganzen islamitischen Welt mit großer Dankbarkeit aufgenommen. Der Sultan ist darüber hoch erfreut, weil dieser große und heilige Erfolg bisher keinem islamitischen Herrscher, keinem Kalifen gegönnt war. Eine neue Orient-Handelsgesellschaft. .' In Warschau hat sich eine neue Kommanditgesellschaft unter ' der Firma „Societe Orient" gegründet, deren Zweck die Ausfuhr von.. Waren aus Rußland, nach dem Orient und umgekehrt ist. Die Gesellschaft hat in Jaffa eine Niederlage. NOTIZEN Was hat die lea erreicht? Unter dieser Überschrift macht der „Jewish Chronicle" folgende Bemerkungen zu dem in unserer jüngsten Nummer veröffentlichten vorläufigen Jahresbericht der Ica: „Die Frage, die sich viele Juden beim Lesen dieses Berichts vorlegen werden, lautet: Was hat er zu bedeuten? Was ist seine tatsächliche Bedeutung für die Arbeit unseres immer leidenden Volkes? Herr Leven (der Vorsitzende der Ica) sagt uns, daß die Ica neue Territorien für Zwecke der Kolonisation sucht. Sie hat jüngst mehrere Bezirke des Ostens durch ihren landwirtschaftlichen Inspektor untersuchen lassen. Aber wenn sie wirklich mehr Kolonien in diesen neuen Gebieten errichtet und die zerstreuten Kräfte der Rasse wieder aufgerichtet hat wieviel weniger drückend wird dann das jüdische Leiden und wieviel weiter wird dann das alte Problem einer Lösung zugeführt sein? Wenn man das Werk der Ica betrachtet, kann man als sein bezeichnendstes Resultat den von ihr erbrachten Beweis ansehen, daß der Jude auf und von dem Lande leben kann. Die Ica hat gefunden, daß der Jude für die Landwirtschaft Eigenschaften mitbringt, die dem widerwilligsten Boden Erfolg abzwingen, — Verstand, Eifer, Ausdauer. „Jetzt sind sie gute Ackerbauer," sagt Herr Leven. „Es hat genügt ihm den Boden und die Gerätschäften zu geben, um ihn in den Stand zu setzen, Erfolg zu haben." Der Jude aus der russischen Stadt ist nicht über Nacht ein Ackerbauer geworden. Die Umwandlung hat ein viertel Jahrhundert in Anspruch genommen. Aber sie ist geschehen, und ihre Existenz ist wert, demonstriert zu werden. Die Jewish Colonisation Association hat noch mehr getan. Herr Leven wurde in Erstaunen versetzt durch das, was er den Geist der Solidarität nennt, der „unter den Kolonisten herrscht, und die Leichtigkeit, mit der sie ihre Gemeindeangelegenheiten regeln; überall haben sie Genossenschaften gebildet, die die Grundlagen einer autonomen Verwaltung bilden, der Selbstverwaltung, die zu erzielen wir bestrebt sind." So ist das, was die Ica nunmehr bewiesen hat, erstens das, daß die Landwirtschaft — die wahre Grundlage nationalen Lebens — nicht eine dem jüdischen Charakter fremde Beschäftigung ist; und zweitens, daß die jüdischen Kolonisten selbst die Grundlage einer autonomen Verwaltung geschaffen haben. Man füge diesen Dingen die kaufmännischen Fähigkeiten zu, deren Besitz man dem Juden noch nie abgestritten hat und den Geist des Patriotismus, der Argentinier in Jüdisch-Nationale verwandelt hat, und wir haben unsern Augen alle die wesentlichen Elemente einer nationalen Existenz bloßgelegt Die Eignung des modernen Juden für ein nationales Leben war nicht das, was sich die Jewish Colonisation Association vorgenommen hatte, zu beweisen. Aber, wie mancher vor ihr, hat die Ica damit geendigt, Besseres zu schaffen, als sie selbst wußte." Wir haben diesem Kommentar eines — wohlgemerkt nichtzionistischen — Blattes unserseits kein Wort hinzuzufügen. Die jüdische Auswanderung aus Rußland Die Auswanderung aus den südwestlichen Provinzen des Ansiedlungsrayons hält beständig an und drückt sich deutlich in der Abnahme der jüdischen Bevölkerungsziffer aus. InUman wuchs die Anzahl der Juden im Jahre 1903 um 941, 1904 um 878, 1905 um 735 und 1906 nur mehr um 725. In Kowno betrug der jüdische Bevölkerungszuwachs 1903 : 699, 1904:666, 1905 : 588 und 1906:586. Ähnliche Zahlen ergeben sich an den anderen Plätzen. In Wolhynien hat die Anzahl der Juden nach den Ermittlungen der Statistischen Kommission nicht nur relativ, sondern absolut abgenommen. Die Abnahme datiert seit 1903, bis dahin war die •jüdische Seelenzahl regelmäßig gewachsen. Dagegen nahm sie im Gouvernement Wolhynien in den drei Jahren 1903—06 um 25000 ab. Dabei muß man berücksichtigen, daß durch die Auswanderung nicht etwa die ökonomische Lage der Zurückbleibenden gebessert wird; denn es wandern nur die kräftigen Elemente aus, und die Zurückbleibenden sind meist physisch und materiell degeneriert. Die führende englische Finanzzeitschrift über Palästina Der jüngst in diesen Blättern wiedergegebene Bericht des;f englischen Konsuls in Palästina gibt dem führenden englischen ' Fihanzorgan, dem ...Economist", Anlaß zu einem bemerkenswerten Artikel über die Zukunft Palästinas. Der Artikel stellt die uns

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